 |
| Wiener Kapuzinerkirche |
Die zwei Denkmäler vom sel. Marco innerhalb und außerhalb der Wiener Kapuzinerkirche
(Die Befreiung Wiens)
Die Feier der hl. Messe auf dem Kahlenberg vor dem Angriff der Entsatztruppen
Die Rettung Wiens durch die Hilfe von Marco von Aviano und der Gottesmutter, auf dem Kahlenberg
Hoeß SJ, Lebensbeschreibung, Walter Lang
2013: Der Retter Wiens, Grab in der Kapuzinerkirche (Br. Erhard Mayerl, Kardinal Schönborn anlässlich der Seligsprechung von P. Marco 2003)
 |
| Dem Schutzgeist Wiens und Österreichs in der Türkennoth 1683 |
Marco d'Aviano, Kapuziner-Prediger aus der Provinz Venedig,
war eine der bedeutendsten religiösen Persönlichkeiten des 17.
Jahrhunderts. Als überzeugender Verkünder von Umkehr und Versöhnung, als
Mahner zu einem erneuerten christlichen Lebens, als Apostel der
Liebesreue durchzog er die Straßen Europas, verkündete das Wort Gottes
und rief die Menschen seiner Zeit zum Glauben und zur Buße, wobei seine
Botschaft durch die Gabe wunderbarer Bekehrungen und Heilungen
beglaubigt und verstärkt wurde.
Geboren in Aviano-Friaul am 17.
November 1631 als Sohn von Pasquale Cristofori und Rosa geb. Zanoni, die
zur wohlhabenden Bürgerschaft des Ortes gehörten und deren Ehe noch
weitere zehn Kinder entsprossen, wurde er noch am selben Tag auf den
Namen Carlo Domenico getauft. In seinem Heimatort erfuhr er die erste
religiöse und kulturelle Formung, die 1643-1647 am Jesuitenkolleg von
Görz vertieft wurde.
Der Kampf um Candia, der zwischen der
Republik Venedig und dem ottomanischen Heer tobte, erweckte in jenen
Jahren eine gewisse Heldenstimmung, die auch das Leben des jungen Mannes
aus Aviano entscheidend prägte. Beseelt vom Verlangen, den
Kriegsschauplatz zu erreichen und dort für die Verteidigung des Glaubens
selbst sein Blut zu vergießen, verließ er das Kolleg von Görz und
erreichte nach Tagen Capodistria, wo er, erschöpft von Hunger und den
Strapazen der Reise, an der Pforte des Kapuzinerklosters anklopfte. Der
Obere des Klosters bot ihm nicht nur Speise und Rast, sondern gab ihm
auch den guten Rat zu seinen Eltern heimzukehren.
Während seines
kurzen Aufenthalts bei den Kapuzinern von Capodistria entdeckte er im
Licht der Gnade die Möglichkeit, seine Berufung zum Apostel und Märtyrer
auf eine andere Weise zu verwirklichen. Schließlich fasste er den
festen Entschluss, die Welt zu verlassen und das strenge Leben der
Kapuziner auf sich zu nehmen. Im September 1648 wurde er in das Noviziat
in Conegliano aufgenommen. Ein Jahr später, am 21. November 1649, legte
er unter dem Namen Marco d'Aviano (Markus aus Aviano) seine
Ordensgelübde ab. Anschließend absolvierte er das reguläre Studium und
wurde am 18. September 1655 zum Priester geweiht.
Marco zeichnete
sich aus durch ein tiefes Gebetsleben, durch Liebe zur Gemeinschaft,
durch Demut und Bescheidenheit sowie durch Eifer in der Beobachtung der
Regel und der Satzungen des Ordens. Im September 1664 erhielt er das
”Predigerpatent“. Von diesem Zeitpunkt an lebte er mit voller Energie
dem Apostolat des Wortes Gottes, das er in ganz Italien verkündete,
besonders in den ”starken Zeiten“ des Advents und der Fasten.
Am
18. September 1676 fand ein Ereignis statt, das den demütigen Kapuziner
aus der Verborgenheit seiner Klosterzelle heraus in das helle Licht der
allgemeinen Aufmerksamkeit holte: Er war ins Kloster San Prosdocimo in
Padua zum Predigen eingeladen. Dort wurde durch sein Gebet und seinen
Segen die Nonne Vincenza Francesconi, die seit etwa 13 Jahren krank und
ans Bett gefesselt war, von einem Augenblick zum anderen geheilt. Bald
gab es weitere ähnliche außergewöhnliche Ereignisse, durch die große
Volksmengen angezogen wurden.
Unbeeindruckt von dem Aufsehen,
dass sich immer stärker um ihn verbreitete und das zur Folge hatte, dass
man sein Auftreten bald auch außerhalb Italiens wünschte, setzte der
Diener Gottes sein apostolisches Wirken fort, besonders seine markante,
immer auf das Wesentliche bezogene Predigt. Vor allem ermahnte er seine
Zuhörer zur Vertiefung des Glaubens und zu einer christlichen
Lebenspraxis, zum Bereuen ihrer Sünden und zur notwendigen Buße. Alle
gemeinsam ließ er ein Reuegebet sprechen und erteilte dann seinen Segen,
der stets reiche geistliche Früchte brachte und nicht selten wunderbare
Ereignisse und außergewöhnliche Heilungen bewirkte.
Gerade
wegen dieser wunderbaren Ereignisse verlangte man überall das Kommen des
Dieners Gottes, und so unternahm er in den letzten zwanzig Jahren
seines Lebens seine aufreibenden apostolischen Reisen durch große Teile
Europas.
Zu den hohen Persönlichkeiten, die inständig nach seinem
Besuch verlangten und ihm ihre Freundschaft boten, zählen der
Landesherr von Tirol, Herzog Karl von Lothringen und seine Gattin
Eleonora, Philipp Wilhelm, der Herzog von Neuburg, und sein Sohn Johann
Wilhelm, der Kurfürst von Bayern Maximilian Emanuel und dessen Onkel
Maximilian Philipp, die Prinzessin von Vaudemont Anna Elisabeth, die
Dauphine von Frankreich Maria Anna Christina Victoria, der König von
Spanien Karl II. und seine zweite Gattin Marianne von Neuburg, und ganz
besonders König Jan Sobjeski von Polen, Kaiser Leopold I. und
verschiedene Vertreter des kaiserlichen Hofes. Ziele seiner Reisen in
diesen Jahren waren Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, die
Schweiz, Böhmen und Österreich.
Besondere Beachtung verdient die
enge Beziehung zwischen Padre Marco und Kaiser Leopold I. Angefangen
von der ersten Begegnung, die im September 1680 in Linz stattfand, bis
zu seinem Tod, war der Diener Gottes für Leopold Freund, Ratgeber,
Seelsorger und Vertrauter in allen Belangen und bei allen Problemen, ob
sie nun familiärer, politischer, wirtschaftlicher, militärischer oder
religiöser Natur waren. Beide Charaktere ergänzten sich auf umfassende
Weise: Es war providenziell, dass der unsichere, unentschlossene Leopold
der starken und entschlossenen Persönlichkeit von Padre Marco
begegnete, der seinem Zeitgenossen nicht nur als Freund aufrichtig
zugetan war, sondern ihm auch Mut, Stärke, Entschiedenheit, Sicherheit
im Urteilen und Handeln, Hilfe und Wegweisung in geistlichen Fragen,
Zuversicht und Rat in seinen Gewissensnöten und bei seinen
Regierungspflichten vermittelte.
Gedrängt vom Kaiser und von Rom
beauftragt, musste sich Marco d'Aviano mindestens vierzehn mal zum
kaiserlichen Hof begeben und aktiv am Feldzug gegen die Türken
teilnehmen und zwar in zweifacher Eigenschaft als Päpstlicher Legat und
als Apostolischer Missionar. Es war sein großes Verdienst, dass er in
entscheidender Weise zur der Befreiung Wiens von der türkischen
Belagerung am 12. September 1683 beigetragen hat. Von 1683 bis 1689 nahm
er persönlich an den Verteidigungs- und Befreiungsfeldzügen teil. Dabei
war es sein Ziel, innerhalb des kaiserlichen Heeres positive und
freundschaftliche Beziehungen zu stiften und zu stärken, alle zu einem
wahrhaft christlichen Verhalten zu ermahnen und die Soldaten
seelsorglich zu betreuen. Es gab große militärische Erfolge, wie die
Befreiung von Buda am 2. September 1686 und die Befreiung von Belgrad am
6. September 1688. In den folgenden Jahren entfaltete er eine rege
Tätigkeit, um innerhalb Europas Frieden zu stiften, vor allem zwischen
Frankreich und dem Kaiserreich, und um die Einheit der katholischen
Mächte zur Verteidigung des Glaubens zu fördern, der ja immer noch durch
die Macht der Ottomanen bedroht war.
Im Mai 1699 unternahm
Marco d'Aviano seine letzte Reise in die Hauptstadt des Reiches. Sein
schon angeschlagener Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends,
so dass er schließlich jede Aktivität abbrechen musste. Am 2. August
empfing er im Kapuzinerkloster den Besuch der kaiserlichen Familie und
dann nach und nach Besuche der bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt.
Am 12. August überbrachte der Päpstliche Nuntius Andrea Santa Croce dem
Kranken persönlich den Apostolischen Segen des Papstes Innozenz XII. Er
empfing auch die Sakramente und erneuerte seine Ordensprofess. Am 13.
August 1699 ist Padre Marco d'Aviano in Gegenwart seines kaiserlichen
Freundes Leopold I. und der Kaiserin Eleonora, mit den Händen das Kreuz
fest umfassend sanft im Herrn entschlafen. Um es der großen Volksmenge,
die von überall herbeiströmte, zu ermöglichen, ein letztes Mal die
sterblichen Überreste des Kapuziners aus Aviano zu sehen und zu
verehren, setzte der Kaiser die Begräbnisfeierlichkeiten für den 17.
August an und bestimmte schließlich, dass er in der Gruft der Kapuziner
beigesetzt würde, jedoch an einem besonderen Platz in der Nähe der
kaiserlichen Ruhestätte. Schon Kaiser Leopold gedachte, den
Seligsprechungsprozess einleiten zu lassen. Aus diesem Grund verfügte er
nach vier Jahren die Übertragung der sterblichen Überreste von Marco
d'Aviano in eine Kapelle der Kapuzinerkirche, wo sie noch heute ruhen.
Wenn
die persönliche Botschaft von Marco d'Aviano sich an jeden Christen
wendet um ihn nachdrücklich einzuladen, treu den Weg der Umkehr und des
Glaubens zu gehen, so beschwört und betont er in einem weiterem Horizont
die christliche Identität Europas, die wir durch Apostolat und Gebet
retten und erhalten können. In diesem Sinn gab er sich selber den
Beinamen, der sein Lebensprogramm ausdrückte und der heute noch aktuell
ist: ”Geistlicher Arzt Europas“.
Biographie Vatikan
Großer,
barmherziger Gott, du hast den seligen Markus von Aviano gesandt, den
Völkern den unergründlichen Reichtum Christi zu verkünden. Durch seine
Fürsprache verleihe uns, dass auch wir dich immer tiefer erkennen, vor
dir im Geist des Evangeliums leben und durch unser Tun reiche Frucht
bringen.
Darum
bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in
alle Ewigkeit. Amen.
 |
Seliger Marco, an deinem Grab bitten wir dich, hilf uns, hilf Europa in allen Bedrängnissen und Nöten. |
Heute gedenkt die Kirche auch des Papstes Pontianus und des hl. Hippolyt von Rom.