Maria Goretti, jugendliche Märtyrin.
Maria Goretti wurde am 16. Oktober 1890 zu Corinaldo
westlich von Ancona geboren. Sie war die Tochter einer armen, kinderreichen Landarbeiterfamilie
und lebte mit ihren Angehörigen seit 1899 in dem Dorf Ferriere di Conca bei Nettuno. Mit zehn Jahren verlor sie den Vater. Nun versorgte sie ihre jüngeren Geschwister, damit die Mutter durch Feldarbeit Geld verdienen konnte. Der Sohn einer im selben Haus wohnenden Familie stellte Maria nach. Da diese sich energisch gegen seine Zumutungen wehrte, tötete er sie am 5. Juli 1902 durch vierzehn Messerstiche. Sterbend verzieh sie ihrem Mörder. Die Heiligsprechung erfolgte am 24. Juni 1950 in Gegenwart ihrer Mutter und ihres Mörders, der nach seiner Bekehrung im Gefängnis 1928 Laienbruder bei den Kapuzinern geworden war.
Maria Goretti wird als junges Mädchen mit Lilie und Märtyrerpalme dargestellt.
(Martyrologium Sancrucense)
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| rechts das Haus der Familie Goretti, in dem Maria (Marietta) ermordet wurde |
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| Die Küche, in der Maria ermordete wurde, baute man später zu einer Kapelle um. |
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| Stelle, an der Maria ihr Martyrium erlitt |
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| links: die Heilige vergibt im Gespräch mit dem Priester ihrem Mörder, rechts: Maria Goretti beim Gebet |
Am 29. September 1991 besuchte Papst Johannes Paul II die
kleine Ortschaft Le Ferriere in der Nähe von Nettuno südlich von Rom, wo
Maria Goretti mit ihrer Familie in der "Cascina antica" (einer alten
Meierei, also einem landwirtschaftlichen Anwesen) gelebt und am 5. Juli
1902 dem Versucher widerstanden hatte. Anlass des Besuchs war der
Abschluss des Jubliäumsjahres der Geburt der Heiligen vor 100 Jahren -
am 16.10.1890. Der Reliquienschrein war aus Nettuno hierhin gebracht
worden - die ehemalige Wohnung der Familie Goretti ist eine Gedenkstätte
mit einem Oratorium. Der Papst hatte davor gebetet und sich dann in das
Besucherbuch eingetragen - was er als Weihbischof von Krakau schon
einmal getan hatte: Am 22.11.1962, am Beginn des 2. Vatikanischen
Konzils, schrieb er in Latein einen kurzen Satz zu Ehren der Patronin
der "unbesiegten Keuschheit" in das Besucherbuch ein. (
Quelle der Texte)
Der Hl. Vater sprach dann zu den in Le Ferriere versammelten Gläubigen:
"Ich bin hier in eure Mitte, nach Le Ferriere di Conca im
sogenannten "Pontinischen Acker", gekommen, um Maria Goretti zu
verehren, das Mädchen, das fähig war, mit dem Opfer seines Lebens
CHRISTUS dem HERRN ... seine rückhaltlose Treue zu beweisen. Hundert
Jahre nach der Geburt dieses Mädchens bin ich als Pilger gekommen, um
den Dank der Kirche an den himmlischen VATER für den heroischen Glauben
dieser jungen Märtyrin zu erneuern, die Papst Pius XII. am Tag ihrer
feierlichen Aufnahme unter die glorreichen Heiligen als "heilige Agnes
des 20. Jahrhunderts" bezeichnete. Maria Goretti ahmte die
Jungfräulichkeit der ersten christlichen Jahrhunderte nach und nahm, um
ihre Jungfräulichkeit unversehrt zu bewahren, den Tod auf sich.
So wird ein Bauernmädchen zum echten Vorbild für uns: zum
Vorbild christlichen Lebens und echter Heiligkeit. Eure Landsmännin -
wir können sie wohl als solche bezeichnen, da sie, obwohl in Corinaldo
in der Provinz Ancona geboren, hier lebte und hier ihr Opfer vollendete -
hat ja, JESUS nachahmend, dem Namen des HERRN Ehre erwiesen, indem sie
mit ihrem Blut für die Wunder GOTTES Zeugnis ablegte, der in den
Schwachen Seine Macht offenbart und den Hilflosen die Kraft des
Martyriums verleiht...
Im Gedenken an Maria Goretti gilt nun euch allen, die ihr um ihr
bescheidenes, heute renoviertes und zum Ziel zahlreicher Pilgerfahrten
gewordenes Heim versammelt seid, meine herzliche Aufmerksamkeit... Ich
grüße... die Passionistenpatres, denen die Pfarrseelsorge in Le Ferriere
und am Heiligtum von Nettuno anvertraut ist. Ich begrüße die
Passionistinnen vom hl. Johannes vom Kreuz, die das Haus Maria Gorettis
bewahren, das heute ein Zentrum des Gebetes und des geistlichen Lebens
ist. Mit Freude habe ich erfahren, dass die Zahl der Pilger, die, aus
Italien und aus dem Ausland kommend, um Maria Goretti an der Stätte
ihres Martyriums zu verehren, in den letzten Jahren zugenommen hat...
Mein herzlicher Gruß gilt jedoch vor allem euch, den Bewohnern
dieses Weilers und der angrenzenden Ortschaften. Die Erinnerung an
dieses Mädchen, das in viel härteren Zeiten lebte, als es die heutigen
sind, das die Schwierigkeiten eines armen, von der erschöpfenden und
harten Feldarbeit gezeichneten, aber fest in den edlen Traditionen der
Familie und in den grundlegenden menschlichen und christlichen Werten
verankerten Lebens kannte, ist heute noch unter euch lebendig. Maria
Gorettis Beispiel folgend, sollt auch ihr diesen Werten treu bleiben:
der Achtung für das Leben, der gegenseitigen Solidarität, der
Bereitschaft zur Gastfreundschaft und zur Aufnahme der Einwanderer, der
Liebe zum Gesetz GOTTES und der heiligen GOTTESfurcht. Dies ist das
wertvolle Erbe, das ihr von euren Vorfahren übernommen habt, die, ebenso
wie die Familie Goretti, aus anderen Regionen Italiens hier
eingewandert waren.
Habt stets das Zeugnis der kleinen Maria vor Augen... Als
Vorbild im Martyrium hilft Maria Goretti, nachdem sie ihrem Mörder den
Weg der christlichen Tugend gewiesen hat, noch heute allen, die das
Evangelium mit seinen strengen, aber befreienden sittlichen Forderungen
annehmen wollen. Ganz besonders ermutigt sie euch, liebe Kinder und
Jugendliche; sie schenkt allen, die sich im Kampf gegen das Böse und in
der Suche nach dem wahren Guten sowie im echten Verlangen nach CHRISTUS
an sie wenden, neue Kraft.
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| Patene, Le Ferriere |
Hl. Maria Goretti, du treue Märtyrin, du leuchtendes Vorbild der
Alltagsheiligkeit, mit dem glorreichen Siegel des geopferten LAMMES
bezeichnet, hilf allen; hilf vor allem den jungen Menschen, die deinen
Heroismus bewundern und deinen Eifer im Glauben und deine Sittenreinheit
nachahmen wollen."
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| Geschenk von Johannes Paul II. anlässlich seines Besuches |
Es folgte am Nachmittag eine Begegnung mit Priestern und
Ordensleuten in der Kathedrale San Marco, bei der der Papst folgende
Worte sagte:
"Das Leben Maria Gorettis... ist ein beredtes Zeugnis christlicher Konsequenz und einzigartiger Heiligkeit, hervorgegangen aus einer weisen, von den Werten des Evangeliums geleiteten häuslichen Erziehung. Ihr Leben war arm und opfervoll, aber wie fruchtbar an hochherziger Hingabe an GOTT und Seine Gebote!...
In Maria Goretti ehren wir die unbesiegbare Macht der GÖTTlichen
Gnade, die "den Wehrlosen die Kraft zum Martyrium schenkt", und mit
JESUS können wir im Geist aufjubeln zum Lob des VATERS: "Ich preise
Dich, VATER, HERR des Himmels und der Erde, weil Du all das den Weisen
und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, VATER, so
hat es Dir gefallen" (Mt 11,25-26).
Wie es schon in Maria von Nazareth geschah, wie es sich in so
sehr vielen anderen treuen Dienerinnen und Dienern des HERRN im Lauf der
Jahrhunderte erwiesen hat, so konnte auch in Maria Goretti der HEILIGE GEIST in die Tiefe wirken, weil Er ein demütiges Herz voll des Glaubens gefunden hat.
Der Glaube nämlich ist es, der das Leben dieses jungen Mädchens
erklärt, das, mit nur zwölf Jahren, den Tod vorzieht, statt sich der
Gewalt zu beugen. Ohne den Glauben wird die Gestalt Maria Gorettis
farblos oder, schlimmer, sie wird in abwertende und zweideutige
Schablonen gepresst...
In Maria Goretti begegnen wir einem reifen, ganz festen Glauben, aufgrund dessen sie ihre Reinheit verteidigt in dem Wissen, ganz und gar CHRISTUS zu gehören.
Sie weiß gut, dass ihr Leib ein Tempel des HL. GEISTES ist und dass,
wenn sie der Versuchung nachgäbe, der Bund der Treue zum HERRN, die sie
im Gebet so oft bekräftigt hat, gebrochen würde. Durch die Sünde trennt man sich ja von GOTT, unserem einzigen Gut, und entscheidet sich für die "Idole", die Götzen, die zum Tod führen; und so geht man also der Hölle, der ewigen Verdammnis, entgegen...
Liebe Brüder und Schwestern, das Beispiel dieses Mädchens, das
mit zwölf Jahren die Gnade des Martyriums erhielt, möge stets vor euch
und eurem apostolischen Einsatz stehen. Seid wie sie Menschen tiefen Glaubens und vollkommener Hingabe an GOTT,
der euch berufen hat, Heilige und unerschrockene Boten des Evangeliums
zu sein. CHRISTUS braucht eure volle Verfügbarkeit, um in euch zu wirken
und um durch den pastoralen Dienst, den Er euch anvertraut hat, im
Herzen all derer zu wirken, die euch jeden Tag begegnen.
Gewiss sind nicht alle berufen, wie Maria Goretti das Martyrium zu erleiden, aber von jedem wird verlangt, nach der vollen Erfüllung der christlichen Tugend zu streben.
Diese Askese des Geistes erfordert Stärke, beständige Aufmerksamkeit
und mutigen Verzicht auf weltliche Ideale. Es handelt sich um die
Aufgabe, täglich wach zu sein und auf keinen Fall davon abzulassen,
sondern jeden Tag wieder anzufangen, bis zum Ende unseres irdischen
Weges. Es ist ein Kampf mit sich selbst, der einem langsamen und lang
währenden Martyrium ähnlich werden kann. Das Evangelium mahnt uns mit
klaren und bestimmten Worten dazu: "Dem Himmelreich wird Gewalt angetan;
die Gewalttätigen reißen es an sich" (Mt 11,12)...".
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| Statue der hl. Maria Goretti, errichtet anlässlich ihres 100. Geburtstages |
Novene zur hl. Maria Goretti