Freitag, 23. Dezember 2016

Unser König und Lehrer



O Immanuel, unser König und Lehrer,
du Hoffnung und Heiland der Völker:
o komm, eile und schaffe uns Hilfe,
du unser Herr und unser Gott!

(O-Antiphon vom 23. 12.)


Christus als König und Lehrer, Apsismosaik um 390, S. Pudenziana, Rom, die von Kaiser Konstantin erbauten Kirchen Jerusalems im Hintergrund, rechts z. B. die Himmelfahrtskirche mit der Öffnung nach oben

Das Mosaik der Apsis in der römischen Kirche S. Pudenziana ist nach den Mosaiken der Apsidiolen in S. Costanza das älteste der uns erhaltenen frühchristlichen Apsismosaiken. (...) Auf einen mit Gemmen reich besetzten herrschaftlichen Thron sitzt Christus im Gewand des philosophischen Lehrers, das ihn jedoch durch die Gold- und Purpurfärbung gleichzeitig als Herrscher ausweist. Christus hat die Rechte im Lehrgestus erhoben, in der Linken hält er ein aufgeschlagenes Buch, auf dessen sEiten die Schrift "Dominus conservator ecclesiae Pudentinae" (Der Herr, Bewahrer der pudentianischen Kirche) zu lesen ist. Zu seinen Seiten sind die Apostel diskutierend und argumentierend ganz in der Art antiker Darstellungen philosophischer Lehrversammlungen im Halbrund vor einer Portikus sitzend wiedergegeben. Hinter ihnen stehen die Personifikationen der Judenkirche und der Heidenkirche, aus denen sich die christliche Kirche zusammensetzte, die über den Köpfen der Apostelfürsten Petrus und Paulus goldene Märtyrerkronen halten.

Über der Portikus im Hintergrund, die mit goldenen Dachziegeln gedeckt ist, sind als Verheißung der Endzeit die Gebäude des himmlischen Jerusalems der Johannesapokalypse zu sehen, in deren Mitte auf einem Hügel ein großes, mit Gemmen besetztes Kreuz sich erhebt, das von den vier apokalyptischen Wesen in den Wolken des Himmels begleitet wird.

So ist in diesem Mosaik in dem Abbild des von Kaiser Theodosius I. (384-395) auf dem Felsen von Golgotha errichteten Gemmenkreuzes der Sieg Christi über den Tod und die apokalyptische Vision des Zeichens des Weltenherrschers Christi am Ende der Tage verbunden mit dem Bild des göttlichen Lehrers, der im Kreise seiner Schüler die neue disciplina, die Heil verheißende christliche Lehre verkündet und der gleichzeitig als Weltenherrscher unter dem Siegeszeichen des Erlösung versprechenden Kreuzes thront.
(H. Brandenburg, Die frühchristlichen Kirchen in Rom, 150f)



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen