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| Erscheinungskapelle, Fatima |
Die Zeit vom 13. September bis zum 13. Oktober war für die
Seherkinder sehr bewegt. Sie litten viel unter den täglichen
Beleidigungen der Dorfbevölkerung, deren größter Teil zwar sichtlich
neugierig war, jedoch ein sehr ablehnendes bis spöttisches Verhalten an
den Tag legte. Der Dorfpriester versuchte eifrig den Kindern und deren
Eltern einzureden, dass sie alles zu leugnen hätten, da die Gottesmutter
nicht so einfach irgend jemandem erscheine, und erst recht nicht in
Fatima, und besonders auch wegen der feindseligen Einstellung der
staatlichen Behörden, die das Leben der Kirche auch ohne wunderbare
Erscheinungen schon zur Genüge einschränkten und erschwerten. Die Kinder
mögen daher im Gehorsam und zum Wohle der Kirche derlei Dinge nicht
weiterhin behaupten. Andere wiederum drohten den Kindern, nicht zuletzt
der Administrator, der in Aussicht stellte, dass er im Oktober eine
Bombe neben den Kindern zünden werde.
Am 13. Oktober regnete es schon frühmorgens in Strömen. Da die
Eltern Lucias fürchteten, es könnte doch noch ein Schwindel aufgedeckt
werden und dies der letzte Tag ihres Lebens sei, munterten sie Lucia
auf, zur hl. Beichte zu gehen; sie selbst wollten, um ihr Kind zu
beschützen, bei der behaupteten Erscheinung in unmittelbarer Nähe sein.
Die Kinder arbeiteten sich durch den großen Schlamm, unterstützt von
ihren Eltern, zur Steineiche durch. Überall suchten die Menschen den
Kindern ihre Bitten mitzugeben: Betet für meinen blinden Sohn, für einen
Gelähmten, für einen Kranken... Der Regen schien nicht aufhören zu
wollen. Um die Mittagszeit knieten die Kinder nieder, denn sie sahen
“ihren Blitz”, währenddessen das ganze Volk, es waren schätzungsweise
70.000 Personen zugegen, durchnäßt vom Regen und in tiefem Morast
stehend, den Rosenkranz betet.
“Was wünschen Sie von mir?” sprach Lucia die Gottesmutter an.
“Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut
werden soll. Ich bin Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Man soll
weiterhin täglich den Rosenkranz beten. Der Krieg geht zu Ende, und die
Soldaten werden in Kürze nach Hause zurückkehren."
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Die genaue Stelle, an der die Mutter Gottes erschienen war, wird durch eine Marmorsäule angezeigt,
auf der Statue Unserer Lieben Frau steht. Erscheinungskapelle, Fatima |
“Ich wollte Sie um vieles bitten: ob Sie einige Kranke heilen und einige Sünder bekehren möchten”, fragte Lucia.
“Einige ja, andere nicht. Alle aber müssen sich bessern und um die Vergebung ihrer Sünden bitten.”
Lucia fügt hier an, dass die Gottesmutter mit traurigem Ausdruck sagte:
“Man soll den Herrn, unsern Gott, nicht mehr beleidigen, der
schon so sehr beleidigt worden ist.”
Die “Frau” hatte ihren Namen genannt: Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz.
Hatte sie bisher immer nur von den Kindern verlangt, täglich den
Rosenkranz zu beten, so sprach sie nun alle Christen an: “Man soll
weiterhin täglich den Rosenkranz beten!” Als Bestätigung der Macht, die
sie diesem Gebet zu verleihen gedenkt, sagte sie voraus, dass die
Soldaten bald heimkehren werden.
Man mag sich zuweilen fragen, warum den Rosenkranz? Und es mögen
auch viele plausiblen Argumente dafür sprechen, im Grunde genommen
jedoch bleibt die Antwort das Geheimnis der Gottesmutter. Viel wichtiger
scheint mir an dieser Stelle der Hinweis darauf zu sein, dass es die
Mutter Jesu und unsere himmlische Mutter war, die diesen Wunsch äußerte
und Großes durch ihn versprach. Ziemt es sich für ein wohlerzogenes Kind
nicht, den Wunsch einer Mutter, auch wenn alle Hintergründe nicht
erhellt sind, zu erfüllen?
Als Dank für ihre Treue öffnete die Gottesmutter vor ihrem
Weggang erneut ihre Hände, und ein Strahl, stärker als die Sonne,
durchflutete den Ort. Die Kinder sahen sie in gewohnter Weise am
östlichen Horizont verschwinden, währenddessen die Anwesenden
Augenblicke des höchsten Glücks und zugleich unaussprechlicher
Schrecken, das große Sonnenwunder, erlebten.


Viele Menschen waren
schlagartig gesund, Lahme erhoben sich und priesen Gott, Blinde riefen
ihre Freude über das zurückgewonnene Augenlicht aus und jene, die die
Erscheinungen - und mit ihnen den Glauben des Volkes - bekämpften,
schlugen sich reumütig und zum Zeichen ihrer Bekehrung an die Brust.
Avelino de Almeida, ein Reporter, beschreibt in “O Século” den Ablauf
der Ereignisse, wie sie von den Anwesenden erlebt wurden. Das ganze Volk
in der Cova sah plötzlich ein Lichtbündel wie einen Sonnenball. “Der
Stern erinnerte an eine Platte aus mattem Silber. Es war möglich, ohne
auch nur im geringsten geblendet zu werden, in diese ‘Scheibe’ zu
schauen. Sie brannte und blendete nicht. Man möchte sagen, dass sich
eine Sonnenfinsternis ereigne. Aber siehe! Es löst sich ein kolossaler
Schrei, und man hört von den Zuschauern, die sich in der Nähe befanden,
wie sie rufen: Ein Wunder, ein Wunder! Ein Schauspiel, ein Schauspiel!
Bleich vor Schrecken, mit entblößtem Haupt, starrte alles in den blauen
Himmel; der Feuerball hatte die Wolken durchbrochen und war zu sehen wie
eine vibrierende Sonne. Die Sonne machte schroffe Bewegungen, wie sie
bisher niemals zu beobachten waren, ganz gegen alle kosmischen Gesetze;
es löste sich auch aus dem Mund einiger der typische Ausdruck: „Die
Sonne tanzte.


Vom Vater Lucias sind die Worte überliefert: „Alle hatten die
Augen zum Himmel erhoben, als die Sonne stillstand, und danach zu tanzen
begann. Sie blieb stehen, um nochmals zu tanzen, bis sie sich ganz vom
Himmel zu lösen und auf uns hernieder zu fallen schien wie ein riesiges
Feuerrad. Es war ein schrecklicher Augenblick. Viele schrien: O weh, wir
sterben alle! Unsere Liebe Frau, hilf uns! Es gab Leute, die laut ihre
Sünden bekannten. Schließlich blieb die Sonne auf ihrem gewohnten Platz
stehen.“ Das Schauspiel war bis in 40 km Entfernung zu sehen.
Erst als das Ereignis vorbei war, bemerkten die Menschen, dass
ihre völlig durchnäßten Kleider plötzlich trocken waren.
Die Seher selbst bemerkten kaum etwas von dem, was um sie herum geschah.
Noch schauten sie der im Horizont verschwindenden Lichtflut nach, als
ihnen plötzlich weitere Schauungen zuteil wurden. Lucia beschreibt das
Folgende mit sehr einfachen, schlichten Worten als ein unvergeßliches,
eindrückliches Erlebnis und bemerkt dazu, dass sie, um alles richtig zu
beschreiben, keine passenden menschlichen Worte fände.
“Nachdem Unsere Liebe Frau in der unendlichen Ferne des
Firmaments verschwunden war, sahen wir dann zur Seite der Sonne den
heiligen Josef mit dem Jesuskind und Unsere Liebe Frau in Weiß gekleidet
mit einem blauen Mantel. Der heilige Josef mit dem Jesuskind schien die
Welt mit einer Handbewegung in Kreuzesform zu segnen. Kurz darauf
verschwand die Erscheinung.”
Die Gottesmutter hatte schon in der Erscheinung vom September
angedeutet, dass sie im Oktober nicht allein kommen werde. Als erstes
sah Lucia den hl. Josef, der seinen Segen der Welt spendet. Dies darf
als Hinweis gewertet werden, dass die Familie schwerwiegenden
Belastungsproben ausgesetzt sein werde. Fatima zeigt hier einen Weg auf,
wie die Familien aus der Krise kommen können: Die demütige
Bescheidenheit, mit der der hl. Josef seinerzeit den Willen Gottes ohne
große Nachforschungen erfüllte, ist, bei näherem Hinsehen, genau der
Gegenpol jenes Familienbildes, in dem jeder nur auf seine Freiheit,
seine zu erreichenden Ziele, seine Ideale pocht und vielfach Partner und
Kinder auf der Strecke - von Streit, Zwietracht und Auseinandergehen -
bleiben. Der hl. Josef hat unserer heutigen Welt, gerade im Hinblick auf
die Familie, einiges zu sagen!
“Dann sahen wir Unseren Herrn und Unsere Liebe Frau”, so Lucia in
ihrem Bericht. “Ich hatte den Eindruck, es sei Unsere Liebe Frau von
den Schmerzen. Unser Herr schien die Welt in der gleichen Weise zu
segnen wie der heilige Josef. Diese Erscheinung verschwand, und ich
meine wohl, dass ich auch noch Unsere Liebe Frau vom Karmel gesehen
habe.
(Quelle kathpedia: Fatima)