Mittwoch, 4. Mai 2016

Das Heilige Land 11 - die Eleona-Basilika als urspr. Stätte der Himmelfahrt Christi

Paternosterkirche und Eleona-Basilika, Ölberg

 

1 Haupteingang, 2 Kloster, 3 Kirche und Konvent, 4 Grab der Prinzession de la Tour d´Auvergne,
5 Aussichtspunkt 6 Baum der Dornenkrone Christi 7 Byzantinisches Mosaik der Eleona-Basilika,
8 Krypta 9 Spuren der modernen Basilika zum Heiligsten Herzen


Krypta der Eleona Basilika



Als Stätte der Himmelfahrt wurde in frühester Zeit die Grotte bezeugt, über der die Kirche Eleona erbaut ist. Der Geschichtsschreiber Eusebius berichtet um 330, wie Kaiser Konstantin außer dem Grab Jesu noch zwei andere `mystische` Höhlen auswählte, um auch sie durch prachtvolle Bauten zu ehren, die Geburtsgrotte in Bethlehem und diese Grotte auf dem Ölberg.
Zum Andenken an die Himmelfahrt ließ er durch seine Mutter Helena eine `heilige Kirche` darüber errichten. Denn - so schreibt Eusebius - , `die Füße des Herrn und Erlösers standen auf dem Ölberg an der Höhle, die man dort zeigt, von wo Er, als Er gebetet und Seinen Jüngern die Geheimnisse des Weltendes offenbart hatte, in den Himmel auffuhr´".


Doch die Stätte erinnert außerdem noch an ein zweites Geschehen, das vor der Himmelfahrt liegt. In dieser Höhle weilte nach dem Bericht des Eusebius Jesus öfters und weihte seine Jünger in die verborgenen Geheimnisse ein.
Hier habe Jesus die erschütternden Worte vom Ende der Welt gesagt, von Seiner Wiederkunft (Mt 24,3), als Er auf dem Ölberg saß, dem Tempel gegenüber (Mk 13,3).
So stand diese Höhle bei den ersten Christen in gleicher Verehrung wie die Geburtsgrotte und das Grab Jesu. Konstantin fand sie als anerkannte Gedenkstätte vor und ließ deshalb eine Kirche darüber erbauen. Während die Geburts- und Grabeskirche aber ihre geistlichen Bedeutungen durch die Jahrhunderte behielten, verloren sich bei der Basilika Eleona die Überlieferungen. Schon wenige Jahrzehnte nach ihrem Bau schwand das Gedächtnis an die Himmelfahrt Jesu hier, und man gedachte nur noch der Belehrung der Jünger und seiner eschatologischen Reden.


Im Jahr 614 zerstörten die Perser die Kirche Eleona wie auch die Kirche der Todesangst in Gethsemane, die ebenfalls im 4. Jahrhundert errichtet worden war. Weil die Eleona aber in ihrer inneren Veraarmung nicht mehr das Gedenken an die Himmelfahrt umschloß, baute man sie nach ihrem äußeren Zerfall nie wieder auf, wie es mit der Gethsemane-Basilika geschah.
Die Kreuzfahrer errichteten auf ihren Überresten nur eine bescheidene Gebetsstätte, denn inzwischen war auch die Erinnerung an die Wiederkunftsreden Jesu nicht mehr lebendig. Daraus hatte sich vielmehr nur die Überlieferung entwickelt, daß Jesus hier die Jünger das Vaterunser lehrte.

das erhöhte Presbyterium der Eleona-Basilia (Ölbaumbasilika) mit darunterliegender Grotte, Ölberg

Nach Matthäus 6 lehrte Jesus seine Jünger das Vaterunser im Zusammenhang mit der Bergpredigt, also am See Genezareth. Aber nach Lukas 11,1-4 war es im Anschluß an Jesu Besuch in Bethanien, was mit dieser Tradition übereinstimmen würde, da die `Grotte der Belehrung` direkt am Fußweg nach Bethanien liegt. Es ist gut denkbar, daß Jesus dies wichtige Gebet mehrmals - im Norden und auch in der Gegend von Jerusalem - gelehrt und darüber gesprochen hat.

"Jesus betete einmal an einem Ort, und als der das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlaß uns unsere Sünden, denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung" (Lk 11,1-4).

1927 wurde die Grotte der Unterweisung restauriert und geweiht. Spätere Versuche, die dreischiffige Basilika wieder
aufzubauen, scheiterten. Die Pinien geben in etwa in Anordnung der Säulen an (20,5 x 18m)

Die genau Lage der Kirche Konstantins wurde schließlich ganz vergessen. 1876 bauten die französischen Karmelitinnen ihr Kloster mit Kirche neben den Ruinen der Basilika Eleona, ohne zu wissen, daß diese hier waren. Sie nannten die Kirche Paternoster-Kirche, und in ihrem Kreuzgang ist das Vaterunser in mehr als 60 Sprachen auf Marmorplatten angebracht.
Die Überreste der Eleona entdeckte man erst 1910 durch Ausgrabungen, und die Forschung griff die älteste Tradition auf, daß dies der Ort der Himmelfahrt sei.

spelunca in qua docebat dominus apostolos in monte oliveti -
Grotte, in der der Herr auf dem Ölberg die Apostel lehrte


Daß die Eleona - wie schon gesagt - so früh die Überlieferung der Himmelfahrt verloren hat, geschah wohl, weil der überbaute Grottenraum es schwer machte, sich die Auffahrt vorzustellen. So verlegte man schon am Ende des 4. Jahrhunderts das Gedenken an die Himmelfahrt auf die 70 m nördlich von der Basilika liegende Höhe der mittleren Ölbergkuppe.
(B. Schlink, Heiliges Land heute, 68ff)





oratoire des Carmelites




»Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1,8).
Mit diesen Worten verabschiedet sich Jesus von den Aposteln, wie wir in der ersten Lesung gehört haben. Unmittelbar darauf fügt der biblische Autor hinzu:
»Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken« (Apg 1,9).
Das ist das Geheimnis von Christi Himmelfahrt, das wir heute feierlich begehen. Was aber wollen uns die Bibel und die Liturgie mitteilen, wenn es heißt, daß Jesus »emporgehoben« wurde? Der Sinn dieses Ausdrucks ist nicht allein einem einzigen Textabschnitt zu entnehmen, ebensowenig einem einzigen Buch des Neuen Testaments, sondern einem aufmerksamen Hören auf die Heilige Schrift insgesamt. Der Gebrauch des Verbums »emporheben« stammt nämlich aus dem Alten Testament und ist auf die Einsetzung in die Königswürde bezogen. Die Himmelfahrt Christi bedeutet also an erster Stelle die Einsetzung des gekreuzigten und auferstandenen Menschensohnes in das Königtum Gottes über die Welt.

Es gibt allerdings einen tieferen, nicht unmittelbar wahrnehmbaren Sinn. In der Apostelgeschichte heißt es zunächst, daß Jesus »emporgehoben « wurde (V. 9), und unmittelbar folgend wird hinzugefügt, daß er »aufgenommen wurde« (V. 11). Das Ereignis ist nicht so beschrieben, als handle es sich um eine Reise in die Höhe, sondern als ein Wirken der Kraft Gottes, die Jesus in den Raum der göttlichen Nähe einführt. Die Gegenwart der Wolke, die »ihn ihren Blicken entzog « (V. 9), bezieht sich auf ein sehr altes Bild der alttestamentlichen Theologie und fügt den Bericht über die Himmelfahrt in die Geschichte Gottes mit Israel ein, von der Wolke des Sinai und über dem Bundeszelt in der Wüste bis hin zur leuchtenden Wolke auf dem Berg der Verklärung.
Dadurch, daß der Herr in die Wolke gehüllt dargestellt wird, wird schließlich auf dasselbe Geheimnis Bezug genommen, das auch im Symbol des »zur Rechten Gottes Sitzens« zum Ausdruck gebracht wird. Im zum Himmel aufgefahrenen Christus ist der Mensch in einer unerhörten und neuen Weise in die Vertrautheit mit Gott eingetreten, der Mensch findet nunmehr für immer Raum in Gott. Der »Himmel« verweist auf keinen Ort über den Sternen, sondern auf etwas viel Kühneres und Erhabeneres: Er verweist auf Christus selbst, die göttliche Person, die voll und für immer das Menschsein in sich aufnimmt, auf ihn, in dem Gott und Mensch für immer untrennbar vereint sind.

Und wir nähern uns dem Himmel, ja wir treten in den Himmel in dem Maß ein, in dem wir uns Jesus nähern und in Gemeinschaft mit ihm treten. Das heutige Hochfest Christi Himmelfahrt lädt uns daher zu einer tiefen Gemeinschaft mit dem gestorbenen und auferstandenen Jesus ein, der unsichtbar im Leben eines jeden von uns gegenwärtig ist.

(Papst Benedikt XVI., 24.5.2009 in Montecassino)



"Und als er auf dem Ölberg saß, dem Tempel gegenüber, fragten ihn Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas, die mit ihm allein waren: Sag uns, wann wird dies geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, daß das Ende von all dem bevorsteht?" (Mk 13,3f)


Helenas Eleona-Kirche erinnert einerseits an die Lehre vom Ende, andererseits an die Himmelfahrt Jesu, die die Zeit der Kirche einleitet, aber zugleich auf seine Wiederkunft vorausweist (Apg 1,11).

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