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| Apostel Petrus und Paulus, Notre Dame du Sablon, Brüssel |
Liebe Brüder und Schwestern!
Das Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus ist zugleich ein dankbares
Gedächtnis der großen Zeugen Jesu Christi und ein feierliches Bekenntnis zur
einen,
heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Es ist vor allem ein Fest
der Katholizität. Das Zeichen von Pfingsten – die neue Gemeinschaft, die in
allen Sprachen spricht und alle Völker in einem einzigen Volk, in einer Familie
Gottes vereint –, dieses Zeichen ist Wirklichkeit geworden. Unsere liturgische
Versammlung, zu der sich Bischöfe aus allen Teilen der Welt, Menschen
vielfältiger Kulturen und Nationen eingefunden haben, ist ein Bild der über die
ganze Erde verteilten Familie der Kirche. Fremde sind zu Freunden geworden;
jenseits aller Grenzen erkennen wir uns als Brüder und Schwestern an. Damit ist
die Mission des hl. Paulus erfüllt, der wußte, daß »als Diener Christi Jesu
unter den Heiden zu sein…, eine Opfergabe [darstellt], die Gott gefällt,
geheiligt im Heiligen Geist« (
Röm 15,16).
Das Ziel der Mission ist eine
Menschheit, die selbst zu einer lebendigen Verherrlichung Gottes geworden ist,
die wahre Verehrung, die Gott erwartet: Das ist der tiefste Sinn der
Katholizität
– einer
Katholizität, die uns schon geschenkt wurde und zu der wir uns
doch immer wieder auf den Weg machen müssen.
Katholizität ist nicht nur
Ausdruck einer horizontalen Dimension, also die Versammlung vieler Menschen in
der Einheit; sie drückt auch eine vertikale Dimension aus: Nur dadurch, daß wir
den Blick auf Gott richten, nur dadurch, daß wir uns ihm öffnen, können wir wirklich
zu einer Einheit werden. Wie Paulus kam auch Petrus nach Rom, in die Stadt, die
zum Ort geworden war, wo alle Völker zusammentrafen, und die eben deshalb eher
als jede andere Ausdruck der Universalität des Evangeliums werden konnte. Als
er die Reise von Jerusalem nach Rom unternahm, wußte er sich mit Sicherheit von
den Stimmen der Propheten, vom Glauben und vom Gebet Israels geleitet. Die
Entsendung in die ganze Welt ist nämlich auch Teil der Verkündigung des Alten
Bundes: Das Volk Israel war dazu bestimmt, Licht für die Völker zu sein. Der
große Psalm der Passion, Psalm 22, dessen ersten Vers »Mein Gott, mein Gott,
warum hast Du mich verlassen?« Jesus am Kreuz laut gerufen hat, endet mit der
Vision: »Alle Enden der Erde werden umkehren zum Herrn: Vor ihm werfen sich
alle Stämme der Völker nieder« (
Ps 22,28). Als Petrus und Paulus nach
Rom kamen, war der Herr, der diesen Psalm am Kreuz zu sprechen begonnen hatte,
auferstanden; dieser Sieg Gottes mußte nun allen Völkern verkündet werden,
wodurch die Verheißung, mit der der Psalm schloß, erfüllt wurde.
Katholizität bedeutet
Universalität – Vielfalt, die zur
Einheit wird; Einheit, die dennoch Vielfalt bleibt. Aus dem Wort des Paulus
über die
Universalität der Kirche haben wir schon ablesen können, daß zu
dieser
Einheit die Fähigkeit der Völker zur Selbstüberwindung gehört, um
auf den einzigen Gott zu blicken.
Der eigentliche Begründer der katholischen
Theologie, der hl. Irenäus von Lyon, hat im 2. Jahrhundert diese Verbindung
zwischen Katholizität und Einheit sehr schön ausgedrückt: »Diese Lehre und
diesen Glauben bewahrt die Kirche, die sich über die ganze Welt erstreckt,
sorgfältig und bildet gleichsam eine einzige Familie: derselbe Glaube mit einer
einzigen Seele und einem einzigen Herzen, dieselbe Verkündigung, Lehre,
Tradition, als hätte sie nur einen einzigen Mund. Unterschiedlich sind die
Sprachen der verschiedenen Regionen, aber es wirkt ein und dieselbe Kraft der
Tradition. Die Kirchen Germaniens haben ebenso wenig einen anderen Glauben oder
eine andere Tradition wie jene in Spanien, Gallien, Ägypten, Libyen, im Osten
oder im Zentrum der Erde; wie die Sonne als Geschöpf Gottes eine einzige und
die gleiche in der ganzen Erde ist, so strahlt das Licht der wahren
Verkündigung überall und erleuchtet alle Menschen, die zur Erkenntnis der
Wahrheit gelangen wollen« (
Adversus haereses I,10,2).
Die
Einheit
der Menschen in ihrer Vielfalt ist möglich geworden, weil Gott, dieser eine
Gott des Himmels und der Erde, sich uns gezeigt hat; weil die wesentliche Wahrheit
über unser Leben, über unser »Woher?« und »Wohin?« sichtbar geworden ist, als
er sich uns zeigte und in Jesus Christus uns sein Angesicht, sich selbst, sehen
ließ. Diese Wahrheit über das Wesen unseres Seins, über unser Leben und unser
Sterben, eine Wahrheit, die von Gott her sichtbar geworden ist, vereint uns und
läßt uns zu Brüdern werden.
Katholizität und
Einheit gehören
zusammen. Und die
Einheit hat einen Inhalt: den Glauben, den die Apostel
uns im Auftrag Christi übermittelt haben.
(Papst Benedikt XVI., aus der Predigt zum Hochfest der hll. Apostel Petrus u. Paulus, 29. Juni 2005)
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