Donnerstag, 17. Dezember 2015

Lazarus von Betanien

vrnl. die Samaritanerin am Jakobsbrunnen, die Auferweckung des Lazarus, der Pharisäer und der Zöllner im Tempel;
S. Apollinare Nuovo, 6. Jh., Ravenna

Die oberen Mosaike unmittelbar unter der Decke stellen einen Erzählzyklus dar. Links zeigen 13 Felder Szenen aus dem Leben Jesu, rechts geben ebenso viele Bilder Leiden und Auferstehung wieder. In den linken Mosaiken ist Jesus als bartloser junger Mann mit lieblichem Gesichtsausdruck, mit einem Nimbus und einer Purpurtunika dargestellt.
Zwischen diesen Mosaiken sind dekorative Felder, die bunte Muscheln zeigen. Auf ihnen sitzen zwei Tauben, die sich dem Kreuz zuwenden.

Lazarus von Betanien, Gastgeber Jesu. Lazarus lebte mit seinen Schwestern Maria und Martha in Betanien. Er war mit Jesus befreundet, der das Haus der Geschwister öfters besuchte. Als Lazarus gestorben war, erweckte ihn Jesus vier Tage nach dem Tod zum Leben.
Das Lazarusgrab in Betanien, das seit dem 4. Jahrhundert bezeugt ist, entspricht einer jüdischen
Grabanlage und könnte das Grab gewesen sein, in dem Lazarus vier Tage gelegen hat. Die Legende des 12. Jahrhunderts lässt Lazarus mit seinen Schwestern nach der Provence fahren, wo er als Bischof von Marseille gestorben sein soll.
Im Lukasevangelium stellt Jesus in einem Gleichnis dem „reichen Mann“ einen „armen Lazarus“ (Lk 16,19-31) gegenüber, der mit dem Gastfreund Lazarus aus Betanien offensichtlich nichts zu tun hat.
Auf diese Gleichnisgestalt des armen Lazarus, den Jesus mit Geschwüren übersät schildert, bezogen sich die Krankenhäuser des hl. Vinzenz von Paul ab 1624, die sich nach Lazarus benannten. Die Bezeichnung „Lazarett“ ist später auf die Krankenstationen des Militärs übergegangen.
(Martyrologium Sancrucense)

Kirche S. Apollinare Nuovo



Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt. Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.
Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.
Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.
Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.
Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen.
Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm.
Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte.
Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen.
Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert.
Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!
Da weinte Jesus.
Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!
Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?
Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.
Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.
Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?
Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.
Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.

Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!
Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn. Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

Aber einige von ihnen gingen zu den Pharisäern und berichteten ihnen, was er getan hatte.
Da beriefen die Hohenpriester und die Pharisäer eine Versammlung des Hohen Rates ein. Sie sagten: Was sollen wir tun? Dieser Mensch tut viele Zeichen.
Wenn wir ihn gewähren lassen, werden alle an ihn glauben. Dann werden die Römer kommen und uns die heilige Stätte und das Volk nehmen.
Einer von ihnen, Kajaphas, der Hohepriester jenes Jahres, sagte zu ihnen: Ihr versteht überhaupt nichts.
Ihr bedenkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht.
Das sagte er nicht aus sich selbst; sondern weil er der Hohepriester jenes Jahres war, sagte er aus prophetischer Eingebung, dass Jesus für das Volk sterben werde.
Aber er sollte nicht nur für das Volk sterben, sondern auch, um die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln.
Von diesem Tag an waren sie entschlossen, ihn zu töten.
(Johannes 11)

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