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Freitag, 21. Februar 2025

Am Grab des hl. Petrus Damiani (2)

 

An den Wänden befinden sich zwei große gewölbte Tempera; links übergibt der hl. Petrus Damian, ein junger Mann, einem Priester eine Münze, um die Messe für seinen Vater zu zelebrieren; in der anderen veranlaßt der Heilige als päpstlicher Legat König Heinrich IV., seine Gemahlin Bertha von Savoyen, von der er sich trennen wollte, zurückzurufen.

 

Am Grab des hl. Petrus Damiani in Faenza

Papst Alexander II. übergebt Petrus Damiani die Ordensregel (S. Gregorio Magno al Celio); Brief von Papst Benedikt XVI. an die Kamaldulenser

Eremitenregel (Vatikanische Museen) und Papst Benedikt XVI. über Petrus Damiani

Gebet zum Gekreuzigten von Petrus Damiani

Leben des Kirchenlehrers Petrus Damiani - Kempten

 



Heiliger Petrus Damiani, bitte für uns!
 

Eine schwierige Kindheit

Petrus Damiani wurde 1007 als siebtes Kind einer bitterarmen Familie in Ravenna geboren. Er hatte keinen leichten Start im Leben: Seine Mutter war wegen der vielen hungrigen Münder so verzweifelt, dass sie beschloss, das Neugeborene einfach seinem Schicksal zu überlassen. Zum Glück besann sie sich aber bald eines Besseren und kümmerte sich dann doch liebevoll um den kleinen Jungen. Beide Eltern starben früh, und so war Petrus schon als kleines Kind Vollwaise. Zunächst wurde er seiner Schwester Rodelinda anvertraut, danach dem inzwischen verheirateten ältesten Bruder, der den ihm lästigen Jungen schikanierte, wo er nur konnte. Danach nahm sich ein anderer Bruder des Jungen an: Damiano. Er war Priester geworden und behandelte den kleinen Petrus nicht nur liebevoll, sondern kümmerte sich auch um seine geistige Erziehung. Aus Dankbarkeit nahm Petrus später seinen Namen an: Damiani.

Ein großes Herz

Johannes von Lodi, der erste Biograph des Petrus Damiani, weiß zwei Episoden aus dem Leben des Heiligen zu berichten, die bezeichnend sind: eines Tages fand Petrus auf der Straße ein Goldstück. Der Junge freute sich königlich: nun konnte er endlich Brot kaufen und sich einmal so richtig satt essen! Doch dann fiel ihm ein, dass man Gefundenes immer dem Besitzer zurückgeben muss. Als dieser aber nirgends aufzutreiben war, beschloss er, das Geld doch nicht für eine Freude auszugeben, die nur von kurzer Dauer sein würde, sondern stattdessen Messen für seine verstorbenen Eltern zu bestellen… Ein anderes Mal, als er mit einem blinden Armen sein Mahl einnahm, nahm er für sich das gute Weißbrot und reichte dem blinden Gast das schlechtere Schwarzbrot. Da spürte er auf einmal, dass ihm eine Fischgräte im Hals steckengeblieben war! Er bereute seinen Egoismus, tauschte sein Brot gegen das des Blinden … und die Fischgräte war verschwunden. Diese Episode überzeugte ihn endgültig davon, dass er sich Gott weihen und das Klosterleben wählen müsse.

In der Einsiedelei Fonte Avellana

Vom Verlangen nach einem Leben der Einsamkeit, der Meditation und des Gebets getrieben, trat Petrus Damiani 1035 in das umbrische Benediktinerkloster Fonte Avellana ein. Schnell verbreitete sich der Ruf seiner Frömmigkeit, und die Lebensregeln, die Petrus verfasste, beeinflussten auch andere Klöster. Als Prior von Fonte Avellana organisierte er das Klosterleben dort neu, was in den umliegenden Regionen schon bald weitere Häuser entstehen ließ. Sein eifriges Schaffen blieb auch dem Bischof von Ravenna nicht verborgen, der ihn an seine Seite berief. Petrus Damiani aber hätte der Kirche lieber weiter in der Stille seiner Einsiedelei gedient...

Die Übel der Kirche

In der Kirche jener Zeit grassierten zwei schlimme Übel: die Simonie – also der Ämterkauf –, und der Nikolaismus, die Missachtung des Zölibats. Der deutsche Papst Stephan IX. beorderte Petrus Damiani 1057 nach Rom, wo er ihm bei der Reformierung des Klerus behilflich sein sollte. Gegen seinen Willen machte er ihn zum Kardinal und Bischof von Ostia. Als Vertrauter der Päpste wurde Petrus oft auch als Legat eingesetzt: so im Konflikt mit dem Erzbischof von Mailand oder bei der Mission im Kloster von Cluny, das es vor der Einmischung des Ortsbischofs zu schützen galt. Er unterstützte Papst Gregor VII. auch im Investiturstreit mit Kaiser Heinrich IV., der das Investiturverbot  missachtet, eigenmächtig Bischöfe und Äbte eingesetzt hatte und dafür vom Papst exkommuniziert worden war. Ein Streit, der nur wenige Jahre nach dem Tod des Petrus Damiani zum berühmten „Canossa-Gang“ führen sollte: dem Gang des Kaisers zur Burg Canossa, wo er sich dem Papst am 28. Januar 1077 im Büßerhemd zu Füßen warf.

Heilig, sofort!

Petrus starb auf der Rückreise von einer Mission in Ravenna im Benediktinerkloster „Santa Maria Fuori Porta“ in Faenza. Schon bei seiner Beerdigung wurden Rufe nach einer Heiligsprechung laut. 1828 erhob ihn Papst Leo XII. zum Kirchenlehrer. (vaticannews)

Montag, 21. Februar 2022

Am Grab des Kirchenlehrers Petrus Damiani

 

Papst Alexander II. übergebt Petrus Damiani die Ordensregel (S. Gregorio Magno al Celio); Brief von Papst Benedikt XVI. an die Kamaldulenser

Eremitenregel (Vatikanische Museen) und Papst Benedikt XVI. über Petrus Damiani

Gebet zum Gekreuzigten von Petrus Damiani

Leben des Kirchenlehrers Petrus Damiani - Kempten

 

Grabkapelle des hl. Petrus Damiani im Dom von Faenza

Bischof, Kirchenlehrer
Namensdeutung: der Fels (griech.-lat.)
Namenstage: Petrus, Peter, Pier, Pierre, Pietro, Pedro, Pit, Pere, weibl.: Petra, Pierrette
Gedenktag: 21. Februar

Lebensdaten: geboren um 1007 in Ravenna, gestorben am 23. Februar 1072 in Faenza

Lebensgeschichte: Pier kommt der Überlieferung nach in einer adligen, jedoch verarmten Familie zur Welt und verdingt sich bei einem seiner älteren Brüder als Schweinehirt. Damian, ein anderer Bruder, der in Ravenna Erzpriester ist, nimmt sich seiner an und ermöglicht ihm ein Studium. Aus Dankbarkeit fügt sich Pier den Namen seines Bruders an. Nach dem Studium in Ravenna, Faenza und Parma wird Pier Damiani selber Professor an der Universität.

Mit Ende 20 fühlt er sich zum Einsiedler berufen und tritt in die Abtei von Fonte Avellana ein, einer Gründung des hl. Romuald, des späteren Gründers des Kamaldulenserordens, dessen Biographie Pier verfasst. Trotz seiner strengen Bußübungen, darunter die wiedereingeführte Geißelung, wird Pier Prior der Abtei und tut sich in der beginnenden Reformbewegung des Klerus hervor, die von den Päpsten angestoßen wurde.

Petrus erlangt durch seine kraftvollen Predigten gegen den Ämterkauf (Simonie) sowie gegen verheiratete Priester (Nikolaitismus) Berühmtheit, woraufhin er zur Teilnahme an mehreren Synoden berufen und 1058 schließlich zum Kardinalbischof von Ostia ernannt wird. Trotz seines immer wieder geäußerten Wunsches, in seine Einsiedlerabtei zurückzukehren, und seines Abscheus vor dem Sittenverfall auch der römischen Priester, bleibt Petrus Damiani im Dienst der Kurie tätig.

Als päpstlicher Legat in Mailand, wo die meisten kirchlichen Ämter erkauft wurden und der Großteil der Geistlichen verheiratet ist, setzt er die Unterwerfung des Erzbischofs und des Klerus unter die Ämterreform und das Zölibatsgesetz durch. Petrus Damiani wird auch ins burgundische Reformkloster Cluny und zum Kaiser Heinrich IV. entsandt, dem er dessen geplante Ehescheidung ausredet.

Mit seinen 180 Briefen, 54 Predigten, fünf Heiligenleben und einer Vielzahl von Gedichten und Hymnen ist Petrus Damiani überdies einer der produktivsten Schriftsteller des ganzen Mittelalters. In der Anwendung des Kirchenrechts setzte er als einer der großen Rechtsgelehrten seiner Zeit neue Maßstäbe.

1072 stirbt er auf der Rückreise von Ravenna, wo er den kaiserlich gesinnten Klerus für die Partei der Kirche zurückgewonnen hatte, an einer fiebrigen Erkrankung und wird im Kloster Santa Maria Fuori le Mura in Faenza bestattet. Nach insgesamt sechs Umbettungen ruhen seine Reliquien in einer Kapelle des Doms von Faenza.

Verehrung: Petrus Damiani wurde unmittelbar nach seinem Tod in Faenza, Montecassino, Cluny und Fonte Avellana verehrt. 1828 wurde er von Papst Leo XII. zum Kirchenlehrer erhoben, was einer ausdrücklichen Heiligsprechung gleichkommt.

Darstellung: als Mönch oder Bischof mit Büchern, Geißel oder Totenkopf

Patron: gegen Kopfschmerzen

Heiliger Petrus Damiani, bitte für uns!


Donnerstag, 21. Februar 2019

Petrus Damiani - 2007, zur 1000-Jahr-Feier seiner Geburt

Papst Alexander II. übergibt Petrus Damiani die Ordensregel,
Francesco Mancini, 1751, S. Gregorio Magno al Celio, Rom


Eremitenregel (Vatikanische Museen) und Papst Benedikt XVI. über Petrus Damiani

Gebet zum Gekreuzigten von Petrus Damiani

Leben des Kirchenlehrers Petrus Damiani - Kempten

S. Gregorio Magno al Celio, seit 1576 im Besitz der Kamaldulenser


An den Ehrwürdigen Pater
GUIDO INNOCENZO GARGANO
Oberer des Klosters »San Gregorio al Celio«

Das heutige Fest des hl. Petrus Damiani bietet mir die willkommene Gelegenheit, einen herzlichen Gruß an alle Mitglieder des verdienstvollen Ordens der Kamaldulenser zu richten, sowie auch an diejenigen, die sich mit Bewunderung an der Gestalt und am Werk dieses großen Zeugen des Evangeliums inspirieren. Er war einer der Protagonisten der mittelalterlichen Kirchengeschichte und zweifellos der produktivste Schriftsteller des 11. Jahrhunderts. Die Tausendjahrfeier seiner Geburt stellt eine äußerst günstige Gelegenheit dar, die Aspekte zu vertiefen, die bezeichnend sind für seine vielseitige Persönlichkeit als Gelehrter, Eremit und Mann der Kirche, vor allem aber als Mensch, der Christus liebte. In seinem Leben zeigt der hl. Petrus Damiani eine glückliche Synthese von Eremitenleben und pastoraler Tätigkeit. Als Eremit verkörpert er jene evangeliumsgemäße Radikalität und jene vorbehaltlose Liebe zu Christus, die in der Regel des hl. Benedikt so trefflich zum Ausdruck kommen: »Nichts, überhaupt nichts der Liebe zu Christus voranstellen«. Als Mann der Kirche wirkte er mit weitblickender Weisheit und traf, wenn nötig, auch kühne und mutige Entscheidungen. Seine ganze menschliche und geistliche Geschichte befindet sich im Spannungsfeld zwischen Eremitenleben und kirchlichen Verpflichtungen.

Der hl. Petrus Damiani war vor allem ein Eremit, er war sogar der letzte Theoretiker des Eremitenlebens in der lateinischen Kirche, zu der Zeit, als sich das Schisma zwischen Ost und West vollzog. In seinem interessanten Werk mit dem Titel »Vita Beati Romualdi« hat er uns eine der bedeutendsten Früchte der monastischen Erfahrung der ungeteilten Kirche hinterlassen. Für ihn ist das Eremitenleben eine nachdrückliche Mahnung an alle Christen, den Primat Christi und seine Herrschaft anzuerkennen. Es ist eine Einladung, die Liebe zu entdecken, die Christus, ausgehend von seiner Beziehung zum Vater, zur Kirche hat, eine Liebe, die der Eremit seinerseits nähren muß »mit, durch und in« Christus gegenüber dem ganzen Volk Gottes. Er verspürte so stark die Gegenwart der Universalkirche im Eremitenleben, daß er in der ekklesiologischen Abhandlung mit dem Titel »Dominus vobiscum« schrieb, die Kirche sei eine in allen ihren Gliedern und zugleich ganz in jedem ihrer Glieder.

Dieser große Eremit und Heilige war auch ein herausragender Mann der Kirche, der bereit war, die Einsiedelei zu verlassen und sich überall dorthin zu begeben, wo seine Anwesenheit nötig war, um zwischen Streitenden zu vermitteln, seien dies Kirchenmänner, Mönche oder einfache Gläubige. Obgleich er radikal auf das »unum necessarium« konzentriert war, entzog er sich nicht den praktischen Erfordernissen, die die Liebe zur Kirche ihm auferlegte. Er war getrieben von dem Wunsch, daß die kirchliche Gemeinschaft sich stets als heilige und makellose Braut zeigen möge, bereit für ihren himmlischen Bräutigam, und er brachte mit lebhafter »ars oratoria« seinen aufrichtigen und uneigennützigen Eifer für die Heiligkeit der Kirche zum Ausdruck. Nach jeder kirchlichen Mission kehrte er jedoch in den Frieden der Einsiedelei von »Fonte Avellana« zurück. Frei von jedem Ehrgeiz ging er sogar soweit, endgültig auf die Kardinalswürde zu verzichten, um sich nicht von der Eremiteneinsamkeit zu entfernen, der Zelle seines in Christus verborgenen Daseins.

Schließlich war der hl. Petrus Damiani die Seele der »Gregorianischen Reform«, die den Übergang vom ersten zum zweiten Jahrtausend prägte und deren Herz und Antriebskraft der hl. Gregor VII. war. Konkret ging es darum, Entscheidungen auf institutioneller Ebene und von theologischem, disziplinärem und geistlichem Charakter umzusetzen, die im zweiten Jahrtausend eine größere »libertas Ecclesiae« zuließen, indem der Atem der großen Theologie zurückgewonnen wurde mit Bezug auf die Kirchenväter und insbesondere auf den hl. Augustinus, den hl. Hieronymus und den hl. Gregor den Großen. In Wort und Schrift wandte er sich an alle: Von den Eremiten, seinen Mitbrüdern, verlangte er den Mut zur radikalen Hingabe an den Herrn, einer Hingabe, die dem Martyrium möglichst nahekommen sollte; vom Papst, von den Bischöfen und von den hochrangigen Kirchenmännern forderte er einen evangeliumsgemäßen Abstand von Ehren und Privilegien bei der Erfüllung ihrer kirchlichen Funktionen; die Priester erinnerte er an das sehr hohe Ideal ihrer Sendung, die sie ausüben müssen, indem sie die Sittenreinheit und eine wirkliche persönliche Armut pflegen.

In einer Epoche, die gezeichnet war von Parteilichkeiten und Ungewißheiten, da sie keine einigenden Prinzipien besaß, vermittelte Petrus Damiani, der sich der eigenen Grenzen bewußt war – er liebte es, sich als »peccator monachus« zu bezeichnen –, seinen Zeitgenossen das Bewußtsein, daß sich nur durch eine beständige harmonische Spannung zwischen zwei grundlegenden Polen des Lebens – der Einsamkeit und der Gemeinschaft – ein wirksames christliches Zeugnis entfalten kann. Gilt diese Lehre vielleicht nicht auch für unsere Zeit? Ich bringe gern den Wunsch zum Ausdruck, daß die Tausendjahrfeier seiner Geburt dazu beitragen möge, nicht nur die Aktualität und die Tiefe seines Denkens und Handelns wiederzuentdecken, sondern daß sie auch eine günstige Gelegenheit sein möge zur persönlichen und gemeinschaftlichen Erneuerung, durch einen ständigen Neubeginn in Jesus Christus, »derselbe gestern, heute und in Ewigkeit« (Hebr 13,8).

Ich versichere Sie und alle Kamaldulensermönche eines Gedenkens im Gebet und sende allen einen besonderen Apostolischen Segen, in den ich gern auch diejenigen einschließe, die Ihre Spiritualität teilen.

Aus dem Vatikan, am 20. Februar 2007

BENEDICTUS PP. XVI



Donnerstag, 22. Februar 2018

Petrus Damiani

Petrus Damiani, Mönch, Kardinal und Kirchenlehrer. Petrus wurde 1007 zu Ravenna geboren.
Nach einer glänzenden weltlichen Karriere als Rechtswissenschaftler wurde er 1035 Einsiedler in Fonte Avellana nahe Gubbio, nachdem er zuvor die Priesterweihe empfangen hatte. Schon bald wurde er mit der Reformierung der Klöster Santa Maria Pomposa und San Vincenzo beauftragt. Im Jahre 1043 wurde er Prior von Fonte Avellana. Er war erfasst vom Programm und Lebensideal des hl. Romuald, so wurde er zum Eiferer für die gregorianische Kirchenreform. Freimütig kritisierte Petrus in seiner Korrespondenz mit Kaiser Heinrich III. und mit Papst Leo IX. die Ausschweifungen des Klerus, wandte sich vor allem gegen die Simonie, sowie die Nichteinhaltung des Zölibats.

1057 wurde er gegen seinen Willen von Papst Stephan IX. zum Kardinal erhoben. Petrus war Vertrauter der Päpste, die ihn als Legaten einsetzten. Ein besonders enges Verhältnis hatte er zu dem Mönch Hildebrand, der 1073 als Gregor VII. den Papstthron bestieg. Mehrmals bat Petrus um Amtsenthebung, weil er glaubte, in der Stille seiner Einsiedelei der Kirche besser dienen zu können.
Doch erst 1063 durfte er zurück in sein Kloster Fonte Avellana. Petrus lebte praktisch in zwei Welten. Er tat für die Kontemplation ebenso viel wie für die große Politik, die Einsiedler lagen ihm ebenso am Herzen wie die Päpste und Kaiser. Petrus Damiani war auch einer der produktivsten Schriftsteller des Mittelalters mit einem sehr gepflegten lateinischen Stil und hinterließ ein äußerst umfangreiches Werk theologischer Schriften, dazu Briefe und Predigten. Er starb am 22. oder 23. Februar 1072 in Faënza und ist im dortigen Dom beigesetzt. Dargestellt wird Petrus Damiani mit Kardinalshut, Buch, Geißel und Totenkopf.
(Martyrologium Sancrucense)

Was nützt es dir,
wenn du den katholischen Glauben hast
und dabei ein heidnisches Leben führst?
(Petrus Damiani)


Petrus Damiani, St. Laurenz, Kempten

Mittwoch, 21. Februar 2018

Petrus Damiani - Eremitenregel


Petrus Damiani verfasst die Eremitenregel, Vatikanische Museen

Gebet zum Gekreuzigten von Petrus Damiani
Leben des Kirchenlehrers Petrus Damiani - Kempten



Liebe Brüder und Schwestern!

Während der Katechesen dieser Mittwochsaudienzen behandle ich einige der großen Gestalten des Lebens der Kirche seit ihren Anfängen. Heute möchte ich mich mit einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des 11. Jahrhunderts beschäftigen, dem heiligen Petrus Damiani. einem Liebhaber der Einsamkeit und gleichzeitig einem unerschrockener Mann der Kirche, der sich persönlich für das von den Päpsten jener Zeit begonnene Reformwerk einsetzte. Er wurde 1007 in Ravenna geboren und stammte aus einer adeligen, aber mittellosen Familie. Nachdem er beide Eltern verloren hatte, erlebte er eine Kindheit, in der es nicht an Schwierigkeiten und Leiden mangelte, auch wenn sich seine Schwester Roselinda darum bemühte, ihm die Mutter zu ersetzen, und ihn sein älterer Bruder Damiano an Sohnes statt adoptierte. Aus diesem Grund wird er später Petrus von Damiano, Petrus Damiani genannt werden. Seine Ausbildung wurde ihm zunächst in Faenza und dann in Parma zuteil, wo wir ihn bereits im Alter von 25 Jahren im Einsatz der Lehre finden. Neben einem guten Fachwissen im Bereich des Rechts erwarb er eine feines Können in der Dichtkunst - in der „ars scribendi" -, und dank seiner Kenntnis der lateinischen Klassiker wurde er „einer der besten Latinisten seiner Zeit, einer der größten Schriftsteller des lateinischen Mittelalters" (J. Leclercq, Pierre Damien, ermite et homme d'Église, Rom 1960, S. 172).

Er tat sich in den verschiedensten literarischen Gattungen hervor: bei den Briefen angefangen bis hin zu den Predigten, von den Hagiographien zu den Gebeten, von den Gedichten bis hin zu den Epigrammen. Seine Sensibilität für die Schönheit führte ihn zur poetischen Betrachtung der Welt. Petrus Damiani fasste das Weltall als eine unerschöpfliche „Parabel" und einen weiten Raum von Symbolen auf, von denen bei der Interpretation des inneren Lebens sowie der göttlichen und übernatürlichen Wirklichkeit auszugehen ist. In dieser Perspektive drängte ihn um das Jahr 1034 die Kontemplation des absoluten Gottes dazu, sich fortschreitend von der Welt und ihren vorübergehenden Wirklichkeiten zu trennen, um sich in das Kloster von Fonte Avellana zurückzuziehen, das nur wenige Jahrzehnte zuvor gegründet worden war, jedoch schon für seine Strenge Berühmtheit erlangt hatte. Zur Erbauung der Mönche schrieb der die „Vita" des heiligen Gründers Romualdo von Ravenna und setzte sich gleichzeitig für die Vertiefung von dessen Spiritualität ein; dazu legte er sein Ideal des Einsiedler-Mönchstums dar.

Eine Sonderheit ist sofort hervorzuheben: Die Einsiedelei von Fonte Avellana war dem Heiligen Kreuz geweiht, und das Kreuz wird das christliche Geheimnis sein, das Petrus Damiani über allen anderen faszinieren wird. „Christus liebt nicht, wer nicht das Kreuz Christi liebt", sagt er (Sermo XVIII, 11, S. 117), und er bezeichnet sich als „Petrus crucis Christi servorum famulus - Petrus, Diener der Diener des Kreuzes Christi" (Ep, 9,1). An das Kreuz richtet Petrus Damiani wunderschöne Gebete, in denen er eine Sicht dieses Geheimnisses offenlegt, das kosmische Dimensionen besitzt, da es die gesamte Heilsgeschichte umfasst: „O seliges Kreuz - ruft er aus - dich verehren, dich verkünden und dich ehren der Glaube der Patriarchen, die Voraussagen der Propheten, der richtende Senat der Apostel, das siegreiche Heer der Märtyrer und die Scharen aller Heiligen" (Sermo XLVIII, 14, S. 304). Liebe Brüder und Schwestern, das Beispiel des heiligen Petrus Damiani dränge auch uns dazu, immer auf das Kreuz als den höchsten Akt der Liebe Gottes zu den Menschen zu blicken, der uns das Heil geschenkt hat.

Für den Ablauf des Eremitenlebens verfasst dieser große Mönch eine Regel, in der er besonders die „Strenge der Einsiedelei" hervorhebt: In der Stille des Klosters ist der Mönch dazu berufen, ein Leben des täglichen und nächtlichen Gebetes verbunden mit langen und strengen Fastenzeiten zu führen; er muss sich in einer großherzigen brüderlichen Nächstenliebe und in einem stets bereiten und verfügbaren Gehorsam gegenüber dem Prior üben. Im Studium und in der täglichen Betrachtung der Heiligen Schrift entdeckt Petrus Damiani die mystischen Bedeutungen des Wortes Gottes und findet in ihm Nahrung für sein geistliches Leben. In diesem Sinne bezeichnet er die Zelle des Einsiedlers als ein „Gesprächszimmer, wo sich Gott mit den Menschen unterhält". Das Eremitendasein ist für ihn der Gipfel des christlichen Lebens, es steht „am Höhepunkt der Zustände des Lebens", da der Mönch, der nunmehr frei ist von allen Bindungen an die Welt und an das eigen Ich, „die Anzahlung des Heiligen Geistes empfängt und sich seine Seele glücklich mit dem himmlischen Bräutigam vereint" (Ep 18, 17; vgl. Ep 28, 43 ff.). Dies ist auch für uns heute wichtig, auch wenn wir keine Mönche sind: es zu verstehen, in uns Stille zu schaffen, um die Stimme Gottes zu hören, um sozusagen ein „Gesprächszimmer" zu suchen, wo Gott mit uns spricht: Das Wort Gottes im Gebet und in der Betrachtung zu lernen ist der Weg des Lebens.

Der heilige Petrus Damiani, der vor allem ein Mann des Gebetes, der Betrachtung und der Kontemplation war, war auch ein feiner Theologe: Seine Überlegungen zu den verschiedenen Themen der Lehre lässt ihn Schlüsse ziehen, die für das Leben wichtig sind. So legt er zum Beispiel klar und lebhaft die Lehre von der Dreifaltigkeit dar und benutzt dazu im Rückgriff auf die biblischen und patristischen Texte bereits die drei grundlegenden Begriffe, die dann auch für die abendländische Philosophie bestimmend geworden sind: processio, relatio und persona (vgl. Opusc. XXXVIII: PL CXLV, 633-642; und Opusc. II e III: ebd., 41ff. und 58ff.). Da ihn jedoch die theologische Analyse des Geheimnisses dazu führt, das innerste Leben Gottes und den Dialog der unaussprechlichen Liebe unter den drei Personen zu betrachten, kommt er zu asketischen Schlüssen für das Leben in der Gemeinschaft und für die Beziehungen unter den lateinischen und griechischen Christen, die hinsichtlich dieses Themas gespalten waren. Auch die Betrachtung der Gestalt Christi hat bedeutsame praktische Konsequenzen, insofern die gesamte Schrift auf ihn konzentriert ist. Das „Volk der Juden selbst" - so merkt Petrus Damiani an -, „hat Christus gleichsam auf den Schultern getragen" (Sermo XLVI, 15). Christus muss daher, so fügt er hinzu, im Mittelpunkt des Lebens des Mönches stehen: „Christus soll aus unserem Mund gehört werden, Christus soll in unserem Leben zu sehen sei, in unserem Herzen wahrgenommen werden" (Sermo VIII, 5). Die innige Einheit mit Christus nimmt nicht allein die Mönche in die Pflicht, sondern alle Getauften. Wir finden hier eine starke Mahnung auch an uns, uns nicht völlig von den Aktivitäten, Problemen und Sorgen des Alltages aufsaugen zu lassen und dabei zu vergessen, dass Jesus wirklich im Mittelpunkt unseres Lebens stehen muss.

Die Gemeinschaft mit Christus schafft Einheit der Liebe unter den Christen. Im 28. Brief, der eine geniale Abhandlung zur Ekklesiologie darstellt, entfaltet Petrus Damiani eine tiefe Theologie der Kirche als Gemeinschaft. „Die Kirche Christi" - so schreibt er - „ist durch das Band der Liebe bis zu dem Punkt geeint, dass sie so, wie sie eine mehrgliedrige Einheit ist, mystisch auch ganz in jedem einzelnen Glied ist; so wird die ganze universale Kirche zurecht die eine Braut Christi in der Einzahl genannt, und jede erwählte Seele wird durch das sakramentale Geheimnis in vollem Sinne als Kirche angesehen." Das ist wichtig: Nicht nur die ganze universale Kirche soll eins sein, sondern in jedem von uns sollte die Kirche in ihrer Ganzheit gegenwärtig sein. So wird der Dienst des Einzelnen „Ausdruck der Universalität" (Ep 28, 9-23). Nichtsdestoweniger entspricht das ideale Bild der von Petrus Damiani erläuterten „heiligen Kirche" nicht der Wirklichkeit seiner Zeit - und er wusste das sehr wohl. Daher scheut er es nicht, den Zustand der in den Klöstern und unter dem Klerus bestehenden Korruption aufzuzeigen - vor allem aufgrund der Praxis, dass die weltlichen Autoritäten die Investitur der kirchlichen Ämter vollzogen: Verschiedene Bischöfe und Äbte verhielten sich mehr wie Regierende gegenüber den eigenen Untertanen denn als Seelenhirten. Nicht selten ließ ihr moralischer Wandel sehr zu wünschen übrig. Daher verlässt Petrus Damiani 1057 mit großer Traurigkeit das Kloster und nimmt, wenn auch unter Schwierigkeiten, die Ernennung zum Kardinalbischof von Ostia an. Damit tritt er voll in die Zusammenarbeit mit den Päpsten bei dem nicht leichten Unterfangen der Reform der Kirche ein. Er hat gesehen, dass die Kontemplation nicht ausreichend war, und musste auf die Schönheit der Kontemplation verzichten, um seinen helfenden Beitrag für das Werk der Erneuerung der Kirche zu leisten. Er hat so auf die Schönheit der Einsiedelei verzichtet und voller Mut zahlreiche Reisen und Missionen unternommen.

Aufgrund seiner Liebe zum monastischen Leben erhielt er zehn Jahre später, im Jahr 1067, die Erlaubnis, nach Fonte Avellana zurückzukehren, und verzichtete so auf die Diözese von Ostia. Die ersehnte Ruhe jedoch ist von kurzer Dauer: Bereits zwei Jahre später wird er mit dem Auftrag nach Frankfurt entsandt, die Scheidung Heinrichs IV. von seiner Frau Berta zu verhindern. Und weitere zwei Jahre später, im Jahr 1071, geht er nach Montecassino zur Weihe der Abteikirche. Und zu Beginn des Jahres 1072 begibt er sich nach Ravenna, um den Frieden mit dem dortigen Erzbischof wiederherzustellen, der den Gegenpapst unterstützt und so das Interdikt über die Stadt verschuldet hatte. Während der Rückreise zu seiner Einsiedelei zwang ihn eine plötzliche Erkrankung, in Faenza im Benediktinerkloster „Santa Maria Vecchia fuori porta" haltzumachen. Und dort starb er in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 1072.
Liebe Brüder und Schwestern, es ist eine große Gnade, dass der Herr im Leben der Kirche eine derartig überschwängliche, reiche und vielschichtige Persönlichkeit hervorgebracht hat, wie es der heilige Petrus Damiani ist, und es kommt nicht alle Tage vor, derartig scharfsinnige und lebendige Werke der Theologie und Spiritualität zu finden wie jene des Einsiedlers von Fonte Avellana. Er war Mönch bis ins Letzte, mit Ausgestaltungen der Strenge, die uns heute sogar übermäßig vorkommen könnten. Auf diese Weise aber hat er aus dem monastischen Leben ein beredtes Zeugnis für die Vorherrschaft Gottes und einen Aufruf an alle gemacht, frei und ohne Kompromisse mit dem Bösen zur Heiligkeit fortzuschreiten. Er verzehrte sich mit hellsichtiger Kohärenz und großer Strenge für die Reform der Kirche seiner Zeit. Er schenkte all seine geistigen und körperlichen Kräfte Christus und der Kirche; dabei aber blieb er immer, wie er sich gerne zu bezeichnen pflegte, „Petrus ultimus monachorum servus - Petrus, der letzte Diener der Mönche".
(Generalaudienz Papst Benedikt XVI. vom 9. September 2009)



Deckenfresko, Petrus Damiani, Vatikanische Museen

Freitag, 3. April 2015

Dich betrachten, o Herr


Ich will dich betrachten, o Herr,
wie du fast entseelt am Holz des Kreuzes hängst.
Mit meinem Mund
will ich jeden Tropfen deines kostbaren Blutes auffangen.

Auf der Waage des Kreuzes
wird das Lösegeld für unsere Erlösung abgewogen,
und unser Schuldschein
ist zum Ärger des alten Gläubigers in Stücke gerissen.



Mit den Augen meiner Seele betrachte ich dich,
o mein Erlöser, wie du mit Nägeln ans Kreuz geheftet bist.
Ich betrachte dich, 
durchbohrt mit den noch blutenden Wunden.

Durch dieses große Geheimnis deines Leidens und Sterbens
bitte ich dich,
durch das Geheimnis unserer Erlösung 
beschwöre ich dich mit Tränen in den Augen:

verstoße mich nicht
aus der Gemeinschaft deiner Auserwählten,
wie ich es verdient hätte,
sondern rufe mich zusammen mit dem reumütigen Schächer
in die Herrlichkeit des Himmels.

Kreuzigung Jesu, Kathedrale in Toledo

Präge meiner Seele, o Herr,
die Zeichen deines heiligen Kreuzes ein,
damit ich mit diesem Siegel bezeichnet erfunden werde,
wenn du wiederkommst zum Gericht,
wenn das Siegeszeichen deiner göttlichen Macht
am Himmel erstrahlen wird.

(Petrus Damiani, 1007-1072, in Kreuzeslob, 534f)