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Samstag, 29. August 2026

Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Enthauptung Johannes´ des Täufers)


Taufstein in San Giovanni Battista in Vallà

Die heutige Kirche San Giovanni Battista in Vallà (Riese Pio X), Provinz Treviso wurde 1735–1746 nach einem Entwurf von Francesco Maria Preti errichtet. Im 20. Jahrhundert wurde sie erweitert und erhielt ihre heutige dreischiffige Gestalt. Besonders interessant ist, dass mehrere Kunstwerke ganz unmittelbar das Leben des Kirchenpatrons Johannes des Täufers darstellen.



Maria am Samstag



für die Wahrheit hat Johannes Zeugnis abgelegt



Der Hochaltar befindet sich im rechteckigen Presbyterium. Darüber bzw. im Bereich des Presbyteriums befinden sich drei große Altarbilder, die zusammen eine Art Lebensgeschichte des Kirchenpatrons bilden:

  • Geburt des hl. Johannes des Täufers
  • Johannes der Täufer tauft Jesus im Jordan
  • Enthauptung des hl. Johannes des Täufers

Das dritte Bild zeigt das dramatische Ende seines Lebens: Johannes wird auf Befehl des Herodes enthauptet. Der biblische Zusammenhang ist die Geschichte von Herodes, Herodias und Salome. Johannes hatte die Verbindung des Herodes mit Herodias kritisiert. Salome verlangt nach ihrem Tanz als Belohnung den Kopf Johannes des Täufers. Damit wird Johannes als Märtyrer für die Wahrheit und seinen Glauben dargestellt.

Johannes wird auf Befehl des Herodes enthauptet

Johannes tauft Jesus

Geburt Johannes`des Täufers


Das wichtigste Bild im Kirchenraum ist das große Deckenbild von Giovanni Battista Canal aus dem späten 18. Jahrhundert.

Es zeigt die Verherrlichung des hl. Johannes des Täufers: Johannes wird in einer himmlischen Szene dargestellt, umgeben von der göttlichen Sphäre. Das Bild befand sich ursprünglich in der alten Kirche und wurde bei der Erweiterung der Kirche abgenommen und an seine heutige Stelle versetzt.



Verherrlichung Johannes`der Täufer

Predigt über die Enthauptung des Johannes

Als das heilige Evangelium vorgelesen wurde, wurde unseren Augen ein grausames Schauspiel vorgeführt: der Kopf des heiligen Johannes auf einer Schüssel, eine tödliche Botschaft der Grausamkeit, hervorgebracht aus Hass gegen die Wahrheit.

Das Mädchen tanzt, und die Mutter wütet. Und mitten unter den Genüssen und Ausschweifungen der Tischgesellschaft wird leichtfertig ein Eid geschworen – und was geschworen wurde, wird ruchlos erfüllt.

An Johannes geschah, was er selbst vorausgesagt hatte. Denn über den Herrn Jesus Christus hatte er gesagt:

„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

Dieser wurde am Haupt vermindert; jener wuchs am Kreuz.

Die Wahrheit brachte Hass hervor.

Man konnte nicht gelassen ertragen, was der heilige Mann Gottes ermahnte – obwohl er doch gewiss das Heil jener suchte, die er auf diese Weise ermahnte. Sie vergolten ihm Böses für Gutes.

Denn was hätte er anderes sagen sollen als das, womit er erfüllt war? Und was hätten jene anderes antworten sollen als das, womit sie erfüllt waren?

Er säte Weizen, aber er fand Dornen.

Er sagte zum König:

„Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben.“

Denn die Begierde besiegte den König: Er hielt die verbotene Frau seines Bruders bei sich. Dennoch war er ihr so verfallen, dass er gegen Johannes nicht wütend wurde. Er ehrte denjenigen, von dem er die Wahrheit hörte.

Aber jene verabscheuungswürdige Frau empfing Hass in ihrem Herzen, dem sie bei passender Gelegenheit zur Geburt verhelfen wollte.

Als sie schließlich gebar, gebar sie eine Tochter – eine Tochter, die tanzte.

Und jener König, der Johannes als heiligen Mann betrachtete und ihn um des Herrn willen fürchtete, obwohl er ihm nicht gehorchte, wurde traurig, als von ihm der Kopf des Johannes auf einer Schüssel verlangt wurde.

Doch wegen seines Eides und wegen der mit ihm zu Tisch Liegenden sandte er den Henker und erfüllte seinen Schwur. (chatgpt)

Es gibt eine Diskussion darüber, ob diese Predigt Augustinus oder Pseudo Augustinus (Caesarius von Arles) zuzuschreiben ist. 


San Giovanni Battista, Valla, Italien

Sonntag, 11. Januar 2026

Die Himmel öffnen sich - Taufe des Herrn

 



Taufe des Herrn, Kathedrale von Reims

Romano Guardini (+ 1968)

Aus dem Buch "Der Herr".

Die Fülle des Geistes kommt über Jesus

Wie Jesus zum Jordan kommt, liegt hinter ihm das tiefe Erfahren der Kindheit und der langen Jahre des „Zunehmens an Alter, Weisheit und Gnade" (1). Das Bewußtsein der ungeheuren Aufgabe und aus unergründlichen Tiefen aufsteigende Kräfte leben in ihm - die erste Gebärde aber, die wir von ihm sehen, und das erste Wort, das er spricht, sind Demut. Nirgendwo der Anspruch der Ungewöhnlichkeit, der sagt: ,Das gilt für andere, nicht für mich!" Er kommt zu Johannes und verlangt die Taufe. Sie verlangen heißt das Wort des Täufers annehmen und sich als Sünder bekennen; Buße tun und sich dem öffnen, was von Gott her kommen will. So verstehen wir, wie Johannes erschrocken abwehrt. Jesus aber tritt in die Reihe. Er beansprucht keine Ausnahme, sondern stellt sich unter die „Gerechtigkeit", die für alle gilt. Auf dieses Hinabsteigen in die Menschentiefe antwortet der Ausbruch aus der Höhe. Die Himmel öffnen sich. Die Schranke, die den allgegenwärtigen Gott in seinem Himmel, seinem seligen Bei-sich-Sein, von uns absperrt — nämlich der Mensch selbst in seiner gefallenen Geschöpflichkeit, und daß er die Welt mit sich gerissen hat, und sie nun „der Vergänglichkeit unterworfen ist" (2) -, diese Schranke tut sich auf. Ein unendliches Begegnen geschieht. Dem Menschenherzen Jesu strömt die offene Fülle des Vaters entgegen. „Während er betet", geschieht es, sagt Lukas, und scheint damit anzudeuten, daß es ein innerer Vorgang ist (3). Wohl wirklich; wirklicher als alle greifbaren Dinge ringsumher; aber innerlich, „im Geiste". Der Heilige Geist hebt den Menschen über sich selbst hinaus, daß er Gott, den Heiligen, erfährt und seiner Liebe inne wird. Die Fülle dieses Geistes kommt über Jesus. Der Vater ist „allezeit bei ihm"; ja „in ihm, so wie er im Vater ist" (4). Was er tut, ist ein Handeln aus dem Walten des Vaters heraus; dieses Walten liegt offen vor ihm, er „sieht" es. Zugleich wird aber auch gesagt, daß er vom Vater her in die Zeit „kommt" und wieder zu ihm „zurückkehrt" — bis zu dem undurchdringlichen Wort am Kreuz vom Verlassenwerden durch Gott (5). So ist auch der Geist immer in ihm, denn der Geist ist ja die Liebe, kraft deren er und der Vater einander inne sind, und die Macht, durch welche er Mensch geworden ist. Trotzdem „kommt" hier der Geist über ihn, so wie er ihn einst vom Vater her über die Seinen „senden" wird. Hier versagt unser Denken - obwohl es die Wirklichkeit über aller Wirklichkeit und die Wahrheit über aller Wahrheit ahnt. Dadurch darf es sich aber nicht in ein Scheinbegreifen, in Gefühle und Worte führen lassen, hinter denen kein Kern steht. Das alles ist Geheimnis, das Geheimnis des dreieinigen Gottes in seiner Beziehung zum Mensch gewordenen Gottessohn. Wir können es nicht durchdringen, und das Bekenntnis dieser Ohnmacht muß über allem stehen, was vom Dasein Jesu gesagt werden mag.
Die Macht des Geistes kommt über Jesus, und in das überschwengliche Begegnen, in die Gottesfülle des Augenblicks tönt das Wort der väterlichen Liebe, das bei Lukas in der Form der Anrede steht: "Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich mein Wohlgefallen." (6)

1.Vgl.Lk.2,52. 2.Vgl.Röm.8,20. 3.Vgl.Lk.3,21. 4.Vgl.Joh.14,10-12. 5.Vgl.Mt.27,46. 6.Vgl.Lk.3,22.

Kathedrale von Reims

Freitag, 29. August 2025

Der geflügelte Prophet

 

Johannes der Täufer in der Johanneskathedrale in Przemysl

In bestimmten byzantinischen Ikonen, insbesondere ab dem 14. Jahrhundert, wird Johannes der Täufer mit Flügeln dargestellt. Diese Darstellung ist symbolisch gemeint und basiert auf seinem Titel:

„Engel der Wüste“ oder „Engel in Menschengestalt“
(griechisch: ἄγγελος ἐν ἀνθρώποις, lateinisch: angelus in carne)

Dieser Titel leitet sich aus dem Alten Testament ab, genauer gesagt aus Maleachi 3,1:

„Siehe, ich sende meinen Boten (hebräisch mal’ach, griechisch angelos), der vor mir her den Weg bereiten soll.“

Die frühen Christen interpretierten diese Stelle als eine Prophezeiung über Johannes den Täufer. Das griechische Wort angelos bedeutet sowohl „Engel“ als auch „Bote“. Aus diesem Grund wurde Johannes manchmal als eine Art irdischer Engel verstanden – also ein Mensch, der eine göttliche Botschaft bringt.

Bedeutung der Flügel

Die Flügel in diesen Ikonen sollen nicht bedeuten, dass Johannes wörtlich ein Engel ist, sondern dass er eine engelgleiche Sendung hat:

  • Er ist der Vorläufer Christi.

  • Er kündigt das Kommen des Messias an.

  • Er lebt asketisch in der Wüste – ähnlich wie Engel außerhalb der Welt stehen.

Fazit

Johannes der Täufer wird nur in bestimmten östlichen Traditionen mit Flügeln dargestellt – symbolisch, nicht buchstäblich. Die Darstellung soll seine Prophetenrolle und Nähe zur göttlichen Botschaft betonen – er ist ein menschlicher Bote mit engelhafter Mission.

(chatgpt) 

Taufe des Herrn durch Johannes

Die Johannes-Kathedrale in Przemyśl ist die griechisch-katholische Kathedralkirche der Erzeparchie Przemyśl-Warschau und damit Sitz des Erzbischofs.

Geschichte

Die Kirche wurde ursprünglich in den Jahren 1626 bis 1632 von Jesuiten erbaut. Im 18. Jahrhundert wurde der Innenraum von dem Holzschnitzer Stefan Grodzicki gestaltet. Nachdem der Jesuitenorden aufgehoben worden war, diente die Kirche im 19. Jahrhundert als Lagerraum, wurde 1904 restauriert und diente dann als römisch-katholische Garnisonkirche. Seit 1957 wurden Gottesdienste im griechisch-katholischen Ritus gefeiert. 1991 ging sie in den Besitz der griechisch-katholischen Erzeparchie über. Die barocke Ikonostase stammt aus einem Kloster bei Krakowez und wurde in den 1680er Jahren geschaffen und in der Kathedrale 1993 aufgestellt. Im angrenzenden ehemaligen Jesuitenkloster befindet sich das Museum der Erzeparchie. (wikipedia)

 

Johanneskathedrale in Przemysl

Sonntag, 12. Januar 2025

Die Taufe öffnet uns den Himmel

 

Taufe des Herrn, Kathedrale von Brüssel

 
Liebe Brüder und Schwestern!

Mit dem heutigen Fest der Taufe Jesu endet die liturgische Weihnachtszeit. Wir finden das Kind, zu dem die Sterndeuter aus dem Osten nach Betlehem kamen, um es anzubeten und ihm ihre symbolischen Gaben zu überbringen, jetzt als Erwachsenen vor, und zwar in dem Moment, in dem er sich vom großen Propheten Johannes im Fluss Jordan taufen lässt (vgl. Mt 3,13). Das Evangelium erzählt, dass sich der Himmel öffnete, als Jesus getauft worden und aus dem Wasser gestiegen war, und dass der Heilige Geist wie eine Taube auf ihn herabkam (vgl. Mt 3,16). Und eine Stimme erklang aus dem Himmel, die sprach: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“ (Mt 3,17). Dies war nach ungefähr 30 Jahren verborgenem Leben in Nazareth sein erstes öffentliches Auftreten.

Augenzeugen des einzigartigen Ereignisses waren neben dem Täufer auch dessen Jünger, von denen einige dann Jünger Christi wurden (vgl. Joh 1,35-40). Es war dies „Christophanie“ und „Theophanie“ in einem: Vor allem offenbarte sich Jesus als der „Christus“, das griechische Wort, um das hebräische „Messias“ zu übersetzen, was „gesalbt“ heißt. Er wurde nicht wie die Könige und Hohenpriester Israels mit Öl gesalbt, sondern mit dem Heiligen Geist. Im gleichen Moment erschienen zusammen mit dem Sohn Gottes die Zeichen des Heiligen Geistes und des himmlischen Vaters.

Was ist die Bedeutung dieser Tat, die Jesus – den Widerstand des Täufers überwindend –vollbringen wollte, um dem Willen des Vaters zu gehorchen (vgl. Mt 3,14-15)? Der tiefe Sinn wird erst am Ende des irdischen Lebens Christi sichtbar werden, das heißt in seinem Tod und seiner Auferstehung. Dadurch, dass sich Jesus von Johannes zusammen mit den Sündern taufen ließ, begann er damit, die Sündenlast der ganzen Menschheit auf sich zu nehmen, als Lamm Gottes, das die Sünde der Welt „hinwegnimmt“ (vgl. Joh 1,29). Eine Tat, die er am Kreuz vollbrachte, als er auch seine „Taufe“ empfing (vgl. Lk 12,50). Indem er nämlich starb, „tauchte“ er „ein“ in die Liebe des Vaters und goss den Heiligen Geist aus, damit diejenigen, die an ihn glauben, aus dieser unerschöpflichen Quelle des neuen und ewigen Lebens neu geboren werden.

Die ganze Sendung Christi wird damit zusammengefasst: uns im Heiligen Geist zu taufen, um uns von der Knechtschaft des Todes zu befreien und „uns den Himmel zu öffnen“, das heißt den Zugang zum wahren und vollen Leben, das ein „immer neues Eintauchen in die Weite des Seins ist, indem wir einfach von der Freude überwältigt werden“ (Spe salvi, 12).

(Benedikt XVI., 13.1.2008, Angelus)

Taufe des Herrn

Sonntag, 7. Januar 2024

Du bist mein geliebter Sohn

 

Taufe des Herrn, Fassade des Doms von Orvieto


Liebe Brüder und Schwestern!

Am heutigen Sonntag, der auf das Hochfest Epiphanie folgt, feiern wir die Taufe des Herrn. Dies war das erste Geschehnis in seinem öffentlichen Leben, von dem alle vier Evangelien berichten. Als Jesus das Alter von etwa dreißig Jahren erreicht hatte, verließ er Nazaret, begab sich an den Fluß Jordan und ließ sich neben vielen anderen Menschen von Johannes taufen. Der Evangelist Markus schreibt: »Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, daß der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden« (Mk 1,10–11). In diesen Worten »Du bist mein geliebter Sohn« wird offenbar, was das ewige Leben ist: es ist die kindhafte Beziehung zu Gott, wie Jesus sie gelebt und uns offenbart und geschenkt hat.

Heute morgen habe ich traditionsgemäß in der Sixtinischen Kapelle 13 Neugeborenen das Sakrament der Taufe gespendet. Die Eltern, die Paten und Patinnen fragt der Zelebrant üblicherweise: »Was erbitten Sie von der Kirche Gottes für ihr Kind?«; auf ihre Antwort: »Die Taufe« erwidert er: »Und was schenkt uns die Taufe?« Sie antworten: »Das ewige Leben«. Das ist die wunderbare Wirklichkeit: Die menschliche Person wird durch die Taufe in die einmalige und einzigartige Beziehung Jesu mit dem Vater hineingenommen, so daß sich die Worte, die vom Himmel über den eingeborenen Sohn erklingen, für jeden Mann und jede Frau bewahrheiten, die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist neu geboren werden: Du bist mein geliebter Sohn.

Liebe Freunde, wie groß ist doch das Geschenk der Taufe! Wenn wir uns dessen ganz bewußt wären, würde unser Leben zu einem unaufhörlichen »Danke« werden. Welch große Freude ist es für die christlichen Eltern, die aus ihrer Liebe ein neues Geschöpf hervorgehen sahen, es zum Taufstein zu bringen und zu sehen, wie es im Schoß der Kirche zu einem Leben in Ewigkeit neu geboren wird! Geschenk, Freude, aber auch Verantwortung! Die Eltern müssen nämlich die Kinder zusammen mit den Paten gemäß dem Evangelium erziehen.

Benedikt XVI, 11.1.2009, Angelus, Taufe des Herrn

Dom von Orvieto