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Donnerstag, 17. September 2026

Hildegard schaut Gott in der Gestalt eines Mannes

 

links Hildegard von Bingen, rechts Birgitta von Schweden, Aachener Dom

"Ich sah einen Mann von solch hohem Wuchs, daß er von der obersten Höhe der Himmelswolken bis hinunter in die Abgründe reichte. So stand er da:
Von seinen Schultern ragte er über die Wolken hinaus in den strahlenden Äther. Von den Schultern abwärts bis zu den Hüften umschwebte ihn, unterhalb der erwähnten Wolkenschicht eine andere blendend weiße Wolke. Von den Hüften bis zu seinen Knien umspielte ihn die irdische Luft. Von den Knien bis zu seinen Waden befand er scih in der Region der Erde. Seine Füße schließlich tuachten in die Wasser des Abgrunds, jedoch so, daß er dabei noch über dem Abgrund stand.
So stand er, dem Osten zugewandt, und schaute nach Osten und Süden. Sein Antlitz aber strahlte von solcher Herrlichkeit, daß ich es nicht voll und ganz anzuschauen vermochte. Vor seinem Munde ballte sich eine blendend weiße Wolke zu einer Art Posaune zusammen; sie war erfüllt vom Klang einer geschwind aufbrausenden Musik. Jedesmal, wenn dieser Mann dort hineinblies, sandte sie drei Winde aus: Der eine trug eine Feuerwolke über sich, der andere eine Sturmwolke, der dritte eine Lichtwolke."


In der Feuerwolke schweben die allen Gotteswillen vollführenden "feurigen Lebewesen", die Engelsgeister. In der Sturmwolke warten die schon Seligen, drängend und fragend, auf den Anbruch der neuen Schöpfung, in welcher sie ihre endgültige Wohnung beziehen können. In der Lichtwolke kündigt sich der Sieg des Lichtes durch den Weibgeborenen, den Inkarnierten an. Zorn und Gericht über alle Bereiche des Bösen geht von diesem Mann aus:
"Und ich sah, wie der erwähnte Mann ein gezücktes Schwert mit drei Schneiden trug, das mit seinem Griff am hals des Mannes befestigt war und das wie zum Dreinschlagen hin und her geschwungen wurde. Und dieses Schwert sprach: Zorn des Zornes gegen den Norden (Bereich der Finsternis) trage ich in mir und gegen alles, was in ihm hauset. Wer könnte mich im Streit überwinden? Niemand!" 
(Eduard Gronau, Hildegard von Bingen, 317f) 
 
Marktbrunnen in Bingen, Litanei zur hl. Hildegard, 2025
 
Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Robert Bellarmin (hier an seinem Grab in Rom) 
 

 Dom St. Marien zu Aachen

Mittwoch, 17. September 2025

Du leuchtender Stern in den Wirren der Zeit

 

Marktbrunnen in Bingen, Heiliger Willigis, bitte für uns




Heilige Hildegard, bitte für uns!

Litanei zur heiligen Hildegard von Bingen

Herr, erbarme Dich.
Christus, erbarme Dich.
Herr, erbarme Dich.
Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.
Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser.
Gott Heiliger Geist, erbarme Dich unser.
Heiliger Dreifaltiger Gott, erbarme Dich unser.

Heilige Maria, bitte für uns.
Heilige Hildegard, bitte für uns.
Du gottgeweihte Jungfrau,
Du Spiegel der Herrlichkeit Gottes,
Du Leuchte der Kirche,
Du Künderin von Gottes Wort und Werk,
Du Harfe Gottes,
Du Lehrmeisterin zur Vollkommenheit,
Du Kämpferin für Wahrheit und Recht,
Du leuchtender Stern in den Wirren der Zeit,
Du Ratgeberin in Schwierigkeiten,
Du Beschützerin der Schwachen,
Du Helferin der Kranken.

Heilige Hildegard, erfüllt von prophetischem Geist,
heilige Hildegard, demütig in der Erwählung Gottes,
heilige Hildegard, glühend von Liebe zu Gott und den Menschen,
heilige Hildegard, unbeirrt in der Liebe zur Kirche,
heilige Hildegard, begnadet mit der Kraft der Heilung,
heilige Hildegard, in Schwachheit stark durch Gottes Kraft,
dass wir die Wege Gottes wissen und gehen, hilf uns, heilige Hildegard!
Dass wir den Geist Gottes in der Schöpfung Gottes tiefer erkennen,
dass wir Gott in allem und über alles lieben,
dass wir dem Anruf Gottes allezeit folgen,
dass wir uns durch sein Wort und Beispiel leiten lassen.

Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt; Herr, verschone uns!
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt; Herr, erhöre uns!
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt; Herr, erbarme Dich!
Bitt für uns, heilige Hildegard.
Auf dass wir würdig werden der Verheißung von Christi!

Lasset uns beten:
Gott, Du hast die heilige Hildegard mit himmlischen Gaben beschenkt. Wir bitten Dich: Verleihe uns, dass wir ihren Spuren und Weissagungen folgen und so aus der Finsternis dieser Welt in Dein herrliches Licht gelangen. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.
(von einem Gebetszettel des Beuroner Kunstverlags, D-88361 Beuron)

 



Samstag, 17. September 2022

Erlöst (Hildegard)

 

Hildegard von Bingen, v. Rudolf Schillings, 1950

 

Hildegard von Bingen verließ zwischen 1147-1151 ihr Heimatkloster auf dem Disibodenberg und gründete an der Nahe ihr erstes Kloster auf dem Rupertsberg. Heute ist es leider nicht mehr erhalten. Die wenigen Reste der Klosterruine wurden in einem Neubau integriert. Von der Klosterkirche sind sechs Pfeiler der südlichen Mittelschiffwand im Haus Rupertsberg erhalten geblieben und 1976 restauriert und freigestellt worden. Als östlicher Kellereingang des Hauses dient heute ein reich verziertes Portal des Klosters aus dem späten 15. Jahrhundert, dessen ursprünglicher Standort unbekannt ist. Ein Rekonstruktionsmodell der gesamten Klosteranlage ist im Historischen Museum am Strom – Hildegard von Bingen zu besichtigen. (Quelle)

Relief des dornengekrönten Antlitzes Jesu


Erlöst durch das Blut des Gotteslammes
lasst uns von ganzem Herzen frohlocken,
uns freuen aus ganzer Seele in dir,
dreifaltiger Gott, der uns erhält.

Wir wollen gedenken des himmlischen Lohns
für alle Leiden und Nöte,
die uns die Feinde der Wahrheit bereitet.
Sie gelten uns nichts
im vergleich zu der Freude,
mit der wir deine Gebote verkosten.

Wer die Werke der Heiligkeit wirkt,
umfängt dich in wahrer vollkomm´ner Liebe;
den Liebenden gibst du ja alle Güter und schenkst ihnen schließlich
das ewige Leben.

(in Walburga Storch, Gebete der hl. Hildegard von Bingen, 62)


Hildegard-Gedächtniskirche auf dem Rupertsberg

 

 

Malerei auf einem Haus in Bingen (Gebet um Hilfe)

Hymnus zu Ehren der 1100 Jungfrauen (St. Ursula, Köln)

Statue und Bild der hl. Hildegard in der Abtei St. Hildegard, Rüdesheim,Eibingen

Hildegard wird zu Jutta von Disiboden gebracht

Die älteste bekannte Darstellung der hl. Hildegard

Zur Kirchenlehrerin erhoben

Der Hildegardis-Schrein in Eibingen


Der Hildegardis-Altar in der Binger Rochuskapelle


Hildegard-Gedächtniskirche auf dem Rupertsberg in Bingerbrück

Freitag, 17. September 2021

Der rettende Name - Hildegard von Bingen

 

ora pro nobis


O mächtiger Vater,
wir sind jetzt in großer Not,
drum flehen wir,
flehen dich an durch dein Wort,
durch das du uns alles in Fülle gewährst,
was wir zu unserem Leben brauchen:

Blicke nun, Vater,
wie es deinem Namen entspricht,
nieder auf uns und hilf uns,
dass wir nicht ganz zugrunde geh´n
und dein Name in uns nicht verdunkelt werde.

Würdige dich, uns zu Hilfe zu kommen
durch diesen deinen heiligen Namen!

(Walburga Storch, Gebete der hl. Hildegard von Bingen, 94)


Hl. Hildegard, Bingen

Hymnus zu Ehren der 1100 Jungfrauen (St. Ursula, Köln)

Statue und Bild der hl. Hildegard in der Abtei St. Hildegard, Rüdesheim,Eibingen

Hildegard wird zu Jutta von Disiboden gebracht

Die älteste bekannte Darstellung der hl. Hildegard

Zur Kirchenlehrerin erhoben

Der Hildegardis-Schrein in Eibingen


Der Hildegardis-Altar in der Binger Rochuskapelle


Hildegard-Gedächtniskirche auf dem Rupertsberg in Bingerbrück

Dienstag, 17. November 2020

Gertrud von Helfta

 

rechts vermutlich Gertrud von Helfta, Stift Schlierbach, Oberösterreich

Hl. Luitgard von Tongern (+ 1246)in der Mitte, die vom Arm Jesu umfasst wird, der ihn vom Kreuz gelöst hat, ist eindeutig. Die zweite Zisterzienserin rechts könnte die hl. Gertrud von Helfta (+ 1302) sein, die auch mit einem Äbtissinnenstab dargestellt wird, da sie oft mit der damaligen Äbtissin von Helfta, Gertrud von Hackeborn, identifiziert wurde. Eine weitere Äbtissin mit Stab setzt sich durch die schwarze Kleidung ab. Als zeitgemäße Mystikerin käme die hl. Hildegard von Bingen (+ 1179) in Frage.

(aus: P. Ludwig Keplinger, Ikonographie der Schlierbacher Stiftskirche)

 
Ordensfrau, Mystikerin
Namensdeutung: Speerzauber (germanisch)
Namenstage: Gertrud, Gertrudis, Gertraud, Gesa, Gesine, Gerrie, Gerti, Geesche, Traudel, Trude
Gedenktag: 17. November

Lebensdaten: geboren am 6. Januar 1256, gestorben am 17. November 1302 im Kloster Helfta bei Eisleben

Lebensgeschichte: Gertrud, über deren Herkunft offenbar Stillschweigen herrschte, kam mit fünf Jahren ins Zisterzienserinnenkloster Helfta. Gefördert durch ihre Äbtissin Gertrud und besonders durch ihre ältere Mitschwester Mechthild von Hackeborn erhielt sie eine außergewöhnlich gute Ausbildung in den Freien Künsten sowie in Theologie und war mit den maßgeblichen geistlichen Autoren vertraut. Ab 1270 lebte auch die Mystikerin Mechthild von Magdeburg im Helftaer Konvent.
Am 27. Januar 1281 erfuhr Gertrud ihre erste große Christusvision und verwandelte sich von der „Buchgelehrten“ in eine „Gottesgelehrte“. Sie verfasste Erbauungsbücher mit Auszügen mystischer Autoren und hielt ab 1289 ihre eigenen Schauungen im Gesandten der göttlichen Liebe fest. Darin schilderte sie mit Worten der Heiligen Schrift und der Liturgie und gestützt auf die geistliche Literatur, wie Christus in den Sakramenten der Kirche lebt und wirkt. Sie verkündete besonders das liebende Herz des Erlösers, mit dem das Innerste des Erlösten einen Dialog führt und mit dem es sich wie mit einem Bräutigam vermählt. Gertrud, die bei ihren Arbeiten von ihren Mitschwestern unterstützt und von vielen Menschen als Ratgeberin aufgesucht wurde, starb mit 46 Jahren im Kloster Helfta.

Verehrung: Obwohl sie erst 1678 in den Heiligenkalender aufgenommen wurde, galt Gertrud bereits im 15. Jahrhundert als Krone der deutschsprachigen Mystik und erhielt von Papst Benedikt XIV. den Beinamen „die Große“. Ihre Verehrung wurde 1739 auf die ganze Kirche ausgedehnt. Ab dem 16. Jahrhundert verbreitete sich Gertruds Gesandter als veritabler Bestseller und gegenreformatorisches Heilmittel in die ganze Welt. Nachdem sich der spanische König Philipp II. 1598 auf dem Totenbett daraus vorlesen ließ, wuchs ihre Verehrung vermehrt im spanischsprachigen Raum, weswegen sie schließlich auf Bitten des Königs Philipp IV. zur Patronin der Westindischen Inseln (Antillen) erklärt wurde und ihr Kult auf ganz Lateinamerika überschwappte. Peru begeht den Festtag der Landespatronin besonders festlich.

Darstellung: mit Jesuskind im Herzen und Spruchband „Ihr findet mich im Herzen Gertruds“, häufig auch als Äbtissin

Patronin: von Peru, der Antillen, von Tarragona/Spanien und des Bistums Magdeburg

(Bistum Augsburg) 

 

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Acislus und der seligen Salome von Krakau.

Hochaltarbild Franz Werner Tamm, Aufnahme Mariens, darüber der Auferstandene, der ihr
entgegeneilt, Klosterkirche Schlierbach

Samstag, 21. Oktober 2017

Hymnus zu Ehren der 11000 Jungfrauen (Hildegard von Bingen)

Ursula als Kind im Gebet, Ursulazyklus, St. Ursula, Köln

Am Grab der hl. Ursula in Köln, Ursulalegende

Schutzmantelursula und Leben der hl. Ursula

Schutzmantelursula

und das Martyrium

ihrer Gefährtinnen
Hymne zu Ehren  der elftausend Jungfrauen (Hildegard von Bingen)

Kirche! Deine Augen sind wir Saphir, deine Ohren wie der Berg Bethel, deine Nase wie ein Myrren- und Weihrauchberg, und dein Mund wie das Brausen vieler Wasser.

In dem Schauen wahren Glaubens liebte Ursula den Sohn Gottes, verließ den Mann mit dieser Welt, blickte zur Sonne empor und rief zum herrlichsten Jüngling:

"In innigster Sehnsucht sehnte ich mich, zu dir zu kommen und in himmlischer Hochzeit bei dir zu sitzen. Auf einem anderen Wege eilte ich zu dir, wie eine Wolke, die im reinsten Äther einem Saphir gleich dahinfliegt."

Und nachdem Ursula also gesprochen, ging die Kunde durch alle Völker hin:

Und sie sprachen: "Die Unschuld mägdlicher Unwissenheit weiß nicht, was sie spricht." Und sie begannen mit ihr in einer großen Symphonie zu spielen, bis die Feuerbürde auf sie fiel. Und da erkannten alle, daß die Verachtung der Welt dem Berge Bethel gleicht. Und sie erkannten auch den wunderfeinen Duft von Myrrhe und Weihrauch; denn der Welt Verachtung steigt über alles empor.

Da fuhr der Teufel in seine Glieder und diese töteten die Edelart in der Körpern der Jungfrauen. In machtvoller Stimme vernahmen dies alle Elemente und sie riefen vor Gottes Thron: "Weh! Des unschuldigen Lammes rotes Blut ward bei seiner Vermählung vergossen."

Alle Himmel sollen´s hören und in vollendetster Harmonie das Lamm Gottes preisen, weil der Schlund der alten Schlange in jenen Perlen aus Stoff von Gottes Wort erdrosselt wurde.
(Gefolge des Lammes, Bd. 4, 122)

Ursula und Gefährtinnen, St. Ursula, Köln

Sonntag, 17. September 2017

Hildegard von Bingen

Abtei St. Hildegard, Rüdesheim/Eibingen

Hildegard von Bingen, Mystikerin. Hildegard wurde um 1098 wahrscheinlich in Bermersheim geboren, sie wurde von der hl. Jutta auf dem Disibodenberg erzogen und nach deren Tod 1136 Leiterin der dortigen Frauengemeinschaft. Zwischen 1147 und 1150 gründete Hildegard ein Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen, 1165 ein weiteres in Eibingen bei Rüdesheim. Von Kindheit an hatte Hildegard Visionen. Ihre dauernde Kränklichkeit hielt sie nicht ab, große Reisen nach Köln, Trier und Süddeutschland zu unternehmen und dort Bußpredigten zu halten. Sie scheute sich nicht, sich durch einen umfangreichen Briefwechsel als Ratgeberin von Päpsten, Fürsten und Bischöfen zu betätigen. Ihre Briefe an den hl. Bernhard sind erhalten. In ihrem Buch „Sci vias“ („Wisse die Wege“) beschreibt sie den mystischen Aufstieg der Seele zu Gott durch Beschauung und Leiden. Hildegard besaß für ihre Zeit erstaunliche Kenntnisse in Medizin und Naturwissenschaft, deren Wiederentdeckung nicht unwesentlich zu ihrer Popularität Ende des 20. Jahrhunderts beitrugen. Hildegard von Bingen starb im hohen Alter von über 80 Jahren am 17. September 1179 auf dem Rupertsberg. Ihre Reliquien befinden sich in der Pfarrkirche zu Eibingen. Hildegard wird als Äbtissin vor einem Pult mit Buch und Schreibfeder dargestellt.
(Martyrologium Sancrucense)


Lehre mich, Gott im Heiligen Geist
deine Wege zu geh´n,
zu empfangen die Speise des Lebens,
di du den Gläubigen reichst
zur Erwählung und Heiligung.

In die höchste Glückseligkeit
nimm mich dann gütig auf,
lass mich ruhen in deinem Schoß.

W. Storch, Gebete der hl. Hildegard, 106


Hildegard v. Bingen, Abtei St. Hildegard, Rüdesheim

Stutue des hl. Hildegard vor der Klosterkirche St. Hildegard, Rüdingen, Eibingen

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Jutta vom Disibodenberg


Hildegard wird von ihren Eltern zu Jutta in ihrer Klausur auf dem Disibodenberg gebracht.

Jutta vom Disibodenberg, Reklusin. Jutta wurde um 1090 aus dem Geschlecht der Grafen von Sponheim geboren. Seit dem Allerheiligenfest 1106 lebte sie bei dem Benediktinerkloster Disibodenberg in einer Zelle, die sich bald zu einem ansehnlichen Frauenkloster neben dem Mönchskonvent entwickelte. Jutta unterrichtete dort junge Mädchen und war „Magistra“ eines Frauenkonvents.
Unter ihren Schülerinnen war auch ihre Nichte, die später berühmte Hildegard von Bingen, die auch ihre Nachfolgerin werden sollte. Jutta starb am 22. Dezember 1136 in ihrer Zelle auf dem Disibodenberg. Im Benediktinerorden wird sie als Selige verehrt.
(Martyrologium Sancrucense)


"Im Alter von acht Jahren ließ sie sich auf dem Berg des hl. Disibod einschließen, um mit Christus begraben zu werden und mit ihm zur Glorie der Unsterblichkeit aufzuerstehen. Bei ihr war die fromme gottgeweihte Frau Jutta." 

 Der Hildegardisaltar in der Binger Rochuskapelle

Hildegardisaltar, Binger Rochuskapelle

Samstag, 17. September 2016

Die älteste bekannte Darstellung von Hildegard von Bingen


O du herrlicher Vater!
Wir eilen in glühendem Eifer zu dir,
wir seufzen nach dir in liebender Reue,
die wir von dir empfingen.

O Christus, so herrlich und überaus schön,
du bist die Auferstehung zum Leben.
Hilf uns beharrlich zu bleiben,
um mit dir uns zu freuen.

Lass uns doch niemals getrennt sein von dir!

(Walburga Storch, Gebete der hl. Hildegard von Bingen)


Zur Kirchenlehrerin erhoben
Der Hildegardis-Schrein in Eibingen
Der Hildegardis-Altar in der Binger Rochuskapelle
Hildegard-Gedächtniskirche auf dem Rupertsberg in Bingerbrück


Hildegard von Bingen, 1237, (Chronica regia coloniensis),
Wallfahrtskapelle des hl. Rochus zu Bingen am Rhein

Donnerstag, 17. September 2015

Maria, o lebensspendende Mittlerin


Hildegard-Gedächtniskirche auf dem Rupertsberg in Bingerbrück, errichtet von 1890-1892

Hildegard von Bingen, Mystikerin. Hildegard wurde um 1098 wahrscheinlich in Bermersheim
geboren, sie wurde von der hl. Jutta auf dem Disibodenberg erzogen und nach deren Tod 1136 Leiterin der dortigen Frauengemeinschaft. Zwischen 1147 und 1150 gründete Hildegard ein Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen, 1165 ein weiteres in Eibingen bei Rüdesheim.

Von Kindheit an hatte Hildegard Visionen. Ihre dauernde Kränklichkeit hielt sie nicht ab, große Reisen nach Köln, Trier und Süddeutschland zu unternehmen und dort Bußpredigten zu halten. Sie scheute sich nicht, sich durch einen umfangreichen Briefwechsel als Ratgeberin von Päpsten, Fürsten und Bischöfen zu betätigen. Ihre Briefe an den hl. Bernhard sind erhalten. In ihrem Buch „Sci vias“ („Wisse die Wege“) beschreibt sie den mystischen Aufstieg der Seele zu Gott durch Beschauung und Leiden. Hildegard besaß für ihre Zeit erstaunliche Kenntnisse in Medizin und Naturwissenschaft, deren Wiederentdeckung nicht unwesentlich zu ihrer Popularität Ende des 20. Jahrhunderts beitrugen.

Hildegard von Bingen starb im hohen Alter von über 80 Jahren am 17. September 1179 auf dem
Rupertsberg. Ihre Reliquien befinden sich in der Pfarrkirche zu Eibingen. Hildegard wird
als Äbtissin vor einem Pult mit Buch und Schreibfeder dargestellt.
(Martyrologium Sancrucense)



Eine wertvolle gotische Hildegardstatue aus Tonplastik dürfte noch aus dem Klosterinventar stammen. Sie hat den Kriegsbrand von 1632 nahezu unbeschadet überstanden und wurde restauriert. Hildegard-Gedächtniskirche

1136 wurde Hildegard von Bingen Äbtissin auf dem Disibodenberg. Wegen des großen Zuspruchs junger Frauen dem Kloster beizutreten, entschloss sie sich im Jahre 1147 den Disibodenberg zu verlassen und siedelte mit den anderen Ordensfrauen auf dem Rupertsberg bei Bingen. Sie fanden dort nur Ruinen vor und litten die ersten Jahre große Not. Hildegard selbst legte den Grundstein und leitete den Innenausbau der neuen Kirche, die 1152 durch Erzbischof Heinrich I. von Mainz geweiht wurde.
Die Rupertsberger Klostergemeinschaft vergrößerte sich stetig. Auf der anderen Rheinseite wurde das gebrandschatzte Augustinerkloster von Eibingen erworben und wieder aufgebaut.
(aus dem Kirchenführer)

Die Pieta aus dem 17. Jahrhundert stammt aus Dorweiler und stand in Bingerbrück
auf dem Marienaltar, der 1944 zerstört wurde. Hildegard-Gedächtniskirche.

O herrliche Mutter heiliger Heilkunst,
du hast durch deinen heiligen Sohn
Öl gegossen in herbe Wunden des Todes,
die Eva zur Qual der Seelen verursacht.

Vernichtet hast du den Tod
und das Leben erbaut;
bitte für uns bei deinem Sohn,
du Stern des Meeres, Maria!

O lebensspendende Mittlerin,
festlicher Schmuck
und köstlichste aller Freuden,
die niemals ans Ende kommen in dir!

Bitte für uns, Maria!

(W. Storch, Gebete der hl. Hildegard, 75)

Mittwoch, 17. September 2014

Der Hildegardisaltar in der Binger Rochuskapelle

Der gotische Baldachinaltar der hl. Hildegard aus dem Jahr 1895 stammt aus der Holzschnitzer-dynastie Busch. Neben der Halbreliefstatue, die Hildegard als Äbtissin vom Rupertsberg darstellt, befinden sich Szenen aus dem Leben der Heiligen. Unter dem Bilderzyklus ist ein Reliquiar mit einer Rippe der hl. Hildegard und einem Stück ihres Ordensgewandes eingelassen. Der Schrein stammt aus dem Jahre 1863.




1. Hildegard schaut als Kind ein geheimes Licht
"In meinem dritten Lebensjahr sah ich ein so großes Licht, daß meine Seele erbebte, doch wegen meiner Kindheit konnte ich mich nicht darüber äußern."


2. Hildegard wird von ihren Eltern zu Jutta in die Klause auf den Disibodenberg gebracht:
"Im Alter von acht Jahren ließ sie sich auf dem Berg des hl. Disibod einschließen, um mit Christus begraben zu werden und mit ihm zur Glorie der Unsterblichkeit aufzuerstehen. Bei ihr war die fromme gottgeweihte Frau Jutta."


3. Hildegard schreibt auf dem Disibodenberg ihr Werk "Scivias - Wisse die Wege"
"Im Jahr 1141 nach der Menschwerdung Jesu Christi, des Gottessohnes, als ich zweiundvierzig Jahre und sieben Monate alt war kam ein feuriges Licht mit Blitzesleuchten vom offenen Himmel hernieder. Es durchströmte mein Gehirn und durchglühte mir Herz und Brust gleich einer Flamme, die jedoch nicht brannte, sondern wärmte, wie die Sonne den Gegenstand erwärmt, auf den sie ihre Strahlen legt. Nun erschloß sich mir plötzlich der Sinn der Schriften, des Psalters, des Evangeliums und der übrigen katholischen Bücher des Alten und Neuen Testamentes."


4. Erzbischof Heinrich legt 1147 auf der Synode von Trier Papst Eugen III. und Bernhard von Clairvaux die Schriften der heiligen Hildegard vor.


5.  Empfang Hildegards durch die Einwohner der Stadt Bingen.
Alternative Deutung: die Begegnung mit Bernhard von Clairvaux (historisch falsch)


6. Kaiser Barbarossa empfängt Hildegard 1155 in der Kaiserpfalz zu Ingelheim.


7. Hildegard predigt vor Klerus und Volk in Köln.
"Die Wundmale meines Bräutigams (Christus) bleiben frisch und offen, solange die Sündenwunden der Menschen offen sind. Eben dieses Offenbleiben der Wunden Christi ist die Schuld der Priester. Sie die mich strahlend rein machen und mir in Reinheit dienen sollten, wechseln aus maßloser Habsucht (bessere Stellen erwerbend) von Kirche zu Kirche. Auch mein Gewand zerreißen sie dadurch, daß sie Übertreter des Gesetzes, des Evangeliums und ihrer Priesterpflicht sind..."
Und ich hörte eine Stimme vom Himmel, die sprach: "Dieses Bild stellt die Kirche dar.""


8. Hildegards Tod auf dem Rupertsberg 1179
Nachdem die heilige Mutter viele mühsame Kämpfe mit Hingabe vollführt hatte, empfand sie Überdruß am gegenwärtigen Leben und wünschte täglich, aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein. Gott erhörte ihren Wunsch und offenbarte ihr, wie sie es vorher gewünscht hatte, in prophetischen Geist ihr Ende, das sie auch ihren Schwestern voraussagte. Sie wurde einige Zeit von einer Krankheit heimgesucht und ging in ihrem zweiundachzigsten Lebensjahr am 17. September in einem seligen Sterben hinüber zu ihrem himmlischen Bräutigam. (aus der Vita)
(Texte von E. Gronau, Hildegard von Bingen)




Reliquienschrein mit einem Teil des Ordensgewandes und einer Rippe der heiligen Hildegard

links Hildegardisaltar, Hochaltar mit dem hl. Rochus, rechts Marienaltar

HEILIGKEIT

Ich rufe zu dir, o Gott:
Was nottun zum Leben, das gib mir!
Gute Pläne hast du mit mir,
sehen darf ich dich und erkennen.

Mein gutes Gewissen erspürt dich, mein Gott;
ich schlage die Zither des Gebets,
wenn ich in Anbetung dich erkenne.
Gegürtet mit der Enthaltsamkeit,
erblühe ich in Glückseligkeit.

Vollbringe, o Gott, deine Werke
mit der Streitschar Christi des Königs,
die ich zum Kampfe führe.

(aus: W. Storch, Gebete der hl. Hildegard von Bingen, 102)

Rochuskapelle