Donnerstag, 4. Juli 2019

Abraham - ein Vorausbild Christi

Opfer Isaaks, Jesus trägt das Kreuz, Kathedrale von Tours



Im römischen Kanon haben wir nach der Konsekration das Gebet „supra quae", das einige „Vorausbilder" Christi, seines Priestertums und seines Opfers erwähnt: Abel, den ersten Märtyrer, mit seinem Lamm; Abraham, der von der Intention her seinen Sohn Isaak opfert, der durch das von Gott geschenkte Lamm ersetzt wird; und Melchisedek, Hoherpriester des höchsten Gottes, der Brot und Wein bringt. 
Das bedeutet, dass Christus die absolute Neuheit Gottes sowie gleichzeitig in der ganzen Geschichte gegenwärtig ist, durch die ganze Geschichte hindurch, und dass die Geschichte auf Christus zugeht. Und nicht nur die Geschichte des erwählten Volkes, das die wahre von Gott gewollte Vorbereitung darstellt und in der sich das Geheimnis Christi offenbart, sondern auch vom Heidentum her wird das Geheimnis Christi vorbereitet, gibt es Wege zu Christus, der alles in sich trägt.

(Benedikt XVI., Ansprache zum Beginn der Fastenzeit vor dem Klerus, 22.2.2010) 




So bringen wir aus den Gaben, die du uns geschenkt hast, dir, dem erhabenen Gott, die reine, heilige und makellose Opfergabe dar:
das Brot des Lebens und den Kelch des ewigen Heiles.
Blicke versöhnt darauf nieder und nimm sie an wie einst die Gaben deines gerechten Dieners Abel, wie das Opfer unseres Vaters Abraham, wie die heilige Gabe, das reine Opfer deines Hohenpriesters Melchisedech.
Wir bitten dich, allmächtiger Gott:
Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit; und wenn wir durch unsere Teilnahme am Altar den heiligen Leib und das Blut deines Sohnes empfangen, erfülle uns mit aller Gnade und allem Segen des Himmels. 
(aus dem 1. Hochgebet, auf das im Lektionar bei der Lesung hingewiesen wird!)





Lesung aus dem Buch Genesis 22
In jenen Tagen
1stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.
2Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija, und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar.
3Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Opfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte.
4Als Abraham am dritten Tag aufblickte, sah er den Ort von weitem.
5Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich will mit dem Knaben hingehen und anbeten; dann kommen wir zu euch zurück.
6Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander.
7Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater! Er antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer?
8Abraham entgegnete: Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter.
9Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz.
10Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
11Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.
12Jener sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.
13Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
14Abraham nannte jenen Ort Jahwe-Jire - Der Herr sieht -, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg lässt sich der Herr sehen.
15Der Engel des Herrn rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu
16und sprach: Ich habe bei mir geschworen - Spruch des Herrn: Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast,
17will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen.
18Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.
19Darauf kehrte Abraham zu seinen Jungknechten zurück. Sie machten sich auf und gingen miteinander nach Beerscheba. Abraham blieb in Beerscheba wohnen.

(Lesung von Donnerstag der 13. Woche im Jahreskreis)



Christus mit seinen Vorausbilder im AT, Kathedrale von Tours

Am Grab des hl. Ulrich von Augsburg


 
Dank sei Gott für Friedenszeiten,
Dank für Mut und Maß im Streiten,
Dank für seine Gegenwart!
Dank sei ihm für Weggefährten,
die sich in Gefahr bewährten,
Helfer von Sankt Ulrichs Art.

Ulrich, machtvoll und bewundert,
führte durch ein Halbjahrhundert
seine Schar in Glück und Leid,
half mit Mauerwehr und Türmen,
kämpfend, betend in den Stürmen
einer aufgewühlten Zeit.

Knechte lehrte er und Herren,
Gott und sein Gebot zu ehren
und auf Christi Kreuz zu schaun.
Karg und einfach war sein Leben,
aber grenzenlos im Geben
und gesammelt im Vertraun.

Bischof Ulrich, fromm und tätig,
groß im Werk, im Glauben stetig,
hilf uns heute wehrhaft sein!
Wenn sich äußere Gefahren
mit der Nacht der Seelen paaren,
pflanz uns Gottes Liebe ein.© Peter Gerloff


Heute gedenkt die Kirche der hl. Elisabeth von Portugal

und des hl. Ulrich von Augsburg
(Pfarrkirche Ebenfurt, Vita;
Lebensführung des Klerus - und warum hat der hl. Ulrich einen Fisch als Attribut)



Grablege des hl. Ulrich von Augsburg, Augsburg

Grab des Ulrich von Augsburg in St. Ulrich und Afra, Augsburg

Mittwoch, 3. Juli 2019

Jesus heilte durch den Anblick der Male die Wunde seines Unglaubens


Thomas und der Auferstandene, Saint Gatien, Tours



HL. Gregor der Große (+ 604)
Aus einer Homilie zu den Evangelien .
Mein Herr und mein Gott
„Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen als Jesus kam.“1 Dieser eine Jünger fehlte. Als er zurückkehrte, hörte er, was geschehen war, wollte das Gehörte aber nicht glauben. Da kam Jesus noch einmal und ließ den ungläubigen Jünger die Seite berühren, zeigte ihm die Hände und heilte durch den Anblick der Male die Wunde seines Unglaubens. Liebe Brüder, was fällt euch dabei auf? Haltet ihr es für einen Zufall, dass dieser erwählte Jünger damals nicht dabei war, dann aber kam und hörte, hörte und zweifelte, zweifelte und betastete, betastete und glaubte? 

Das geschah nicht durch Zufall, sondern durch Fügung Gottes. Denn seine Milde bewirkte in wunderbarer Weise, dass dieser zweifelnde Jünger in uns die Wunden des Unglaubens heilte, als er die Wunden am Leib des Meisters berührte. Mehr nützt uns der Unglaube des Thomas zum Glauben als der Glaube der glaubenden Jünger. Denn indem Thomas durch das Betasten zum Glauben zurückgeführt wird, lässt unser Geist jeden Zweifel fallen und wird im Glauben gefestigt. So wurde jener Jünger zweifelnd und bestastend Zeuge der wirklichen Auferstehung. Er betastete und rief. 
„Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du.“2 Aber Paulus sagte doch: „Glauben aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“3, sicherlich deswegen, weil der Glaube eine Überzeugung von Wirklichkeiten ist, die nicht sichtbar sein können. Was wir sehen, das glauben wir nicht, sondern das kennen wir. Thomas sieht und berührt. Warum wird dann von ihm gesagt: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du“? Nun, was er sah, war etwas anderes als das, was er glaubte. Der sterbliche Mensch konnte Gott nicht sehen. Er sah den Menschen, aber er bekannte Gott: „Mein Herr und mein Gott!“ Im Sehen glaubte er; als er den wirklichen Menschen sah, bekannte er in seinem Ausruf den Gott, den er nicht sehen konnte.
Große Freude schafft, was nun folgt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“4 In diesem Ausspruch sind ohne Zweifel zunächst wir gemeint, die wir Gott nicht gesehen haben, aber im Herzen bewahren. Wir sind in dem Sinn gemeint, dass unserem Glauben die Taten folgen sollen. Denn der glaubt im Vollsinn, der in der Tat ausübt, was er glaubt. Paulus aber sagt von denen, die den Glauben nur mit dem Mund bekennen: „Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn.“5 Darum schreibt Jakobus: „Der Glaube ohne Werke ist nutzlos.“6
(1) Joh 20,24. (2) Joh 20,23.24. (3) Hebr 11,1. (4) Joh 20,29. (5) Tit 1,16. (6) Jak 2,20.



Thomas will die Wunden des Herrn berühren
(WadowiceNotre Dame de Paris, Domingo de Silos, Jesus College - Cambridge, Kunsthistorisches Museum-Wien)

ganz links: Thomas und Stephanusfenster, Kathedrale von Tours

Dienstag, 2. Juli 2019

Heimsuchung Mariens

Verkündigung, Verlobung Josef und Maria, Heimsuchung



Während wir heute die Heimsuchung Mariens betrachten, werden wir angeregt, gerade über diesen Mut des Glaubens nachzudenken. Diejenige, die Elisabet in ihrem Haus empfängt, ist die Jungfrau, die der Verkündigung des Engels »geglaubt hat« und im Glauben geantwortet hat. So hat sie mutig den Plan Gottes für ihr Leben angenommen und damit das ewige Wort des Höchsten in sich aufgenommen. Wie mein seliger Vorgänger in der Enzyklika Redemptoris Mater hervorgehoben hat, hat Maria ihr fiat im Glauben gesprochen, »sie hat sich ohne Vorbehalte Gott überantwortet und ›gab sich als Magd des Herrn ganz der Person und dem Werk ihres Sohnes hin‹« (Nr. 13; vgl. II. Vat. Konzil, Dogmat. Konstitution Lumen gentium, 56). Deshalb ruft Elisabet bei ihrem Gruß aus: »Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (Lk 1,45). Maria hat wirklich geglaubt, daß »für Gott nichts unmöglich ist« (V. 37), und gestützt auf dieses Vertrauen hat sie sich vom Heiligen Geist führen lassen im täglichen Gehorsam gegenüber seinen Plänen.

Wie sollten wir für unser eigenes Leben nicht dieselbe vertrauensvolle Hingabe wünschen? Wie könnten wir uns jener Seligkeit verwehren, die aus einer so innerlichen und tiefen Vertrautheit mit Jesus erwächst? Deshalb wollen wir uns heute an diejenige wenden, die »voll der Gnade« ist, und sie bitten, von der göttlichen Vorsehung auch für uns zu erlangen, daß wir jeden Tag unser »Ja« zu den Plänen Gottes sagen – mit demselben demütigen und aufrichtigen Glauben, mit dem sie ihr »Ja« gesprochen hat. Sie, die sich Gott vorbehaltlos überlassen hat, als sie das Wort Gottes in sich aufnahm, möge uns zu einer immer großherzigeren und bedingungsloseren Antwort auf seine Pläne führen, auch wenn wir gerufen sind, das Kreuz zu umarmen.

(Benedikt XVI., 31. Mai 2011)



Heimsuchung (Chartres, Veitsdom in Prag, Geburtskirche des Johannes des Täufers, Kathedrale von Leon, Dom St. Peter in Regensburg, Franziskanerkirche in Güssing, rumän. orthodoxe Kirche in Knittelfeld, Opfenbach im Allgäu)



S. Maria Maggiore, Triest