Montag, 19. Januar 2015

Du bist Priester auf ewig


Jeder Hohepriester wird aus den Menschen ausgewählt und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen. Er ist fähig, für die Unwissenden und Irrenden Verständnis aufzubringen, da auch er der Schwachheit unterworfen ist; deshalb muss er für sich selbst ebenso wie für das Volk Sündopfer darbringen. Und keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde, sondern er wird von Gott berufen, so wie Aaron. 
So hat auch Christus sich nicht selbst die Würde eines Hohenpriesters verliehen, sondern der, der zu ihm gesprochen hat: Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt, wie er auch an anderer Stelle sagt: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks. Als er auf Erden lebte, hat er mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört und aus seiner Angst befreit worden. Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden und wurde von Gott angeredet als „Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks“. (Hebräer 5,1-10)

(Lesung vom heutigen Montag)

Im 1. Meßkanon werden Abel, Abraham und Melchisedek, der Hohepriester und König von Salem ist, genannt. Sie gelten als Vorbilder Christi, deren Opfer Gott angenommen hat. Melchisedek steht außerhalb jeder priesterlichen Ordnung, er ist ohne Anfang und Ende (Hebr 7,3) und damit ein schönes Bild für Christus, den ewigen Sohn Gottes.

 Josef Ratzinger über die Unwiderruflichkeit des priesterlichen Amtes:

"Der christliche Glaube ist als Glaube an die Endgültigkeit der Entscheidung Gottes für den Menschen in Christus und als Glaube an die Endgültigkeit der menschlichen Daseinsentscheidungen  für die Ewigkeit Überzeugung davon, dass es im Werden das Endgültige gibt, dass der Mensch das Wesen auf Endgültiges hin ist. Der Glaube, dass durch Christus in der Geschichte das Endgültige von Gott her geschehen ist, schließt unabdingbar ein Welt- und Menschenbild ein, zu dem konstitutiv die Überzeugung gehört, dass es inmitten des Werdenden das Endgültige gibt und dass der Mensch das Wesen ist, das zur endgültigen Entscheidung fähig und bestimmt ist und nur in ihr wahrhaft zu sich selber kommt.
Nach der einhelligen Überzeugung der gesamten kirchlichen Überlieferung ist der menschliche Anspruch des Presbyteramtes von der Art, dass es den Menschen unwiderruflich fordert und total betrifft, über seine ganze Existenz definitiv verfügt: Die Entscheidung, um die es hier geht, ist so, dass sie nur dann überhaupt gefällt ist, wenn definitiv die ganze Existenz ins Spiel gebracht wird.
Wie die Ehe die unwiderrufliche Entscheidung zu einem Menschen verlangt und ohne sie gar nicht zustande kommt, kann auch das Priesteramt nur als Verfügung über das ganze Leben ergriffen werden.
Wo weniger gegeben wird, liegt etwas anderes - aber nicht dieses - vor. "Priester auf Zeit" gibt es von katholischer Theologie her so wenig wie "Ehe auf Probe". Beides kann kann man nur ganz oder gar nicht haben.
(Zur Frage nach dem Sinn des priesterlichen Dienstes, 383, in: J. Ratzinger, Künder des Wortes und Diener eurer Freude, Gesammelte Schriften 12)

Die Opfer von Melchisedek und Abel, Mosaikdarstellung in San Vitale, Ravenna

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