Freitag, 13. Oktober 2017

Am Grab des hl. Simpert von Augsburg

Grabdenkmal des hl. Simpert, um 1714, St. Ulrich und Afra, Augsburg


Simpert von Augsburg, Bischof. Simpert oder Sintpert war zuerst Abt von Murbach im Elsaß und wurde um 778 Bischof von Augsburg. Nach der Absetzung Herzog Tassilos III. von Bayern wurde ihm die Diözese Neuburg übertragen, die Sintpert um 801 mit Augsburg vereinigte. Karl der Große schenkte ihm großes Vertrauen und übergab ihm 804 sächsische Geiseln zu ehrenvoller Haft. Vielleicht erbaute Sintpert den ersten Dom in Augsburg, der an derselben Stelle wie der heutige errichtet wurde.
Er starb er am 13. Oktober 807. Seit 1492 ruhen die Reliquien in einer Seitenkapelle der von ihm gegründeten und geweihten Kirche Sankt-Ulrich-und-Afra zu Augsburg.
(Martyrologium Sancrucense)

Christus und die Apostel, Terrakotta, Carlo Pallago, um 1582



Die 1479 gestiftete Kapelle bewahrt die Ruhestätte des dritten Kirchenpatrons und Augsburger Bischofs Simpert, dessen Reliquien 1492 feierlich hierher übertragen wurden.
Das Marmorgrabmal an der Südwand entstand 1714 und wird dem Füssener Bildhauerkreis um Johann Jakob Herkommer (1648-1717) zugeschrieben. Im Hintergrund der Liegefigur ist eine Schlüsselszene aus dem Leben und Wirken Simperts dargestellt: Der Legende nach soll ein von einem Wolf geraubtes Kind nach Anrufung des Heiligen unversehrt nach Hause zurückgekommen sein.






Simpertusbogen, um 1492




Fast 30 Jahre lang, von 778 bis 807, leitete Bischof Simpert die Kirche von Augsburg. Nur wenige Nachrichten sind uns über sein bischöfliches Wirken überliefert. So hat er nach Auskunft mittelalterlicher Schriftzeugnisse, welche durch Ausgrabungsergebnisse der jüngsten Zeit erhärtet worden sind, die St.-Afra-Kirche neu gebaut. Desgleichen wird ihm die Konsekration des Mariendoms an einem 28. September (möglicherweise im Jahr 807) zugeschrieben. Bis dahin trafen sich die Gläubigen zur Eucharistiefeier im ehemaligen Forumstempel, der südlich der heutigen Kathedrale lag. Auch andere Gotteshäuser soll er in seinem Sprengel gebaut haben, so erneuerte er den kleinen Klosterbau in Füssen und leitete die dortige Mönchsgemeinschaft zu klösterlicher Disziplin an. Von Benediktbeuren wird berichtet, dass Simpert im Februar 807 Abt Waltram bestattete und dessen gewählten Nachfolger Eliland zum Klosteroberen weihte. Wenige Monate danach verschied Bischof Simpert. Als Sterbetag belegt ist der 13. Oktober, das Todesjahr 807 kann nur erschlossen werden, doch gilt es höchstwahrscheinlich als gesichert. Die Bestattung erfolgte im Chor der Afra-Kirche.

Nachdem die Ungarn bei der Belagerung Augsburgs im Jahr 955 dieses Gotteshaus zerstört hatten, ließ es der damalige Bischof Ulrich aufbauen und auch die Grablege seines Vorgängers instand setzen. Wieder einhundert Jahre später errichtete Bischof Embryko für das inzwischen gegründete Benediktinerkloster 1064 eine neue Kirche. Aus diesem Anlass wurden die Gebeine Simperts erhoben und erneut beigesetzt. In der Folgezeit weitete sich die zunächst auf engsten Kreis beschränkte Verehrung Simperts aus. Dazu trug der Prior Adilbert von St. Ulrich und Afra maßgeblich bei, der um 1230 eine Lebensbeschreibung verfasste und über verschiedene Wunder berichtete, die sich am Grab Simperts ereignet hatten. Immer häufiger und zahlreicher kamen nun die Hilfesuchenden zur Ruhestätte dieses Augsburger Bischofs, sein Ruhm breitete sich über die Bistumsgrenzen hinaus aus. Die Mönche von St. Ulrich und Afra aber sammelten sorgfältig die gemeldeten Wundertaten in den Mirakelbüchern. Ohne Zweifel förderten die Benediktiner der sogenannten Melker Reform, welche vor der Mitte des 15. Jahrhunderts nach Augsburg berufen worden waren, neben der Erneuerung des mönchischen Lebens auch die Verehrung der in St. Ulrich begrabenen Heiligen und als heiligmäßig geltenden Bischöfe. So ist es nicht verwunderlich, dass der Augsburger Kardinal Peter von Schaumberg im Jubeljahr 1450 unter Vorlage der Wunderberichte Papst Nikolaus V. persönlich bat, Simpert in die Reihe der augsburgischen Heiligen aufzunehmen. Dieser erfüllte den Wunsch, fügte allerdings die Einschränkung an, dass die kultische Verehrung nur in der Grabeskirche gestattet wäre.

Einen besonderen Ehrenplatz erhielten die Gebeine Simperts im rechten Seitenschiff des 1474 begonnenen Neubaus von St. Ulrich und Afra. Dorthin übertrug Bischof Friedrich von Zollern am 23. April 1492 die Reliquien. Höchste weltliche und kirchliche Würdenträger nahmen an dieser Feier teil. Zu ihnen zählten König Maximilian I., die Herzöge Christoph und Wolfgang von Bayern, der englische Kanzler Franz von Ponte, die Äbte von Donauwörth, Fultenbach und Roggenburg und auch die angesehensten Bürger von Augsburg. Eine kunstvoll gestaltete Steinplatte, vermutlich ein Werk von Michel Erhart, schmückte das Grab. Sie zeigt Simpert, angetan mit den bischöflichen Insignien, zu dessen Füßen aber einen Wolf mit einem Kind im Rachen. Dieses Attribut geht auf eine Legende zurück, nach der ein von einer Wölfin geraubtes Knäblein nach Anrufung des Heiligen gesund nach Hause zurückgebracht wurde. Das steinerne Denkmal ist heute noch im Bayerischen Nationalmuseum zu bewundern.

(Quelle: Bistum Augsburg)



Reliquienschrein des hl. Simpert



 

Terrakottastatue des hl. Jakobus

St. Ulrich und Afra, Augsburg

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