Freitag, 22. Juni 2018

Paulinus von Nola, Patron der Glockengießer

Weihe der Domglocken des Linzer Doms


Das zweite Fenster links im Linzer Dom zeigt die Weihe der Domglocken am 30. April 1902. Eine der sieben Glocken wird gerade von Bischof Franz Maria Doppelbauer nach der Waschung abgetrocknet. In der Mitte des Bildes erhebt sich der Turm noch ohne Zubauten (Lang- und Querhaus waren noch nicht fertiggestellt). Eine große Glocke steht symbolisch für den Weiheakt.


Neben der hl. Barbara, die als Patronin der Bergleute für Erzgewinnung steht, findet sich in den unteren Feldern auch der hl. Paulinus, Bischof von Nola und Patron der Glockengießer. Er soll schon Anfang des 5. Jahrhunderts Glocken geweiht haben.

Im Maßwerk sind die Patrone der sieben Glocken angeführt: zentral Maria (für die Immaculata und die Rosenkranzglocke), umgeben vom hl. Michael (oben), dem hl. Maximilian (rechts) und der hl. Agnes (links), darunter der hl. Petrus (links) und der hl. Josef (rechts).
(Kirchenführer)

Patrone der sieben Glocken, Darstellung der Glockenweihe, Linzer Dom

Paulinus von Nola, Bischof. Paulinus wurde 354 bei Bordeaux geboren und kam aus einer vornehmen christlichen Senatorenfamilie, sodass er eine umfassende Ausbildung erhielt. Paulinus empfing bald nach seiner Heirat 385 in Bordeaux die Taufe. Nach dem frühen Tod seines Sohnes wandte er sich einem vollkommenen und enthaltsamen Leben zu und empfing 394 zu Barcelona die Priesterweihe. Danach zog sich Paulinus nach Nola in die süditalienische Region Kampanien zurück, wo er am Grab des hl. Felix eine klösterliche Gemeinschaft gründete. Um 411 wurde Paulinus zum Bischof von Nola geweiht. Dort übte er eine hochgerühmte Gastfreundschaft aus, trug Sorge für die Armen und linderte nach Kräften die durch den Einfall der Goten Alarichs entstandene Not. Paulinus stand mit den bedeutendsten Männern seiner Zeit im Briefwechsel. Er starb am 22. Juni 431 zu Nola und wurde beim Grab des hl. Felix beigesetzt.
(Martyrologium Sancrucense)

Katechese von Papst Benedikt XVI. über Paulinus von Nola vom 12. Dezember 2007:

Liebe Brüder und Schwestern!

Der Kirchenvater, dem wir heute unsere Aufmerksamkeit zuwenden wollen, ist der hl. Paulinus von Nola. Paulinus war ein Zeitgenosse des hl. Augustinus, mit dem ihn eine lebendige Freundschaft verband, und übte seinen Dienst in Kampanien in Nola aus, wo er Mönch, dann Priester und Bischof war. Er war jedoch gebürtig aus Aquitanien, im Süden Frankreichs, genauer aus Bordeaux, wo er einer vornehmen Familie entstammte. Dort wurde ihm eine gute literarische Ausbildung zuteil, insofern sein Lehrer Ausonius war.

Seine Heimat verließ er ein erstes Mal, um frühzeitig die politische Laufbahn einzuschlagen, die ihn noch in jungen Jahren zur Funktion des Statthalters in Kampanien aufsteigen sah. In diesem öffentlichen Amt erregten seine Begabungen der Weisheit und Milde Bewunderung. In dieser Zeit ließ die Gnade in seinem Herzen den Samen der Umkehr aufkeimen. Zum Ansporn dazu gereichte ihm der einfache und innige Glaube, mit dem das Volk das Grab eines Heiligen, des Märtyrers Felix, im Heiligtum des heutigen Cimitile verehrte. Als staatlicher Verantwortlicher interessierte sich Paulinus für dieses Heiligtum und ließ ein Hospiz für die Armen sowie eine Straße bauen, um den zahlreichen Pilgern den Zugang zu erleichtern.

Während er sich dafür einsetzte, die irdische Stadt zu errichten, entdeckte er den Weg hin zur himmlischen Stadt. Die Begegnung mit Christus war der Ankunftsort eines beschwerlichen Weges voller Prüfungen. Schmerzhafte Umstände, angefangen mit dem Verlust der Gunst der öffentlichen Autorität, ließen ihn die Hinfälligkeit der Dinge erfahren. Einmal zum Glauben gekommen wird er schreiben: „Der Mensch ohne Christus ist Staub und Schatten“ (Carmen X,289).

Mit dem Wunsch, auf den Sinn des Daseins Licht zu werfen, begab er sich nach Mailand, um sich in die Schule des Ambrosius zu begeben. Er vervollständigte dann seine christliche Bildung in seiner Heimat, wo er aus den Händen des Bischofs Delphin von Bordeaux die Taufe empfing. Zu seinem Glaubensweg gehörte auch die Ehe. Er heiratete nämlich Therasia, eine fromme adelige Frau aus Barcelona, von der er einen Sohn hatte.

Er hätte sein Leben als guter christlicher Laie fortgesetzt, wenn ihn nicht der Tod des Kindes wenige Tage später aufgerüttelt und ihm gezeigt hätte, dass der Plan Gottes für sein Leben ein anderer war. Er fühlte sich in der Tat dazu berufen, sich Christus in einem strengen asketischen Leben zu weihen.

In voller Übereinstimmung mit seiner Frau Therasia verkaufte er seine Hab und Gut zu Gunsten der Armen und verließ zusammen mit ihr Aquitanien, um nach Nola überzusiedeln, wo die beiden Eheleute neben der Basilika des Hl. Schutzpatrons Felix Wohnstatt nahmen, wobei sie nunmehr in keuscher Geschwisterlichkeit entsprechend einer Lebensform lebten, der sich auch andere anschlossen.

Der Rhythmus des Gemeinschaftslebens war typisch monastisch, Paulinus aber, der in Barcelona zum Priester geweiht worden war, begann, sich im priesterlichen Dienst für die Pilger einzusetzen. Das brachte ihm die Zuneigung und das Vertrauen der christlichen Gemeinde ein, die ihn nach dem Tod des Bischofs um das Jahr 409 als Nachfolger auf den Bischofsstuhl von Nola wählen wollte. Sein pastorales Wirken verstärkte sich, wobei es sich durch eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber den Armen auszeichnete.

Er hinterließ das Bild eines echten Hirten der Nächstenliebe, wie ihn der hl. Gregor der Große im dritten Kapitel seiner Dialoge beschrieb, wo Paulinus in der heldenhaften Geste festgehalten ist, als er sich anstelle des Sohnes einer Witwe als Gefangener anbot. Die Episode ist in ihrer Geschichtlichkeit diskutiert, es bleibt jedoch die Gestalt eines Bischofs von großem Herzen, der es verstand, seinem Volk während der traurigen Umstände der Invasionen der Barbaren nahe zu stehen.

Die Bekehrung des Paulinus beeindruckte die Zeitgenossen. Sein Lehrer Ausonius, ein heidnischer Dichter, fühlte sich „verraten“, und er wandte sich an ihn mit harschen Worten, mit denen er ihm zum einen die „Verachtung“ der materiellen Güter, was er für unsinnig hielt, zum anderen die Aufgabe seiner Berufung zum Literaten vorwarf. Paulinus erwiderte, dass seine Schenkungen an die Armen keine Verachtung für die irdischen Güter bedeuten, sondern vielmehr ihre Aufwertung zum höchsten Zweck der Nächstenliebe.

Hinsichtlich der literarischen Anstrengungen hatte sich Paulinus nicht von seiner dichterischen Begabung verabschiedet, die er weiterhin pflegte, sondern von den poetischen Vorlagen, die sich an der Mythologie und den heidnischen Idealen inspirieren. Eine neue Ästhetik beherrschte nunmehr seine Empfindsamkeit: Es war die Schönheit des fleischgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Gottes, zu deren Sänger er sich jetzt machte. In Wirklichkeit hatte er nicht die Dichtung aufgegeben, sondern entnahm nun dem Evangelium seine Inspiration, wie er in diesem Vers sagt: „Einzige Kunst für mich ist der Glaube, und Christus ist meine Dichtung“ („At nobis ars una fides, et musica Christus”: Carmen XX, 32).

Seine Carmina sind Lieder des Glaubens und der Liebe, in denen die alltägliche Geschichte der kleinen und großen Ereignisse als Geschichte des Heils erfasst wird, als Geschichte Gottes mit uns. Viele dieser Gedichte, die so genannten Carmina natalicia, sind mit dem jährlichen Fest des Märtyrers Felix verbunden, den er zum himmlischen Schutzherrn erwählt hatte. Indem er des Felix gedachte, beabsichtigte er, Christus selbst zu verherrlichen, da er überzeugt war, dass die Fürsprache des Heiligen ihm die Gnade der Umkehr erwirkt hätte: „In deinem Licht, Freudiger, habe ich Christus geliebt“ (Carmen XXI, 373).

Denselben Gedanken wollte er zum Ausdruck bringen, indem er das Heiligtum mit einer neuen Basilika erweiterte, die er so ausgestalten ließ, dass die mit geeigneten erklärenden Titeln versehenem Gemälde für die Pilger eine mit den Augen zu erfassende Katechese bildeten. So erklärte er sein Vorhaben in einem Carmen, das einem anderen großen Katecheten, dem hl. Niketas von Remesiana, gewidmet war, während er ihn beim Besuch seiner Basiliken begleitete: „Jetzt will ich, dass du die Bilder betrachtest, die sich in einer langen Reihe entlang der Wände der ausgemalten Säulengänge entwickeln… Uns erschien es ein nützliches Werk zu sein, mit Malereien heilige Inhalte im ganzes Haus des Felix darzustellen, dies in der Hoffnung, das beim Betrachten dieser Bilder die gemalte Gestalt das Interesse der erstaunten Geister der Bauern erwecke“ (Carmen XXVII, VV. 511.580-583).

Noch heute können die Reste dieser Werke bewundert werden, die den Heiligen von Nola zurecht zu den Hauptgestalten der christlichen Archäologie zählen.

Im Asketerium von Cimitile verlief das Leben in Armut, Gebet und völlig vertieft in die „lectio divina“. Das Lesen, Betrachten und Aufnehmen der Heiligen Schrift war das Licht, unter dessen Strahl der Heilige von Nola seine Seele in ihrem Streben nach der Vollendung erforschte.

Wer seine Entscheidung, die materiellen Güter aufzugeben, bewunderte, den erinnerte er daran, dass diese Geste noch weit davon entfernt war, die volle Umkehr zu sein: „Die Aufgabe oder der Verkauf der zeitlichen, in dieser Welt besessenen Güter ist nicht die Erfüllung, sondern nur der Beginn des Laufes im Stadion; sie sind sozusagen nicht das Ziel, sondern nur der Ausgangspunkt. Der Athlet nämlich gewinnt nicht in dem Moment, in dem er sich entkleidet, denn er legt seine Kleider ab, um den Kampf zu beginnen, während er der Siegskrone nur dann würdig ist, wenn er gebührlich gekämpft hat“ (vgl. Epistula XXIV, 7 an Sulpicius Severus).

Neben der Askese und dem Wort Gottes steht die Nächstenliebe: in der monastischen Gemeinschaft waren die Armen stets zugegen. Paulinus beschränkte sich nicht darauf, ihnen Almosen zu geben: er nahm sie auf, als seien sie Christus selbst. Für sie hatte er einen Teil des Klosters reserviert, und indem er so tat, schien es ihm nicht so sehr zu geben als vielmehr zu empfangen, im Austausch der Gaben zwischen der angebotenen Aufnahme und der betenden Dankbarkeit derjenigen, denen Beistand zuteil wurde.

Die Armen nannte er seine „Schutzpatrone“ (vgl. Epistula XIII,11 an Pammachius), und indem er anmerkte, dass sie im Erdgeschoss Aufnahme fanden, liebte er es zu sagen, dass ihr Gebet das Fundament seines Hauses darstellte (vgl. Carmen XXI, 393-394).

Der hl. Paulinus schrieb keine theologischen Abhandlungen, seine Carmina jedoch sowie sein ansehnlicher Briefwechsel sind reich an gelebter Theologie, die vom Wort Gottes durchtränkt ist, stets erforscht als Licht für das Leben. Insbesondere geht der Sinn der Kirche als Geheimnis der Einheit hervor. Er lebte die Gemeinschaft vor allem durch eine ausgeprägte Praxis der geistlichen Freundschaft. In ihr war Paulinus ein wahrer Meister, indem er aus seinem Leben einen Treffpunkt erwählter Geister machte: von Martin von Tours zu Hieronymus, von Ambrosius zu Augustinus, von Delphin von Bordeaux zu Niketas von Remesiana, von Victricius von Rouen zu Rufinus von Aquileia, von Pammachius zu Sulpicius Severus und vielen anderen, mehr oder minder bekannten Persönlichkeiten.

In dieser Atmosphäre entstehen die tiefsinnigen Seiten, die er an Augustinus schrieb. Jenseits des Inhalts der einzelnen Briefe beeindruckt die Wärme, mit der der Heilige von Nola die Freundschaft selbst als Offenbarwerdung des einzigen, vom Heiligen Geist beseelten Leibes Christi besingt.

Hier ein bedeutsamer Abschnitt zu Beginn der Korrespondenz zwischen den beiden Freunden: „Es darf nicht verwundern, wenn wir – trotz der Entfernung – einander nahe sind und uns kennen, ohne uns kennen gelernt zu haben, denn wir sind Glieder des einen Leibes, wir haben ein einziges Haupt, uns überflutet eine einzige Gnade, wir leben von dem einem Brot, wir gehen auf einer einzigen Straße, wir wohnen in demselben Haus“ (Epistula 6,2).

Wie man sieht: eine sehr schöne Beschreibung dessen, was es heißt, Christ zu sein, Leib Christi zu sein, in der Gemeinschaft der Kirche zu leben. Die Theologie unserer Zeit hat gerade im Begriff der „communio“ (Gemeinchaft) den Schlüssel dafür gefunden, sich dem Geheimnis der Kirche zu nähern.

Das Zeugnis des hl. Paulinus von Nola hilft uns, die Kirche – wie sie uns das II. Vatikanische Konzil vorstellt – als Sakrament der innigen Vereinigung mit Gott und so der Einheit unter uns allen und schließlich des ganzen Menschengeschlechts zu empfinden (vgl. Lumen gentium 1). In dieser Perspektive wünsche ich euch allen eine gute Adventszeit.




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