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Donnerstag, 20. November 2025

Korbinian wollte die Gebote Gottes aufrichten

 

 

·        Nachdem Corbinian seine Reise fortgesetzt hatte und das Land der Bajuwaren erreichte, wurde seine Ankunft vielerorts bemerkt. Die Menschen, die von seinem Wandel und seiner Sendung gehört hatten, staunten über den Mann, den der Papst selbst ausgesandt hatte und der durch Gottes Hilfe sogar die Wildheit der Tiere bezwingen konnte.

·        Corbinian jedoch suchte nicht das Lob der Menschen. Er begann, in aller Demut die Aufgabe zu erfüllen, zu der er gesandt worden war. Er predigte das Evangelium mit fester Stimme, mahnte die Menschen zu einem rechtschaffenen Leben und rief sie auf, alles Heidnische hinter sich zu lassen. Viele hörten auf seine Worte, denn sie erkannten, dass er nicht im eigenen Namen sprach, sondern im Auftrag Gottes.

·        Bald wurde er zu Herzog Grimoald gerufen, dem damaligen Herrscher der Bajuwaren. Der Herzog wollte den heiligen Mann kennenlernen, dessen Ruf ihm zu Ohren gekommen war. Corbinian erschien vor ihm, und Grimoald empfing ihn mit Ehrerbietung, denn er sah, dass Gottes Geist in ihm lebte. Der Heilige sprach zu ihm über die Pflicht eines christlichen Fürsten: Er solle gerecht regieren, die Schwachen schützen, das Böse eindämmen und die Kirche stützen.

·        Doch es gab etwas, das Grimoald schwer zu tragen schien. Er lebte in einer Verbindung, die nach kirchlichem Recht nicht erlaubt war: Seine Frau Biltrudis stand ihm in verbotener Verwandtschaft nahe. Corbinian konnte darüber nicht schweigen. Er tadelte den Herzog in aller Offenheit und wies ihn darauf hin, dass ein christlicher Herrscher die Ordnung Gottes achten müsse, auch wenn der Gehorsam schwerfalle.

·        Der Herzog nahm die Zurechtweisung zunächst in Stille auf. Doch Biltrudis, die anwesend war, wurde tief gekränkt. Von Zorn erfüllt, fürchtete sie um ihren Einfluss und begann, gegen den heiligen Mann zu reden. Sie sah in ihm keinen von Gott gesandten Lehrer, sondern einen Fremden, der über ihr Leben urteilen wollte.

·        Corbinian aber wich nicht von der Wahrheit ab. Er wollte weder gefallen noch sich Feinde machen, sondern Gottes Gebote aufrichten. Darum sprach er weiter offen und deutlich, auch wenn er wusste, dass er damit mächtige Menschen gegen sich aufbrachte.

5. Kapitel der Vita Corbiniani, übersetzt von chatgpt 


Predigt des heiligen Korbinian, Freisinger Dom

Freisinger Dom



Der hl. Korbinian von Freising (hier an seinem Grab), und eine Statue in Freising

Heute gedenken wir auch des hl. Edmund von England

und der hl. Mechthild von Hackeborn (Katechese von Papst Benedikt XVI.)

Samstag, 11. Oktober 2025

Am Grab des hl. Bischofs Bruno von Köln in St. Pantaleon

 

St. Pantaleon, Köln

 

Machtstreben oder Frömmigkeit? Bruno I. von Köln (925-965) soll der beeindruckende Spagat zwischen beidem gelungen sein. Er entstammte dem Hochadel und war der jüngste Sohn des ostfränkischen Königs Heinrich I. und dessen zweiter Frau Mathilda. Während Brunos Bruder Otto später den römisch-deutschen Kaiserthron bestieg, sein Bruder Heinrich als Herzog über Bayern herrschte und seine Schwestern machtpolitisch heirateten, bestimmten die Eltern Bruno für den geistlichen Stand. Nach seiner Ausbildung an der Utrechter Domschule galt Bruno bald als einer der größten Gelehrten des Reiches. Otto I. ernannte seinen damals erst fünfzehnjährigen Bruder zum Reichskanzler und organisierte im Jahr 953 dessen Wahl zum Erzbischof von Köln. Gleichzeitig übergab er Bruno das Herzogtum Lothringen – bis ins 19. Jahrhundert sollte der Kölner Bischofsstuhl mit weltlicher Macht zusammenfallen. Die Herrschaft der Familie zu sichern war keine leichte Aufgabe: Für gleich mehrere verfeindete Neffen übernahm der als Friedensstifter gerühmte Erzbischof zeitweise die Vormundschaft. Ebenso sorgte der persönlich überraschend bescheiden lebende Bruno für das geistliche Wohlergehen seines Bistums. An seiner Klosterschule förderte er die größten Talente seiner Zeit und gründete zahlreiche Klöster, deren imposante Kirchen bis heute das Stadtbild Kölns (heutige Stadt siehe Bild) prägen. Er starb am 11. Oktober 965 in Reims, wohin er zur Streitschlichtung geeilt war. Die Nachwelt verlieh ihm den Ehrennamen "der Große".
(Katholischde)


Grab des hl. Bruno von Köln


Heiliger Bruno von Köln, bitte für uns!






St. Pantaleon (2020)

 Bruno von Köln als Gründer der St. Andreaskirche, Köln

 

Heute gedenkt die Kirche auch des sel. Jakob von Ulm (Jakob Griesinger alias Alemannus)

an seinem Grab in Bologna

des hl. Papstes Johannes XXIII.

Bild in der Kathedrale von Ravenna 

Statue und Reliquien in der Kathedrale von Bergamo

Am Grab des sel. Johannes XXIII. im Petersdom

 
und des hl. Alexander Sauli (Paulaner) an seinem Grab im Dom zu Pavia

Mittwoch, 26. Februar 2025

Dionysius in der Bischofsgallerie

 

Dionysius von Augsburg, erste Reihe, erster Bischofs links

Bischofsgalierie im Augsburger Dom

Bischof, Märtyrer
Namensdeutung: der Dionysios Geweihte (griech.)
Namenstage: Dionysius, Dennis, Denys, Denis, Denny, Dénes, Deon, weibl.: Denise
Gedenktag: 26. Februar

Lebensdaten: gestorben Anfang des 4. Jahrhunderts in Augsburg

Lebensgeschichte und Legende: Dionysius, einigen Überlieferungen nach auch Zosimus genannt, ist laut ihrer Martyriumsgeschichte der Onkel der heiligen Afra gewesen.

Wie seine Nichte Afra und seine Schwester Hilaria bekehrte sich Dionysius nach der Begegnung mit Bischof Narcissus von Gerona, der über die Alpen nach Augsburg geflohen war. Narcissus weihte ihn auch zum Priester und bestimmte ihn zum ersten Bischof für Augsburg.

Dionysius starb ebenso wie seine Nichte Afra und seine Schwester Hilaria den Märtyrertod auf dem Scheiterhaufen.

Verehrung: Seit dem 11./12. Jahrhundert wird Dionysius in den Augsburger Bischofslisten geführt, seitdem ist auch die Verehrung seiner Reliquien belegt. Am 26. Februar 1258 erhob Papst Alexander IV. feierlich die Reliquien des ersten Augsburger Bischofs, dessen Gedenktag seither an diesem Tag begangen wird.

Darstellung: im Bischofsornat mit aufgeschlagenem Buch in der Hand

(bistumaugsburg) mit schönem Bild aus der Bischofsgallerie 

Dionysius von Augsburg in St. Ulrich und Afra, Augsburg


Montag, 4. November 2024

Zum 400. Jahrestag der Heiligsprechung von Karl Borromäus (2010)

 

St Stephen, Skipton

 

SCHREIBEN VON PAPST BENEDIKT XVI.
AN DEN ERZBISCHOF VON MAILAND AUS ANLASS DES 400. JAHRESTAGES DER HEILIGSPRECHUNG VON KARL BORROMÄUS

LUMEN CARITATIS

An den verehrten Mitbruder
Kardinal DIONIGI TETTAMANZI
Erzbischof von Mailand

»Lumen caritatis«. Das Licht der Liebe des hl. Karl Borromäus hat die ganze Kirche erleuchtet und dadurch, daß es die Wunder der Liebe Christi, unseres Höchsten und Ewigen Hirten, erneuert hat, der Herde Gottes, die schmerzliche und schwierige Zeiten durchmachte, neues Leben und neue Jugend gebracht. Daher schließe ich mich von ganzem Herzen der Freude der Mailänder Erzdiözese an, die den 400. Jahrestag der Heiligsprechung dieses großen Hirten begeht, welche am 1. November 1610 erfolgte.

1. Karl Borromäus lebte in einer für die Christenheit recht schwierigen Zeit. Der Erzbischof von Mailand gab in ihr ein hervorragendes Beispiel dafür ab, was es heißt, für die Reform der Kirche zu wirken. Es galt, wegen vieler Unregelmäßigkeiten Sanktionen zu erteilen, viele Irrtümer zu korrigieren, viele Strukturen zu erneuern; jedoch wirkte Karl Borromäus für eine tiefgehende Reform der Kirche, indem er von seinem eigenen Leben ausging. So führte der junge Borromäus das erste und radikalste Erneuerungswerk bei sich selbst durch. Sein Lebenslauf hatte gemäß den damaligen Vorstellungen vielversprechend begonnen: für den jüngsten Sohn der adeligen Familie Borromeo zeichnete sich eine Zukunft voller Wohlstand und Erfolg ab, ein kirchliches Leben, reich an Ehren, aber ohne amtliche Pflichten; hinzu kam auch die Möglichkeit, die Leitung der Familie nach dem plötzlichen Tod des Bruders Federico zu übernehmen.

Und doch achtete Karl Borromäus, von der Gnade erleuchtet, auf den Ruf, mit dem der Herr ihn an sich zog und ihn dem Dienst an seinem Volk weihen wollte. So vermochte er, sich klar und heldenhaft von dem Lebensstil zu distanzieren, der für seine weltmännische Würde charakteristisch war, und sich ganz dem Dienst für Gott und die Kirche zu weihen. In Zeiten, die durch zahlreiche Prüfungen für die christliche Gemeinschaft verdunkelt waren, durch Spaltungen und Unsicherheiten hinsichtlich der Lehre, durch Trübung der Reinheit des Glaubens und der Sitten sowie das schlechte Vorbild vieler Amtsträger, beschränkte sich Karl Borromäus nicht darauf, zu klagen oder zu verurteilen oder einfach zu wünschen, die anderen mögen sich verändern, sondern er begann, sein eigenes Leben umzugestalten, das, nachdem er auf Reichtümer und Bequemlichkeiten verzichtet hatte, von Gebet, Buße und liebevoller Hingabe an sein Volk erfüllt war. Der hl. Karl lebte auf heldenhafte Weise die evangelischen Tugenden der Armut, Demut und Keuschheit, auf einem steten Weg asketischer Läuterung und christlicher Vervollkommnung.

Er war sich bewußt, daß eine ernsthafte und glaubwürdige Reform gerade bei den Hirten ansetzen mußte, um sich segensreich und dauerhaft auf das ganze Volk Gottes auszuwirken. Bei diesem reformierenden Wirken wußte er aus den traditionellen und immer lebendigen Quellen der Heiligkeit der katholischen Kirche zu schöpfen: die Zentralität der Eucharistie, in der er die anbetungswürdige Gegenwart Jesu, des Herrn, und seines Liebesopfers für unsere Erlösung erkannte und darbot; die Spiritualität des Kreuzes, als erneuernde Kraft, die die tägliche Ausübung der dem Evangelium gemäßen Tugenden anzuregen vermag; der häufige Empfang der Sakramente, in denen glaubend das Handeln Christi selbst empfangen wird, der seine Kirche erlöst und läutert; das Wort Gottes, das der Tradition folgend gelesen, interpretiert und betrachtet wird; die Liebe zum Papst und seine Verehrung, in bereitem und kindhaftem Gehorsam gegenüber seinen Anweisungen, als Garantie der wahren und vollen kirchlichen Gemeinschaft.

Aus seinem heiligmäßigen Leben, in dem er sich immer mehr an Christus ausrichtete, geht auch das außergewöhnliche Reformwerk hervor, das der hl. Karl innerhalb der Strukturen der Kirche umsetzte, in vollkommener Treue gegenüber dem Auftrag des Konzils von Trient. Wunderbar war sein Werk der Leitung des Gottesvolkes, als gewissenhafter Gesetzgeber und genialer Organisator. All dies jedoch bezog Kraft und Fruchtbarkeit aus dem persönlichen Bemühen um Buße und Heiligkeit. Denn in jeder Zeit ist das die erste und dringendste Erfordernis in der Kirche, daß jedes ihrer Mitglieder sich zu Gott bekehrt. Auch in unseren Tagen fehlt es der kirchlichen Gemeinschaft nicht an Prüfungen und Leiden, und sie zeigt sich der Reinigung und der Reform bedürftig.

Das Beispiel des hl. Karl möge uns dazu anspornen, immer von dem ernsthaften Bemühen um persönliche und gemeinschaftliche Umkehr auszugehen, um die Herzen zu verwandeln und mit fester Gewißheit an die Macht des Gebetes und der Buße zu glauben. Ich ermutige auf besondere Weise die Amtsträger, die Priester und Diakone, ihr Leben zu einem mutigen Weg der Heiligkeit zu machen, nicht die Leidenschaft jener vertrauensvollen Liebe zu Christus zu fürchten, aufgrund derer Bischof Karl bereit war, sich selbst zu vergessen und auf alles zu verzichten.

Liebe Mitbrüder im Priesteramt, möge die Mailänder Kirche in Euch stets einen klaren Glauben und ein einfaches und reines Leben finden, die den apostolischen Eifer erneuern, über den der hl. Ambrosius, der hl. Karl und so viele Eurer heiligmäßigen Hirten verfügten!

2. Während des Episkopats des hl. Karl fühlte sich seine ganze weitreichende Diözese von einer Strömung der Heiligkeit erfaßt, die sich im gesamten Volk verbreitete. Auf welche Weise ist es diesem so anspruchsvollen und strengen Bischof gelungen, das Volk der Christen zu begeistern und zu erobern? Die Antwort ist einfach: der hl. Karl hat es mit der Glut seiner Liebe erleuchtet und mitgerissen. »Deus caritas est«, und wo die lebendige Erfahrung der Liebe ist, da offenbart sich das tiefe Antlitz Gottes, der uns anzieht und zu den Seinen macht.

Die Liebe des hl. Karl Borromäus war vor allem die Liebe des Guten Hirten, der bereit ist, sein Leben ganz für die Herde hinzugeben, die seiner Fürsorge anvertraut ist, und die Anforderungen und Pflichten des Amtes jeder Form von persönlichem Interesse, Bequemlichkeiten oder Vorteilen voranzustellen. So besuchte der Erzbischof von Mailand, getreu den Vorgaben von Trient folgend, mehrfach die riesige Diözese bis in die entlegendsten Winkel, sorgte sich um sein Volk, indem er es ständig mit den Sakramenten und durch eine reiche und wirksame Verkündigung des Wortes Gottes stärkte; er hatte nie Angst davor, sich Auseinandersetzungen und Gefahren zu stellen, um den Glauben der einfachen Menschen und die Rechte der Armen zu verteidigen.

Der hl. Karl war dann als wirklich liebevoller Vater der Armen anerkannt. Die Liebe drängte ihn, seinen Hausrat zu verkaufen und seinen Besitz zu verschenken, um die Notleidenden zu unterstützen, den Hungernden zu helfen, um die Kranken zu kleiden und ihnen Erleichterung zu verschaffen. Er gründete Einrichtungen mit dem Ziel, den Bedürftigen beizustehen; doch seine Liebe zu den Armen und Leidenden erstrahlte auf außergewöhnliche Weise während der Pest im Jahr 1576, als der heilige Erzbischof bei seinem Volk bleiben wollte, um es zu ermutigen, um ihm zu dienen und um es mit den Waffen des Gebets, der Buße und der Liebe zu verteidigen.

Die Liebe drängte Borromäus zudem, ein wirklicher und engagierter Erzieher zu werden: für sein Volk durch die Schulen der christlichen Lehre; für die Geistlichen durch die Einrichtung von Seminaren; für die Kinder und Jugendlichen durch besonders auf sie ausgerichtete Initiativen und durch die Ermutigung, religiöse Kongregationen und Laienbruderschaften zu gründen, die sich der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen widmen sollten. Die Liebe war auch der tiefe Beweggrund für die Strenge, mit welcher der hl. Karl das Fasten, die Buße und die Selbstkasteiung beachtete. Für den heiligen Bischof handelte es sich nicht nur um asketische Praktiken, die auf seine geistliche Vollkommenheit ausgerichtet waren, sondern um ein wahres Werkzeug des Amtes, um Schuld zu sühnen, für die Bekehrung der Sünder zu beten und Fürsprache für die Bedürfnisse seiner geistlichen Kinder einzulegen.

In seinem ganzen Dasein können wir also das Licht der Liebe des Evangeliums betrachten, der langmütigen, geduldigen und starken Liebe, die »alles erträgt, alles glaubt, alles hofft, allem standhält« (vgl. 1 Kor 13,7). Ich danke Gott, weil die Kirche von Mailand immer reich an Berufungen war, die besonders der Liebe geweiht waren; ich lobe den Herrn für die herrlichen Früchte der Liebe zu den Armen, des Dienstes für die Leidenden und der Fürsorge für die jungen Menschen, auf die sie stolz sein kann. Mögen das Beispiel und das Gebet des hl. Karl erwirken, daß Ihr diesem Erbe treu bleibt, so daß jeder Getaufte in der heutigen Gesellschaft jene faszinierende Verheißung zu leben weiß, die die Liebe des in uns lebendigen Christus in jeder Zeit darstellt.

3. Man könnte jedoch die Liebe des hl. Karl Borromäus nicht verstehen, wenn man seine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit dem Herrn nicht kennen würde. Diese Liebe hat er in den heiligen Geheimnissen der Eucharistie und des Kreuzes betrachtet, die er in enger Verbindung mit dem Geheimnis der Kirche verehrt hat. Die Eucharistie und der Gekreuzigte haben den hl. Karl in die Liebe Christi eintauchen lassen, und das hat sein ganzes Leben verwandelt und mit Glut entzündet, seine im Gebet verbrachten Nächte erfüllt, sein ganzes Handeln beseelt, die mit dem Volk gefeierte feierliche Liturgie angeregt und seine Seele so berührt, daß er häufig Tränen vergoß.

Der betrachtende Blick auf das heilige Geheimnis des Altars und auf den Gekreuzigten erweckte in ihm Gefühle des Mitleids für das Elend der Menschen und entzündete in seinem Herzen das apostolische Verlangen, allen das Evangelium zu verkünden. In der Kirche gibt es bekanntlich keine Mission, die nicht aus dem »Verbleiben« in der Liebe des Herrn hervorgeht, der im Eucharistischen Opfer für uns gegenwärtig wird. Begeben wir uns in die Schule dieses großen Geheimnisses!

Machen wir die Eucharistie zum wahren Mittelpunkt unserer Gemeinschaften und lassen wir uns von diesem Abgrund der Liebe erziehen und formen! Jedes apostolische und karitative Werk wird aus dieser Quelle Kraft und Fruchtbarkeit empfangen!

4. Die herrliche Gestalt des hl. Karl Borromäus gibt mir eine weitere Überlegung ein, die sich vor allem an die Jugendlichen richtet. Denn die Geschichte dieses großen Bischofs wird ganz von einigen mutigen »Ja« bestimmt, die er in noch sehr jungen Jahren gesprochen hat. Mit gerade 24 Jahren faßte er die Entscheidung, auf die Führung der Familie zu verzichten, um großherzig auf den Ruf des Herrn zu antworten; im folgenden Jahr empfing er als wahren göttlichen Auftrag die Priester- und die Bischofsweihe. Mit 27 Jahren übernahm er die Mailänder Diözese und widmete sich ganz seinem Hirtenamt. In seinen Jugendjahren verstand der hl. Karl, daß die Heiligkeit möglich ist und daß die Umkehr seines Lebens jede ihr entgegenstehende Gewohnheit besiegen konnte. So machte er seine Jugend zu einem Geschenk der Liebe an Christus und an die Kirche und wurde ein »Gigant« der Heiligkeit aller Zeiten.

Liebe Jugendliche, laßt Euch durch diesen Aufruf erneuern, der mir sehr am Herzen liegt: Gott will, daß Ihr heilig seid, weil er Euch zutiefst kennt und Euch mit einer Liebe liebt, die jedes menschliche Verständnis übersteigt. Gott weiß, was in Eurem Herzen ist, und er wartet darauf, jenes wunderbare Geschenk blühen und Früchte tragen zu sehen, das er in Euch gelegt hat. Wie der hl. Karl könnt auch ihr Christus und Euren Brüdern und Schwestern Eure Jugend anbieten. Wie er könnt Ihr in dieser Zeit Eures Lebens beschließen, auf Gott und auf das Evangelium zu »setzen«. Ihr, liebe Jugendliche, seid nicht nur die Hoffnung der Kirche; Ihr seid bereits Teil ihrer Gegenwart! Und wenn Ihr die Kühnheit besitzt, an die Heiligkeit zu glauben, werdet Ihr der größte Schatz eurer Mailänder Kirche sein, die auf den Heiligen erbaut wurde.

Mit Freude vertraue ich Ihnen, verehrter Mitbruder, diese Überlegungen an, und während ich um die himmlische Fürsprache des hl. Karl Borromäus und den beständigen Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria erbitte, erteile ich Ihnen und der ganzen Erzdiözese von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 1. November 2010, dem 400. Jahrestag der Heiligsprechung des
hl. Karl Borromäus.

Karl Borromäus im Kampf gegen die Pest, Notre Dame du Sablon, Glassfenster Brüssel

Deckengemälde in der Karlskirche in Volders, Benedikt XVI, 400 Jahre Heiligsprechung von Karl Borromäus

Verherrlichung des hl. Karl Borromäus (Wiener Karlskirche)

Die Herzreliquie des hl. Karl Borromäus in Rom, S. Carlo al Corso

Das Leben des hl. Karl Borromäus, seine Liebe zu Maria und zum Rosenkranz (Versorgungsheimkirche Lainz, Wien

Am Grab des hl. Karl Borromäus in Mailand

 

Heiliger Karl Borromäus, bitte für uns!

Montag, 8. Juni 2020

William von York / Wilhelm Fitzherbert, Bischof und Märtyrer



William Fitzherbert war Erzbischof von York von 1141 bis 1147 und von 1153 bis 1154. Seine Ernennung war umstritten, sein Wirken aber begleitet von Wundern und Heiligkeit.
William war der Schatzmeister des Yorker Münsters, bevor der zum Erzbischof gewählt wurde. Damals schon bestritten einige Kanoniker die Entscheidung, so dass er erst 1143 geweiht wurde. 1147 wurde er vom Papst abgesetzt.
Der neuen Bischof, der als streng angesehen wurde, war unpopulär und die Bürger verweigerten ihm die Einreise in die Stadt, als er 1148 kam.
William ging nach Sizilien, kehrte aber nach dem Tod des Papstes und des neuen Bischofs nach York zurück. Als er triumphierend in die Stadt zog, kam er an der Ouse Brücke vorbei. Dort drängten sich so viele Menschen, dass die Brücke einstürzte. William bat Gott, die Ertrinkenden zu retten. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Im Juni 1154 wurde William nach der Feier der hl. Messe krank und starb eine Woche danach. Viele glaubten, dass Gift in den Kelch gegeben wurde. Einer seiner Kapläne wurde des Mordes beschuldigt, das Ergebnis der Anklage ist nicht bekannt.
1224 wurde William heilig gesprochen. Sein Gedenktag ist der 8. Juni.

mittelalterliches Wandfresko von William von York
St Alban´s Cathedral