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Mittwoch, 25. März 2020

Sei gegrüßt, Maria, du bist voll der Gnade

Verkündigung des Herrn, Soutwark Cathedral, London




Voll der Gnade...
"Sei gegrüsst, die du voll der Gnade bist" (Lk. 1.29). In der Tat, als der Engel "bei ihr eintritt", nennt er sie nicht mit ihrem irdischen Namen Maria, sondern mit ihrem göttlichen, so wie Gott sie seit jeher sieht und bezeichnet: "Voll der Gnade - gratia plena", [...] "Begnadete", und die Gnade ist nichts anderes als die Liebe Gottes, so dass wir dieses Wort schliesslich mit "die von Gott geliebte" übersetzen könnten (vgl. Lk 1,28). 

[...] Origines hält fest, dass niemals ein Mensch mit einem solchen Ehrentitel bedacht worden sei und dass dieser an keiner anderen Stelle der ganzen Heiligen Schrift vorkomme (vgl. In Lucam 6,7). Der Titel ist in passiver Form ausgedrückt, aber diese "Passivität" Mariens, die von jeher und für immer die vom Herrn "geliebte" ist, schliesst ihre freie Zustimmung, ihre persönliche und eigene Antwort ein:

Im Geliebtsein, im Empfangen der Gabe Gottes, ist Maria ganz aktiv, weil sie die Flut der Liebe Gottes, die sich in sie ergiesst, in persönlicher Bereitschaft aufnimmt. Auch darin ist sie vollkommene Jüngerin ihres Sohnes, der durch den Gehorsam gegenüber dem Vater seine eigene Freiheit ganz verwirklicht und eben auf diese Weise seine Freiheit ausübt, indem er gehorcht

Papst Benedikt XVI., Predigt am Hochfest der Verkündigung des Herrn, 25. März 2006



Montag, 6. Januar 2020

Der Kirche anvertraut (2)

Erscheinung des Herrn, Southwark Cathedral



Die Verkündigung dieses Heilsgeheimnisses hat Christus seiner Kirche anvertraut. Es ist, so schreibt der hl. Paulus, »seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden: daß nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium« (Eph 3,6).
Die Einladung, die der Prophet Jesaja an die Heilige Stadt Jerusalem richtete, kann man auf die Kirche anwenden: »Auf, werde licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir« (Jes 60,1–2).
Es ist, wie der Prophet sagt: Mit all ihrem Vermögen ist die Welt nicht imstande, der Menschheit das Licht zu geben und ihr auf ihrem Weg Orientierung zu schenken. Dies läßt sich auch in unseren Tagen wahrnehmen: die westliche Zivilisation scheint die Orientierung verloren zu haben, sie »fährt auf Sicht«. Doch dank des Wortes Gottes schaut die Kirche durch diese Nebel hindurch. Sie verfügt über keine technischen Lösungen, sondern hält den Blick auf das Ziel gerichtet und bietet allen Menschen guten Willens jeder Nation und Kultur das Licht des Evangeliums an.
(2. Teil, Benedikt XVI., Angelus, 6.1.2012)

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Anbetung der Hirten



Kehren wir zum Weihnachtsevangelium zurück. Es erzählt uns, daß die Hirten, nachdem sie die Botschaft des Engels vernommen hatten, zueinander sagten: „'Kommt, wir gehen nach Betlehem' … So eilten sie hin“ (Lk 2, 15f). Ja, sie eilten. Was ihnen da verkündet worden war, war so wichtig, daß sie sofort gehen mußten. In der Tat, was ihnen da gesagt wurde, ging über alles Gewöhnliche hinaus. Es veränderte die Welt. Der Erlöser ist geboren. Der erwartete Sohn Davids ist in seiner Stadt zur Welt gekommen. Was konnte es Wichtigeres geben? Gewiß, auch die Neugier trieb sie, aber doch vor allem die Erregung über das Große, das gerade ihnen, den Kleinen und scheinbar unwichtigen Menschen, gesagt worden war. Sie eilten – ohne Aufschub.
In unserem durchschnittlichen Leben ist es nicht so. Die Dinge Gottes erscheinen den meisten Menschen nicht vordringlich, sie bedrängen uns nicht unmittelbar. Und so sind wir, die Allermeisten, gern bereit, sie zu verschieben. Zuerst tut man das jetzt und hier Vordringliche. In der Liste der Prioritäten steht Gott häufig so ziemlich an letzter Stelle. Das kann man immer noch tun, so meint man. Das Evangelium sagt uns: Gott hat höchste Priorität. Wenn irgend etwas in unserem Leben Eile ohne Aufschub verdient, dann allein die Sache Gottes. Ein Grundsatz der Regel des heiligen Benedikt lautet: „Dem Werk Gottes (das heißt dem Gottesdienst) darf nichts vorgezogen werden.“ Der Gottesdienst ist für die Mönche die erste Priorität. Alles andere kommt danach. In seinem Kern gilt dieser Satz aber für jeden Menschen. Gott ist wichtig, das Wichtigste in unserem Leben überhaupt. Diese Priorität lehren uns die Hirten. Von ihnen wollen wir lernen, uns von all den bedrängenden Dingen des Alltags nicht erdrücken zu lassen. Von ihnen wollen wir die innere Freiheit lernen, anderes noch so Wichtiges zurückzustellen, um uns aufzumachen zu Gott, ihn einzulassen in unser Leben und in unsere Zeit. Zeit, die wir für Gott und von ihm her für den Nächsten verwenden, ist nie verlorene Zeit. Es ist die Zeit, in der wir eigentlich leben, in der wir das Menschsein selbst leben.
(Benedikt XVI., Christmette 2009)


Anbetung der Hirten, Southwark Cathedral, London

Montag, 2. Oktober 2017

Schutzengelfest

Southwark Cathedral, London

Heilige Schutzengel. In der Vorstellungswelt sowohl des Alten wie auch des Neuen Testamentes ist die Existenz von Engeln selbstverständlich. Sie sind, wie ihr vom Griechischen „angelos“ abgeleiteter Name sagt, „Boten“. Die Schrift beschreibt sie als geistige, personale „Mittlerinstanzen“ zwischen dem einen transzendenten Gott und seiner materiellen Schöpfung.
Jesus selbst spricht an mehreren Stellen von den Engeln: Er sagt, dass sie immerdar das Angesicht des Vaters schauen (Mt 18,10); dass sie beim Gericht die Auserwählten versammeln werden (Mt 26,53); dass sie über dem Menschensohn auf und absteigen werden (Joh 1,51). Aus der Aussage des Herrn, wonach Kinder ,,ihre Engel im Himmel“ haben (Mt 18,10), hat die mit Dionysius Areopagita im 6. Jahrhundert einsetzende Lust an der Systematisierung der Engelwelt geschlossen, dass es Engel gibt, die jedem Menschen – also nicht nur den Getauften – zugeeignet sind. Die Aufgabe dieser sogenannten „Schutzengel“ konnte man aus zahlreichen Schriftstellen erschließen. Eine Art Definition gibt der Hebräerbrief, wenn er die Engel ,,dienende Geister“ nennt, „die zum Dienst ausgesandt sind um deren willen, die das Heil erben sollen.“ (Hebr 1,14). Eine eigene liturgische Verehrung der Schutzengel entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert in Verbindung mit der Verehrung des Erzengels Michael am 29. September. 1670 legte Papst Klemens X. das Schutzengelfest auf den 2. Oktober und schrieb es für die ganze Kirche vor.
(Martyrologium Sancrucense)

 Schutzengelgebet mal anders

Schutzengel, Southwark Cathedral, London

Freitag, 24. März 2017

Oscar Romero

 Oscar Romero Gedenkstätte, die 2013 errichtet wurde, das Kreuz stammt
von Fernando Llort, St George´s Cathedral, London

Oscar Romero war ein römisch-katholischer Erzbischof, der am 24. März 1980 während der Eucharistiefeier erschossen wurde. Die Seligsprechung Romeros als Märtyrer fand am 23. Mai 2015 in seiner Bischofsstadt San Salvador statt.






Frage: Heiligkeit, wir kommen in den Kontinent von Erzbischof Oscar Romero. Man hat viel von seinem Heiligsprechungsprozeß gesprochen. Wollen Sie, Heiligkeit, uns freundlicherweise sagen, wie weit wir damit sind, ob er heiliggesprochen wird und wie Sie diese Gestalt sehen?

Benedikt XVI.: Nach den letzten Informationen über die Tätigkeit der zuständigen Kongregation werden viele Fälle bearbeitet, ich weiß, daß sie vorangehen. Seine Exzellenz Bischof Paglia hat mir eine bedeutsame Biographie gesandt, die viele Punkte in dieser Hinsicht klärt.
Erzbischof Romero war sicher ein großer Glaubenszeuge, ein Mann von großer christlicher Tugend, der sich für den Frieden und gegen die Diktatur eingesetzt hat und der während der Feier der heiligen Messe ermordet wurde. Also ein wahrhaft »glaubwürdiger« Tod, der Tod eines Glaubenszeugen. Es gab das Problem, daß eine politische Seite ihn unrechtmäßig für sich als Galionsfigur, als emblematische Gestalt beanspruchte. Wie kann man nun seine Gestalt ins rechte Licht rücken und sie vor diesen Versuchen der Instrumentalisierung schützen? Das ist das Problem. Es wird geprüft, und ich warte und vertraue auf das, was die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse dazu sagen wird.
(Interview mit Papst Benedikt vom 9.5.2007)



Pileolus von Erzbischofr Oscar Romero


Fragment der Albe, die Romero am 24. März 1980  trug, an dem Tag,
als er während der hl. Messe erschossen wurde.



Büste von Oscar Romero, St George´s Cathedral, London