Montag, 15. August 2016

Das Heilige Land 13 - das Mariengrab in Jerusalem


Das Mariengrab liegt am Abhang des Ölberges, nur einen Steinwurf von der Getsemani-Basilika entfernt.
Als Ort des Todes Mariens gilt der Berg Zion, wo Maria im Kreise der Jünger gestorben sein soll. Hier errichteten Kreuzfahrer eine fünfschiffige Kirche, in der im südöstlichen Teil im Obergeschoß die Abendmahlskapelle lag, während der Heimgang Mariens im nordwestlichen Teil lokalisiert wurde. Diese Kirche wurde 1219 zerstört.
Nicht die Heilige Schrift, sondern außerbiblische Quellen berichten uns über das Sterben und die Aufnahme der Mutter Gottes. Nach der Schrift "Transitus Beatae Mariae Virginis" (Heimgang der seligen Jungfrau Maria), die dem hl. Meliton, Bischof von Sardes, zugeschrieben wird, "entschlief Maria auf dem Zionsberg. Jesus vertraute ihre Seele den beiden Erzengeln Michael und Gabriel an, die sie (...) bis zum Baum des Lebens geleiteten. Dann trugen die Apostel den Leichnam Mariens in das Tal Joshafat, das der Herr ihnen bezeichnet hatte. Sie legten ihn in ieine Grabstätte und verschlossen sie. (..) Petrus und die anderen Apostel sprachen: `Herr, diesen makellosen Menschen hast du als deine Wohnung auserwählt. (..) Deinen Dienern scheint es richtig, daß du, so wie du selbst nach dem Sieg über den Tod im Himmel herrscht, auch den Leib Mariens auferweckst und sie in den Himmel führst (..)` Da sprach der Erlöser: `Es geschehe nach deinen Worten.`"
(vgl. Fleckenstein, Komm und sieh, 26f; Fürst, Im Land des Herrn, 378f)


Eingang zur Krypta mit dem Kreuzfahrerportal

Nach der Konstantinischen Wende kam die hl. Grabstätte unter den Schutz der Heidenchristen und Theodosius der Große (379-395) begann sie in ein Heiligtum umzugestalten. Er ließ über die Grabstelle eine Kirche in Form eines Kreuzes bauen. Im 6. Jahrhundert errichtete Kaiser Mauritius eine Oberkirche in Form eines Rundbaus in Anlehnung an die Auferstehungskuppel über dem Grab Jesu, sodaß die erste Kirche nun als Krypta diente.

Im Jahr 614 zerstörten die Perser die Oberkirche. Die Kreuzfahrer bauten 1112  die Kirche wieder auf, daneben wurde eine benediktinische Abtei errichtet. Der heutige Treppenaufgang und das Kreuzfahrerportal stammen aus den Baumaßnahmen von damals.

1187 besetzte Saladin Jerusalem und zerstörte die Oberkirche und die Abtei. Aus Respekt vor der Mutter des Herrn verschonte er die Krypta.
Im 14. Jahrundert war die Kirche gemeinsames Eigentum der christlichen Gemeinschaften. 1757 wurde sie von der türkischen Regierung den orthodoxen Griechen und Armeniern übertragen.


Über eine breite Treppe mit 47 Stufen gelangt man zur Marienkrypta

Grabstätte der Königin von Jerusalem, Melisenda (um 1161), der frommen Über-
lieferung nach wäre dies das Grab der Eltern Mariens, Joachim und Anna

Auf der gegenüberliegenden linken Seite der Treppe in der Kapelle des hl. Josef
ist die Gemahlin Balduins III., Maria, und Konstanze, die Mutter Bohemunds III.
begraben

Die Krypta hat die Gestalt eines Kreuzes, im östlichen Teil befindet sich das Mariengrab. Wie das Grab Christi ist es ein
Felswürfel mit zwei Öffnungen, sodaß man von vorne zur Grabbank hineingehen und nach links wieder herausgehen kann.










Darstellungen der Aufnahme der Mutter Gottes beim Grab

hinein




und hinaus

Bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1972 zeigte sich, dass das Mariengrab zu einem Gräberkomplex mit drei Grabkammern gehörte. Dieser archäologische Befund stimmt mit den literarischen Angaben des "Transitus Virginis"  überein, sodass der Schluß naheliegt, daß der Schreiber des apokryphen Zeugnisses den Bestattungsort vor Augen hatte, noch bevor die Kirche darüber errichtet wurde.
"Nehmt morgen die Herrin Maria und bringt sie außerhalb Jerusalems an den Weg, der vom Talanfang auf den Ölberg führt. Dort sind drei Grotten: eine große äußere, eine andere weiter drinnen und eine kleine innere mit einer erhöhten Bank aus Lehm auf der Ostseite. Geht und legt die Gesegnete auf jene Bank." (ebd. Fleckenstein, Fürst)

Der Archäologe Bagatti, der die hl. Stätte damals untersuchte, kam zu folgenden Schlußfolgerungen:
"Jenes Grab, das wir als die Ruhestätte der Jungfrau Maria verehren, hat ale charakteristischen Merkmale eines Grabes aus dem 1. Jahrhundert. Die Christen verehrten diesen Ort seit der Urkirche, vor allem bei der jährlichen Gedächtnisfeier, wenn die "DORMITIO VIRGINIS", die "Entschlafung Mariens", während der Liturgie vorgelesen wurde.
Die Gläubigen aus der jüdischen Wurzel waren als Einheimische vertraut mit der Ortslage. Einige von ihnen verfassten das Dokument der "Dormitio". Sie waren es auch, die das Grab mindestens bis zum Ende des 4. Jahrhunderts verehrten. Das Grab übernahmen später die Heidenchristen. Diese formten es in ein Heiligtum um und meißelten es frei von den nahe gelegenen anderen Gräbern. Sie schmückten es mit Bauten und reichen Dekorationen.
Trotz vieler Veränderungen am Grab, trotz Wandlung der theologischen Mentalität im Laufe der Jahrhunderte erfuhr das Grab immer eine aktive Verehrung.
Aufgrund all dieser Elemente haben wir Grund genug, diesen heiligen Ort als authentisch anzusehen."
(Fleckenstein, ebd 30f)



im Inneren des Grabes, Grabbank, ca 45 cm über den Fußboden

Seitenansicht


Geburt Christi

Darstellung des Heimgangs Mariens, Jesus nimmt die Seele

seiner Mutter in Empfang














"In einer arabischen Fassung vom `Hinscheiden Mariens` ist uns ein sehr schönes Gebet der Heiligen Jungfrau überliefert, mit dem sie bei ihrem Sohn Fürbitte für die ganze Menschheit einlegt (..):

Jesus Christus, mein Herr und mein Gott!
Ich bitte dich, erhöre das Gebet,
das ich für deine Kinder und die Kinder der Taufe,
für die Gerechten und für die Sünder an dich richte,
und schenke ihnen deine Gnade.
Empfange sie alle, die in deinem Namen beisammen sind;
die dir Geschenke in meinem Namen darbringen
und dich anrufen in ihren Gebeten,
in ihren Wünschen und in ihren Schmerzen.
Gib, dass sie von all ihren Leiden erlöst werden und erlangen,
was sie in ihrem Glauben erhoffen.
Wende alle Übel von ihnen ab, die man ihnen zufügen möchte.
Heile ihre Krankheiten, erhöhe ihren Reichtum und mehre ihre Kinder.
Steh ihnen bei in allem, was sie in dieser Welt beginnen,
und gewähre ihnen zuletzt das Glück, dass sie an deinem Reich teilhaben."

(Fleckenstein, Komm und sieh, 27f)

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