Freitag, 10. August 2018

Das Martyrium des hl. Laurentius


Hl. Laurentius, Notre Dame de Chartres


Die bekanntesten Erlebnisse des Märtyrers Laurentius sind mit großem Reichtum an Details in der Schrift Passio Polychromi nachzulesen, von denen uns drei Ausgaben überliefert sind (5.-7. Jh.); dass in dieser Erzählung auch einiges Legende ist, ist unumstritten, auch wenn einige Details, die hier enthalten sind, bereits von früheren Zeugen überliefert wurden, wie z.B. der Schrift De Officiis (vgl. PL XVL 89-92) des Hl. Ambrosius. Wir beabsichtigen, diese Zeugenschaft hier zu vertiefen; beginnen wir daher mit den kurzen Anmerkungen zum Gedächtnistag des Märtyrers, der laut dem "Depositio Martyrum" (aus dem Jahr 354) auf den 10. August fällt: im katholischen Missal steht hierzu folgendes: „Laurentius, der berühmte Diakon der Römischen Kirche, bestätigte mit seinem Martyrium unter Valerianus (258) - vier Tage nach der Enthauptung des Papstes Sixtus II - seinen Dienst im Namen der Barmherzigkeit. Laut einer Legende, die bereits im 4. Jh. verbreitet war, nahm er tapfer ein grausames Martyrium auf dem glühenden Rost auf sich, nachdem er die Güter der Gemeinschaft unter den Armen verteilt hatte, welche er als wahre Schätze der Kirche bezeichnete…". Diese Anmerkungen schließen mit einem Hinweis darauf, dass der Name Laurentius auch im Katholischen Heiligenbuch erwähnt wird. (...)


So wird also angenommen, dass Laurentius in Spanien geboren ist, in Osca, einer Kleinstadt in Aragona, die am Fuße der Pyrenäen liegt. Bereits in seinen jungen Jahren wurde er nach Saragossa gesandt, um dort seine humanistischen und theologischen Studien zu vervollständigen. Hier lernte er den späteren Papst Sixtus II kennen. Dieser stammte ursprünglich aus Griechenland, führte hier aber sein Amt als Lehrer aus, denn Saragossa war damals eines der berühmtesten Studienzentren und unter seinen Lehrern war der spätere Papst einer der Bekanntesten und Geschätztesten.
Laurentius hingegen, der eines Tages Leiter der Diakone der römischen Kirche werden sollte, zeichnete sich durch seine menschlichen Werte aus, durch seine Gutmütigkeit und seine Intelligenz. So entstand zwischen Lehrer und Schüler eine Freundschaft und eine Vertrautheit, die im Laufe der Zeit noch zunahm und sich festigte; mit der Zeit wurde die Liebe zu Rom, dem Zentrum der Christenheit und der Stadt, in der der Stellvertreter Christi seinen Sitz hatte, in beiden immer stärker, bis sie einer damals sehr stark verbreiteten Pilgertendenz folgten und Spanien verließen, um nach Rom zu ziehen, wo der Apostel Petrus seine Kirche gebaut und seine höchste Zeugenschaft abgelegt hatte. So konnten Lehrer und Schüler ausgerechnet in Rom, dem Herzen der katholischen Religion, ihr Ideal verwirklichen, zu lehren und zu bekehren… bis zum letzten Tropfen Blut. Als Sixtus II am 30. August des Jahres 257 den päpstlichen Thron bestieg – um ein Pontifikat anzutreten, das nicht einmal ein Jahr dauern sollte – wollte er unmittelbar, ohne zu zögern, seinen alten Schüler und Freund Laurentius, an seiner Seite haben, welchem er die delikate Aufgabe des Erzdiakonen anvertraute. (...)



Und den Text De Officiis (Kap. 41, Nr. 205-206-207) von Ambrosius, der in seiner intensiven Ausdruckskraft ganz besonders bewegend ist, wollen wir hier auch als Bezugsquelle nehmen; der Hl. Ambrosius drückt sich folgendermaßen aus:

205. „... Als der Heilige Laurentius ... seinen Oberhirten Sixtus zum Martyrium führen sah, begann er zu weinen, aber nicht, weil er dem Tode entgegen geführt wurde, sondern weil er ihm überleben sollte. Er rief ihm daher laut nach: „Wo gehst du hin, oh Vater, ohne deinen Sohn? Wo eilst du hin, heiliger Bischof, ohne deinen Diakon? Du hast doch nie das Messopfer ohne Diener gefeiert. Was hat dir also an mir missfallen, oh Vater? Hast du mich vielleicht für unwürdig befunden? Kontrolliere doch wenigstens, ob du einen geeigneten Diener gewählt hast. Willst du nicht, dass derjenige, dem du das Blut Christi anvertraut hast, derjenige, den du an der Feier der heiligen Geheimnisse hast teilnehmen lassen, sein Blut gemeinsam mit dir vergießt? Pass auf, dass deine Erkenntnis nicht nachlässt, während deine Kraft und Stärke gerühmt wird. Die Verachtung des Schülers schadet auch dem Lehrer. Muss ich dich daran erinnern, dass die großen und berühmten Männer ihre Siege eher durch die siegreichen Leistungen ihrer Schüler erreichen als durch ihre eigenen? Und Abraham hat schließlich auch seinen Sohn geopfert, Petrus hat Stephan vorausgeschickt. So offenbare auch du, oh Vater, deine Tugend durch deinen Sohn; biete denjenigen, den du erzogen hast, mit sicherem Urteil an, um den ewigen Lohn in glorreicher Gesellschaft zu erlangen."

206. Da antwortete ihm Sixtus: "Ich lasse dich nicht allein, ich verlasse dich nicht, mein Sohn; doch stehen dir die härtesten Prüfungen bevor. Uns Alten ist ein leichterer Wettlauf zugewiesen worden; dir hingegen, der du jung bist, ist ein glorreicherer Triumph über den Tyrannen bestimmt. Bald wirst auch du kommen, hör auf zu weinen: in drei Tagen wirst du mir nachfolgen.. Zwischen einem Bischof und einem Leviten ziemt sich ein zeitlicher Abstand. Es wäre deiner nicht würdig gewesen, unter der Führung des Lehrers zu siegen, gerade so als ob du Hilfe suchtest. Warum bittest du darum, mein Martyrium zu teilen? Ich hinterlasse dir die gesamte Erbschaft. Wieso verlangst du meine Anwesenheit? Die noch schwachen Schüler eilen dem Lehrer voran, die bereits starken, die keine Belehrungen mehr brauchen, folgen ihm nach, um ohne ihn zu siegen. So verließ auch Elias Eliseus. Ich vertraue dir die Nachfolge meiner Tugend an."

207. So fand zwischen den Beiden ein Wettkampf stand, der wahrhaft würdig war, von einem Bischof und einem Diakonen ausgetragen zu werden: wer sollte zuerst für Christus leiden? Es heißt, dass in den Theatervorstellungen die Zuschauer in großen Applaus ausbrachen, wenn Pilades behauptete, Orest zu sein und Orest ebenfalls behauptete, Orest zu sein, was ja tatsächlich stimmte. Der eine behauptete dies, um an der Stelle Orests getötet zu werden, der andere, um zu vermeiden, dass Pilades an seiner Stelle umgebracht würde. Doch hätten sie nicht leben sollen, denn beide waren des Vatermordes schuldig: der eine, weil er ihn begangen hatte, der andere, weil er sein Komplize war. In unserem Fall wurde der Hl. Laurentius von keinem anderen Grunde bewogen als dem, sich für den Herrn aufzuopfern. Und auch er wurde drei Tage später auf dem glühenden Rost verbrannt, wobei er den Tyrannen höhnte: ‚Diese Seite ist gut durch, dreh um und iss.‘ So hat er durch seine Tapferkeit die Glut des Feuers besiegt." (Hl. Ambrosius, De Officiis, libri tres, Mailand, Ambrosianische Bibliothek, Stadt Rom Nuova Editrice 1977, S. 148-151).


(Don Francesco Moraglia, Genua; Quelle: vatican.va)



Martyrium des hl. Laurentius, Notre Dame de Chartres


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