Samstag, 23. März 2013

Auf dem Füllen eines Esels


 
Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht:
Fürchte dich nicht, Tochter Sion.
Siehe dein König kommt sitzend auf dem Füllen eines Esels.
(Johannes 12,14-15)

Einzug in Jerusalem, Unterkirche in Assisi

Alles an dieser Szene deutet auf die Demut des Herrn. Er erfüllt eine Prophezeiung, und zwar eine ganz kleine, scheinbar nebensächliche. Er neigt sich auch zu einem belanglosen Vers herab, um ihn zu erfüllen. In diesem Tun des Kleinsten aber liegt sein Größtes: denn so füllt er auch das Geringste mit seiner Liebe.
Er tut, indem er diese Weissagung erfüllt, den Willen des Vaters, und das ist das Größte. Er tut ihn nicht nur in großen Zügen, in großen Linien, sondern bis ins Kleinste hinein. Und indem er dieses Kleine erfüllt, das heißt, wahr werden läßt, den in der Weissagung vorausgesagten Weg zu dem seinigen macht, gibt er die Richtschnur für alle, die ihm nachfolgen wollen.


 Er ist der Herr nicht nur des Großen, sondern nicht minder des Kleinen. Und jeder große Plan muß im Kleinen ausgeführt werden. Wie er der Anfang alles Großen ist, ist er auch der Anfang alles Kleinen, jenes Kleinen und Kleinsten, das ihm in der Passion zur Erleidung und Erledigung vorgestellt werden wird.
Und wenn er früher in seinen Reden mehr das Große betont hat: die Herkunft vom Vater und die Rückkehr zum Vater, und alle kleinliche Gesinnung der Juden in diese große Bewegung aufgelöst hat, so zeigt er jetzt, daß sein großer Weg aus lauter kleinen Schritten und Stückchen besteht. Alle sollen das sehen und bemerken, darum läßt er diese Prophezeiung sich so augenfällig erfüllen.

Alles Kleine im Leben des Christen hat Teil am Großen und wird dadurch groß; aber nur dann, wenn das Große sich demütigt, klein und alltäglich und belanglos zu werden. Denn der König der Welt kommt auf dem Füllen eines Esels daher:
Das Erhabenste auf dem Rücken des Unscheinbarsten. Darum braucht sich Jerusalem nicht fürchten. Sein König erscheint im Geist äußerster Demut. In diesem Geist versöhnt sich das Höchste mit dem Niedrigsten und die Angst mit der Freude, so daß er im Triumpf erhöht in seine Niedrigkeit eingeht.

(aus: Adrienne von Speyr, Betrachtungen über das Johannesevangelium, Die Streitreden, 495f)

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