Montag, 12. Februar 2018

Eulalia von Barcelona

Kathedrale von Barcelona

Eulalia ist eine in Spanien hochverehrte Heilige, Stadtpatronin von Barcelona und zweite Titelheilige der Kathedrale.
Um 304 erlitt Eulalia der Legende zufolge in den Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian im jugendlichen Alter das Martyrium. Das zwölfjährige Mädchen lebte der Legende nach im Stadtteil Sarria. Sie war Christin geworden und bei dem Versuch, dem römischen Statthalter Datian wegen der einsetzenden Christenverfolgungen Vorwürfe zu machen, gefangen und grausam gefoltert worden: gekreuzigt, in siedendes Öl geworfen, verbrannt und schließlich geköpft. Aus ihrem Leib soll nach ihrem Tod eine weiße Taube aufgestiegen sein bzw. schneite es nach ihrem Tod, der Schnee bedeckte ihren Körper wie ein weißer Schleier. Bereits 405 wurde sie von Prudentius als Märtyrerin gerühmt. An ihrem Festtag, dem 12. Februar, wird die heilige Eulalia mit farbenprächtigen Umzügen rund um die Kathedrale gefeiert. 
Die Verehrung, besonders in Barcelona, ist erst seit dem 7. Jahrhundert mit dem Hymnus Fulget hic honor (Hier glänzt Ehre), nachgewiesen. Er wird Bischof Quiricus von Barcelona (um 650) zugeschrieben. 877 wurde Eulalias angebliches Grab entdeckt, ihr Sarkophag steht in der nach ihr benannten Kathedrale in Barcelona. Ihre Hagiographie hat große Ähnlichkeit mit denen der Eulalia von Mérida (* 292 in Mérida; † 304 ebenda) weshalb sie gelegentlich auch mit dieser identifiziert wird.
Ihre Heiligenattribute sind Kreuz, Taube, Eisenhaken und Schnee. Eulalia ist die Patronin von Spanien, Barcelona, der Seefahrer und Marine, für sicheres Segeln und sichere Schifffahrt
(vgl. kathpedia bzw. Barcelonaführer)



Die Renaissance-Marmorreliefs schildern das Martyrium der hl. Eulalia. Die flankierenden Statuen stellen die Heiligen Olegario, Eulalia, Raimondo de Penyafort und Coloma dar. Einer der besten Renaissancebildhauer Spaniens, Barmolome Ordonez aus Burgos, begann 1517 mit den Arbeiten an der Reliefwand. Allerdings konnte er vor seinem Tod nur die beiden Szenen ´Die Heilige verteidigt sich vor dem römischen Prätor´ (links) und ´Folter der Heiligen in den Flammen´rechts einschließlich der beiden erstgenannten Heiligenfiguren vollenden. Den Rest schuf Pere Villar aus Zaragoza.
(Barcelona-ADAC Reiseführer)

Marmorreliefs des Martyriums der hl. Eulalia, Kathedrale von Barcelona

Verteidigung vor dem Prätor und Geisselung der hl. Eulalia

Eulalia wird mit Flammen gefoltert und gekreuzigt, Kathedrale von Barcelona

Eulalia auf der Kirchturmspitze der Kathedrale

Sonntag, 11. Februar 2018

160 Jahre Lourdes - alle 18 Erscheinungen auf einen Blick



Unter dem Label "Marienerscheinung Lourdes" findet ihr alle 18 Erscheinungen der Mutter Gottes in Lourdes.


auf dem Kreuzweg...






Liebe Brüder und Schwestern! Aus der Grotte von Massabielle spricht die Unbefleckte Jungfrau auch zu uns Christen des dritten Jahrtausends. Laßt uns auf sie hören!
Hört auf sie vor allem ihr, liebe Jugendliche: Ihr sucht ja nach einer Antwort, die eurem Leben Sinn geben kann. Hier könnt ihr sie finden. Es ist eine anspruchsvolle Antwort, aber auch die einzige, die wirklich Wert hat. In ihr findet sich das Geheimnis der wahren Freude und des Friedens.
Von dieser Grotte aus richte ich einen besonderen Appell an euch Frauen. Durch ihre Erscheinung an diesem Ort hat Maria ihre Botschaft einem Mädchen anvertraut, gleichsam um die besondere Sendung der Frau in unserem Zeitalter zu betonen, das durch den Materialismus und die Säkularisierung versucht wird. Diese Sendung besteht darin, in der heutigen Gesellschaft Zeuginnen jener grundlegenden Werte zu sein, die sich nur mit den Augen des Herzens erkennen lassen. Ihr Frauen sollt Wächterinnen des Unsichtbaren sein! An euch alle, Brüder und Schwestern, richte ich den dringlichen Appell, daß ihr alles in eurer Macht Stehende tut, damit das Leben, das ganze Leben, von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende geachtet wird. Das Leben ist ein heiliges Geschenk, niemand darf sich zum Herrn darüber erheben.
Schließlich richtet die Muttergottes von Lourdes folgende Botschaft an alle Menschen: Seid freie Frauen und Männer! Aber denkt daran: Die menschliche Freiheit ist von der Sünde gezeichnet und muß ihrerseits befreit werden. Christus ist ihr Befreier, Er, der uns »zur Freiheit befreit« hat (vgl. Gal 5,1). Verteidigt eure Freiheit!
Liebe Freunde, wir wissen, daß wir dazu auf jene Frau zählen können, die niemals der Sünde nachgegeben hat und deshalb das einzig wirklich freie Geschöpf ist. Ihr vertraue ich euch an. Geht mit Maria auf den Wegen der vollen Verwirklichung eures Menschseins!
(Johannes Paul II. in Lourdes am 15. August 2004)

die Erscheinungsgrotte

16. Erscheinung, bei der die hl. Jungfrau ihren Namen nennt:
Ich bin die Ungefleckte Empfängnis


die Rosenkranzbasilika



durch Maria kommen wir zu Jesus

Basilika Pius X.



Basilika der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

abendliche Prozession


Dienstag, 6. Februar 2018

Amandus, Missionar in Flandern, Tirol, Kärnten, Maastricht

Sankt Michael, Gent

hl. Amandus, Michaelskirche, Gent

Amandus, Glaubensbote und Bischof. Amandus stammte aus einer edlen Familie Aquitaniens. Nachdem er viele Jahre als Mönch und Einsiedler gelebt hatte, wurde er in Rom vor 638 zum Missionsbischof für das friesisch-fränkische Grenzland geweiht. Aus Flandern durch einen Aufstand vertrieben, predigte er in Tirol und Kärnten. Von 647 bis 649 soll er als Bischof von Maastricht gewirkt haben. Eine Predigtreise in das Land der Basken blieb ohne Erfolg. Sein Bistum überließ Amandus dem Abt Remaklus von Stablo-Malmedy. Im Verlauf seiner Tätigkeit hatte Amandus zahlreiche Kirchen und Klöster gegründet, darunter Elno bei Tournai. Hierhin zog er sich gegen Ende seines Lebens zurück und starb am 6. Februar 679 oder 684. Das Kloster Elno, wo er begraben wurde, erhielt nach ihm den Namen Saint Amand. Amandus wird dargestellt als Bischof mit Kirchenmodell.
(Martyrologium Sancrucense)

St. Michael, Gent

Montag, 5. Februar 2018

Das Heilige Land 22 - das Haus des Petrus in Kafarnaum

Statue des hl. Petrus, Kafarnaum

Kirche über dem Haus des Petrus

Bereits um 1920 hatte man von der Synagoge aus etwa 30 m näher zum See hin eine achteckige Erhebung bemerkt, ihr aber keine Beachtung geschenkt, weil man sie für eine byzantinische Taufkapelle hielt. Erst als die Franziskaner 1968 bis 1984 das ganze Areal gründlich erforschten, konnten sie darin drei Perioden unterscheiden.

links die über dem Petrushaus von 1982-1990 errichtete Kirche, rechts das Franziskanerkloster

1. Als älteste Schicht identifizierte man das Haus des Petrus. Es lag nahe am Ufer des Sees. Ein geräumiger Hof mit einer Treppe und einer Feuerstelle war von mehreren überdachten Räumen umgeben. (im 2. Bild unten, die Skizze unten). Offenbar galt in frühchristlicher Zeit die besondere Aufmerksamkeit einem quadratischen Raum, der auch stets im Zentrum der späteren Bauten stand.



2. Im späten 3. Jahrhundert wurde dieser Raum (5,8 x 6,45 m) als Hauskirche genutzt und das ganze Haus des Petrus durch eine Umfassungsmauer mit einem Umfang von 112,55 m vom restlichen Dorf abgegrenzt (im der Skizze gelb). Außerdem hat man den Raum durch einen zentralen Bogen und ein östliches Atrium dreigeteilt. Ein farbiger Fußboden ersetzte den gepflasterten Boden des 1. Jh, und die inneren Wände wurden verputzt. Auf diesen Wänden hinterließen christliche Pilger Inschriften auf Griechisch, Aramäisch, Syrisch und Lateinisch.
Im Jahr 383 berichtet die Pilgerin Egeria: "In Kapharnaum ist aus dem Haus der Apostelfürsten eine Kirche gemacht worden, deren Wände bis heute so stehen, wie sie waren."

3 In der zweiten Hälfte des 5. Jh. wurde eine neue achteckige Kirche auf erhöhtem Grund erbaut. In ihrem Zentrum gab es ein kleines, von acht Säulen getragenes Achteck, das von einem zweiten größeren Achteck und einem driten halben Achteck umgeben war. In der Mitte der östlichen Apsis wurde ein Taufbecken eingerichtet, und entlang der südlichen Mauer fügte man einige Räume hinzu (ganz oben).
Ein Pilger aus Piacenca schreibt zwischen 560 und 570: "Wir kamen nach Kapharnaum zum Haus des hl. Petrus, welches nun eine Basilika ist." Zerstört wurde diese vermutlich im Jahr 614 durch die Perser.
(vgl. Ramm, Heiliges Land, 68)





Reste einer Wohnsiedlung

Im Jahr 1982 wurde der Bau einer neuen Kirche über dem Petrushaus begonnen. Sie wurde am Fest Peter und Paul 29.6.1990 geweiht. Die neue Kirche überwölbt auf Stelzen wie eine umgestürzte Barke die Reste des Petrushauses. Sie nimmt mit ihren schwarzen und weißen Steinplatten die Materialien der nahen Synagogen und mit ihrer achteckigen Form das byzantinische Achteck des Untergrunds auf. Dabei ist sie mit Rücksicht auf die nahe Synagog extrem flach: Den etwa 32 m Länge und Breite steht eine Höhe von nur 7 m gegenüber! Das überraschend geräumige Innere bezieht durch große Glasflächen die ganze Landschaft des Sees von Gennesaret ein. 8 Flachreliefs aus Lindenholz an den 8 Stützpfeilern illustrieren das Wirken Jesu. (Fürst, Im Land des Herrn, 126)


Petrushauskirche


Blick durch das Mittelfenster im Boden (6 x6 m) auf die Reste des Petrushauses


Heilung der Schwiegermutter des Petrus und anderer Kranker, Kafarnaum


In jener Zeit
29ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.
30Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie,
31und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.
32Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.
33Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt,
34und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.
35In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.
36Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
37und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.
38Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.
39Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Markus 1,29-29, Evangelium vom 5. Sonntag, B


Altarmosaik, Enzo Rossi, Manna in der Wüste und Speisung durch Jesu verweisen auf die hl. Eucharistie











Liebe Brüder und Schwestern,

In der neuen Katechesenreihe haben wir vor allem versucht, besser zu verstehen, was die Kirche ist, welche Vorstellung der Herr hinsichtlich dieser seiner neuen Familie hat. Dann haben wir auch gesagt, dass die Kirche in den Personen existiert, und wir haben gesehen, dass der Herr diese neue Realität, die Kirche, den zwölf Aposteln anvertraut hat. Jetzt wollen wir jeden von ihnen betrachten, um in den Personen zu verstehen, was es heißt, Kirche zu leben, was es heißt, Jesus nachzufolgen. Wir beginnen mit dem heiligen Petrus.

Nach Jesus ist Petrus die bekannteste und in den Schriften des Neuen Testaments am häufigsten erwähnte Persönlichkeit: Er wird 154-mal mit dem Namen "Pétros" genannt – "Stein", "Fels", was die griechische Übersetzung des aramäischen "Kefa" ist, jenem Namen, der ihm von Jesus persönlich gegeben worden war und der neunmal belegt ist, vor allem in den Paulusbriefen. Diesem Namen ist der häufig zitierte Name Simon hinzuzufügen (75-mal), der die griechische Form seines ursprünglichen hebräischen Namens "Simeón" ist (zweimal, siehe Apg 115,14 und 2 Petr 1,1).

Simon, der Sohn des Johannes (vgl. Joh 1,42), oder – in der aramäischen Form – bar-Jona, Sohn des Jonas (vgl. Mt 16,17), stammte aus Betsaida (vgl. Joh 1,44), einer kleine Stadt im Osten des Sees von Galiläa, woher auch Philippus und natürlich Andreas, der Bruder des Simon, kam. Seine Aussprache verriet seinen galiläischen Akzent. Wie der Bruder, so war auch er Fischer: Zusammen mit der Familie des Zebedäus, dem Vater von Jakobus und Johannes, führte er einen kleinen Fischereibetrieb am See Genezareth (vgl. Lk 5,10). Er musste deshalb einen gewissen wirtschaftlichen Wohlstand genießen und war von einem aufrichtigen religiösen Interesse beseelt, das ihn dazu veranlasste, sich mit seinem Bruder bis nach Judäa zu begeben, um der Verkündigung des Johannes des Täufers zu folgen (vgl. Joh 1,35-42).

Er war ein gläubiger Jude, vertraute in die wirksame Gegenwart Gottes in der Geschichte seines Volkes und war vom Schmerz darüber erfüllt, dessen mächtiges Wirken nicht in jenen Gegebenheiten sehen zu können, deren Zeuge er seinerzeit war. Er war verheiratet und seine Schwiegermutter, die eines Tages von Jesus geheilt wurde, lebte in der Stadt Kapharnaum in dem Haus, in dem auch Simon wohnte, wenn er sich in jener Stadt aufhielt (vgl. Mt 8,14ff.; Mk 1,29ff.; Lk 4,38ff.). Jüngste archäologische Ausgrabungen haben es möglich gemacht, unter dem achteckigen Mosaikboden einer kleinen byzantinischen Kirche die Spuren einer älteren Kirche zutage zu fördern, die in jenem Gebäude gelegen hatte, wie die Graffitis mit Anrufungen zu Petrus bezeugen. Die Evangelien sagen uns, dass Petrus unter den ersten vier Jüngern des Nazareners war (vgl. Lk 5,1-11), zu denen sich – nach dem Brauch jedes Rabbiners, fünf Schüler zu haben – ein fünfter hinzugesellte (vgl. Lk 5,27: die Berufung des Levi). Als Jesus von fünf zu zwölf Jüngern übergeht (vgl. Lk 9,1-6), ist die Neuheit seiner Sendung klar: Er ist gekommen, das eschatologische Israel zu vereinen, das in der Zahl Zwölf, der Zahl der Stämme Israels, symbolisiert ist.

Die Evangelien präsentieren Simon mit einem entschiedenen und impulsiven Charakter. Er ist bereit, seine Standpunkte wenn nötig auch mit Gewalt zu vertreten (man denke an den Gebrauch des Schwertes im Ölgarten: vgl. Joh 18,10ff.). Gleichzeitig ist er manchmal naiv und ängstlich, aber dennoch ehrlich – von einer Ehrlichkeit, die bis zur aufrichtigsten Reue geht (vgl. Mt 27,75). Die Evangelien gestatten es, seinen geistlichen Weg Schritt für Schritt zu verfolgen.

Der Ausgangspunkt ist die Berufung durch Jesus. Sie ereignet sich an einem gewöhnlichen Tag, während Petrus mit seiner Fischerarbeit beschäftigt ist. Jesus befindet sich beim See Genezareth, und um ihn drängt sich die Menge, um ihn zu hören. Die Zahl der Zuhörer schafft ein gewisses Unbehagen. Der Meister sieht zwei Boote, die am Ufer vertäut sind; die Fischer sind ausgestiegen und waschen die Netze. Da fragt er, ob er ins Boot steigen darf, in das Boot des Petrus, und er bittet ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Er setzt sich auf diesen improvisierten Lehrstuhl und beginnt, das Volk vom Boot aus zu lehren (vgl. Lk 5,1-3). Als seine Rede beendet ist, sagt er zu Petrus: "Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus." Simon antwortet ihm: "Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen" (Lk 5,4-5). Jesus war kein Experte des Fischfangs, und dennoch vertraut der Fischer Simon diesem Rabbi, der ihm keine Antworten gibt, ihn aber dazu aufruft, ihm zu vertrauen. Seine Reaktion angesichts des wunderbaren Fischfangs besteht in Staunen und großer Angst: "Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder" (Lk 5,8). In seiner Antwort fordert Jesus ihn auf, zu vertrauen und sich einem Projekt zu öffnen, das alle seine Erwartungen übersteigt: "Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen" (Lk 5,10). Petrus konnte es sich noch nicht vorstellen, dass er eines Tages nach Rom kommen und hier für den Herrn "Menschfischer" sein würde. Und er akzeptiert diese überraschende Berufung, sich in dieses große Abenteuer hineinziehen zu lassen: Er ist großzügig; er erkennt, dass er selbst Grenzen hat, glaubt aber demjenigen, der ihn ruft, und so folgt er dem Traum seines Herzens. Er sagt Ja – ein mutiges und großzügiges Ja – und wird Jünger Jesu.

Einen anderen bedeutsamen Moment seines geistlichen Wegs wird Petrus in der Nähe von Cäsarea Philippi erleben, als Jesus den Jüngern eine ganz konkrete Frage stellt: "Für wen halten mich die Menschen?" (Mk 8,27). Jesus begnügt sich aber nicht mit einer Antwort, die aus dem Hörensagen kommt. Von einem, der es akzeptiert hat, sich persönlich auf ihn einzulassen, verlangt er eine persönliche Stellungnahme. Deshalb insistiert er: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" (Mk 8,29). Es ist Petrus, der für die anderen antwortet: "Du bist der Christus" (ebd.), das heißt der Messias. Diese Antwort des Petrus, die nicht"aus seinem Fleisch und Blut" kam, sondern ihm vom Vater im Himmel geschenkt wurde (vgl. Mt 16,17), trägt gewissermaßen als Keim das zukünftige Glaubensbekenntnis der Kirche in sich. Trotzdem hatte Petrus noch nicht den tiefen Inhalt der messianischen Sendung Jesu, den neuen Sinn dieses Wortes, verstanden. Das zeigt er wenig später, als er zu verstehen gibt, dass der Messias, dem er in seinen Träumen nachfolgt, sehr verschieden ist von jenem des wahren Projekts Gottes. Angesichts der Ankündigung der Passion entrüstet er sich und protestiert, womit er eine lebhafte Reaktion Jesu hervorruft (vgl. Mk 8,32-33). Petrus will einen "göttlichen Menschen" als Messias, der die Erwartungen der Menschen erfüllt, indem er allen seine Macht aufzwingt. Es ist auch unser Wunsch, dass der Herr seine Macht auferlegt und die Welt sofort verwandelt. Jesus zeigt sich als "menschlicher Gott", als Diener Gottes, der die Erwartungen der Menschen erschüttert, indem er einen Weg der Demut und des Leidens einschlägt. Das ist die große Alternative, die auch wir immer wieder lernen müssen: entweder den eigenen Erwartungen den Vorzug zu geben und Jesus zurückzuweisen, oder aber Jesus in der Wahrheit seiner Sendung anzunehmen und die allzu menschlichen Erwartungen zurückzustellen. Petrus – impulsiv wie er ist – zögert nicht, Jesus beiseite zu nehmen und zu tadeln. Die Antwort Jesu lässt all seine falschen Erwartungen zusammenbrechen und ruft ihn zu Bekehrung und Nachfolge auf: "Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen" (Mk 8,33).

Auf diese Weise lernt Petrus, was es heißt, Jesus wirklich nachzufolgen. Es handelt sich um seine zweite Berufung, die jener des Abraham in Genesis 22 ähnelt, die auf Genesis 12 folgt: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten" (Mk 8,34-35). Das ist das anspruchsvolle Gesetz des Nachfolge: Man muss, falls es notwendig sein sollte, auf die ganze Welt verzichten können, um die wahren Werte, seine Seele und die Gegenwart Gottes in der Welt zu retten (vgl. Mk 8,36-37). Und Petrus nimmt die Einladung Jesu – wenn auch mit Mühe – an und setzt seinen Weg in den Spuren des Meisters fort.

Es scheint mir, dass diese verschiedenen Bekehrungen des heiligen Petrus und seine ganze Gestalt ein großer Trost und eine große Lehre für uns sind: Auch wir haben Verlangen nach Gott, auch wir wollen großzügig sein; aber auch wir erwarten, dass Gott mit all seiner Kraft in der Welt auftritt, um sie gemäß unseren eigenen Vorstellungen und entsprechend der Bedürfnisse, die wir sehen, sofort zu verwandeln. Gott wählt einen anderen Weg. Gott wählt den Weg der Verwandlung der Herzen im Leiden und in der Demut. Und wir müssen uns wie Petrus immer wieder bekehren. Wir müssen Jesus nachfolgen und ihm nicht vorauseilen: Er ist es, der uns den Weg weist. So sagt uns Petrus: Du glaubst, das Rezept zu besitzen und das Christentum verwandeln zu müssen; es ist aber der Herr, der den Weg kennt. Es ist der Herr, der mir sagt, der dir sagt: Folge mir nach! Und wir müssen den Mut und die Demut haben, Christus zu folgen, weil er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. 

(Katechese von Papst Benedikt XVI. über den hl. Petrus, 17. Mai 2006)





 
Blick auf den Berg der Seligpreisungen