Sonntag, 15. November 2015

Klosterneuburg, eine Gründung von Leopold III.




Die Entstehung des Stiftes Klosterneuburg geht auf Markgraf Leopold III. zurück, der 1113 seine Residenz nach Klosterneuburg verlegte und im Jahr darauf in Erfüllung eines Gelübdes (Die Schleierlegende) das Stift gründete.
1133 berief der Babenbergerfürst die Augustiner Chorherren nach Klosterneuburg, die über Jahrhunderte das Stift zu einem Zentrum des religiösen Lebens, der Kultur und Wissenschaft ausbauten. In seinem Geist und nach der Ordensregel des heiligen Augustinus arbeiten und wirken die Chorherren Klosterneuburgs auch heute noch. (Quelle: Stift Klosterneuburg)






Erstmals  wird die "Schleierlegende1371 überliefert, und zwar mit folgenden Worten:

„Leopold Markgraf von Österreich seligen Angedenkens, regierte fromm, gerecht und mit allen guten Eigenschaften eines tüchtigen Herrschers; deshalb schenkte ihm der allmächtige Gott eine gleichgesinnte Ehefrau, Agnes, die Tochter Kaiser Heinrichs IV. So wie sie ein Fleisch geworden waren, suchten sie einmütig den Willen Gottes zu erfüllen: Sie beschlossen, zur Ehre Gottes und zu ihrem Seelenheil eine Kirche zu errichten und auszustatten und wünschten sich durch ein göttliches Zeichen den Ort kennenzulernen, der Gott für die Errichtung einer Kirche gefällig war. Da erhob sich bei ruhigem und freundlichem Wetter ein starker Wind und entführte mit einem heftigen Stoß den Schleier vom Haupte der Agnes in weite Ferne. Neun Jahre vergingen, da fand der Markgraf auf der Jagd den damals seiner Frau vom Kopf gerissenen Schleier vollständig unversehrt auf einem Strauch. Das, so war er sicher, war der durch ein göttliches Zeichen bestimmte Platz für die Kirchengründung, und er ließ ihn für einen Kirchenbau herrichten. Hier steht heute die Kirche von Klosterneuburg, in der Regularkanoniker den Gottesdienst versehen.“ (Chronikon pii marchionis, Stift Klosterneuburg)
(in: H. Dienst, Agnes, 106)

Auffindung des Schleiers, Stift Klosterneuburg


"Markgraf Leopold von Österreich und seine Gemahlin Agnes standen am achten Tag nach ihrer Hochzeit auf dem Söller ihres Schlosses auf dem Leopoldsberg. Sie besprachen die Gründung eines Klosters und waren nur noch unentschieden über den Ort, an dem das Gebäude errichtet werden sollte. Mit einem Male erhob sich ein Windstoß, riss Agnes den Schleier vom Haupt und führte ihn hinweg. Die junge Markgräfin war sehr bestürzt über diesen wertvollen Verlust. Leopold eilte mit seinem Gefolge in den Wald, wohin der Wind den Schleier getragen hatte, aber sie konnten ihn nicht finden. Schließlich kam er in Vergessenheit, ebenso auch die damals besprochene Klostergründung, obgleich der Markgraf seiner Gemahlin gelobt hatte, dort ein Kloster zu gründen, wo sich der Schleier findet. Acht Jahre waren vergangen, als Leopold wieder einmal im Wald jagte. Da schlugen mit einem Male die Hunde laut an, und als der Markgraf hinzukam, fand er an einem Holunderstrauch den Schleier hängen; ein Wunder hatte ihn all die Jahre unversehrt bewahrt. Dies bewog den Markgrafen, sogleich sein Gelübde zu erfüllen. Und so erhob sich der Sage nach an dieser Stelle das Stift Klosterneuburg." (aus der Gründungssage)


Auffindung des Schleiers nach Heinrich Schwemminger, Privatbesitz, Ausstellung Stift Klosterneuburg 2014






Warum aber verwendet man seit vielen hundert Jahren eine Sage, um die Gründung des Stiftes zu erzählen? Warum erzählte man nicht einfach die Wahrheit?
Das ist eine komplizierte Geschichte:
Erstens einmal, weil die Menschen solche Sagen und Legenden gewöhnt waren - genau so wie wir heute das Fernsehen gewöhnt sind. Und wenn irgend jemand etwas Wichtiges passiert und Fernsehen und Zeitungen berichten nicht darüber, dann glaubt heute keiner, dass es wirklich geschehen ist.
Zweitens: Vieles, was wir heute über den heiligen Leopold wissen, haben erst die modernen Forscher entdeckt. Vor 100,200 oder 300 Jahren hat man viel weniger über den Markgrafen gewußt als heute. Oft verbanden die Menschen einfach Dinge miteinander, die sie sahen. Sie wussten, dass Leopold das Stift Klosterneuburg begründet hatte, sie kannten den Burg auf dem Leopoldsberg, sie wussten, dass Leopold gerne jagte - aber sie konnten natürlich nicht wissen, dass zur Zeit Leopolds auf dem Leopoldsberg gar keine Burg stand. Und sie konnten auch nicht wissen, dass Leopold an der Stelle, wo heute das Kloster steht, nicht auf die Jagd gehen konnte: Denn dort befand sich in den Mauern eines ehemaligen Militärlagers eine kleine Siedlung. -
Dies alles haben die modernen Forscher herausgefunden. Und dazu noch viel mehr - und das war gar keine leichte Aufgabe. Denn immerhin lebte Leopold vor rund 900 Jahren - und das ist eine extrem lange Zeit.
(Röhrig, Schubert, Der heilige Leopold, 13f)

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