Sonntag, 15. September 2019

Sieben Schmerzen Mariens (Riffian)

 



Riffian gehört zu den ältesten und bekanntesten Wallfahrtsorten Südtirols und ist Wallfahrtsmittelpunkt des Burggrafenamtes. Die ersten urkundlichen Belege – vier Ablassbriefe – stammen aus dem Jahre 1310. Im Jahr 2010 konnte Riffian also das Jubiläum „700 Jahre Wallfahrt“ feiern.

Die Gründungslegende erzählt: Ein Bauer bemerkte in der Nacht des Öfteren im Flussbett der Passer einen Lichtschein, ging dieser unerklärlichen Erscheinung näher nach und fand zwischen Geröllsteinen und Sand das Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter von Riffian. Die Bewohner entschlossen sich, für das Muttergottesbild eine würdige Kapelle zu bauen. Als Standort hatte man einen Platz mitten im Dorf ausgewählt. Allein der Bau wollte nicht voranschreiten; die Arbeiter verunglückten einer nach dem anderen; was am Tage aufgebaut war, stürzte nachts wieder zusammen. Schwalben kamen und trugen die vom Blute der Zimmerleute bespritzten Holzspäne auf den benachbarten Hügel; man erkannte den Wink der Muttergottes und erbaute auf dem angezeigten Platz die Kapelle.


Hochaltar der Wallfahrtskirche Riffian



Im Kircheninneren richtet sich unser erster Blick auf den prunkvollen Hochaltar. Der Aufbau – in Form eines Triumphbogens - ist in Holz gemacht, vergipst und prachtvoll marmoriert worden. Der Altar ist ein würdiger Platz für das Gnadenbild, eine sehr schöne Arbeit aus der Zeit um 1415. Sieben Engelsfiguren umrahmen das Gnadenbild und tragen Schildchen, auf denen die Sieben Schmerzen Mariens gemalt sind.
Die vier großen Seitenstatuen haben alle ihren eigenen Bezug zum Gnadenbild: Der greise Simeon (rechts vom Gnadenbild), der Prophet Jesaja (links vom Gnadenbild) sowie vorne der Evangelist Johannes (links) und Maria Magdalena (rechts).



Pieta, Gnadenbild in Wallfahrtskirche zu den sieben Schmerzen Mariens, Riffian
Engel links zeigt die Beschneidung Jesu

LITANEI VON DER SCHMERZENSREICHEN MUTTER GOTTES

Herr, erbarme dich.
Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich.
Christus, höre uns.
Christus, erhöre uns.

Gott Vater im Himmel - erbarme dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt
Gott Heiliger Geist
Heiliger dreifaltiger Gott

Heilige Maria - bitte für uns.
Du schmerzensreiche Mutter
Du Mutter des Gekreuzigten
Du Königin der Märtyrer
Du Mutter der Bedrängten
Du Trösterin der Betrübten
Du Hilfe aller, die in Not sind
Du Schutz der Verlassenen
Du Stütze der Witwen und Waisen
Du Stärke der Verzagten
Du Zuflucht der Sünder
Du Heil der Kranken
Du Hoffnung der Sterbenden
Du Mutter der Barmherzigkeit

Du warst arm im Stall von Betlehem
Du hörtest die Worte des Simeon
Du warst auf der Flucht vor Herodes
Du suchtest Jesus in Jerusalem
Du erlebtest die Verurteilung Jesu
Du standest an seinem Kreuzweg
Du standest unter dem Kreuz
Du warst zugegen beim Sterben deines Sohnes
Dein toter Sohn lag auf deinem Schoß
Du hast deinen Sohn zum Grab geleitet
Du Mutter der Schmerzen

In Angst und Schrecken
In Krankheit und Schmerzen
In Kummer und Bedrängnis
In Verfolgung und Unterdrückung
In Gefahr und Versuchung
In Kleinmut und Ungeduld
In aller Einsamkeit
In der Stunde des Todes
Am Tag des Gerichts
Du Mutter des Erlösers

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt; - Herr verschone uns.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt; - Herr erhöre uns.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt;- Herr erbarme dich.

Lasset uns beten. - Ewiger Gott, du hast Maria die Kraft gegeben, das Leid ihres Sohnes mitzutragen. Stärke alle, die um ihres Glaubens willen benachteiligt und verfolgt werden, und stehe auch uns bei, daß wir im Bekenntnis zu dir nicht wanken. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.




Die Kreuzesdarstellung am linken Pfeiler ist eine vorzügliche Arbeit des bedeutenden Oberinntaler Bildhauers Hans Patsch (um 1633): Jesus am Kreuz und unter dem Kreuz die Mater dolorosa/die schmerzhafte Mutter; ihr Herz wird von einem Schwert durchbohrt.




Entschlafung Mariens

Wallfahrtskirche Riffian

Samstag, 14. September 2019

Kreuzerhöhung


Kreuzauffindung durch Helena


Kreuzerhöhung - in diesem Zeichen wirst du siegen (Baptisterium von S. Giovanni in Laterano)

Die Kreuzreliquie in S. Croce in Gerusalemme


Vor dem Mariengebet möchte ich nun auf zwei wichtige liturgische Feste der vergangenen Tage zu sprechen kommen: das Fest der Kreuzerhöhung, das wir am 14. September gefeiert haben, und das Gedächtnis der Schmerzen Mariens, das am folgenden Tag begangen wird. Diese beiden liturgischen Feiern lassen sich bildlich in der traditionellen Darstellung der Kreuzigung zusammenfassen, welche die Jungfrau Maria am Fuß des Kreuzes zeigt – nach der Beschreibung des Evangelisten Johannes, des einzigen Apostels, der beim sterbenden Jesus blieb. Aber welchen Sinn hat es, das »Kreuz« zu »erhöhen«? Ist es nicht vielleicht anstößig, ein entehrendes Instrument der Hinrichtung zu verehren? Der Apostel Paulus sagt: »Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit« (1 Kor 1,23). Die Christen verehren jedoch nicht irgendein Kreuz, sondern das Kreuz, das Jesus geheiligt hat durch sein Opfer, Frucht und Zeugnis unermeßlicher Liebe. Am Kreuz hat Christus sein Blut ganz vergossen, um die Menschheit aus der Knechtschaft der Sünde und des Todes zu befreien. Deshalb wurde das Kreuz aus einem Zeichen des Verderbens zu einem Zeichen des Segens, aus einem Symbol des Todes zum Symbol der Liebe schlechthin, einer Liebe, die Haß und Gewalt besiegt und unsterbliches Leben hervorbringt. »O Crux, ave spes unica! Heiliges Kreuz, unsere einzige Hoffnung!« So singt die Liturgie.


Der Evangelist berichtet: Bei dem Kreuz stand Maria (vgl. Joh 19,25–27). Ihr Schmerz ist ganz eins mit dem Schmerz ihres Sohnes. Es ist ein Schmerz voller Glauben und Liebe. Auf Golgota hat Maria Anteil an der heilbringenden Kraft des Leidens Christi, indem sie ihr »Fiat«, ihr »Ja«, mit dem des Sohnes vereint. Liebe Brüder und Schwestern! Erneuern auch wir, geistlich mit der Schmerzhaften Gottesmutter vereint, unser »Ja« zu Gott, der den Weg des Kreuzes gewählt hat, um uns zu erlösen. Es ist ein großes Geheimnis, das immer noch geschieht – bis ans Ende der Welt – und das auch unser Mitwirken erfordert. Maria helfe uns, jeden Tag unser Kreuz auf uns zu nehmen und Jesus auf dem Weg des Gehorsams, des Opfers und der Liebe treu nachzufolgen.Danke an euch alle, ihr ermutigt mich!
Papst Benedikt XVI., Apostolischer Palast in Castelgandolfo Sonntag, 17. September 2006


Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, im Allerheiligsten Sakrament des Altares,
und wir preisen Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Abend der Barmherzigkeit, Johannesbrüder, Marchegg


Pfarrkirche zur hl. Notburga in Eben am Achensee

Notburga von Rattenberg

Das Sichelwunder, Deckenfresko in der Pfarrkirche in Ebern

So gut und mitleidend Notburga war, so energisch und klar trat sie für die christlichen Werte ein. Der Feierabend, der ihr vertraglich zugesichert worden war, schien eines Tages gefährdet. Denn als die Glocke den Feierabend einläutete, wollte der Bauer von der Zusicherung, den Feierabend zu achten, plötzlich nichts mehr wissen und forderte von seinem Gesinde, die schwere Arbeit nach dem Geläut`fortzusetzen.
Wohl murrten alle, aber keiner war Manns genug, das Werkzeug aus der Hand zu legen. Nur Notburga hatte den Mut und stellte den Bauern zur Rede. Es gehe nicht um die Garben, die noch einzubringen seien, rief sie dem Herrn vom "Spießenhof" zu: "Was ist denn wichtiger? Das Rasten oder das Geldscheffeln, der Mensch oder der Reichtum, die Arbeit oder der Sonntag?"

Der Bauer blieb hart und stur. Notburga aber hatte durch ihren festen Glauben eine unmittelbare und vertrauensfeste Beziehung zu Gott. Sie vertraute darauf, ja, sie forderte von ihm, dass er ein Zeichen setze! Und Gott lohnte dieses Vertrauen und das entschiedene Eintreten für Recht und Sonntag. Die Sichel, von Notburga in den Himmel gehoben, blieb in der Luft hängen.
Die Sichel wandelte sich zum Mond, zum Zeichen des sich monatlich erneuernden Lebens. Da konnte sogar der "Spießenbauer" nicht mehr anders. Und die Sichel wurde zum Zeichen auch des Mutes, denn sie erinnert daran, dass Notburga dem Ansinnen des Spießenbauern, die schwere Erntearbeit auch nach Feierabend fortzusetzen, mit persönlichem Mut und großen Gottvertrauen entgegentrat.
(St. Notburga, Ludwig Penz, 29ff)

Pfarrkirche zur hl. Notburga in Eben am Achensee


Notburga-Gebet

Heilige Notburga,
Anwältin der Arbeitenden,
wenn Arbeitslosigkeit uns bedroht,
tritt für uns ein.

Zuflucht in all unseren Nöten,
wenn Menschen in Hunger und Elend leben,
sei du unser Vorbild der Hilfe.

Beschützerin der Bauern,
des Viehs, der Felder und Fluren,
wenn Natur und Umwelt missachtet werden,
rüttle uns auf.

Kämpferin für Freizeit und Sonntag,
wenn Sonntag und Freizeit bedroht sind, 
sei du uns Mahnung.

Vorbild der Treue zu Gott,
wenn unser Gottvertrauen schwindet,
wenn nach Versöhnung verlangt wird,
sei uns zugegen.

Lass uns nach dem Leitspruch handeln:
"Die Hand bei der Arbeit,
das Herz bei Gott"

Der Fürbittkraft ist Freundes Wort, steh Gottes Freundin für uns dort
Notburga als himmlische Fürsprecherin, Eben am Achensee



Notburga von Rattenberg, die einzige Heilige Tirols

Hilf uns dabei, Maria

Marienaltar, Pfarrkirche zur hl. Notburga in Eben am Aachesee

Seid Befolger des Wortes und nicht bloß Hörer (Jak 1,22)
Selig, welche das Wort Gottes beobachten und dasselbe befolgen (Lk 11,28)
 


Freitag, 13. September 2019

Osterpredigt des hl. Johannes Chrysostomus

Basilius und Johannes Chrysostomus neben Christus, Kathedrale von Ely



Unseres Vaters unter den Heiligen, Johannes Chrysostomus, Erzbischof von Konstantinopel, katechetische Rede auf den heiligen und strahlenden Tag der herrlichen und heilbringenden Auferstehung Christi, unseres Gottes

Wenn jemand fromm ist und Gott liebt, erquicke er sich an dieser schönen und glänzenden Feier.
Wenn jemand ein wohlgesinnter Knecht ist, gehe er fröhlich ein in die Freude seines Herrn.
Wenn jemand sich beim Fasten abgemüht hat, empfange er jetzt den Denar [Silbermünze].
Wenn jemand von der ersten Stunde an gearbeitet hat, empfange er heute seinen gerechten Lohn.
Wenn jemand nach der dritten Stunde gekommen ist, feiere er dankend.
Wenn jemand nach der sechsten Stunde angelangt ist, so zweifle er nicht, denn er wird nichts einbüßen.
Wenn jemand bis in die neunte Stunde säumte, trete er unverzagt herzu, ohne sich zu fürchten.
Wenn jemand erst zur elften Stunde angelangt ist, fürchte er sich nicht ob seiner Saumseligkeit.
Denn der Gebieter ist freigebig und nimmt den Letzten an wie den Ersten.
Er erquickt den, der um die elfte Stunde gekommen ist, ebenso wie den, der von der ersten Tagesstunde an gearbeitet hat.
Zum später Kommenden ist Er gnädig und zum Ersten freundlich.
Jenem gibt Er und diesen schenkt Er.
Die Werke nimmt Er an und den Entschluss begrüßt Er.
Die Tat ehrt Er und die Absicht lobt Er.
 
Geht also alle ein in die Freude unseres Herrn!
Die Ersten und die Letzten, empfanget den Lohn!
Die Reichen und die Armen, freut euch miteinander!
Die Ausdauernden und die Nachlässigen, ehret den Tag!
Die ihr gefastet und die ihr nicht gefastet habt, freuet euch heute!
Der Tisch ist reich gedeckt, genießet alle!
Das Kalb ist gemästet, niemand gehe hungrig hinaus!
Alle genießet vom Gastmahl des Glaubens!
Alle genießet vom Reichtum der Güte!
Niemand beklage sich über Armut, denn erschienen ist das gemeinsame Reich.
Niemand betrauere Übertretungen, denn die Vergebung ist aus dem Grabe aufgestrahlt.
Niemand fürchte den Tod, denn des Erlösers Tod hat uns befreit.
Er hat ihn vernichtet, Der von ihm umfangen war.
Er hat gefesselt den Hades, Der zum Hades hinabstieg.
Er ließ Bitterkeit erfahren ihn, der gekostet hat von Seinem Fleisch.
 
Dieses vorausschauend rief Jesaja aus:
„Der Hades“, spricht er, „ward voll Bitterkeit, als er unten mit Dir zusammentraf.“
Er ward voll Bitterkeit, denn er ward hinweggerafft.
Er ward voll Bitterkeit, denn er ward gestürzt.
Er ward voll Bitterkeit, denn er ward gefesselt.
Er nahm den Leib und traf auf Gott.
Er nahm Erde und begegnete dem Himmel.
Er nahm, was er sah, und fiel durch das, was er nicht sah.
 
Wo ist, Tod, dein Stachel?
Wo ist, Hades, dein Sieg?
 
Auferstanden ist Christus und du bist gestürzt.
Auferstanden ist Christus und gefallen sind die Dämonen.
Auferstanden ist Christus und die Engel freuen sich.
Auferstanden ist Christus und das Leben herrscht.
Auferstanden ist Christus und kein Toter im Grab.
Denn Christus ist von den Toten auferstanden, der Erstling der Entschlafenen geworden.
Ihm sei die Ehre und die Macht in alle Ewigkeit.
Amen.

Nach seinem Österreichbesuch im September 2007 hat Papst Benedikt XVI. zweimal über den Hl. Johannes Chrysosomus gesprochen: Teil 1, und Teil 2

Am Grab des hl. Johannes Chrysostomus im Petersdom

Buße und Umkehr (Pusey House, Oxford)

oben: Evangelistensymbole, Christus mit den griech. Kirchenvätern, unten Maria mit dem Kind,
lateinische Kirchenväter, Niniam Comper, Kathedrale von Ely
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