Dienstag, 8. Januar 2013

Severin von Noricum in Lauriacum

Gütiger Gott,
du hast den Mönch Severin
zu seinen Glaubensbrüdern gesandt,
damit er in den Wirren der Zeit
ihr Ratgeber und Führer sei.
Mache auch uns bereit, Verantwortung zu tragen,
und hilf uns, denen beizustehen, die in Not sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Hl. Severin, Glasfenster im Linzer Dom

Severin von Noricum wirkte in der aufgewühlten Zeit der Völkerwanderung und trat zuerst in Asturis (Klosterneuburg) auf, der östlichsten Stadt Noricums. Sein Schüler Eugippius verfaßte eine ausführliche Beschreibung seines Lebens, die sog. Vita sancti Severini. Sie erzählt ausführlich, wie Severin die leibliche Not der Menschen milderte und durch sein politsches Handeln Frieden in das Land brachte. Segensreich wirkte Severin entlang der Donau zwischen Passau und Carnuntum.

In der Basilika St. Laurenz in Lorch - Enns (Lauriacum), die auf dem Gelände der ehemaligen römischen Zivilstadt Lauriacum erbaut ist und in ihren Vorgängerbauten bis ins 2. Jahrhundert zurückreicht, hat ein Bildhauer in Erinnerung an das Wirken des hl. Severin ein Portal mit Szenen aus seinem Leben geschaffen.

Westportal der Basilika St. Laurenz mit dem Severintor

> Das so genannte Severin-tor aus dem Jahr 1971 wird von Eberhard Marckgott wie folgt beschrieben: "Das zentrale und beherrschende Thema ist die Räumung der römischen Provinz Ufernoricum. Die romansichen Bewohner der donauaufwärts liegenden Städte haben auf Severins Befehl ihre Wohnsitze verlassen und sind auf dem Weg in die große Festung von Lauriacum, wo sie vor den nachdrängenden Germanen Zuflucht finden. Severin steht mit weisender und schützender Geste vor dem Lagergelände zu Lauriacum."
Der Mittelstreifen des Tores zeigt andeutungsweise das von Severin befriedete und beschützte Volk bei der Arbeit. < (aus dem Kirchenführer der St. Laurenzbasilika)

Severintor, Basilika St. Laurenz, Lorch-Enns

Im unteren Teil des Tores sind vier für Lauriacum bedeutsame Szenen aus der Vita Sancti Severini dargestellt.

1. Bild links: Odoaker besucht den hl. Severin, um Rat und Segen zu erbitten. Die Szene zeigt, in welch hohem Ansehen Severin auch bei den germanischen Fürsten stand.

> Unter ihnen war auch Odoaker, welcher später als König über Italien herrschte, damals in schlechter Kleidung, ein Jüngling von hoher Gestalt. Während er, um nicht das Dach der niedrigen Zelle mit seinem Scheitel zu berühren, gebückt dastand, verkündete ihm der Mann Gottes, daß ihm hoher Ruhm beschieden sei, und sagte ihm beim Abschied: "Zieh hin nach Italien, ziehe hin, jetzt in schlechte Felle gehüllt, bald wirst du vielen reiche Gaben spenden." < (Kapitel 7)

2. Bild rechts: Die Eintreibung des Zehent für die Betreuung der Notleidenden stößt in Lauriacum auf Widerspruch. Die daraufhin drohende Mißernte wird durch Buße und durch die Fürbitte Severins abgewendet.

> Auch die Bürger der Stadt Lauriacum hatten trotz der häufigen Erinnerungen und Ermahnungen des heiligen Severin unterlassen, die Zehnten der Früchte den Armen darzubringen. Der Hunger quälte sie daher schrecklich; da aber schon der goldene Schimmer der Saat die Reife ankündete, schien Hilfe nahe zu sein. Allein unerwartet trat Mehltau auf und drohte die Feldfrüchte zu vernichten. Alsbald eilten die Bürger niedergeschlagen zu dem heiligen Severin und bekannten, daß dies die Strafe sei für ihre Halsstarrigkeit. Der Streiter Christi jedoch richtete die Gebeugten durch geistlichen Zuspruch auf und sagte: " Wenn ihr die Zehnten den Armen dargebracht hättet, würdet ihr euch nicht nur des ewigen Lohnes erfreuen, sondern könntet auch Überfluß haben an zeitlichen Gütern. Weil ihr aber eure Schuld durch euer eigenes Bekenntnis züchtigt, verspreche ich euch bei der Barmherzigkeit des Herrn, daß dieser starke Mehltau nicht das geringste schaden wird; nur möge euer Glaube fernerhin nicht wanken." Die Bürger machten dies Versprechen von Stund an sehr willfährig, die Zehnten zu verrichten. Darauf ermahnte er sie, wie es seine Gewohnheit war, ein Fasten anzusetzen; als dieses erfüllt war, fiel ein sanfter Regen, welcher die schon aufgegebenen Saaten vor Schaden behütete. < (Kapitel 18)

Severintor, Basilika St. Laurenz, Lorch-Enns


3. Bild links: Das Ölwunder von Lauriacum

> Nach der Vernichtung der Städte am Oberlauf der Donau war alles, Volk, das sich die Warnungen des heiligen Severin zu Herzen genommen hatte, in die Stadt Lauriacum gewandert, wo er nicht aufhörte, sie durch eindringliche Ermahnungen zu stärken, damit sie nicht auf die eigene Kraft vertrauten, sondern auf Beten, Fasten und Almosen bedacht, sich lieber mit geistlichen Waffen ausrüsteten. Ferner ließ der Mann Gottes an einem Tag sämtliche Arme in einer Kirche versammeln, um ihnen nach dem Maß ihrer Bedürftigkeit Öl zu spenden. Dieser Stoff war in der Gegend nur durch Kaufleute zu bekommen, die ihn auf schwierigen Wegen einführten. Deshalb strömte, wie um den Segen zu empfangen, ein großer Haufen Bedürftiger zusammen, und die Kostbarkeit der Flüssigkeit, vermehrte den Lärm und die Zahl der Bittenden. Als der heilige Mann sein Gebet vollendet und das Zeichen des Kreuzes gemacht hatte, sprach er wie gewöhnlich, während alle andächtig zuhörten, das Wort der Heiligen Schrift: "Es sei der Name des Herrn gepriesen." Darauf fing er an mit eigener Hand das Öl den herumtragenden Dienern einzufüllen, indem er als getreuer Knecht seinen Herrn nachahmte, der nicht gekommen war, sich bedienen zu lassen, sondern selbst zu dienen, un den Spuren des Heilands folgend freute er sich, wie sich die Masse vermehrte, welche er mit der Rechten ausgoß, ohne daß die Linke darum wußte. Während die Schalen der Armen sich füllten, verminderte sich der Stoff um nichts in den Händen der Diener. Während die Umstehenden die große Güte Gottes schweigend bewunderten, rief einer von ihnen namens Pientissimus, vor Erstaunen außer sich: "Lieber Herr, es wächst ja der Ölkrug und strömt über wie eine Quelle." Da, sowie die Wunderkraft verrraten war, versiegte die liebliche Flüssigkeit. Sogleich rief der Diener Christi und sprach:" Was hast du getan, Bruder! Verstopft hast du die Quelle, aus der Nutzen für viele geflossen ist. Es verzeihe dir unser Herr Jesus Christus."  (....) < (Kapitel 28)

4. Bild rechts: Der von Severin geschickte Mönch Valens bei Bischof Constantius

Severin schickt einen Mönch zum Bischof von Lauriacum und fordert ihn auf, die Festung besonders bewachen zu lassen, um den geplanten Überfall abzuwehren. Lauriacum wird dadurch vor einer Katastrophe bewahrt. Die Erzählung endet mit der Feststellung:

... > Es wäre nämlich damals das ganze ungehorsame Volk in Gefangenschaft geraten, wenn nicht das unablässige Gebet des Mannes Gottes es in Freiheit bewahrt hätte. Der Apostel Jakobus bezeugt es (5,16): "Viel vermag das beharrliche Gebet des Gerechten."


Severintor, Basilika St. Laurenz, Lorch-Enns

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