Freitag, 30. September 2016

Das Heilige Land 16 - die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Statue des hl Hieronymus im Kreuzgang der Katharinenkirche
auf einer über 2 m hohen Säule, Bethlehem, auf der Fassade der Kirche steht
eine Statue der hl. Katharina

Hieronymus, Priester und Kirchenvater. Sophronius Eusebius Hieronymus wurde um 347 zu Stridon geboren, das ist das heutige Sdrin in Kroatien. Bei seinem Studium in Mailand und Rom fühlte er sich zunächst mehr zu Cicero und Platon hingezogen als zur Bibel, bis ihm im Traum ein Engel die Bücher wegnahm und ihn vor den himmlischen Richter brachte. Mit 19 Jahren empfing er die Taufe und begeisterte sich fortan für das Wort Gottes. Auf einer Reise nach Trier lernte er das Mönchsleben kennen, was eine innere Suche nach seiner Berufung bei ihm auslöste: Er lebte zunächst in Aquileja in einer Klerikergemeinschaft, dann fünf Jahre in der Wüste von Chalkis, dem heutigen Halab in Syrien. Dort soll ihm ein Löwe als Haustier gedient haben. Nachdem er in Antiochien die Priesterweihe empfangen hatte, reiste er 382 nach Rom, wo er Sekretär von Papst Damasus I. wurde. Dies ist der Grund, warum er gerne als Kardinal dargestellt wird. In einer Zeit, in der auch Witwen und Jungfrauen vom Ideal klösterlichen Lebens erfasst wurden, wurde Hieronymus von solchen Frauen gerne als Seelsorger beansprucht. Unter seiner geistlichen Führung standen zahlreiche Heilige: Marcella, die adelige Witwe Paula, deren Tochter Julia und viele andere. Als Papst Damasus starb, wurde Hieronymus nicht zu dessen Nachfolger gewählt, weil er allzu freimütig die Misstände im Klerus kritisiert hatte. Im Gegenteil: Nun wurde er sogar wegen seiner Wirkung auf die frommen Frauen verleumdet. Enttäuscht ging er 386 nach Bethlehem, wo er in den verbleibenden 18 Jahren seines Lebens ein Männer- und drei Frauenklöster gründete und leitete. In der Abgeschiedenheit schuf Hieronymus, der der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache mächtig war, sein wichtigstes Werk: Er schrieb eine neue lateinische Übersetzung, die sich rasch durchsetzte und den Namen „Vulgata“, „die Verbreitete“, erhielt. Ferner verfasste Hieronymus exegetische, historische und theologische Abhandlungen. Er starb am 30. September 419 in Bethlehem. Im 13. Jahrhundert wurden seine Gebeine nach Santa Maria Maggiore in Rom überführt. Hieronymus zählt zu den vier großen lateinischen Kirchenvätern.
(Martyrologium Sancrucense)


Eingang zur Katharinenkirche der Franziskaner neben der Geburtskirche in Bethlehm

Mittelschiff der Katharinenkirche, das der Anbetung der hl. drei Könige geweiht ist

Grotten unter der Geburtskirche und unter der Katharinenkirche: 1. Geburtsgrotte 2. Altar der Weisen 3. Krippe 4. Treppe Richtung Katharinenkirche 5. Josefsgrotte 6. Altar der unschuldigen Kinder 7. Grab des hl. Eusebius von Cremona 8. Kenotaph des hl. Hieronymus 9. Zelle des hl. Hieronymus 10. Stufen die von den Grotten zur Katharinenkirche führen

Über eine Treppe im rechten Seitenschiff der Katharinenkirche gelangt man in ein weitverzweigtes Grottensystem, das 1962 archäologisch untersucht wurde und 1964 vom Franziskaner Farina neu gestaltet wurde.

Stufen zu den Nebengrotten (10)


Die Treppe führt in ein vorkonstantinisches Grabgewölbe, das in eine Kapelle zu Ehren des hl. Josef (5) umgewandelt worden ist.


Man sieht vorne und links Grabhöhlen, der linke Altar ist den Unschuldigen Kindern gweiht.

Altar der unschuldigen Kinder (6)

Der Gang rechts stellt die Verbindung zur Geburtsgrotte her.


nach rechts gelangt man in eine weitere Höhle. Hier sind die Gräber von Hieronymus und einiger seiner Freunde (Eusebius von Kremona, Paula und Eustochium, einer römischen Patrizierin und ihrer Tochter, die unter der Führung des hl. Hieronymus ein Kloster für Männer und für Frauen errichteten)

Kenotaph des hl. Hieronymus (8), er starb 419/420, seine Gebeine wurden später nach S. Maria Maggiore in Rom übertragen. (Olim locus S. Hieronymi presbyteri et ecclesiae doctoris - einst war hier begraben der hl. Hieronymus,
Priester und Kirchenlehrer)


Die letzte Kammer, in die eine Treppe vom oberen Kreuzgang herabführt, gilt als Zelle des hl. Hieronymus.

Zelle des hl. Hieronymus (9)


Wenn mein Rat etwas gilt, wenn einer, der Erfahrung besitzt, Vertrauen beanspruchen darf, dann geht meine erste Bitte, meine erste Mahnung dahin, daß die Braut Christi sich vor dem Weine hüte wie vor einem Gift. Er ist die erste Waffe,m deren der Teufel sich im Kampf gegen die Jugend bedient...

Es ist verhältnismäßig leicht, sich von anderen Lastern frei zu halten, aber dieser Feind (d.h. die böse Begierlichkeit) ist in uns eingeschlossen. Wo immer wir hingehen, tragen wir diesen Gegner mit uns herum.
Wein und Jugend sind die beiden Zündstoffe der Wollust. Warum noch Öl auf die Flamme gießen? Warum dem Brand in unserem Körper noch weitere Nahrung zuführen?

(Hieronymus: Brief an Eustochium 22,8)

Mosaik,  hl. Eustachium, hl. Paula, hl. Hieronymus, hl. Eusebius

Warum tut es uns so weh, wenn jemand sterben muß? Sind wir denn dazu geboren, ewig hier zu bleiben? Abraham, Moses, Isaias, Petrus, Jakobus, Johannes und Paulus, das Gefäß der Auserwählung, sind gestorben, ja sogar der Sohn Gottes: und wir sind ungehalten, wenn eine Seele aus dem Körper scheidet, die vielleicht nur deshalb hinweggenommen wurde, damit die Bosheit nicht ihren Sinn verkehre!
Seine Seele war Gott wohlgefällig, deshalb beeilte sich der Herr, ihn aus der ungerechten Umwelt wegzunehmen, damit er nicht auf einem langen Lebenswege von der Richtung abkomme und in die Irre gehe. Dann mag man über einen Toten trauern, wenn er der Hölle verfällt, wenn ihn die Unterwelt verschlingt, wenn ihn die strafenden Flammen in ewiger Glut peinigen. Uns aber, die beim Hinscheiden der Engel Schar begleitet, denen Christus entgegeneilt, sollte es mehr bedrücken, daß wir noch länger in diesem Todeszelt leben müssen. Wandeln wir doch fern vom Herrn, solange wir hier auf Erden leben. Möge auch uns der Wunsch beseelen: "Weh mir, weil sich meine Pilgerfahrt verlängert hat! Ich verweilte bei den Bewohnern Cedars. Allzulange wanderte meine Seele umher." (Psd 119,5f)

(Hieronymus: Brief an Paula 39,3)

Christus hilft Hieronymus bei seinen Bibelarbeiten







O möchte es mir gestattet sein, jene Krippe zu sehen, in welcher der Herr einst lag!

Jetzt haben wir Christen ehrenhalber die aus Lehm gefertigte Krippe entfernt und durch eine silberne ersetzt. Aber für mich ist jene, die man fortgeschafft hat, wertvoller.

Die Heidenwelt erwirbt Gold und Silber; der christliche Glaube verdient jene Lehmkrippe. Der in dieser Krippe geboren ist, verschmäht Gold und Silber.

Ich verachte nicht jene, die der Ehre wegen die silberne Krippe aufgestellt haben, wie ich auch jene nicht verachte, die für den Tempel goldene Gefäße angefertigt haben.

Aber ich bewundere den Herrn, der, obwohl Weltenschöpfer, nicht zwischen Gold und Silber, sondern auf Lehm geboren wurde.

(Hieronymus. Homilie über die Geburt des Herrn)

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