Donnerstag, 9. November 2017

Weihetag der Lateranbasilika

Erzbasilika des Allerheiligsten Erlösers,
des heiligen Johannes des Täufers und des hl. Johannes des Evangelisten im Lateran

Die Liturgie lässt uns heute das Fest der Weihe der Lateranbasilika feiern, die „Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt und des Weltkreises“ genannt wird. Diese Basilika war nämlich die erste, die nach dem Edikt des Kaisers Konstantin gebaut wurde, der im Jahr 313 den Christen die Freiheit gewährt hatte, ihre Religion auszuüben. Der Kaiser schenkte Papst Miltiades den alten Besitz der Familie der Laterani und ließ dort die Basilika, das Baptisterium und das „Patriarchium“ errichten, das heißt die Residenz des Bischofs von Rom, wo die Päpste bis zur avignonesischen Zeit wohnten. Die Basilika wurde um 324 von Papst Silvester dem Allerheiligsten Erlöser geweiht; erst nach dem sechsten Jahrhundert wurden die Namen der heiligen Johannes des Täufers und Johannes des Evangelisten hinzugefügt, nach denen sie gemeinhin benannt wird. Dieser Festtag interessierte zunächst nur die Stadt Rom. Später, ab dem Jahr 1565, wurde er auf alle Kirchen des römischen Ritus ausgedehnt. Auf diese Weise, durch die Ehrung dieses heiligen Gebäudes, will man Liebe und Verehrung gegenüber der römischen Kirche zum Ausdruck zu bringen, die, wie der hl. Ignatius von Antiochien erklärt, in der ganzen katholischen Gemeinschaft „den Vorsitz in der Liebe“ führt (An die Römer I,1).

Das Wort Gottes ruft an diesem Hochfest eine wesentliche Wahrheit in Erinnerung: Der Tempel aus Stein ist das Symbol für die lebendige Kirche, die christliche Gemeinde, die schon die Apostel Petrus und Paulus in ihren Briefen als einen „geistlichen Bau“ verstanden haben, der von Gott mit den „lebendigen Steinen“ errichtet wurde, die die Christen sind – auf dem einen Fundament, das Jesus Christus ist, der seinerseits mit dem „Eckstein“ verglichen wird (vgl. 1 Kor 3,9-11.16-17; 1 Petr 2,4-8; Eph 2,20-22). „Brüder, ihr seid Gottes Bau“, schreibt der heilige Paulus, und er fügt weiter hinzu: „Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr“ (1 Kor 3,9c.17).

Die Schönheit und Harmonie der Kirchen, die zum Lob Gottes bestimmt sind, lädt auch uns begrenzte und sündige Menschen zur Umkehr ein, um einen „Kosmos“ zu bilden, einen wohlgeordneten Bau, in inniger Gemeinschaft mit Jesus, der das wahre Allerheiligste ist. Dies erreicht seinen Höhepunkt in der eucharistischen Liturgie, in der die „ekklesía“, das heißt die Gemeinschaft der Getauften, sich vereint findet, um das Wort Gottes zu hören und sich vom Leib und vom Blut Christi zu nähren. Um diesen zweifachen Tisch wird die Kirche aus lebendigen Steinen in der Wahrheit und in der Liebe errichtet und innerlich durch den Heiligen Geist geformt; dadurch verwandelt sie sich in das, was sie empfängt, indem sie immer mehr ihrem Herrn Jesus Christus gleich wird. Wenn sie in der aufrichtigen und brüderlichen Einheit lebt, wird sie so selbst gottgefälliges geistliches Opfer.

Liebe Freunde, mit dem heutigen Fest wird ein Geheimnis gefeiert, das immer aktuell ist: dass Gott sich in der Welt einen geistlichen Tempel errichten möchte, eine Gemeinschaft, die ihn im Geist und in der Wahrheit anbetet (vgl. Joh 4,23-24). Dieser Festtag aber erinnert uns auch an die Bedeutung materieller Gebäude, in denen sich die Gemeinden versammeln, um Gottes Lob zu feiern. Jede Gemeinde hat daher die Pflicht, mit Sorgfalt ihre heiligen Gebäude zu bewahren, die ein wertvolles religiöses und historisches Erbe darstellen. Bitten wir deshalb um die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria, damit sie uns helfe, wie sie „Haus Gottes“ zu werden, lebendiger Tempel seiner Liebe.

(Papst Benedikt XVI., Ansprache vom 9. November 2010)

Festinhalt und Bilder vom Lateran




Die Häupter der Apostelfürsten werden hier aufbewahrt

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