Die Kathedrale St. Pierre in Lisieux wurde im 12. Jahrhundert im normannisch-gotischen Baustil errichtet und war bis zur französischen Revolution Bischofssitz der Diözese Lisieux. Heute ist der Bischofssitz in Bayeux. Die Kathedrale St. Peter war die Pfarrkirche der hl. Theresia. Hierher kam sie täglich zur hl. Messe, hier empfing sie erstmals das Sakrament der Beichte.
In einer Seitenkapelle im rechten Seitenschiff hatte die Familie Martin ihren Platz bei den Sonn- und Feiertagsmessen. Im Juli 1887 erkannte Theresia gegen Ende der hl. Messe ihre Berufung, "Seelen durch Gebet und Opfer zu retten".
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| Seitenkapelle, in der die Familie Martin die Hl. Messe mitfeierte |
"Als
ich eines Sonntags die Photographie unseres Herrn am Kreuz betrachtete, ward
ich betroffen vom Blute, das aus einer seiner Göttlichen Hände floss. Ich
empfand tiefen Schmerz beim Gedanken, dass dies Blut zur Erde fiel, ohne dass
jemand herzueilte, es aufzufangen. Ich beschloss, im Geiste meinen Standort am
Fuße des Kreuzes zu nehmen, um den ihm entfließenden Göttlichen Tau
aufzufangen, und begriff, dass ich ihn nachher über die Seelen ausgießen
müsse... Der Schrei Jesu am Kreuz widerhallte ununterbrochen in meiner Seele:
«Mich dürstet!» (Joh 19,28). Diese Worte entfachten in mir ein unbekanntes,
heftiges Feuer... Ich wollte meinem Viel-Geliebten zu trinken geben und ich
fühlte mich selbst vom Durst nach Seelen verzehrt...
Noch
waren es nicht Priesterseelen, zu denen es mich hinzog, sondern die der großen
Sünder, ich brannte vor Verlangen, sie den ewigen Flammen zu entreißen."
(Therese
von Lisieux, Selbstbiographie, Johannesverlag, 97)
"Es
ist wirklich ein erstaunlicher Text, machtvoll. Thérèse ist ganz wach geworden,
ihr Herz kann mitleiden, sie sieht den Herrn am Kreuz. Sie sieht das Blut aus
seinen Wunden. Aber es ist nicht nur Mitleid mit seinem physischen,
körperlichen Leid, es ist die Erschütterung darüber, dass das für uns
vergossene Blut so unbeachtet bleibt, dass, wie Franziskus sagt, die Liebe
nicht geliebt wird. Dieser Schmerz trifft sie. Das ist das tiefste Mitleid mit
dem Heilswillen Jesu. Warum wird Jesu Liebe nicht mehr angenommen?
Da
beschließt Thérèse, wieder unglaublich gewagt, sich beim Kreuz aufzuhalten, de
me tenir en esprit au pied de la Croix, im Geist mich am Fuß des Kreuzes
aufzuhalten, dort meinen Platz zu finden, dort, wo Maria, Johannes und Maria
von Magdala standen, aber nicht passiv, sondern aktiv, um das göttliche Blut
aufzufangen. Mich fasziniert immer wieder an Thérèse dieses Gewagte, dieses
unglaublich eigentlich alle ängstlichen Maße Sprengende: Ich begriff, dass ich
es nachher über die Seelen ausgießen müsse. Sie hat eine Heilsaufgabe.
Ich
erwähne nur in Klammer, man müsste es sich näher anschauen, die erstaunliche
Parallele zum so genannten dritten Geheimnis von Fatima, wo es eine ganz
ähnliche Passage gibt. Es ist eine direkte, mit Christus verbundene Mission,
die schon damals im Grunde grenzenlos ist. Wenn Christus sein Blut für alle
vergossen hat, so will Thérèse immer entschiedener das Heil aller, weil es Jesu
Wille ist. Sie will deshalb Jesu Durst stillen, ihr Mitleid mit ihm wird zum
Durst, an seinem Werk teilzunehmen. Ihr Durst wird sein Durst nach Seelen. Sie
zeichnet dann ein kleines Bild, ein Kreuzesbild, auf das sie diese beiden Worte
zusammen schreibt: Mich dürstet, Jesu Wort am Kreuz (Joh 19,28), und daneben
das andere Wort, das Jesus zur Samariterin sagt: Gib mir zu trinken (Joh
4,7). Sie deutet es in diesem Sinn."
(
Aus der Katechese von Kardinal Schönborn vom 6.4.2003 über Therese von Lisieux und die Stadtmission)
Und passend zum Oktober: Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz in der Kathedrale St. Pierre.
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| Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz, St. Pierre, Lisieux |