Freitag, 4. Dezember 2015

Johannes von Damaskus

Der segnende Christus, Moldaukloster Sucevita


Johannes von Damaskus, Kirchenlehrer. Johannes wurde um 650 in Damaskus geboren, sein Vater war arabischer Christ und Finanzminister am Hof des Kalifen. Johannes war Spielgefährte des Sohnes des Kalifen, erhielt eine standesgemäß gute Ausbildung und wurde Nachfolger seines Vaters. Mit dem Regierungsantritt des neuen Kalifen Abd el Malek 685 brach für Christen eine Zeit der Diskriminierung und der Entfernung aus ihren Ämtern an. Johannes zog sich wohl noch vor 700 in das Sabaskloster bei Jerusalem zurück.

Zum Priester geweiht, setzte er sich um 726 im Bilderstreit energisch für die Verehrung der Bilder ein. Der Ruf seiner Gelehrsamkeit veranlasste manche Bischöfe, ihn mit wichtigen Aufgaben zu betrauen. Er verfasste eines der ersten Standardwerke der ostkirchlichen Theologie mit dem Titel „Die Quelle der Erkenntnis“. Es handelt sich um eine Systematik des Dogmas auf Grundlage der Kirchenväter, der Konzilien und der Synoden des 4. bis 7. Jahrhunderts.

Die Lehren des Islam reihte Johannes in die lange Reihe der christlichen Häresien ein. Er sah in der Lehre Mohammeds eine der vielen von der Rechtgläubigkeit abgewichenen Fehlformen des Christentums. Einige nannten Johannes den Thomas von Aquin des Ostens. Er starb im hohen Alter, angeblich 104 Jahre alt, das Jahr ist unsicher, jedenfalls vor 754. Leo der XIII. erklärte ihn zum Kirchenlehrer. Johannes Damascenus wird dargestellt als Greis in orientalischer Mönchskleidung, mit Körben und Marienbild.
(Martyrologium Sancrucense)

die "alttestamentliche Dreifaltigkeit", Genesis 18, Gott erscheint Abraham und Sara, Moldaukloster Sucevita



Liebe Brüder und Schwestern!

Heute möchte ich über Johannes von Damaskus sprechen, eine Persönlichkeit ersten Ranges in der Geschichte der byzantinischen Kirche und ein großer Lehrer in der Geschichte der universalen Kirche. Er war vor allem ein Augenzeuge des Überganges von der christlich-griechisch-syrischen Kultur, die innerhalb des östlichen Teiles des byzantinischen Reiches von allen Menschen geteilt wurde, zur Kultur des Islam. Letzterer verschaffte sich mit seinen militärischen Eroberungen in dem Gebiet seinen Platz, das gewöhnlich als Mittlerer oder Naher Osten bekannt ist

Johannes entstammte einer reichen christlichen Familie und übernahm bereits als junger Mann das – vielleicht schon von seinem Vater ausgeübte – Amt des Verantwortlichen für die Wirtschaft des Kalifats. Schon bald jedoch war er seines Lebens am Hofe überdrüssig; in ihm reifte seine Entscheidung zum monastischen Leben und er trat in das Kloster von San Saba nahe bei Jerusalem ein. Dies geschah um das Jahr 700.
Ohne sich je vom Kloster zu entfernen, widmete er sich mit all seinen Kräften der Enthaltsamkeit und der literarischen Tätigkeit ohne sich dabei nicht auch einer gewissen seelsorgerischen Tätigkeit zu widmen, von der vor allem seine zahlreichen Predigten zeugen. Sein liturgischer Gedenktag wird am 4. Dezember gefeiert. Papst Leo XIII. erklärte ihn 1890 zum Lehrer der universalen Kirche.

Im Osten ist er vor allem wegen seiner „Drei Reden gegen die Verleumder der heiligen Bilder“ bekannt, die das ikonoklastische Konzil von Hieria (754) nach seinem Tod verurteilte. Diese Reden jedoch bildeten den Hauptgrund für seine Rehabilitierung und Heiligsprechung durch die orthodoxen Konzilsväter, die zum II. Konzil von Nizäa (787), dem siebten ökumenischen Konzil, einberufen worden waren. In diesen Thesen können die ersten wichtigen theologischen Versuche einer Legitimierung der Verehrung der heiligen Bilder ausgemacht werden, indem diese mit dem Geheimnis der Fleischwerdung des Sohnes Gottes im Schoß der Jungfrau Maria in Verbindung gebracht werden.

Johannes von Damaskus war darüber hinaus unter den ersten, die im öffentlichen und privaten Kult der Christen zwischen Anbetung („latreia“) und Verehrung („proskynesis“) unterschieden: erstere darf allein Gott gelten und ist im höchsten Sinne geistlich, die zweite hingegen kann sich eines Bildes bedienen, um sich an den zu wenden, der auf dem Bild dargestellt ist. Natürlich darf der Heilige in keinem Fall mit der Materie identifiziert werden, aus der die Ikone besteht. Diese Unterscheidung erwies sich sofort als sehr wichtig, um auf christliche Art denen zu antworten, die die Beachtung des strengen Verbotes des Alten Testaments zum kultischen Gebrauch von Bildern als universal und immerwährend einforderten. Dies war die große Auseinandersetzung auch in der islamischen Welt, die diese jüdische Tradition des vollständigen Ausschlusses von Bildern im Kult akzeptiert. Die Christen hingegen haben in diesem Kontext das Problem diskutiert und die Rechtfertigung für die Verehrung der Bilder gefunden. Der Damaszener schreibt: „In anderen Zeiten war Gott nie im Bild dargestellt worden, da er leiblos und ohne Antlitz ist. Da aber nun Gott im Fleisch gesehen worden ist und unter den Menschen gelebt hat, stelle ich das dar, was in Gott sichtbar ist. Ich verehre nicht die Materie, sondern den Schöpfer der Materie, der für mich zur Materie geworden ist und sich herabgelassen hat, in der Materie zu wohnen und mein Heil durch die Materie zu wirken.

Ich werde daher nicht aufhören, die Materie zu verehren, durch die zu mir das Heil gelangt ist. Ich verehre sie jedoch mitnichten als Gott! Wie könnte das Gott sein, was sein Dasein aus dem Nichts empfangen hat?... Ich aber verehre und achte auch die ganze übrige Materie, die mir zum Heil verholfen hat, insofern sie voller Energie und heiliger Gnaden ist. Ist denn nicht aus Materie das Holz des dreimal seligen Kreuzes?... Und die Tinte und das heiligste Buch der Evangelien – sind sie nicht Materie? Der Heil bringende Altar, der uns das Brot des Lebens schenkt – ist er nicht Materie?... Und vor allem anderen: sind nicht das Fleisch und das Blut meines Herrn Materie? Entweder musst du den heiligen Charakter von all dem zunichte machen, oder du musst der Tradition der Kirche die Verehrung der Bilder Gottes und der Freunde Gottes zugestehen, die vom Namen, den sie tragen, geheiligt und aus diesem Grund von der Gnade des Heiligen Geistes bewohnt sind. Beleidige also nicht die Materie: sie ist nicht verachtenswert, denn nichts von dem, was Gott geschaffen hat, ist verachtenswert“ (Contra imaginum calumniatores, I, 16, in: B. Kotter (Hg.): Die Schriften des Johannes von Damaskus, 5 Bände, Berlin 1969-1988, S. 89-90)

Moldaukloster Sucevita
Wir sehen, dass die Materie aufgrund der Fleischwerdung gleichsam vergöttlicht erscheint, sie wird als Wohnstatt Gottes gesehen. Es handelt sich um eine neue Sicht der Welt und der materiellen Wirklichkeiten. Gott ist Fleisch geworden und das Fleisch ist wirklich zur Wohnstatt Gottes geworden, dessen Herrlichkeit im menschlichen Antlitz Christi erglänzt. Daher sind die Aufforderungen des östlichen Kirchenlehrers noch heute von extremer Aktualität – angesichts der großen Würde, welche der Materie durch die Fleischwerdung zuteil wurde, so dass sie im Glauben Zeichen und wirksames Sakrament der Begegnung des Menschen mit Gott werden kann. Johannes von Damaskus bleibt also ein Hauptzeuge des Ikonenkultes, der einer die östliche Theologie und Spiritualität bis heute am meisten kennzeichnender Aspekt werden wird.
Nichtsdestoweniger handelt es sich eine Form des Kultes, die dem christlichen Glauben schlechthin zugehörig ist, dem Glauben an jenen Gott, der Fleisch geworden ist und sich sichtbar gemacht hat. Die Lehre des heiligen Johannes von Damaskus reiht sich so in die Tradition der universalen Kirche ein, deren sakramentale Lehre es vorsieht, dass aus der Natur genommene materielle Elemente dank der Anrufung („epiklesis“) des Heiligen Geistes, zusammen mit dem Bekenntnis des wahren Glaubens, zum Vermittler von Gnade werden können.

Mit diesen Grunderwägungen verbindet Johannes von Damaskus auch die Verehrung der Heiligenreliquien, dies auf der Grundlage der Überzeugung, dass die christlichen Heiligen Anteil an der Auferstehung Christi haben und daher nicht einfach als „Verstorbene“ betrachtet werden können. Indem er zum Beispiel diejenigen aufzählt, deren Reliquien oder Bilder verehrungswürdig sind, präzisiert Johannes in seiner dritten Rede zur Verteidigung der Bilder: „Wir (verehren) vor allem jene, unter denen Gott geruht hat, er – der allein Heilige, der unter den Heiligen ruht (vgl. Jes 57,15), wie die heilige Mutter Gottes und alle Heiligen. Sie sind es, die sich – soweit dies möglich ist – Gott mit ihrem Willen sowie durch das Wohnen Gottes in ihnen und durch dessen Hilfe ähnlich gemacht haben, sie werden wirklich Göttergenannt (vgl. Ps 82,6), dies nicht aufgrund ihrer Natur, sondern durch kontingente Umstände, so wie das glühende Eisen Feuer genannt wird – nicht aufgrund seiner Natur, sondern durch kontingente Umstände und die Teilhabe am Feuer. Denn er sagt: Ihr werdet heilig sein, weil ich heilig bin (Lev 19,2)“ (III, 33, col. 1352 A).

Mutter Gottes vom Zeichen, Moldaukloster Sucevita

Nach einer Reihe von Hinweisen dieser Art konnte der Damaszener daher ruhig zum Schluss kommen: „Gott, der gut ist und über aller Güte steht, gab sich nicht mit der Betrachtung seiner selbst zufrieden, sondern wollte, dass von ihm wohl gelittene Wesen seien, die an seiner Güte Anteil haben könnten: daher schuf er aus dem Nichts alle Dinge, die sichtbaren und die unsichtbaren, einschließlich den Menschen, sichtbare und unsichtbare Wirklichkeit. Und er schuf ihn, indem er ihn als ein zum Denken fähiges Wesen („ennoema ergon“) dachte und ihn als solches verwirklichte, das mit dem Wort angereichert (‚logo[i] sympleroumenon’) und auf den Geist ausgerichtet (‚pneumati teleioumenon’) ist“ (II, 2, PG 94, col. 865A). Und um den Gedanken weiter zu erläutern, fügt er hinzu: „Man muss sich von Staunen („thaumazein“) über alle Werke der Vorsehung („tes pronoias erga“) erfüllen lassen, alle muss man loben und annehmen, wobei die Versuchung zu überwinden ist, in ihnen Seiten auszumachen, die vielen unrecht oder ungerecht („adika“) erscheinen, und dagegen zugegeben wird, dass der Plan Gottes („pronoia“) über die Fähigkeit des Erkennens und Begreifens („agnoston kai akatalepton“) des Menschen hinausgeht, während im Gegenteil hierzu allein er unsere Gedanken, unsere Handlungen und sogar unsere Zukunft kennt“ (II, 29, PG 94, col. 964C).

Im übrigen sagte bereits Platon, dass die ganze Philosophie mit dem Staunen beginnt: auch unser Glaube beginnt mit dem Staunen über die Schöpfung, die Schönheit Gottes, die sichtbar wird.
Der Optimismus gegenüber der Betrachtung der Natur („physikè theoria“), gegenüber dem Sehen des Guten, des Schönen und des Wahren in der sichtbaren Schöpfung, dieser christliche Optimismus ist kein naiver Optimismus: er trägt der Wunde Rechnung, die der menschlichen Natur durch eine Wahlfreiheit zugefügt wurde, die gottgewollt ist, deren sich der Mensch jedoch unangemessen bedient hat, mit allen Folgen verbreiteter Unstimmigkeit, die sich daraus ergeben haben.
Daraus folgt die klar vom Theologen aus Damaskus wahrgenommene Notwendigkeit, dass jene Natur, in der sich die Güte und Schönheit Gottes widerspiegelt, und die durch unsere Schuld verletzt worden ist, durch die Fleischwerdung des Sohnes Gottes „gestärkt und erneuert“ wird.
Und dies nachdem Gott selbst zu vielen und verschiedenen Gelegenheiten versucht hatte zu zeigen, dass er den Menschen nicht geschaffen hatte, damit er im „Sein“ sei, sondern im „Gut-Sein“ (vgl.
Des heiligen Johannes von Damaskus Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens, II, 1, PG 94, col. 981°).

Leidenschaftlich erklärt Johannes: „Zudem galt es, die Natur zu stärken und zu erneuern und den Weg der Tugend, der vom Verderben weg- und zum ewigen Leben hinführt, durch die Tat zu weisen und zu lehren (‚didachthenai aretes hodòn’). Da endlich zeigt er das große Meer der Liebe, die er zu ihm [= dem Menschen] hat (‚philanthropias pelagos’).“ Das ist ein schöner Ausdruck. Einerseits sehen wird die Schönheit der Schöpfung, und andererseits die durch die menschliche Schuld gewirkte Zerstörung. Wir sehen aber im Sohn Gottes, der herabsteigt, um die Natur zu erneuern, das Meer der Liebe Gottes für den Menschen. Johannes von Damaskus fährt fort: „Der Schöpfer und Herr selbst übernimmt für sein Gebilde den Kampf und wird Lehrer durch die Tat… Denn ‚der eingeborene Sohn’,… der ‚in göttlicher Gestalt existierte’, der neigt nach dem Wohlgefallen Gottes des Vaters die Himmel und steigt … zu seinen Knechten herab… und vollbringt das Neueste von allem Neuen, das allein Neue unter der Sonne, wodurch sich die unendliche Macht Gottes offenbart“ (III, 1. PG 94, coll. 981C-984B)

Wir können uns den Trost und die Freude vorstellen, die diese an so faszinierenden Bildern reichen Worte in den Herzen der Gläubigen verbreiteten. Auch wir heute hören sie und teilen dieselben Gefühle der Christen von damals: Gott will in uns ruhen, er will die Natur auch durch unsere Umkehr erneuern, er will uns an seiner Gottheit teilhaben lassen. Der Herr helfe uns, aus diesen Worten den Urgrund unseres Lebens zu machen.
(Papst Benedikt XVI. über Johannes von Damaskus, Generalaudienz 6. Mai 2009)



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