Donnerstag, 14. Mai 2015

Christi Himmelfahrt


Christi Himmelfahrt, Rosenkranzaltar in d. Turiner Dominikanerkirche

In seiner Abschiedsrede an die Jünger hob Jesus besonders die Bedeutung seiner „Heimkehr zum Vater“ hervor, der Krönung seiner ganzen Sendung. Denn er ist in die Welt gekommen, um den Menschen zu Gott zurückzuführen, und zwar nicht auf einer geistigen Ebene – als Philosoph oder Weisheitslehrer –, sondern in Wirklichkeit, als Hirte, der die Schafe in ihren Stall zurückbringen will.

Diesen „Auszug“ (Exodus) zur himmlischen Heimat, den Jesus persönlich erlebte, hat er in allem für uns auf sich genommen: Für uns ist er vom Himmel herabgestiegen, und für uns fuhr er zu ihm auf, nachdem er dem Menschen in allem gleich geworden war, erniedrigt bis zum Tod am Kreuz, und nachdem er den Abgrund der größten Gottesferne berührt hatte.
Gerade aus diesem Grund hat Gott an ihm Gefallen gefunden und „ihn über alle erhöht“ (Phil 2,9) und ihm so die Fülle seiner Herrlichkeit zurückerstattet, jetzt aber in unserer menschlichen Natur. Gott im Menschen, der Mensch in Gott: Das ist nun keine theoretische, sondern eine wirkliche Wahrheit.

Deshalb ist die christliche Hoffnung, die ihren Grund in Christus hat, keine Illusion, sondern wir haben, wie der Brief an die Hebräer sagt, „in ihr… einen sicheren und festen Anker der Seele“ (Heb 6,19), einen Anker, der in den Himmel eindringt, wohin Christus uns vorangegangen ist.

(aus der Ansprache von Papst Benedikt XVI. zum Regina Caeli, 5. Mai 2008)

Hoffnung-ein sicherer Anker der Seele, Kanzel, Basilika Pöllau

Allmächtiger, ewiger Gott,
erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit,
denn in der Himmelfahrt deines Sohnes
hast du den Menschen erhöht.
 
Schenke uns das feste Vertrauen,
dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind,
in die Christus uns vorausgegangen ist,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
(Tagesgebet)

Mittwoch, 13. Mai 2015

13. Mai 1917 - 1. Erscheinung der Muttergottes in Fatima


Marienstatue in der Erscheinungskapelle, Fatima

Etwa drei Kilometer außerhalb von Fatima befindet sich ein Landstück, die Cova da Iria, das Lucias Eltern gehörte. Sein Name bedeutet "Mulde der Irene", benannt nach der portugiesischen heiligen Irene oder Iria. Es war ein natürliches Amphitheater von vielleicht 500 Metern im Durchmesser, eine Mulde, von Hängen umgeben. Hierher trieb Lucia ihre Herde, zusammen mit der Herde von Jacinta und Franciska, an jenem 13. Mai 1917, dem Sonntag vor Christi Himmelfahrt, nachdem die Kinder, wie jeden Sonntag, die heilige Messe in der Dorfkirche besucht haben. Sie hatten keine Eile, schlenderten über die steinigen Felspfade, ließen die Schafe schon am Wegrand grasen, und so stand die Sonne bereits hoch am Himmel, als sie ihr Ziel erreichten. Als die Mittagsglocken im Dorf läuteten, packten sie, ohne Zeit zu verlieren, ihre Vesperpakete aus, die am Sonntag immer einen ganz besonderen Leckerbissen enthielten, machten das Kreuzzeichen, beteten das "Vaterunser" und begannen zu essen. Als sie damit fertig waren, trieben sie die Schafe den Hang höher hinauf zu einem frischen Futterplatz, um "Häuserbauen" zu spielen. Francisco war der Architekt und Maurer, die Mädchen seine Gehilfinnen.

Ein grell aufleuchtendes Licht, einem Blitz ähnlich, unterbrach ganz plötzlich ihr Spiel. Zog ein Gewitter auf, mussten sie sich unverzüglich auf den Heimweg machen. Doch am stahlblauen Himmel war kein Wölkchen zu sehen. Kein Lüftchen bewegte sich, strahlendes Sonnenlicht flimmerte in der klaren, sauberen Luft. Lucia traute dem Frieden nicht. "Gehen wir lieber nach Hause. Es hat geblitzt, es könnte ein Gewitter geben." Wie immer waren die anderen bereit, ihr zu folgen. Doch kaum wollten sie aufbrechen, blitzte ein zweiter Lichtstrahl auf. Instinktiv machten die Kinder ein paar Schritte nach vorn, dann blickten sie alle wie automatisch nach rechts. Was sie dann sahen, verschlug ihnen den Atem.

"Über einer Steineiche schwebte eine Dame, ganz in Weiß gekleidet, strahlender als die Sonne", erklärte Lucia später, "Sie verbreitete ein noch helleres Licht als die hellsten Sonnenstrahlen, die durch ein mit Wasser gefülltes Kristallglas scheinen. Überrascht durch diese Erscheinung, blieben wir stehen. Wir standen so nahe, dass wir innerhalb des Lichtes blieben, welches sie umgab oder das sie ausstrahlte.  Der Abstand betrug etwa anderthalb Meter." Die wundersame Frau schien 15 bis 18 Jahre alt zu sein. Sie war nur 1,20 Meter groß und hatte schwarze Augen. Ihr Kleid war weiß wie Schnee, am Hals mit einer goldenen Schnur geschlossen und bis zu den Füßen reichend, die die Blätter der Steineche kaum berührten. Ein weißer, goldumsäumter Mantel umhüllte den Kopf und die ganze Gestalt. Von den Händen, die sie vor der Brust gefaltet hielt, hing ein Rosenkranz aus weiß leuchtenden Perlen mit einem kleinen, silbernen Kreuz herab. Um den Hals trug sie eine Kette, an der, in Höhe ihrer Taile, eine strahlende Kugel hing. Ein heller LIchtschein umstrahlte ihr Antlitz, doch ihre reinen, unendlich zarten Züge schienen von Traurigkeit überschattet.

"Hab keine Angst, ich tue euch nichts zuleide", sprach sie mit einer sanften Stimme, die Lucia tief in ihrem Innersten vernahm.
"Woher kommst du?", fragte das Hirtenmädchen.
"Ich komme vom Himmel."
"Und was willst du hier in der Welt?"
"Ich bin gekommen, euch zu bitten, daß ihr in den folgenden sechs Monaten, jeweils am Dreizehnten, zur selben Stunde hierher kommt. Dann werde ich euch sagen, wer ich bin und was ich will. Ich werde danach noch ein siebtes Mal hierher zurückkehren."
"Komme ich auch in den Himmel?"
"Jawohl!"
"Und Jacinta?"
"Auch!"
"Und Francisco?"
"Auch, aber er muss noch viele Rosenkränze beten."
Lucia fragte in kindlicher Einfalt noch nach dem Schicksal zweier verstorbener Mädchen aus dem Dorf: "Ist Maria das Neves schon im Himmel?"
"Jawohl."
"Und Amelia?"
"Sie bleibt bis zum Ende der Welt im Fegefeuer."
Lucias Augen füllten sich mit Tränen, die langsam ihre Wangen herunterrollten.
"Kannst du mir sagen, ob der Krieg noch lange dauern oder bald zu Ende sein wird?"
"Das kann ich dir noch nicht sagen, ebenso wenig wie ich dir jetzt schon sagen kann, was ich wünsche."
Lucia schluckte betroffen.

"Wollt ihr euch Gott anbieten, um alle Leiden zu ertragen, die Er euch schicken wird, zur Sühne für alle Sünden, durch die Er beleidigt wird und als Bitte um die Bekehrung der Sünder?", fragte die strahlend leuchtende Frau.
"Ja, wir wollen das!", antwortete Lucia stellvertretend für die beiden anderen Kinder.
"Ihr werdet also viel leiden müssen, aber die Gnade Gottes wird eure Stärke sein."

Mit diesen Worten öffnete sie zum ersten Mal die Hände. Ein starkes Licht, noch heller als das, das sie umgab, ging von ihnen aus, drang in die Brust und ins tiefste Innere der Kinder ein - "und wir erkannten uns selber in Gott, der dieses Licht war, viel klarer, als wir uns im besten Spiegel sehen konnten", schrieb Lucia später. Instinktiv fielen die drei Kinder auf die Knie, begannen inbrünstig zu beten: "O heiligste Dreifaltigkeit, ich bete dich an. Mein Gott, mein Gott, ich liebe dich im heiligsten Sakrament."

Lucia und Jacinta streuen bei d. Fronleichnamsprozession Blumen
Rosenkranzbasilika, Fatima


"Betet täglich den Rosenkranz, um den Frieden der Welt und das Ende des Krieges zu erlangen", forderte die Lichtgestalt sie noch auf, um sich anschließend langsam zu erheben und in östlicher Richtung aufzusteigen, bis sie in der Unendlichkeit der Ferne entschwand. "Das Licht, das sie umgab, schien einen Weg durch die Himmelswölbung zu öffnen", meinte Lucia.
(aus: M. Hesemann, Das Fatima-Geheimnis, 34ff)

Turmkreuz mit Krone, Rosenkranzbasilika, Fatima

Sonntag, 10. Mai 2015

6. Sonntag der Osterzeit





In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!
Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.
Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.
Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf: Liebt einander!


Die Auferstehung, Sant´ Anastasia, Verona

Samstag, 9. Mai 2015

Maria, lehre uns lieben

San Carlo, Turin


Wir befinden uns in der Osterzeit, der Zeit der Verherrlichung Jesu. Das Evangelium, das wir soeben gehört haben, erinnert uns daran, daß sich diese Verherrlichung durch die Passion verwirklicht hat. Im österlichen Geheimnis sind Passion und Verherrlichung eng miteinander verbunden, sie bilden eine untrennbare Einheit. Jesus sagt: »Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht« (Joh 13,31), und er spricht so, als Judas aus dem Abendmahlssaal hinausgeht, um den Plan seines Verrates auszuführen, der zum Tode des Meisters führen wird: Genau in diesem Augenblick beginnt die Verherrlichung Jesu. Der Evangelist Johannes gibt uns dies eindeutig zu verstehen: er sagt nämlich nicht, daß Jesus nur nach seiner Passion durch die Auferstehung verherrlicht worden ist, sondern er zeigt, daß seine Verherrlichung bereits mit der Passion begonnen hat. In ihr offenbart Jesus seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit der Liebe, die sich selbst ganz hinschenkt. Er hat den Vater geliebt und daher seinen Willen in einer vollkommenen Hingabe bis zum äußersten erfüllt; er hat die Menschheit geliebt und so sein Leben für uns hingegeben. So wird er bereits in seiner Passion verherrlicht, und Gott wird in ihm verherrlicht.
Doch die Passion – als äußerster und tiefster Ausdruck seiner Liebe – ist nur ein Anfang. Deshalb sagt Jesus, daß seine Verherrlichung auch eine künftige Verherrlichung sein wird (vgl. V. 32). In dem Augenblick, in dem er seinen Weggang von dieser Welt ankündigt (vgl. V. 33), gibt der Herr den Jüngern gleichsam als Vermächtnis ein Gebot, um auf neue Weise seine Gegenwart unter ihnen fortzusetzen: »Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben« (V. 34). Wenn wir einander lieben, so ist Jesus weiterhin mitten unter uns gegenwärtig, so wird er weiterhin in der Welt verherrlicht.

Jesus spricht von einem »neuen Gebot«. Worin aber besteht dessen Neuheit? Bereits im Alten Testament hatte Gott das Gebot der Liebe gegeben; nun aber wird dieses Gebot von neuem gegeben, wobei Jesus etwas sehr Wichtiges hinzufügt: »Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.« Das Neue besteht gerade in diesem »Lieben, wie Jesus geliebt hat«. All unserem Lieben geht seine Liebe voraus und es bezieht sich auf diese Liebe, es fügt sich in diese Liebe ein, es wird gerade durch diese Liebe wirklich. Das Alte Testament gab uns kein Vorbild der Liebe, sondern es formulierte nur das Gebot zu lieben. Jesus hingegen hat sich selbst als Vorbild und Quell der Liebe gegeben. Es handelt sich um eine grenzenlose, universale Liebe, die auch alle negativen Umstände und alle Hindernisse in Gelegenheiten zu verwandeln vermag, um in der Liebe fortzuschreiten. Und wir sehen in den Heiligen dieser Stadt die Verwirklichung dieser Liebe, wobei stets der Quell der Liebe Jesu deren Ausgangspunkt war.

In den vergangenen Jahrhunderten hat die Kirche von Turin eine reiche Tradition der Heiligkeit und des großherzigen Dienstes an den Brüdern und Schwestern erfahren – wie der Kardinalerzbischof und der Bürgermeister in Erinnerung gerufen haben –, und dies dank des Wirkens eifriger Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen des aktiven und kontemplativen Lebens sowie von Laiengläubigen. Die Worte Jesu nehmen daher für diese Kirche Turins, die, angefangen bei ihren Priestern, eine großherzige und aktive Kirche, einen besonderen Klang an. Indem Jesus uns das neue Gebot gibt, bittet er uns, seine Liebe und aus seiner Liebe zu leben, die ein glaubhaftes, beredtes und wirksames Zeichen ist, um der Welt das Kommen des Reiches Gottes zu verkündigen. Natürlich sind wir, wenn wir uns allein auf unsere eigenen Kräfte verlassen, schwach und begrenzt. In uns regt sich da immer ein Widerstand gegen die Liebe, und in unserem Leben gibt es viele Schwierigkeiten, die Trennungen, Groll und Verbitterung hervorrufen.

Doch der Herr hat uns versprochen, in unserem Leben gegenwärtig zu sein, uns zu dieser großherzigen und vollkommenen Liebe zu befähigen, die alle Hindernisse zu überwinden vermag, auch jene, die in unseren eigenen Herzen sind. Wenn wir mit Christus vereint sind, können wir wirklich auf diese Weise lieben. Die anderen zu lieben, wie Jesus uns geliebt hat, ist nur durch jene Kraft möglich, die uns in der Beziehung mit ihm entgegentritt, besonders in der Eucharistie, in der wirklich Liebesopfer gegenwärtig wird, das wiederum Liebe hervorbringt. Sie ist die wahre Neuheit in der Welt und der Kraftquell einer anhaltenden Verherrlichung Gottes, der im Fortbestand der Liebe Jesu in unserer Liebe verherrlicht wird.

(aus der Predigt von Papst Benedikt XVI. vom 2. Mai 2010 in Turin)


Montag, 4. Mai 2015

Ein Ausflug zur Stiftsbasilika St. Florian (2) - Das Martyrium des hl. Florian

Die Gewölbefresken in der Stiftsbasilika St. Florian zeigen Leiden, Sterben und Verherrlichung des hl. Florian.

Stiftsbasilika St. Florian, Oberösterreich

Florian wird mit Knüppeln geschlagen
Florian wird mit Eisenkrallen die Brust aufgerissen

Während der Regierungszeit der Kaiser Diokletian und Maximian wurde wieder eine Christenverfolgung angeordnet. ...
In jenen Tagen kam der Befehl der gotteslästerlichen Fürsten nun auch in die Provinz Ufernorikum.
Statthalter war Aquilinus. Er begab sich in das Lager Lauriacum und begann sogleich energisch, die Christen aufzuspüren. Vierzig dieser Heiligen wurden aufgegriffen, lang dauernden Folterqualen ausgesetzt und in den Kerker geworfen.


Ich muss zum Statthalter nach Lauriacum gehen
Der ehemalige Kanzleivorstand des Statthalters, der heilige Florian, kam freudig den Gläubigen zu Hilfe. Als er nämlich in seinem Wohnort bei der Stadt Cetium (St. Pölten) von den Ereignissen in Lorch gehört hatte, sagte er zu den Seinen: „Ich muss zum Statthalter nach Lauriacum gehen und dort viele Martern für den Namen Christi auf mich nehmen.“ Dann verabschiedete er sich von den Seinen und machte sich auf den Weg.
Als Florian in die Nähe von Lauriacum gekommen war, betrat er die Brücke, die dort über den Fluss führt. Da begegnete er ehemaligen Militärkameraden, die auf Befehl des Statthalters unterwegs waren. Als er sie fragte, was sie vorhätten, antworteten sie ihm: „Hast du nicht von den Erlässen der Kaiser gehört, die an den Statthalter gelangt sind und die befehlen, dass alle Leute den Göttern Opfer darbringen müssen. Wer das nicht tun will, soll durch verschiedene Quälereien umkommen.“


Was sucht ihr noch nach anderen?
Als der heilige Florian dies hörte, sagte er: „Brüder und Kameraden, was sucht ihr noch nach anderen? Auch ich bin ein Christ. Geht zum Statthalter und meldet ihm, dass ich Christ bin und dass ich hier bin.“
Die Soldaten nahmen ihn fest und führten ihn zum Statthalter. Dabei sagten sie: „Warum sollen wir nach anderen Christen suchen, wenn sich unser Kanzleivorstand Florian als Christ bekennt?“
Der Statthalter sagte: „Florian, was erzählt man da von dir? Komm, opfere den Göttern, wie dies ich und deine Kameraden tun und du wirst mit uns am Leben bleiben und nicht wie die Verächter der Götter nach den Befehlen der Kaiser bestraft“. Der heilige Florian gab zur Antwort: „Das werde ich nicht tun. Du aber handle nach deiner Vorschrift.“


Herr, gib mir Kraft durchzuhalten
Da wurde der Statthalter zornig und befahl, Gewalt gegen Florian anzuwenden, damit er, wenn auch widerwillig, den Göttern opfere. Der heilige Florian aber erhob seine Stimme zum Herrn und sprach: „Herr, mein Gott, auf dich habe ich gehofft und dich kann ich nicht verleugnen, sondern dir diene ich und dir bringe ich das Lobopfer dar. Deine Rechte beschütze mich, denn dein Name wird gepriesen im Himmel und auf der Erde. Herr, gib mir Kraft durchzuhalten und nimm mich unter deine heiligen Streiter auf, die schon vor mir deinen heiligen Namen bekannt haben. Bekleide mich, Herr, mit dem glänzenden Gewand deiner Macht und stärke mich in deinem heiligen Geist. Lass nicht zu, dass ich vom Teufel überwältigt werde, sondern sei mir Führer auf dem Weg deiner machtvollen Gerechtigkeit, dass ich dich preisen und dir ein Loblied singen kann. Du bist gepriesen in Ewigkeit. Amen.“

Wahngebilde bete ich nicht an
Als aber der Statthalter Aquilinus dies hörte, verhöhnte er ihn und sprach: „Was redest du da für törichtes Zeug und verspottest die Befehle der Herrscher? Opfere den Göttern!“
Der heilige Florian erwiderte: „Als ich noch irdischen Kriegsdienst versah, habe ich schon im Geheimen meinen Gott verehrt. Schon dort konnte der Teufel von mir nicht Besitz ergreifen. Du hast zwar Gewalt über meinen Körper, aber meine Seele kannst du nicht anrühren. Herr über sie ist nur Gott. Bis heute habe ich den Befehlen der Richter Folge geleistet. Ich habe gehorcht, wie es sich für einen Soldaten gehört. Zu einem Opfer an die Dämonen aber kann mich niemand überreden. Das hilft ihnen ohnedies nichts. Wahngebilde bete ich nicht an.“
Da geriet der Statthalter in Wut und befahl ihn mit Prügeln zu schlagen. Der heilige Florian aber sagte: „Tobe nur, soweit du Macht über meinen Körper hast. Das habe ich dir schon zugestanden. Wenn du aber wissen willst, dass ich deine Folter nicht fürchte, so zünde einen Scheiterhaufen an und im Namen meines Gottes steige ich hinauf.“ Die Soldaten aber begannen ihn wieder zu schlagen. ... Der heilige Florian aber sang mit froher Miene Loblieder so, als ob er sich in einem Zustand von Freude und großer Fröhlichkeit befände. Da befahl der Statthalter, mit spitzen Eisen seine Schulterblätter zu brechen. Daraufhin lobte der heilige Florian Gott noch mehr und bekannte, dass er immer Christ sein werde.


Herr Jesus Christus, nimm meine Seele entgegen
Der Statthalter geriet völlig außer Fassung, fühlte sich in allen Punkten besiegt und sprach über Florian das Todesurteil. Er befahl, ihn zum Ennsfluss zu führen und dort von der Brücke hinabzustürzen. Es war der 4. Mai. Nachdem der heilige Florian den Urteilsspruch vernommen hatte, ging er voll Freude zum ewigen Leben, das der Herr denen verheißen hat, die ihn lieben. Mit heiterer Miene schritt er dahin, als ob er zum Bad geführt würde. Sie kamen zu der Stelle, wo sie ihn hinunterstürzen sollten. Dort banden sie einen großen Stein an seinen Hals. Florian aber bat die Soldaten der Eskorte, sie möchten ihm ein Gebet zu Gott erlauben. Aufrecht stehend wandte sich der heilige Florian nach Osten, streckte seine Hände zum Himmel aus und begann zu sprechen: „Herr Jesus Christus, nimm meine Seele entgegen...“ Er betete ungefähr eine Stunde lang. Die Soldaten erfasste Ehrfurcht und sie scheuten sich, ihn anzurühren. Da kam ein wütender junger Mann herbei und schrie sie an: „Was steht ihr da und führt den Befehl des Statthalters nicht aus?“ Während er dies sagte, stieß er Florian von der Brücke in den Fluss. Florians Augen brachen. Alle Umstehenden konnten es sehen.
Der Fluss nahm den Märtyrer Christi auf, erschrak aber und die hochgehenden Wellen legten seinen Leichnam an einem herausragenden Uferfelsen ab. Da kam auf Gottes Geheiß ein Adler und beschützte den Leichnam mit seinen kreuzförmig ausgespannten Schwingen.
Dann offenbarte sich der heilige Florian einer tiefgläubigen Frau, damit sie ihn an einem geheimen Ort in der Erde bestatte.
Die eingangs erwähnten 40 Bekenner sind während der geschilderten Ereignisse im Kerker umgekommen.
Dies ist geschehen in Lorch in Ufernorikum in den Tagen der Christenfeinde Diokletian und Maximian. Statthalter war Aquilinus gewesen. Regiert aber hat unser Herr Jesus Christus. Ihm gebührt Ehre und Ruhm in Ewigkeit. Amen.


Quelle 

Florian wird von der Brücke in die Enns gestürzt

Klarerweise begleiten musizierende Engel den Einzug in den Himmel:


Florian wird von Christus in die ewige Herrlichkeit aufgenommen

Sonntag, 3. Mai 2015

Am Grab der Apostel Philippus und Jakobus

Basilika der zwölf Apostel, Santi Apostoli, Rom




Philippus, Apostel. Philippus stammte aus Bethsaida und war zuerst Jünger des Täufers Johannes. In Bethsaida berief ihn Jesus zur Nachfolge, und Philippus führte dann Nathanael als weiteren Jünger in den Kreis um Jesus ein (Joh 1, 43 – 49). Vor der Speisung der Fünftausend stellt Jesus ihn auf die Probe (Joh 6,5-7). Griechen, die Jesus zu sehen wünschten, wandten sich an Philippus (Joh 12,21-22). Er nahm am letzten Abendmahl teil und wurde dabei von Jesus gerügt, weil er dessen Sendung offenbar noch immer nicht verstanden hatte (Joh 14,8f.). Über das Lebensende des Philippus fehlen sichere Nachrichten, der Legende nach erlitt er in Skythien, das in der heutigen Ukraine liegt, das Martyrium durch Kreuzigung.
Seine Reliquien kamen über Konstantinopel nach Rom und befinden sich heute in der Basilika der Zwölf Apostel. Die Kunst hat mit Vorliebe den Kreuzestod des Philippus dargestellt.



Jakobus der Jüngere, Apostel. Jakobus war der Sohn des Alphäus bzw. Klopas und jener Maria, die der Kreuzigung Jesu beiwohnte (Mk 15,40). Sein Beiname „der Kleine“ (Mk 15,40) ist wohl ein Hinweis auf seine Statur (ferner Mk 15,47 und 16,1). Er war der älteste der vier sogenannten „Herrenbrüder“ Joses, Judas und Simon als der Älteste genannt (Mk 6,3; Mt 13,55). Wie die übrige Verwandtschaft stand er offenbar dem öffentlichen Wirken Jesu lange Zeit ziemlich verständnislos gegenüber (Mk 3,21 und 31; Mk 6,4; Mk 21,31-35; Joh 7,3-10). Erst die im 1. Korintherbrief bezeugte Oster-Epiphanie (1 Kor 15,7) hat Jakobus zum Glauben gebracht (Apg 1,14). Fortan besaß er als Verwandter Jesu und Osterzeuge innerhalb der Gemeinde von Jerusalem besondere Autorität. Paulus nennt ihn als eine der drei Säulen der Urgemeinde neben Kephas und Johannes. Auf dem Apostelkonzil (Apg 15) gestand Jakobus schließlich den Heidenchristen die Freiheit von der Last des Gesetzes zu (Apg 15,19 und 28f; Gal 2,1-10). Nach dem Weggang des Petrus nach Rom war Jakobus
Bischof von Jerusalem, Paulus besuchte ihn auf seiner dritte Missionsreise, um die Kollekte aus der Heidenmission abzuliefern (Apg 21,18-26; Röm 15,30-32). Als untadeliger Judenchrist erhielt Jakobus den Ehrennamen „der Gerechte“. Josephus Flavius berichtet glaubwürdig, dass der Hohepriester Ananos II. den Jakobus um 61 steinigen ließ (Ant XX, 199f). Das Haupt des Jakobus des Jüngeren wird in Ancona verehrt, sein Attribut ist die Keule.
(Martyrologium Sancrucense)


Fresko d. Gewölbes im Mittelschiff, Triumpf d. Franziskanerordens, 1707


Das größte Altargemälde der Stadt zeigt das das Martyrium der Apostel.

Confessio mit den Reliquien der Apostel Philippus und Jakobus

Reliquien der Apostel Philippus u. Jakobus in einem Mamorsarkophag




Wandmalereien stammen aus dem 19. Jh.

Als Jesus aufblickte und sah, daß so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen, denn er wußte, was er tun wollte. Philippus antworte ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. (Joh 6,5-7)






Freitag, 1. Mai 2015

Josef, heiliger Arbeiter, beschütze unsere Werke





Die Morgenröte, Botin der Sonne,
die dem Monat der Blüten vorausgeht,
grüßt das vom Hammer des Handwerkers
tönende Haus in Nazareth.

Sei gegrüßt, häusliches Oberhaupt,
unter dem der höchste Schöpfer,
mit salzigem Schweiß benetzt,
das väterliche Handwerk ausübt.

In die hohen Wohnungen versetzt
und der erhabenen Braut am nächsten,
stehe nun den Schützlingen bei,
welche der Mangel plagt.

Fern seien Gewalt und Streit,
jeder Betrug beim Lohn;
des Lebensunterhalts und der Speise Menge
soll messen einzig die Genügsamkeit.

O Einheit der Dreifaltigkeit,
auf die Fürsprache Josephs
bitten wir: im Frieden leite unser
aller Schritte und den Weg. Amen.

(Diurnale Romanum, 117 S, Hymnus zur Laudes am. 1. Mai)


Chiesa di San Giuseppe, Orvieto

Maria mit Kind, links d. hl. Josef, rechts Elisabeth u. Zacharias, S. Guiseppe, Orvieto

Flucht nach Ägypten, Josef m. Werkzeug

Verlobung v. Maria u. Josef

Bitte für uns, heiliger Joseph, alleluja.
Getreuer Beschützer unserer Mühen. alleluja.