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Mittwoch, 30. September 2026

Die Pilgramkanzel im Wiener Stephansdom (Hieronymus)

 

links Augustinus mit Mitra, Buch und Tintenfass, rechts Gregor der Große

links Gregor der Große mit Tiara, buch und Lupe/Monokel, rechts Hieronymus

Paula, Eustochium und ihre Monialen setzten in Bethlehem emsig das Studium der Bibel fort, und zwar richtete sich ihr Eifer jetzt vor allem auf das Neue Testament. Hieronymus übernahm es, ihnen auf seine übliche Weise den heiligen Paulus auszulegen. Vielleicht empfand er eine Scheu, sich sofort in die Erklärung der Evangelien hineinzustürzen. Indem er mit den Briefen begann, folgte er im übrigen der zeitlichen Ordnung, in der die bücher des Neuen Testaments geschrieben sind.
Zunächst nahm er die kürzeste von allen Schriften des heiligen Paulus, den kleinen Brief an Philemon. Seine Auslegung dieses entzückenden Briefes, der uns einen Blick in das Alltagsleben des großen Apostels tun lässt, ist rein historischer Art. Wir finden eine allgemeine Darlegung der Botschaft des Paulus und eine Aufzählung seiner sämtlichen Begleiter. Hieronymus verteidigt energisch den kanonischen Charakter des Briefes. Er geht den Text Vers für Vers durch und gibt eine natürliche, einfache Erklärung dazu; die Geschichte der Urkirche - der Brief an Philemon stammt ja aus der römischen Gefangenschaft des Apostels - wird als bekannt vorausgesetzt.

Mit einem so kleinen Werk konnten sich Paula und Eustochium  nicht zufriedengeben. Sie baten Hieronymus, ihnen einen der großen Paulusbriefe auszulegen. Er wählte den Galaterbrief und hatte sehr bald ein erstes Buch fertig. In der Vorrede berichtet er, er habe soeben die Nachricht erhalten, daß Marcellas Mutter Albina gestorben sei.

Von Marcella schreibt er: "Ich möchte ihre brennende Wunde durch das Heilmittel der Schriften heilen. Ich kenne ihren Eifer und ihren Glauben. Ich weiß, von welchem Feuer ihr Herz immer entflammt ist. Ich weiß, daß sie stärker ist als ihr Geschlecht, daß sie alles Menschlichen nicht achtet: vom hellen Klang der göttlichen Bücher geleitet, zieht sie furchtlos durch das Rote Meer dieser Welt. Als ich in rom war, hat sie mir ständig, kaum daß sie mich sah, Fragen, die Bibel betreffend vorgelegt. Und keineswegs nahm sie, nach der Weise der Pythagoräer, meine Antworten unbesehen als richtig an; ohne gründliche Prüfung galt bei ihr keine Autorität."

(Jean Steinmann, Hieronymus, Ausleger der Bibel, 1961, 172) 

Statue in St. Michael, Olmütz, Brief an Rustikus 

Hieronymus im Kunsthistorischem Museum, Brief an Paula

S Maria sopra Minerva, Rom, B16 über Hieronymus

Hieronymus in der Wiener Peterskirche, Vita

Kunsthistorisches Museum, Wien, Hieronymus übersetzt die Bibel, das Wort des Priesters soll Würze der Schrift offenbaren

Lust an Gottes Wort, Brief an den Priester Paulinus 

Hieronymusstatue in der Blasiuskirche in Dubrovnik

Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Eine bronzierte Holzfigur des hl. Hieronymus in der Wiener Dominikanerkirche

Ein Hieronymusfresko in Sant`Apollinare in Ravenna

Die letzte Kommunion des hl. Hieronymus im Petersdom in Rom

links Hieronymus mit Kardinalshut und Buch, rechts Ambrosius mit Mitra und Buch

Pilgramkanzel, Stephansdom

Sonntag, 7. Dezember 2025

Ambrosius zum 2. Advent

 

Ashton under Lyne, Tameside, St Michaels and all Angels

Heiliger Ambrosius, bitte für uns!

73.

„Die Stimme eines Rufenden in der Wüste‟1. Zutreffend wird Johannes, der Herold des Wortes, „die Stimme‟ genannt. Er selbst gab ja auf die Frage: „Was sagst du von dir selbst?‟ die Antwort: „Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste‟2. Darum auch sein Bekenntnis: „Der nach mir kommt, ist mir voran‟3; die Stimme nämlich, das Mindere, kommt zuerst, das Wort, welches das Erhabenere darstellt, folgt. Darum wollte ferner dasselbe von Johannes getauft werden, weil in den Menschen das Wort durch die Stimme des Lehrers geheiligt wird; darum vielleicht erhielt auch Zacharias die Stimme zurück, weil er „die Stimme‟ (Johannes) zum (schriftlichen) Ausdruck brachte4.


  1. Luk. 3, 4. ↩

  2. Luk. 1, 22 f. ↩

  3. Luk. 1, 15. 30. ↩

  4. Luk. 1, 63 f. ↩

74.

„Natterngeschlecht! Wer hat euch gezeigt dem kommenden Zorne zu entfliehen? Bringt also würdige Früchte S. 96 der Buße und fangt nicht an zu sagen: Unser Vater ist Abraham! Ich sage euch aber: Gott vermag aus diesen Steinen dem Abraham Kinder zu erwecken‟1.

Eine Zurechtweisung zwar erfährt augenscheinlich die Bosheit der Juden, weil sie, vom Gifte sträflicher Gesinnung schillernd, gleich Schlangen schleichen und irdischen Lasterstätten frönen. Indes zeigen die Worte: „Wer hat euch gezeigt dem kommenden Zorne zu entfliehen?‟ eine durch Gottes Erbarmen ihnen verliehene Einsicht an; darnach sollten sie über ihre Vergehungen Buße tun, indem sie frommen und besorgten Sinnes vor den Schrecken des künftigen Gerichtes sich fürchteten. Auf die Eltern nun, nicht auf die Kinder, hat man den Vergleich mit den Nattern zu beziehen. Oder es soll vielleicht auch entsprechend dem Schriftworte: „Seid klug wie die Schlangen!‟2 an deren natürliche Klugheit erinnert werden, wonach sie das, was frommt, wohl sehen und unwillkürlich begehren, gleichwohl aber das, was zum Verderben führt, noch immer nicht aufgeben.


  1. Luk. 3, 7 f. ↩

  2. Matth. 10, 16. ↩

Quelle


Montag, 7. Dezember 2020

Ambrosius - Verteidiger des Allerheiligsten Sakramentes (Peter Paul Rubens)

 


Bischof Ambrosius verweigert Kaiser Theodosius Zurtritt zum Dom, Kunsthistorisches Museum

 

Wer Ambrosius hier aber als strengen Züchtiger, seine Beziehung zu Theodosius als ein Wetteifern mit der kaiserlichen Macht sehen möchte, liegt falsch. Ambrosius stammte aus dem hohen öffentlichen Beamtentum, sein Staatsbewusstsein war ebenso stark ausgeprägt wie das seiner Pflicht, als Priester barmherzig zu sein: „Oft ist es besser, jene, die gesündigt haben, nicht zu züchtigen, sondern Milde walten zu lassen: übe du dich in Geduld, der Sünder sich in Reue“ (In Lucam 7, 27).

Vor allem aber war er kein Züchtiger der staatlichen Autorität. Im Gegenteil: er bekräftigte, dass man nur in schwerwiegenden Fällen zurechtweisen dürfe. „Die Herrscher dürfen von den Propheten Gottes und von den Priestern nicht voreilig angegriffen werden, wenn man ihnen keine schweren Sünden vorzuwerfen hat. Wo aber solche sind, darf man nicht entschuldigen, sondern muss mit dem rechten Tadel korrigieren“ (Kommentar zu Psalm 37, 43).
 

Wie im Falle des Massakers von Thessaloniki. Doch auch damals wich Ambrosius nicht von seiner Milde, seinem Respekt ab. Lesen wir einen Auszug aus dem Brief, den er im Jahr 390 an Theodosius schrieb, um ihn zur Buße zu drängen (Epistula 51 der Mauristen-Ausgabe).
„Ich schreibe dir nicht, um dich zu
demütigen, sondern damit dich das Vorbild der Könige dazu bewegen möge, diese Sünde aus deinem Reich zu tilgen. Und das tust du, wenn du deine Seele vor Gott demütigst.“ Es ist keinesfalls ein rhetorisches Mittel, wenn Ambrosius hier das handelnde Subjekt umstellt, nachdem er die Buße erwähnt hat, der sich David, dessen ungestümes Naturell ihn an das des Theodosius erinnert, wegen seiner Sünde unterworfen hat. So liegt es auch keineswegs in seiner Absicht, den Kaiser zu demütigen, der sich dagegen vor Gott demütigen soll, was seiner Autorität ja auch keinen Abbruch tut.

Schließlich ist es auch kein rhetorisches Mittel ist, zu sagen: „Ich hege dir gegenüber keine feindseligen Gedanken; was ich empfinde ist vielmehr Furcht: ich wage nicht, das Opfer anzubieten, wenn du selbst daran teilnehmen willst.“
Womit er also sagt, dass er den Theodosius nicht
zurückhalten will, sondern er sich vielmehr von der Feier des heiligen Opers zurückgehalten fühlt. Das zu sagen bedeutet nämlich, die Unverfügbarkeit des Sakraments zu bekräftigen. Ein Traum – das Unbewußtsein hatte schon vor Freud eine Warnfunktion: von Josef zu Petrus, von Konstantin zu Ambrosius – bestätigte die Notwendigkeit der Zurückhaltung: „Weder von einem Menschen noch durch einen solchen, sondern direkt, wurde mir dieses Verbot auferlegt. Denn während ich in Sorge war, in jener Nacht, in der ich mich zum Aufbruch rüstete, dünkte es mich, dass du in die Kirche gekommen seist, aber es war mir nicht möglich, das Opfer anzubieten.“
Die Verteidigung des heiligen Altarsakraments, des Sünders und der Buße, schließt mit einem Hinweis auf das Gebet, dem demütigsten und meist geschätzten Opfer: „Auch das einfache Gebet ist ein Opfer: es schafft die Vergebung, weil es die Demut enthält; während das Opfer Entrüstung hervorruft, weil es Verachtung enthält. Gott sagt nämlich, dass es wichtiger sei, seine Gebote zu beachten als die Opfergabe. Das wird von Gott gesagt, von Mose dem Volk verkündet und von Paulus den Völkern gepredigt. Tue das, was deiner Meinung nach im Moment am meisten geschätzt wird. „Ich ziehe die Barmherzigkeit dem Opfer vor“, sagt Gott. Oder gibt es vielleicht nicht mehr Christen, die ihre Sünde verdammen als solche, die meinen, sie rechtfertigen zu müssen?“.

Und auch wenn es Sünden gäbe, die nicht mit den Tränen der Reue reingewaschen werden können – wie Ambrosius bei einer anderen Gelegenheit schreibt – „wird für dich die Mutter Kirche weinen, die sich für einen jeden einsetzt wie eine Witwe für den einzigen Sohn. Sie empfindet nämlich – aus einer Art angeborenem spirituellen Schmerz heraus – Mitleid, wenn sie sieht, wie ihre Kinder wegen ihrer Todsünden dem Tod entgegengehen“ (In Lucam 5, 92). 

(Quelle)

Glasfenster in der Kathedrale von Ely

Ambrosius - Trinke Christus (Westminster Cathedral)

Christus ist für uns alles (Wiener Dominikanerkirche)

Das Martyrium des hl. Laurentius nach dem Zeugnis des hl. Ambrosius

Augustinus über Ambrosius (Maria Lanzendorf)

Am Grab des hl. Augustinus in Pavia (Predigt des Ambrosius)

Am Grab des hl. Ambrosius in Mailand

Stiegenaufgang im KHM

Samstag, 7. Dezember 2019

Ambrosius

Ambrosius von Mailand, Bischofskapelle, Ely Cathedral

Ambrosius ist einer der westlichen Kirchenlehrer. Durch ihn fand Augustinus zum Glauben und ließ sich taufen. In der Kunst wird der Bischof manchmal mit einer Geißel dargestellt (aus drei Riemen, die die Lehre der Dreifaltigkeit zeigen), als Zeichen für die Buße, die er dem Kaiser Theodosius auferlegte / oder als Anspielung auf die Vertreibung der Arianer aus Italien.

Ambrosius - Trinke Christus (Westminster Cathedral)

Christus ist für uns alles (Wiener Dominikanerkirche)

Das Martyrium des hl. Laurentius nach dem Zeugnis des hl. Ambrosius

Augustinus über Ambrosius (Maria Lanzendorf)

Am Grab des hl. Augustinus in Pavia (Predigt des Ambrosius)

Am Grab des hl. Ambrosius in Mailand

 

Ambrosius, Bischof von Mailand, war der Sohn des römischen Bürgers Ambrosius; er wurde geboren, als sein Vater Statthalter in Gallien war. In seinem Munde soll sich einmal, als er noch ein Kind war, ein Bienenschwarm niedergelassen haben; dies war ein Vorzeichen für die göttliche Beredsamkeit dieses Mannes. In Rom bildete er sich in den höheren Wissenschaften aus. Bald erhielt er von dem Präfekten Probus die Statthalterschaft von Ligurien und Aemilien übertragen; so kam er später auf Befehl des genannten Probus, mit der nötigen Vollmacht versehen, nach Mailand, wo nach dem Tode des arianischen Bischofs Auxentius das Volk über die Wahl des Nachfolgers sich nicht einigen konnte. Ambrosius ging daher, wie es sein Amt erforderte, in die Kirche, um die erregte Volksmenge zu beruhigen. Als er eine treffliche Rede über die Ruhe und die Eintracht im Staate hielt, rief plötzlich ein Knabe: Ambrosius soll Bischof sein. Die ganze Volksmenge stimmte in diesen Ruf ein und begehrte Ambrosius zum Bischof.

Ambrosius weigerte sich und wollte den Bitten des Volkes Widerstand leisten. Da wurde das heiße Begehren des Volkes dem Kaiser Valentinian überbracht. Diesem war es sehr willkommen, daß ein Mann, den er zum Richteramt auserlesen hatte, nun zum Priesteramt erwählt wurde. Auch dem Präfekten Probus war diese Nachricht sehr angenehm; er hatte zu Ambrosius schon bei seiner Abreise gleichsam prophetisch gesprochen: Gehe hin und handle nicht wie ein Richter, sondern wie ein Bischof! Da nun zu dem Wunsche des Volkes auch noch der Wille des Kaisers kam, ließ sich Ambrosius taufen (er war nämlich noch Taufschüler), empfing die heiligen Weihen und übernahm nach Einhaltung aller von der Kirche vorgeschriebenen Weihestufen am 8. Tag, dem 7. Dezember, das Bischofsamt. Als Bischof verteidigte er mit größtem Eifer den katholischen Glauben und die kirchliche Zucht; er bekehrte viele Arianer und andere Ketzer zum wahren Glauben; unter ihnen war auch der heilige Augustinus, die größte Leuchte der Kirche, den er für Jesus Christus gewann.

Nach der Ermordung des Kaisers Gratian ging Ambrosius zweimal als Gesandter zu dessen Mörder Maximus; und als dieser sich weigerte, Buße zu tun, hob er die Gemeinschaft mit ihm auf. Dem Kaiser Theodosius verbot er den Eintritt in die Kirche wegen des Blutbades, das er zu Thessalonich angerichtet hatte. Als dieser sagte: Auch König David ist ein Ehebrecher und Mörder gewesen, da erwiderte ihm Ambrosius: Wenn du ihm in seinen Verirrungen gefolgt bist, so folge ihm auch in seiner Buße! Daraufhin übernahm Theodosius demütig die öffentliche Buße, die er ihm auferlegte. Nachdem der heilige Bischof die größten Mühen und Sorgen für die Kirche Gottes auf sich genommen und auch mehrere ausgezeichnete Bücher geschrieben hatte, sagte er, noch bevor er krank wurde, den Tag seines Todes voraus. Der Bischof von Vercelli Honoratus eilte auf den dreimaligen Ruf Gottes hin zu dem Kranken und reichte ihm den heiligen Leib des Herrn. Daraufhin legte er seine Hände kreuzweise zusammen und gab betend seine Seele Gott, zurück am 4. April des Jahres 397 nach Christi Geburt. (fsspx)

Kirchengebet
O Gott, Du schenktest Deinem Volke dem hl. Ambrosius als Vermittler ewigen Heiles; so gib, wir bitten Dich, daß wir ihn im Himmel zum Fürsprecher haben dürfen, der auf Erden unser Lehrer des Lebens war. Durch unsern Herrn.

Freitag, 7. Dezember 2018

Ambrosius - trinke Christus

Ambrosius, Westminster Cathedral

Mosaik des hl. Ambrosius, Kirchenlehrer und Bischof von Mailand, in der Westminster Cathedral.
Entworfen wurde das Mosaik von Ivor Davies, der Mosaikkünstler Tessa Hunkin schuf und installierte es. Inspiriert wurde dieses Bild vom Mosaik des hl. Ambrosius in seiner Basilika Sant`Ambrogio in Mailand aus dem 5. Jahrhundert.

Am Grab des hl. Ambrosius in Mailand

Trinke Christus, denn er ist der Weinstock;
trinke Christus, denn er ist der Fels, der Wasser ergießt;
trinke Christus, denn er ist ist der Quell des Lebens;
trinke Christus, denn er ist der Fluß, dessen Strom die Gottesstadt erfreut;
trinke Christus, denn er ist der Friede;
trinke Christus, denn aus seiner Seite strömen Flüsse lebendigen Wassers;
trinke Christus, damit du das Blut Christi trinkst, durch das du erlöst bist;
trinke Christus, damit du seine Reden trinkst - seine Reden sind das Alte und Neue Testament.
(Ambrosius, in psalm. 1,33, in: E. Dassmann, Ambrosius von Mailand, 197)

Westminster Cathedral, London

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Christus ist für uns alles


Christus ist für uns alles.
Willst du, daß deine Wunde heile: er ist der Arzt;
glühst du vor Fieberhitze: er ist die erfrischende Quelle;
sinkst du zusammen unter der Ungerechtigkeit deiner Werke: er ist die ewige Gerechtigkeit;
bedarfst du der Hilfe: er ist die Allmacht;
fürchtest du den Tod: er ist das Leben;
verlangst du zum Himmel: er ist der Weg;
willst du die Finsternis fliehen: er ist das Licht;
suchst du Speise: er ist das Brot des Lebens.

(Ambrosius an die Jungfrauen, virginit. 16,99,
in: Dassmann: Ambrosius von Mailand, 213)

 Am Grab des hl. Ambrosius in Mailand

Ambrosius von Mailand, Dominikanerkirche, Wien

Mittwoch, 10. August 2016

Das Martyrium des hl. Laurentius nach dem Zeugnis des hl. Ambrosius

Hl. Laurentius, Kathedrale von Winchester



So wird also angenommen, dass Laurentius in Spanien geboren ist, in Osca, einer Kleinstadt in Aragona, die am Fuße der Pyrenäen liegt. Bereits in seinen jungen Jahren wurde er nach Saragossa gesandt, um dort seine humanistischen und theologischen Studien zu vervollständigen. Hier lernte er den späteren Papst Sixtus II kennen. Dieser stammte ursprünglich aus Griechenland, führte hier aber sein Amt als Lehrer aus, denn Saragossa war damals eines der berühmtesten Studienzentren und unter seinen Lehrern war der spätere Papst einer der Bekanntesten und Geschätztesten.

Laurentius hingegen, der eines Tages Leiter der Diakone der römischen Kirche werden sollte, zeichnete sich durch seine menschlichen Werte aus, durch seine Gutmütigkeit und seine Intelligenz. So entstand zwischen Lehrer und Schüler eine Freundschaft und eine Vertrautheit, die im Laufe der Zeit noch zunahm und sich festigte; mit der Zeit wurde die Liebe zu Rom, dem Zentrum der Christenheit und der Stadt, in der der Stellvertreter Christi seinen Sitz hatte, in beiden immer stärker, bis sie einer damals sehr stark verbreiteten Pilgertendenz folgten und Spanien verließen, um nach Rom zu ziehen, wo der Apostel Petrus seine Kirche gebaut und seine höchste Zeugenschaft abgelegt hatte. So konnten Lehrer und Schüler ausgerechnet in Rom, dem Herzen der katholischen Religion, ihr Ideal verwirklichen, zu lehren und zu bekehren… bis zum letzten Tropfen Blut. Als Sixtus II am 30. August des Jahres 257 den päpstlichen Thron bestieg – um ein Pontifikat anzutreten, das nicht einmal ein Jahr dauern sollte – wollte er unmittelbar, ohne zu zögern, seinen alten Schüler und Freund Laurentius, an seiner Seite haben, welchem er die delikate Aufgabe des Erzdiakonen anvertraute.
Die beiden beendeten schließlich ihr gemeinsames Leben und ihre Freundschaft, indem sie beide durch den selben Verfolger umkamen, nur wenige Tage von einander getrennt.

Über das Ende des Papstes Sixtus II erfahren wir aus einem Brief des Hl. Cyprianus, Bischof von Karthago. Cyprianus spricht über die überaus unsichere und gespannte Situation, in der die Kirchen auf Grund der zunehmenden Feindseligkeit den Christen gegenüber lebten, und bemerkt hierbei: „Kaiser Valerianus hat dem Senat einen kaiserlichen Erlass mit seinem Beschluss gesandt, dass alle Bischöfe, Priester und Diakonen unmittelbaren Todes sein sollten…". Weiter unten fährt Cyprianus fort: „…dann teile Euch noch mit, das Sixtus am 6. August gemeinsam mit vier Diakonen das Martyrium erlitten hat, als er sich in der Nähe des Coemeteriums befand. Die Behörden von Rom haben folgende Norm, dass alle diejenigen, die als Christen angezeigt werden, verurteilt werden und dass ihre Güter zugunsten des Kaiserlichen Schatzamtes enteignet werden." (Brief 80; CSEL 3,839-840).
Beim Friedhof, auf den der heilige Bischof von Karthago anspielt, handelt es sich um den Friedhof oberhalb der Katakomben des Hl. Kallixtus, wo Sixtus gefangen genommen wurde, während er die heilige Messe feierte und wo er nach dem Martyrium begraben wurde.
Was das Martyrium des Diakonen Laurentius hingegen betrifft, haben wir die überaus lehrreiche Zeugenaussage des Heiligen Ambrosius in der Schrift De Officiis (1 41,205-207), welche später auch von Prudentius und vom Heiligen Augustinus aufgenommen wird, sowie noch später vom Hl. Maximus von Turin, vom Hl. Pier Crisologo, vom Hl. Leo dem Großen und schließlich von einigen liturgischen Formeln, die in den katholischen Sakramentalien enthalten sind, im Missale Gothicum und im Ormionale Visigotico (Bibliotheca Sanctorum, Band ...., 1538-1539).
Ambrosius erzählt zuerst ausführlich über die Begegnung und das Gespräch zwischen Laurentius und dem Papst, danach spielt er auf die Verteilung der Kirchengüter an die Armen an und schließlich auf den glühenden Rost, das Foltergerät, wobei er den Satz unterstreicht, mit dem der Erste Diakon der römischen Kirche sich an seine Verfolger wandte: Assum est, ... versa et manduca (vgl. Bibliotheca Sanctorum, Band ..., Sammlung 1538-1539).

Und den Text De Officiis (Kap. 41, Nr. 205-206-207) von Ambrosius, der in seiner intensiven Ausdruckskraft ganz besonders bewegend ist, wollen wir hier auch als Bezugsquelle nehmen; der Hl. Ambrosius drückt sich folgendermaßen aus:

205. „... Als der Heilige Laurentius ... seinen Oberhirten Sixtus zum Martyrium führen sah, begann er zu weinen, aber nicht, weil er dem Tode entgegen geführt wurde, sondern weil er ihm überleben sollte. Er rief ihm daher laut nach: „Wo gehst du hin, oh Vater, ohne deinen Sohn? Wo eilst du hin, heiliger Bischof, ohne deinen Diakon? Du hast doch nie das Messopfer ohne Diener gefeiert. Was hat dir also an mir missfallen, oh Vater? Hast du mich vielleicht für unwürdig befunden? Kontrolliere doch wenigstens, ob du einen geeigneten Diener gewählt hast. Willst du nicht, dass derjenige, dem du das Blut Christi anvertraut hast, derjenige, den du an der Feier der heiligen Geheimnisse hast teilnehmen lassen, sein Blut gemeinsam mit dir vergießt? Pass auf, dass deine Erkenntnis nicht nachlässt, während deine Kraft und Stärke gerühmt wird. Die Verachtung des Schülers schadet auch dem Lehrer. Muss ich dich daran erinnern, dass die großen und berühmten Männer ihre Siege eher durch die siegreichen Leistungen ihrer Schüler erreichen als durch ihre eigenen? Und Abraham hat schließlich auch seinen Sohn geopfert, Petrus hat Stephan vorausgeschickt. So offenbare auch du, oh Vater, deine Tugend durch deinen Sohn; biete denjenigen, den du erzogen hast, mit sicherem Urteil an, um den ewigen Lohn in glorreicher Gesellschaft zu erlangen."

206. Da antwortete ihm Sixtus: "Ich lasse dich nicht allein, ich verlasse dich nicht, mein Sohn; doch stehen dir die härtesten Prüfungen bevor. Uns Alten ist ein leichterer Wettlauf zugewiesen worden; dir hingegen, der du jung bist, ist ein glorreicherer Triumph über den Tyrannen bestimmt. Bald wirst auch du kommen, hör auf zu weinen: in drei Tagen wirst du mir nachfolgen.. Zwischen einem Bischof und einem Leviten ziemt sich ein zeitlicher Abstand. Es wäre deiner nicht würdig gewesen, unter der Führung des Lehrers zu siegen, gerade so als ob du Hilfe suchtest. Warum bittest du darum, mein Martyrium zu teilen? Ich hinterlasse dir die gesamte Erbschaft. Wieso verlangst du meine Anwesenheit? Die noch schwachen Schüler eilen dem Lehrer voran, die bereits starken, die keine Belehrungen mehr brauchen, folgen ihm nach, um ohne ihn zu siegen. So verließ auch Elias Eliseus. Ich vertraue dir die Nachfolge meiner Tugend an."

207. So fand zwischen den Beiden ein Wettkampf stand, der wahrhaft würdig war, von einem Bischof und einem Diakonen ausgetragen zu werden: wer sollte zuerst für Christus leiden? Es heißt, dass in den Theatervorstellungen die Zuschauer in großen Applaus ausbrachen, wenn Pilades behauptete, Orest zu sein und Orest ebenfalls behauptete, Orest zu sein, was ja tatsächlich stimmte. Der eine behauptete dies, um an der Stelle Orests getötet zu werden, der andere, um zu vermeiden, dass Pilades an seiner Stelle umgebracht würde. Doch hätten sie nicht leben sollen, denn beide waren des Vatermordes schuldig: der eine, weil er ihn begangen hatte, der andere, weil er sein Komplize war. In unserem Fall wurde der Hl. Laurentius von keinem anderen Grunde bewogen als dem, sich für den Herrn aufzuopfern. Und auch er wurde drei Tage später auf dem glühenden Rost verbrannt, wobei er den Tyrannen höhnte: ‚Diese Seite ist gut durch, dreh um und iss.‘ So hat er durch seine Tapferkeit die Glut des Feuers besiegt." (Hl. Ambrosius, De Officiis, libri tres, Mailand, Ambrosianische Bibliothek, Stadt Rom Nuova Editrice 1977, S. 148-151).

(Quelle und vollständiger Text)