Sonntag, 11. April 2021

Göttlicher Friede

 

Erscheinung des Auferstandenen, Begegnung mit Thomas, St. Pierre, Chartres, 1305-1315

 

Das Evangelium schildert die Erscheinung des Auferstandenen am Osterabend und acht Tage später: was er bei seiner Rückkehr von Kreuz, Tod und Hölle zurückbringt, ist der endgültige, vollkommene Friede. Ein Friede, "nicht wie die Welt ihn gibt", ein viel tieferer. In drei Szenen.

Zuerst wünscht er den Jüngern den Frieden, der er selber ist ("denn er ist unser Friede" Eph 2,14), er beglaubigt es, indem er seine Wundmale zeigt. Gerade das Tödliche, das die Menschen ihm angetan haben, begründet von ihm her den Frieden; der Haß hat sich an ihm ausgetobt, seine Liebe hat den längeren Arm gehabt. Es gibt keine Versöhnungsszene mit den Jüngern, die ihn schmählich verleugnet haben und geflohen sind, das alles ist in den großen Frieden, den er ihnen anbietet, hinein untergegangen. Aber das Geschenk geht noch viel weiter.

Er haucht sie an und schenkt ihnen seinen eigenen Sendungsgeist, in dem sie ermächtigt werden, den ihnen geschenkten Frieden in seiner Vollmacht den Menschen weiterzureichen: "Wem ihr die Sünden vergebt..." Das Geschenk Jesu wird von vornherein zum Wegschenken gegeben. Wie Gott beim Verzeihen den Menschen richtet (das Bekenntnis und die Reue sind erforderlich), so wird das Verzeihen der Kirche ein Richten sein müssen, es wird in der Wahrheit und nicht in Unwissenheit zu erfolgen haben. Das mögliche "Verweigern der Vergebung" geschieht aus Liebe, der Aufschub bezweckt die vollkommenere Bereitschaft, sie zu empfangen.

Und all dies muß im Glauben geschehen, daher die Thomas-episode. Nicht Sehen, nicht Erfahren-wollen ist Voraussetzung des Friedensempfangs, sondern gläubige Hingegebenheit ist Bedingung jedes Empfangs göttlicher Geschenke. Solang einer zweifelt und sich nicht übergeben will, kann er den Frieden nicht haben. Er muß niedersinken und im Glauben sagen: "Mein Herr und mein Gott."
(Hans Urs von Balthasar, Licht des Wortes, 164f)

 

Thomas will die Wunden des Herrn berühren

Statue des hl. Thomas in der Lateranbasilika

Malerei von Pietro Paolo Bonzi im Pantheon

Herz-Jesu Altar, Reliefs, Farm Street Church, London (Benedikt XVI. zum Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit, 2005)


Fresko in der Taufkirche von Johannes Paul II. in Wadowice

Notre Dame de Paris (Generalaudienz von Benedikt XVI. über den Apostel Thomas)

Domingo de Silos (Wandrelief)

Jesus College - Cambridge (Glasfenster)

Kunsthistorisches Museum-Wien (Gemälde)

Mein Herr und mein Gott!

 

Heute feiert die Kirche den Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit.

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