Sonntag, 22. Februar 2026

Versuchung und Fall

Lesung aus dem Buch Génesis
(1. Lesung vom 1. Fastensonntag, Lesejahr A)

2,7 Gott, der Herr, formte den Menschen,
Staub vom Erdboden,
und blies in seine Nase den Lebensatem.
So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.
8 Dann pflanzte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten
und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.
9 Gott, der Herr, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen,
begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen,
in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens
und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
3,1 Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes,
die Gott, der Herr, gemacht hatte.
Sie sagte zu der Frau:
Hat Gott wirklich gesagt:
Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?
2 Die Frau entgegnete der Schlange:
Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;
3 nur von den Früchten des Baumes,
der in der Mitte des Gartens steht,
hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen
und daran dürft ihr nicht rühren,
sonst werdet ihr sterben.
Darauf sagte die Schlange zur Frau:
Nein, ihr werdet nicht sterben.
Gott weiß vielmehr:
Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf;
ihr werdet wie Gott
und erkennt Gut und Böse.
6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen,
dass der Baum eine Augenweide war
und begehrenswert war, um klug zu werden.
Sie nahm von seinen Früchten und aß
sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war,
und auch er aß.
7 Da gingen beiden die Augen auf
und sie erkannten, dass sie nackt waren.
Sie hefteten Feigenblätter zusammen
und machten sich einen Schurz.

Sündenfall, Malerei von Andrej Hafčík aus dem Jahr 1665

Die Geschichte vom Sündenfall der Menschheit wird in der Sage von der Verführung der ersten Menschen als Versuchung, wie Gott zu sein, erläutert. Das Wichtigste an dieser Erzählung ist zunächst, daß Gott sein Geschöpf nicht in der Entfremdung von ihm geschaffen hat, sondern in einem Verhältnis gnadenhaft geschenkter Freundschaft.
Und dann, daß Gott ein Geschöpf, dem er das höchste Geschenk, die Freiheit, übergibt, in die freie Wahl stellen muß; ein im guten "verhärtetes" Wesen wäre gar nicht frei. 

Und wenn Gott auch vorausweiß, daß der Mensch in dieser Wahlfreiheit der Versuchung, wie Gott zu sein, nicht widerstehen wird, so weiß er in seinem Weltplan tiefer, daß der Eine, den er als seinen Sohn in die gleiche Versuchung senden wird, widerstehen und damit für die ganze Menscheit mitten in der Versuchung den Sieg über sie erlangen wird.
Die ersten Menschen hatten gewähnt, die Kenntnis nicht nur des Guten, sondern auch des Bösen werde sie gottähnlicher machen, aber wer "die Tiefen des Bösen" (vgl. Apg 2,24) durchforschen will, verliert Geschmack und Kenntnis des Guten, das Gott ist. Und weil das Gute die Wahrheit ist und das Böse die Lüge (die Schlange lügt, der Teufel ist der Vater der Lüge: Joh 8,44), verfällt der sündigende Mensch einer tiefen Unwissenheit.
(Hans Urs von Balthasar, Licht des Wortes, 45)

Franziskuskirche, Hervartov

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