Donnerstag, 23. Februar 2017

Polykarp von Smyrna

Polykarp von Smyrna, St Mary the Great, Cambridge


Polykarp von Smyrna, Apostelschüler, Bischof und Märtyrer. Polykarp war Schüler des Apostels Johannes und Bischof von Smyrna, dem heutigen Izmir in der Türkei. Er zählt zu den Apostolischen Vätern, also zur 2. Generation nach den Aposteln. Als Ignatius von Antiochien als Gefangener nach Rom geführt wurde, begegnete er in Smyrna dem Polykarp. Auch Irenäus von Lyon kannte Polykarp. Um 154 reiste Polykarp nach Rom, um mit Papst Anizet Verhandlungen wegen des strittigen Ostertermins zu führen. Der Brief Polykarps an die Philipper ist in der überlieferten Form eine Zusammenstellung mehrerer Schreiben Polykarps.
Als Greis von etwa 86 Jahren wurde Polykarp wegen seines freimütigen Bekenntnisses zu Christus zum Tod verurteilt. Der Prokonsul weigerte sich, Polykarp von Tieren zerfleischen zu lassen, weil dieser Programmpunkt bereits beendet war, so ließ er Polykarp verbrennen. Inmitten des johlenden Pöbels wurde er auf den Scheiterhaufen gestellt. Als die Flammen ihn nicht verletzten, wurde Polykarp durch einen Dolchstoß getötet. Das im Kern echte „Martyrium Polycarpi“ gehört zu den ältesten christlichen Märtyrerakten. Sein Tod fällt auf den 22. oder 23. Februar wohl um 156. Dargestellt wird Polykarp als Greis in bischöflichem Ornat auf dem Scheiterhaufen.
(Martyrologium Sancrucense)
 
St Mary the Great, Cambridge

Sechsundachtzig Jahre habe ich Christus gedient
und habe von ihm kein Unrecht erfahren.
Wie könnte ich meinen König schmähen,
der mich erlöst hat.

(Benediktusantiphon vom hl. Polykarp)




Aus dem Brief der Kirche von Smyrna über das Martyrium des hl. Polykarp.

Wie ein reiches Opfer wurde er angenommen
Als der Scheiterhaufen hergerichtet war, legte Polykarp alle seine Kleider ab, löste den Gürtel und suchte selbst die Schuhe auszuziehen; er tat dies früher nicht, weil die Gläubigen immer darauf aus waren, schnell seinen Leib zu berühren. Denn schon vor seinem Martyrium war er seines vorbildlichen Lebens wegen eine Zierde alles Guten (für die Gemeinde). Sogleich legte man alles, was zum Scheiterhaufen gehörte, um ihn herum.
Als sie ihn aber noch annageln wollten, sagte er: „Laßt mich so; denn der mir die Kraft gibt, das Feuer auszuhalten, wird mir auch ohne die Sicherung durch eure Nägel verleihen, daß ich bei der Verbrennung ruhig stehen bleibe." 
Da nagelten sie ihn nicht an, sondern banden ihn nur fest.
Er legte seine Hände auf den Rücken und wurde gebunden, wie der auserwählte Widder aus einer großen Herde bereitet wird für die Darbringung eines Ganzopfers, das Gott gefällt.

Polykarp blickte auf zum Himmel und sprach: “Herr, Gott, Herrscher des Alls, Vater deines geliebten und gepriesenen Knechtes Jesus Christus, durch den wir Kenntnis von dir erhalten haben, Gott der Engel und Mächte, der ganzen Schöpfung und des ganzen Geschlechtes der Gerechten, die vor dir leben! Ich preise dich, daß du mich dieses Tages und dieser Stunde wert gehalten hast, daß ich unter der Schar der Märtyrer am Kelch deines Christus teilhaben darf zur Auferstehung des ewigen Lebens (1) von Seele und Leib in Unverweslichkeit durch den Heiligen Geist. Mit einem reichen, von dir angenommenen Opfer (2) möchte ich heute unter sie eingereiht werden, mit einem Opfer, wie du es mir im voraus bestimmt und verkündet hast und wie du es nun erfüllst, du wahrhaftiger Gott, der die Lüge nicht kennt. Dafür und für alles lobe ich dich. Ich preise und verherrliche dich mit dem ewigen Hohepriester Jesus Christus im Himmel, deinem geliebten Sohn und Knecht. Durch ihn ist dir mit ihm und dem Heiligen Geist die Ehre jetzt und in Zukunft und in Ewigkeit. Amen."
 
Als er das Amen gerufen und das Gebet beendet hatte, entzündeten die Feuerleute den Scheiterhaufen. Als die Flamme hoch emporloderte, sahen wir, denen es zu schauen vergönnt war, ein großes Wunder. Das Feuer war wie ein gewölbter Raum und umgab den Leib des Märtyrers ringsum wie das Segel eines Schiffes, das im Wind gebläht wird. Der Märtyrer stand mitten darin. Er sah nicht aus wie verbrennendes Fleisch, sondern wie Brot, das gebacken wird, oder wie Gold und Silber, das man im Feuer läutert.
1. Joh.5,29. 2. Vgl. Ps.20,4.

St. Mary the Great, Cambridge

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