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Mittwoch, 30. September 2026

Die Pilgramkanzel im Wiener Stephansdom (Hieronymus)

 

links Augustinus mit Mitra, Buch und Tintenfass, rechts Gregor der Große

links Gregor der Große mit Tiara, buch und Lupe/Monokel, rechts Hieronymus

Paula, Eustochium und ihre Monialen setzten in Bethlehem emsig das Studium der Bibel fort, und zwar richtete sich ihr Eifer jetzt vor allem auf das Neue Testament. Hieronymus übernahm es, ihnen auf seine übliche Weise den heiligen Paulus auszulegen. Vielleicht empfand er eine Scheu, sich sofort in die Erklärung der Evangelien hineinzustürzen. Indem er mit den Briefen begann, folgte er im übrigen der zeitlichen Ordnung, in der die bücher des Neuen Testaments geschrieben sind.
Zunächst nahm er die kürzeste von allen Schriften des heiligen Paulus, den kleinen Brief an Philemon. Seine Auslegung dieses entzückenden Briefes, der uns einen Blick in das Alltagsleben des großen Apostels tun lässt, ist rein historischer Art. Wir finden eine allgemeine Darlegung der Botschaft des Paulus und eine Aufzählung seiner sämtlichen Begleiter. Hieronymus verteidigt energisch den kanonischen Charakter des Briefes. Er geht den Text Vers für Vers durch und gibt eine natürliche, einfache Erklärung dazu; die Geschichte der Urkirche - der Brief an Philemon stammt ja aus der römischen Gefangenschaft des Apostels - wird als bekannt vorausgesetzt.

Mit einem so kleinen Werk konnten sich Paula und Eustochium  nicht zufriedengeben. Sie baten Hieronymus, ihnen einen der großen Paulusbriefe auszulegen. Er wählte den Galaterbrief und hatte sehr bald ein erstes Buch fertig. In der Vorrede berichtet er, er habe soeben die Nachricht erhalten, daß Marcellas Mutter Albina gestorben sei.

Von Marcella schreibt er: "Ich möchte ihre brennende Wunde durch das Heilmittel der Schriften heilen. Ich kenne ihren Eifer und ihren Glauben. Ich weiß, von welchem Feuer ihr Herz immer entflammt ist. Ich weiß, daß sie stärker ist als ihr Geschlecht, daß sie alles Menschlichen nicht achtet: vom hellen Klang der göttlichen Bücher geleitet, zieht sie furchtlos durch das Rote Meer dieser Welt. Als ich in rom war, hat sie mir ständig, kaum daß sie mich sah, Fragen, die Bibel betreffend vorgelegt. Und keineswegs nahm sie, nach der Weise der Pythagoräer, meine Antworten unbesehen als richtig an; ohne gründliche Prüfung galt bei ihr keine Autorität."

(Jean Steinmann, Hieronymus, Ausleger der Bibel, 1961, 172) 

Statue in St. Michael, Olmütz, Brief an Rustikus 

Hieronymus im Kunsthistorischem Museum, Brief an Paula

S Maria sopra Minerva, Rom, B16 über Hieronymus

Hieronymus in der Wiener Peterskirche, Vita

Kunsthistorisches Museum, Wien, Hieronymus übersetzt die Bibel, das Wort des Priesters soll Würze der Schrift offenbaren

Lust an Gottes Wort, Brief an den Priester Paulinus 

Hieronymusstatue in der Blasiuskirche in Dubrovnik

Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Eine bronzierte Holzfigur des hl. Hieronymus in der Wiener Dominikanerkirche

Ein Hieronymusfresko in Sant`Apollinare in Ravenna

Die letzte Kommunion des hl. Hieronymus im Petersdom in Rom

links Hieronymus mit Kardinalshut und Buch, rechts Ambrosius mit Mitra und Buch

Pilgramkanzel, Stephansdom

Dienstag, 30. September 2025

Niemand ist glücklicher als ein Christ

 


St. Michael, Olmütz

Heiliger Hieronymus, bitte für uns
 

Niemand ist glücklicher als ein Christ, da ihm das Himmelreich verheißen ist. Aber auch niemand hat mehr Sorge als ein Christ, da sein Leben täglich von Gefahren umlauert wird. Niemand ist stärker als er, da er den Teufel bezwingt. Aber auch niemand ist schwächer, da er vom Fleische überwunden wird.

Für beide Behauptungen gibt es Beispiele in Hülle und Fülle.

Der Schächer am Kreuz ist gläubig geworden, und zum Lohne vernimmt er sogleich die Verheißung:"Amen, amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies Sein" (Lk 23,42).

Judas gleitet von der Würde des Apostelamtes in den Abgrund des Verrats. Ihn rührt nicht die vertraute Mahlgemeinschaft, nicht der eingetauchte Bissen Brot (vgl. Joh 13,26-30), nicht der freundschaftliche Kuss (vgl. Mk 14,44f; Mt 26,48f; Lk 22,47f), so daß er wie einen Menschen den verrät, von dem er wusste, dass er Gottes Sohn ist.

Wer verdient größere Verachtung als die Samariterin? Aber es war ihr nicht genug, allein zum Glauben zu kommen. Als sie, die sechs Männer gehabt hat, den einen Herrn findet und am Brunnen als den Messias erkennt, von dem das jüdische Volk im Tempel nichts wissen wollte, vermittelt sie vielen das Heil. Während die Apostel Essen einkaufen, labt sie den Durstenden und erfrischt den Ermüdeten (vgl. Joh 4,5-43.

Wer ist weiser als Salomo? Trotzdem betört ihn die Liebe zu den Frauen (vgl. 1Kön 11,1-3).
(Hieronymus, Brief an Rusticus, in: Alfons Fürst, Hieronymus, 301)

Erzengel Michael inmitten der vier Kirchenlehrer Gregor, Augustinus, Ambrosius und Hieronymus

Montag, 30. September 2024

Wir sind nicht dazu geboren, ewig hier zu bleiben (Hieronymus)

 

 

Warum tut es uns so weh, wenn jemand sterben muß?
Sind wir denn dazu geboren, ewig hier zu bleiben? Abraham, Moses, Isaias, Petrus, Jakobus, Johannes und Paulus, das Gefäß der Auserwählung, sind gestorben, ja sogar der Sohn Gottes: und wir sind ungehalten, wenn eine Seele aus dem Körper scheidet, die vielleicht nur deshalb hinwegneommen wurde, damit die Bosheit nicht ihren Sinn verkehre!
Seine Seele war Gott wohlgefällig, deshalb beeilte sich der Herr, ihn aus der ungerechten Umwelt wegzunehmen, damit er nicht auf einem langen Lebensweg von der Richtung abkomme und in die Irre gehe.
Dann mag man über einen Toten trauern, wenn er der Hölle verfällt, wenn ihn die Unterwelt verschlingt, wenn ihn die strafenden Flammen in ewiger Gut peinigen.
Uns aber, die beim Hinscheiden der Engel Schar begleitet, denen Christus entgegeneilt, sollte es mehr bedrücken, daß wir noch länger in diesem Todeszelt leben müssen. Wandeln wir doch fern vom Herrn, solange wir hier auf Erden leben.
Möge auch uns der Wunsch beseelen: "Weh mir, weil sich meine Pilgerfahrt verlängert hat! Ich verweilte bei den Bewohnern Cedars. Allzulange wanderte meine Seele umher." (Ps 119,5f.). Wenn Cedar Finsternis bedeutet - und diese Welt ist Finsternis, denn das Licht leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen -, dann wollen wir unserer verstorbenen Blesilla Glück wünschen. Wanderte sie ja von der Finsternis zum Lichte, wo sie, obleich sie bereits im ersten Eifer der beginnenden Bekehrung von uns ging, dennoch die Krone der Vollendung erlangte.

(Hieronymus an Paula 39,3; aus Texte der Kirchenväter, Bd IV., Kösel, 425)

Hieronymus meditiert über Tod und Vergänglichkeit, Christoph Paudiß, um 1656/58


 

S Maria sopra Minerva, Rom, B16 über Hieronymus

Hieronymus in der Wiener Peterskirche, Vita

Kunsthistorisches Museum, Wien, Hieronymus übersetzt die Bibel, das Wort des Priesters soll Würze der Schrift offenbaren

Lust an Gottes Wort, Brief an den Priester Paulinus 

Hieronymusstatue in der Blasiuskirche in Dubrovnik

Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Eine bronzierte Holzfigur des hl. Hieronymus in der Wiener Dominikanerkirche

Ein Hieronymusfresko in Sant`Apollinare in Ravenna

Die letzte Kommunion des hl. Hieronymus im Petersdom in Rom

Donnerstag, 30. September 2021

Das Wort Gottes in der Heiligen Schrift lieben - Hieronymus

 

Hieronymus, S. Maria sopra Minerva, Rom

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute werden wir den heiligen Hieronymus in den Blick nehmen, einen Kirchenvater, der die Bibel in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt hat: Er hat sie ins Lateinische übersetzt, er hat sie in seinen Werken kommentiert, und vor allem hat er sich darum bemüht, sie während seines langen Lebens auf Erden ganz konkret zu leben, trotz seines wohl bekannten schwierigen und feurigen Charakters, den er von Natur aus hatte.

Hieronymus wurde um das Jahr 347 in Stridon in einer christlichen Familie geboren, die ihm eine sorgfältige Ausbildung zukommen ließ und ihn dann nach Rom schickte, um seine Studien zu vervollkommnen. Als junger Mann verspürte er die Anziehungskraft des weltlichen Lebens (vgl. Ep 22,7); es überwog jedoch in ihm die Sehnsucht nach der christlichen Religion und das Interesse für sie. Um 366 empfing er die Taufe und richtete sich nach einem asketischen Lebensstil aus; er begab sich nach Aquileia, und schloss sich dann einer Gruppe eifriger Christen an, die er gleichsam als „Chor von Seligen“ bezeichnete (Chron. ad ann. 374), der sich um den Bischof Valerian scharte. Er brach dann in den Osten auf, und lebte als Eremit in der chalcidischen Wüste, im Süden von Aleppo (vgl. Ep. 14,10). So widmete er sich ernsthaft dem Studium. Er perfektionierte seine Griechischkenntnisse, begann das Hebräischstudium (vgl. Ep 125,12) und transkribierte Codices und patristische Werke (vgl. Ep 5,2).

Die Meditation, die Einsamkeit, die Berührung mit dem Wort Gottes ließen seine christliche Empfindsamkeit reifen. Er fühlte stärker die Qual der Last seiner jugendlichen Vergangenheit (vgl. Ep. 22,7) und verspürte eindringlich den Gegensatz zwischen heidnischer Denkart und christlichem Leben: ein Gegensatz, den die dramatische und lebhafte „Vision“ berühmt gemacht hat, die er uns in einer Erzählung hinterließ. In ihr erschien es ihm, als würde er vor dem Angesicht Gottes gegeißelt, da er „ein Ciceronianer und kein Christ“ war (vgl. Ep. 22,30).

Im Jahr 382 siedelte er nach Rom über: Da Papst Damasus seinen Ruf als Asket und seine Sachverständigkeit als Gelehrter kannte, ernannte er ihn hier zum Sekretär und Berater. Er ermutigte ihn, aus pastoralen und kulturellen Gründen eine neue lateinische Übersetzung der biblischen Texte in Angriff zu nehmen. Einige Vertreter der römischen Aristokratie, vor allem Edelfrauen wie Paula, Marcella, Asella, Lea und andere, die den Wunsch hegten, sich um den Weg der christlichen Vollkommenheit zu bemühen und ihr Wissen in Bezug auf das Wort Gottes zu vertiefen, wählten ihn als ihren geistlichen Begleiter und Lehrer bei der methodischen Annäherung an die heiligen Texte. Diese Edelfrauen lernten auch Griechisch und Hebräisch.

Nach dem Tod von Papst Damasus verließ Hieronymus 385 Rom und unternahm eine Pilgerreise. Diese führte ihn zunächst ins Heilige Land, stiller Zeuge des Erdenlebens Christi, dann nach Ägypten, Wahlheimat vieler Mönche (vgl. Contra Rufinum 3,22; Ep. 108,6-14). Im Jahr 386 kam er nach Bethlehem, wo dank der Großzügigkeit der Edelfrau Paula für die Pilger, die sich in das Heilige Land begaben, ein Männerkloster, ein Frauenkloster und ein Hospiz errichtet wurden – „im Gedenken daran, dass Maria und Josef keine Unterkunft gefunden hatten“ (Ep. 108,14). In Bethlehem blieb er bis zu seinem Tod, wobei er seine intensive Arbeit fortsetzte: Er kommentierte das Wort Gottes, verteidigte den Glauben und widersetzte sich kraftvoll den verschiedenen Irrlehren. Er ermahnte die Mönche zur Vollkommenheit, führte seine jungen Schüler in die klassische und christliche Kultur ein und nahm die Pilger, die das Heilige Land besuchten, in pastoraler Gesinnung auf. In der Nähe von der Geburtsgrotte Jesu verstarb in seiner Zelle am 30. September 419/420.

Seine literarische Ausbildung und seine breit angelegte Gelehrsamkeit gestatteten Hieronymus die Durchsicht und Übersetzung zahlreicher biblischer Texte: eine wertvolle Arbeit für die lateinische Kirche und für die abendländische Kultur. Auf der Grundlage der griechischen und hebräischen Urtexte im Vergleich mit vorhergehenden Versionen verwirklichte er die Durchsicht der vier Evangelien in lateinischer Sprache, dann die des Psalters und eines Großteils des Alten Testaments. Hieronymus trug dem hebräischen und griechischen Original, der Septuaginta – der klassischen griechischen Version des Alten Testaments, die auf vorchristliche Zeit zurückgeht – und den vorhergehenden lateinischen Versionen Rechnung; so konnte er dann zusammen mit weiteren Mitarbeitern eine bessere Übersetzung bieten: Sie stellt die so genannte Vulgata dar, den „offiziellen“ Text der lateinischen Kirche, der als solcher vom Konzil von Trient anerkannt wurde und nach einer unlängst vorgenommenen Revision der „offizielle“ lateinische Text der Kirche bleibt.

Es ist interessant, die Kriterien herauszustellen, an die sich der große Bibelwissenschaftler in seinem Übersetzungswerk gehalten hat. Er selbst offenbart sie, wenn er erklärt, er respektiere sogar die Anordnung der Worte der Heiligen Schrift, da in ihr, so sagt er, „auch die Anordnung der Worte ein Geheimnis ist“ (Ep. 57,5), das heißt eine Offenbarung. Er bekräftigt darüber hinaus die Notwendigkeit, auf die Originaltexte zurückzugreifen: „Sollte es aufgrund der nicht übereinstimmenden Lehren der Handschriften unter den Lateinern zu einer Diskussion über das Neue Testament kommen, greifen wir auf das Original zurück, das heißt auf den griechischen Text, in dem der Neue Bund geschrieben worden ist. Ebenso beim Alten Testament: Treten Abweichungen zwischen den griechischen und lateinischen Texten auf, so berufen wir uns auf den Originaltext, den hebräischen; so können wir all das, was der Quelle entspringt, in den Bächen wieder finden“ (Ep. 106,2).

Hieronymus kommentierte des Weiteren auch viele Texte der Bibel. Für ihn müssen die Kommentatoren vielfältige Meinungen bieten, „so dass der besonnene Leser, nachdem er die verschiedenen Erklärungen gelesen und die vielfältigen Ansichten kennen gelernt hat – die anzunehmen oder zu verwerfen sind –, urteile, welche die zuverlässigste ist, und wie ein erfahrener Geldwechsler die falsche Münze ablehne“ (Contra Rufinum 1,16).

Kraftvoll und lebhaft widerlegte er die Irrlehrer, die die Überlieferung und den Glauben der Kirche bestritten. Er bewies auch, wie wichtig und welchen Stellenwert die christliche Literatur hat, die zu einer wahren Kultur geworden war, würdig, mit der klassischen verglichen zu werden: Er tat dies mit der Verfassung des De viris illustribus, eines Werkes, in dem Hieronymus die Biographien von über 100 christlichen Schriftstellern vorlegt. Er verfasste zudem Biographien von Mönchen, und erläuterte damit – neben anderen geistlichen Wegen – auch das monastische Ideal. Außerdem übersetzte er verschiedene Werke griechischer Autoren. Schließlich sticht Hieronymus im wichtigen Epistularium, einem Hauptwerk der lateinischen Literatur, mit den Merkmalen eines gebildeten Mannes, Asketen und Seelenführers hervor.

Was können wir vom heiligen Hieronymus lernen? Mir scheint, vor allem dies: das Wort Gottes in der Heiligen Schrift zu lieben. Der heilige Hieronymus sagt: „Die Heilige Schrift nicht zu kennen ist dasselbe wie Christus nicht zu kennen.“ Deshalb ist es wichtig, dass jeder Christ in Berührung und in persönlichem Dialog mit dem Wort Gottes lebt, das uns in der Heiligen Schrift geschenkt ist.

Dieser unser Dialog mit ihr muss immer zwei Dimensionen haben: Einerseits muss er ein wirklich persönlicher Dialog sein, da Gott mit einem jeden von uns durch die Heilige Schrift spricht und eine Botschaft für jeden hat. Wir dürfen die Heilige Schrift nicht als Wort der Vergangenheit lesen, sondern als Wort Gottes, das auch an uns gerichtet ist, und wir müssen versuchen zu verstehen, was uns der Herr sagen will. Um aber nicht dem Individualismus zu verfallen, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass das Wort Gottes uns gerade deshalb gegeben ist, um Gemeinschaft zu schaffen, um uns in der Wahrheit auf unserem Weg hin zu Gott zu vereinen. Obwohl es also immer ein persönliches Wort ist, ist es auch ein Wort, das Gemeinschaft errichtet, das die Kirche errichtet. Deshalb müssen wir es in Gemeinschaft mit der lebendigen Kirche lesen.

Der vorzügliche Ort der Lesung und des Hörens des Wortes Gottes ist die Liturgie, in der wir durch die Feier des Wortes und die Vergegenwärtigung des Leibes Christi im Sakrament das Wort in unserem Leben verwirklichen und es unter uns gegenwärtig machen. Wir dürfen nie vergessen, dass das Wort Gottes über die Zeiten hinausgeht. Die Meinungen der Menschen kommen und gehen. Was heute sehr modern ist, wird morgen sehr alt sein. Das Wort Gottes hingegen ist Wort des ewigen Lebens, es trägt in sich die Ewigkeit, das, was für immer gilt. Indem wir in uns das Wort Gottes tragen, tragen wir also in uns das Ewige, das ewige Leben.

Und so schließe ich mit einem Wort des heiligen Hieronymus an die heilige Paulina von Nola. In ihm bringt der große Exeget gerade diese Wirklichkeit zum Ausdruck, dass wir im Wort Gottes die Ewigkeit empfangen, das ewige Leben. Der heilige Hieronymus sagt: „Versuchen wir, auf der Erde jene Wahrheiten zu lernen, deren Beschaffenheit auch ich Himmel weiter bestehen bleiben wird“ (Ep. 53,10).

[Um seine Katechese auf Deutsch zusammenzufassen, bediente sich der Heilige Vater des folgenden Manuskripts:]

Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Katechese möchte ich den Kirchenvater Hieronymus in den Blick nehmen. Er wurde 347 in Stridon, dem heutigen Štrigova in Dalmatien (Kroatien), in einer christlichen Familie geboren. Nach seiner Taufe im Jahr 366 wählte er bald einen asketisch-monastischen Lebensstil. Nach Aufenthalten in Antiochien und Konstantinopel, wo er sich sehr gute Kenntnisse der griechischen und hebräischen Sprache aneignete, stand er von 382 bis 385 in Rom als Sekretär und Berater im Dienst von Papst Damasus. Nach dessen Tod bewegten ihn verschiedene Spannungen und Konflikte, die auch charakterlich bedingt waren, zur Übersiedlung nach Bethlehem, wo er im Kreis von monastischen Gefährtinnen und Gefährten die letzten drei Jahrzehnte vor seinem Tod im Jahr 419 oder 420 verbrachte.

Im Mittelpunkt von Leben und Werk des heiligen Hieronymus stand die Bibel: Er übersetzte mit viel Sorgfalt und in Treue zu den Originaltexten einen großen Teil der Heiligen Schrift in die lateinische Sprache, schrieb Kommentare zu vielen biblischen Büchern und bemühte sich vor allem, auch sein Denken und Handeln ganz nach dem Wort Gottes auszurichten.

(Papst Benedikt über den hl. Hieronymus, 1.11.2007)

Hieronymus in der Wiener Peterskirche, Vita

Kunsthistorisches Museum, Wien, Hieronymus übersetzt die Bibel, das Wort des Priesters soll Würze der Schrift offenbaren

Lust an Gottes Wort, Brief an den Priester Paulinus 

Hieronymusstatue in der Blasiuskirche in Dubrovnik

Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Eine bronzierte Holzfigur des hl. Hieronymus in der Wiener Dominikanerkirche

Ein Hieronymusfresko in Sant`Apollinare in Ravenna

Die letzte Kommunion des hl. Hieronymus im Petersdom in Rom

Mittwoch, 30. September 2020

Hieronymus

Hieronymus im Kardinalsgewand, Peterskirche, Wien

Einsiedler, Priester, Kirchenvater
Namensdeutung: heiliger Name (griech.)
Namenstage: Hieronymus, Geronimo, Geron, Jerôme, Jeronim, Girolamo, Nimo, weibl.: Hieronyma
Gedenktag: 30. September

Lebensdaten: geboren um 347 in Dalmatien, gestorben am 30. September 419/420 in Bethlehem

Lebensgeschichte: Sophronius Eusebius Hieronymus wurde von seiner christlichen, wohlhabenden Familie zum Studium nach Rom gesandt, wo er viel Zeit im Theater und bei den Spielen verbrachte und sich mit der antiken Kunst und Literatur vertraut machte. Unter dem Einfluss guter Freunde und nach einem geheimnisvollen Traum ließ er sich mit 18 Jahren taufen und geriet über Trier, wo er das asketische Mönchtum kennenlernte, in die nordsyrische Wüste, wo er als Einsiedler lebte und die griechisch und hebräisch überlieferte Heilige Schrift eingehend studierte. 378 zum Priester geweiht, lernte er in Konstantinopel die maßgeblichen Bibelauslegungen kennen und machte sich, zurück in Rom, ab 382 als theologischer Berater von Papst Damasus I. unentbehrlich (deswegen wird er auch häufig als Kardinal dargestellt). Von ihm erhielt er den Auftrag, auf der Grundlage verschieden überlieferter Texte eine einheitliche lateinische Bibelübersetzung zu schaffen: die „Vulgata“, die für ein Jahrtausend maßgeblich bleiben sollte. Weil Hieronymus ein unverbesserlicher Rechthaber war und als Asket wenige Freunde beim lebenslustigen Klerus von Rom hatte (dass er als antiochenischer Kleriker bei der Papstnachfolge übergangen wurde, ist fürs mindeste unwahrscheinlich), zog er sich nach dem Tod Damasus’ mit einem Kreis römischer Patrizierinnen nach Bethlehem zurück, wo er drei Frauen- und ein Männerkloster gründete und sich bis zu seinem Tod weiter der Heiligen Schrift und der Verbreitung der asketischen Lebensweise widmete.

Legende: Nachdem Hieronymus einem Löwen in der Wüste einen Dorn aus der Tatze entfernt hatte, leistete das Raubtier ihm in seiner Einsiedelei Gesellschaft bis zu seinem Ende. Diese Legende ist der Verwechslung seiner Vita mit der des heiligen Gerasimos von Lykien geschuldet.

Verehrung: Im 13. Jahrhundert brachte man Hieronymus’ Gebeine von Bethlehem nach Rom, wo sie in der heutigen Basilika Santa Maria Maggiore verehrt werden. Als maßgebliche Autorität für die Schriftauslegung und das Mönchsleben wurde er 1295 gemeinsam mit Ambrosius, Augustinus und Papst Gregor dem Großen zum Kirchenvater erhoben – seine Verehrung und theologische Bedeutung über das Mittelalter hinaus ist dementsprechend groß.

Darstellung: als alter Einsiedler oder Büßer mit Kardinalshut am Boden, am Schreibpult, mit dem Löwen

Patron: von Dalmatien und Lyon, der Asketen und Gelehrten, der Studenten, Archäologen, Pilger, Bibliothekare, Übersetzer und Buchhändler, Helfer gegen Augenleiden
(bistumaugsburg)

 

Kunsthistorisches Museum, Wien, Hieronymus übersetzt die Bibel, das Wort des Priesters soll Würze der Schrift offenbaren

Lust an Gottes Wort, Brief an den Priester Paulinus 

Hieronymusstatue in der Blasiuskirche in Dubrovnik

Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Eine bronzierte Holzfigur des hl. Hieronymus in der Wiener Dominikanerkirche

Ein Hieronymusfresko in Sant`Apollinare in Ravenna

Die letzte Kommunion des hl. Hieronymus im Petersdom in Rom

Peterskirche, Wien

Sonntag, 30. September 2018

Hieronymus - das Wort des Priesters soll die Würze der Schrift offenbaren

Hieronymus übersetzt die Bibel, Guido Reni, um 1634/35, Kunsthistorisches Museum, Wien


Bildbeschreibung: Der hl. Hieronymus , einer der vier lateinischen Kirchenväter und Kardinal, hat sich in die Einsamkeit zurückgezogen, um die Bibel zu übersetzen. Dabei erscheint ihm ein Engel und bringt ihm göttliche Inspiration: hingebungsvoll lauscht ihm der greise Asket. Der zu seinen Füße lagernde Löwe wich nicht mehr von seiner Seite, nachdem der Heilige ihm einen Dorn aus der Pranke gezogen hatte. Von Guido Reni (1575-1642) tätig in Bologna und Rom.

Lust an Gottes Wort, Brief an den Priester Paulinus 

Hieronymusstatue in der Blasiuskirche in Dubrovnik

Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Eine bronzierte Holzfigur des hl. Hieronymus in der Wiener Dominikanerkirche

Ein Hieronymusfresko in Sant`Apollinare in Ravenna

Die letzte Kommunion des hl. Hieronymus im Petersdom in Rom


Wenn du in der Kirche predigst, sollst du nicht nach dem Beifall der Menge haschen, sondern bei den Zuhörern eine reumütige Gesinnung erwecken. Die Tränen der Gläubigen sollen dein Lob sein.

Das Wort des Priesters soll die Würze der Schrift offenbaren.

Du sollst kein Deklamator sein, auch kein geschwätziger Zungenredner, hinter dessen Worten nichts steckt. Vielmehr soll sich heilige Wissenschaft und Vertrautheit mit den Geheimnissen deines Gottes in deiner Predigt kundtun. Überlassen wir es den Ungebildeten, mit leeren Worten um sich zu werfen und durch Zungenfertigkeit die Bewunderung des unerfahrenen Volkes auf sich zu lenken.

Eine leider nicht seltene Anmaßung bedeutet es, das zu erklären, was man selbst nicht versteht; und am Ende hält man sich selbst für ein Licht, wenn man anderen etwas weisgemacht hat. Nichts ist leichter, als das einfache Volk und eine schlichte Versammlung durch einen Schwall von Worten zu täuschen; denn je weniger sie an sachlichen Verständnis aufbringt, um so mehr wächst die Bewunderung.
(Brief von Hieronymus an den Priester Nepotian, in: Texte der Kirchenväter 4, 235f)

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Am Grab von Papst Johannes XXIII.

Grab des hl. Johannes XXIII., Petersdom

Johannes XXIII., Papst. Angelo Giuseppe Roncalli wurde 1881 als Sohn einer Bauernfamilie geboren. 1904 zum Priester geweiht, widmete er sich zunächst der Wissenschaft und veröffentlichte 5 Bände Studien zu Karl Borromäus, dem er zeitlebens in besonderer Weise nacheiferte.

Roncalli wurde Bischofssekretär, später Feldgeistlicher im 1. Weltkrieg, danach Vatikandiplomat in Bulgarien und in Griechenland. 1933 wurde er zum Apostolischen Delegaten für die Türkei mit Sitz in Istanbul bestellt und half in dieser Position während des 2. Weltkriegs vielen Juden auf der Flucht. 1944 wurde er Apostolischer Nuntius in Paris, 1953 Kardinal und Patriarch von Venedig.

Nach dem Tod Pius XII. wurde er im Alter von 77 Jahren am 28. Oktober 1958 überraschend zum Papst gewählt. Als Johannes XXIII. kündigte er schon drei Monate später das 2. Vatikanische Konzil an, da er ein „aggiornamento“ der Erscheinungsform der Kirche wünschte: Keineswegs wollte er eine Liberalisierung von Glaube und Sitten, sondern – wie es seiner persönlichen Art entsprach – die pastorale Öffnung auf die Welt von heute. Johannes XXIII., der sich als „papa buono“ allgemeiner Wertschätzung erfreute, wurde durch seine gewinnende und humorvolle Art, die freilich mit großer Glaubenstreue und Frömmigkeit gepaart war, selbst zum Symbol einer sympathischen Kirche. In seiner Enzyklika „Pacem in Terris“, die er 1963 kurz vor seinem Tod publizierte, forderte er mitten im Kalten Krieg die internationale Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit. Die Ökumene verdankt ihm wichtige Impulse.

Sein „Geistliches Tagebuch“ offenbart eine glühende persönliche Askese, die als Grund für sei-ne Ausstrahlung gelten muss. Als er während des Konzils, am Pfingstmontag 1963 starb, weinten Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche um ihn. Seine Seligsprechung erfolgte am 3. September als einer der Höhepunkte des Jubeljahres 2000 am Petersplatz, zusammen mit ihm wurde Pius IX. selig gesprochen, den Roncalli seit seiner Jugend als Märtyrerpapst verehrt hatte.
Als Gedenktag wurde der 11. Oktober festgelegt. Das ist der Tag, an dem Johannes XXIII. das 2. Vatikanische Konzil eröffnet hatte. Bei der Öffnung des Sarges am 16. Jänner 2001 wurde der Leichnam unverwest vorgefunden, er wird seit Pfingsten 2001 in einem Glasschrein im Petersdom ausgestellt. Johannes XXIII. war mit einem Lächeln gestorben.
(Martyrologium Sancrucense)


Altarbild: die letzte Kommunion des hl. Hieronymus, Domenico Zampieri, Petersdom

Ein neu ernannter Bischof beklagte sich in der ihm von Johannes XXIII. erstmals gewährten Privataudienz, dass die neue Bürde ihn nicht mehr schlafen lasse. "Oh", meinte Johannes in mitleidsvollem Ton, "mir ging es in den ersten Wochen meines Pontifikats genauso, aber dann sah ich einmal im Wachtraum meinen Schutzengel, der mir zuraunte: "Giovanni, nimm dich nicht so wichtig..." Seitdem schlafe ich wieder."
(Johannes XXIII., Weisheit eines weiten Herzens, 74)

Samstag, 30. September 2017

Hieronymus



Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen.
Ich leiste, was ich schuldig bin im Gehorsam gegen die Gebote Christi, der sagt: "Erforscht die Schriften" und: "Sucht, dann werdet ihr finden!"
Ich möchte nicht das Wort hören: "Ihr irrt euch; ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes."
Denn wenn Christus nach dem Wort des Apostels Paulus "Gottes Kraft und Gottes Weisheit" ist, dann kennt die Kraft und Weisheit Gottes nicht, wer die Schrift nicht kennt.
(Hieronymus, aus einer Auslegung zum Buch Jesaia, Lesehore)


Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Mittwoch, 5. April 2017

Die Vinzenz-Ferrer-Kapelle in der Wiener Dominikanerkirche

südliche Langhauswand der Dominikanerkirche Wien, links Querschiffkapelle des hl. Dominikus
(Anbetung der heiligsten Dreifaltigkeit durch Dominikus)

Langhauskapellen, rechts: Hl. Mutter Anna, Mitte: Vinzenz-Ferrer-Kapelle, links: Katharina v. Alexandrien


Vinzenz Ferrer Kapelle, Dominikanerkirche Wien

Die Vinzenz-Ferrer-Kapelle ist eine Stiftung des Malers Francois Roettiers. Die einheitliche Ausstattung in rötlichem und vergoldetem Stuckmarmor geht auf seinen Entwurf zurück.
(...) Das Altarbild (signiert 1726) ist von Roettiers selbst gemalt und stellt den Heiligen bei einer Totenerweckung dar.

Vinzenz Ferrer bei einer Totenerweckung, Dominikanerkirche, Wien

Die Engelfiguren mit Posaune sowie die Stuckembleme weisen auf die Sendung des großen spätmittelalterlichen Bußpredigers Ferrer hin.








Das qualitätsvolle Predellabild in goldgefasstem Rahmen mit einer Dornenkrönung ist wohl der Rest des Altarblattes der Vorgängerkapelle (Krönungskapelle).
(Text aus dem Kirchenführer)

Dornenkrönung, Dominikanerkirche Wien

Von hoher Qualität und dem Umkreis Johann Bendls zuzurechnen sind die 1840 bronzierten Holzfiguren von Hieronymus und Maria Magdalena (nach 1760).



Hieronymus, Dominikanerkirche, Wien

Maria Magdalena, Dominikanerkirche, Wien


Hochaltarbild von Leopold Kuppelwieser, Einsetzung und Feier des Rosenkranzfestes durch Papst Pius V

Freitag, 30. September 2016

Das Heilige Land 16 - die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Statue des hl Hieronymus im Kreuzgang der Katharinenkirche
auf einer über 2 m hohen Säule, Bethlehem, auf der Fassade der Kirche steht
eine Statue der hl. Katharina

Hieronymus, Priester und Kirchenvater. Sophronius Eusebius Hieronymus wurde um 347 zu Stridon geboren, das ist das heutige Sdrin in Kroatien. Bei seinem Studium in Mailand und Rom fühlte er sich zunächst mehr zu Cicero und Platon hingezogen als zur Bibel, bis ihm im Traum ein Engel die Bücher wegnahm und ihn vor den himmlischen Richter brachte. Mit 19 Jahren empfing er die Taufe und begeisterte sich fortan für das Wort Gottes. Auf einer Reise nach Trier lernte er das Mönchsleben kennen, was eine innere Suche nach seiner Berufung bei ihm auslöste: Er lebte zunächst in Aquileja in einer Klerikergemeinschaft, dann fünf Jahre in der Wüste von Chalkis, dem heutigen Halab in Syrien. Dort soll ihm ein Löwe als Haustier gedient haben. Nachdem er in Antiochien die Priesterweihe empfangen hatte, reiste er 382 nach Rom, wo er Sekretär von Papst Damasus I. wurde. Dies ist der Grund, warum er gerne als Kardinal dargestellt wird. In einer Zeit, in der auch Witwen und Jungfrauen vom Ideal klösterlichen Lebens erfasst wurden, wurde Hieronymus von solchen Frauen gerne als Seelsorger beansprucht. Unter seiner geistlichen Führung standen zahlreiche Heilige: Marcella, die adelige Witwe Paula, deren Tochter Julia und viele andere. Als Papst Damasus starb, wurde Hieronymus nicht zu dessen Nachfolger gewählt, weil er allzu freimütig die Misstände im Klerus kritisiert hatte. Im Gegenteil: Nun wurde er sogar wegen seiner Wirkung auf die frommen Frauen verleumdet. Enttäuscht ging er 386 nach Bethlehem, wo er in den verbleibenden 18 Jahren seines Lebens ein Männer- und drei Frauenklöster gründete und leitete. In der Abgeschiedenheit schuf Hieronymus, der der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache mächtig war, sein wichtigstes Werk: Er schrieb eine neue lateinische Übersetzung, die sich rasch durchsetzte und den Namen „Vulgata“, „die Verbreitete“, erhielt. Ferner verfasste Hieronymus exegetische, historische und theologische Abhandlungen. Er starb am 30. September 419 in Bethlehem. Im 13. Jahrhundert wurden seine Gebeine nach Santa Maria Maggiore in Rom überführt. Hieronymus zählt zu den vier großen lateinischen Kirchenvätern.
(Martyrologium Sancrucense)


Eingang zur Katharinenkirche der Franziskaner neben der Geburtskirche in Bethlehm

Mittelschiff der Katharinenkirche, das der Anbetung der hl. drei Könige geweiht ist

Grotten unter der Geburtskirche und unter der Katharinenkirche: 1. Geburtsgrotte 2. Altar der Weisen 3. Krippe 4. Treppe Richtung Katharinenkirche 5. Josefsgrotte 6. Altar der unschuldigen Kinder 7. Grab des hl. Eusebius von Cremona 8. Kenotaph des hl. Hieronymus 9. Zelle des hl. Hieronymus 10. Stufen die von den Grotten zur Katharinenkirche führen

Über eine Treppe im rechten Seitenschiff der Katharinenkirche gelangt man in ein weitverzweigtes Grottensystem, das 1962 archäologisch untersucht wurde und 1964 vom Franziskaner Farina neu gestaltet wurde.

Stufen zu den Nebengrotten (10)


Die Treppe führt in ein vorkonstantinisches Grabgewölbe, das in eine Kapelle zu Ehren des hl. Josef (5) umgewandelt worden ist.


Man sieht vorne und links Grabhöhlen, der linke Altar ist den Unschuldigen Kindern gweiht.

Altar der unschuldigen Kinder (6)

Der Gang rechts stellt die Verbindung zur Geburtsgrotte her.


nach rechts gelangt man in eine weitere Höhle. Hier sind die Gräber von Hieronymus und einiger seiner Freunde (Eusebius von Kremona, Paula und Eustochium, einer römischen Patrizierin und ihrer Tochter, die unter der Führung des hl. Hieronymus ein Kloster für Männer und für Frauen errichteten)

Kenotaph des hl. Hieronymus (8), er starb 419/420, seine Gebeine wurden später nach S. Maria Maggiore in Rom übertragen. (Olim locus S. Hieronymi presbyteri et ecclesiae doctoris - einst war hier begraben der hl. Hieronymus,
Priester und Kirchenlehrer)


Die letzte Kammer, in die eine Treppe vom oberen Kreuzgang herabführt, gilt als Zelle des hl. Hieronymus.

Zelle des hl. Hieronymus (9)


Wenn mein Rat etwas gilt, wenn einer, der Erfahrung besitzt, Vertrauen beanspruchen darf, dann geht meine erste Bitte, meine erste Mahnung dahin, daß die Braut Christi sich vor dem Weine hüte wie vor einem Gift. Er ist die erste Waffe,m deren der Teufel sich im Kampf gegen die Jugend bedient...

Es ist verhältnismäßig leicht, sich von anderen Lastern frei zu halten, aber dieser Feind (d.h. die böse Begierlichkeit) ist in uns eingeschlossen. Wo immer wir hingehen, tragen wir diesen Gegner mit uns herum.
Wein und Jugend sind die beiden Zündstoffe der Wollust. Warum noch Öl auf die Flamme gießen? Warum dem Brand in unserem Körper noch weitere Nahrung zuführen?

(Hieronymus: Brief an Eustochium 22,8)

Mosaik,  hl. Eustachium, hl. Paula, hl. Hieronymus, hl. Eusebius

Warum tut es uns so weh, wenn jemand sterben muß? Sind wir denn dazu geboren, ewig hier zu bleiben? Abraham, Moses, Isaias, Petrus, Jakobus, Johannes und Paulus, das Gefäß der Auserwählung, sind gestorben, ja sogar der Sohn Gottes: und wir sind ungehalten, wenn eine Seele aus dem Körper scheidet, die vielleicht nur deshalb hinweggenommen wurde, damit die Bosheit nicht ihren Sinn verkehre!
Seine Seele war Gott wohlgefällig, deshalb beeilte sich der Herr, ihn aus der ungerechten Umwelt wegzunehmen, damit er nicht auf einem langen Lebenswege von der Richtung abkomme und in die Irre gehe. Dann mag man über einen Toten trauern, wenn er der Hölle verfällt, wenn ihn die Unterwelt verschlingt, wenn ihn die strafenden Flammen in ewiger Glut peinigen. Uns aber, die beim Hinscheiden der Engel Schar begleitet, denen Christus entgegeneilt, sollte es mehr bedrücken, daß wir noch länger in diesem Todeszelt leben müssen. Wandeln wir doch fern vom Herrn, solange wir hier auf Erden leben. Möge auch uns der Wunsch beseelen: "Weh mir, weil sich meine Pilgerfahrt verlängert hat! Ich verweilte bei den Bewohnern Cedars. Allzulange wanderte meine Seele umher." (Psd 119,5f)

(Hieronymus: Brief an Paula 39,3)

Christus hilft Hieronymus bei seinen Bibelarbeiten







O möchte es mir gestattet sein, jene Krippe zu sehen, in welcher der Herr einst lag!

Jetzt haben wir Christen ehrenhalber die aus Lehm gefertigte Krippe entfernt und durch eine silberne ersetzt. Aber für mich ist jene, die man fortgeschafft hat, wertvoller.

Die Heidenwelt erwirbt Gold und Silber; der christliche Glaube verdient jene Lehmkrippe. Der in dieser Krippe geboren ist, verschmäht Gold und Silber.

Ich verachte nicht jene, die der Ehre wegen die silberne Krippe aufgestellt haben, wie ich auch jene nicht verachte, die für den Tempel goldene Gefäße angefertigt haben.

Aber ich bewundere den Herrn, der, obwohl Weltenschöpfer, nicht zwischen Gold und Silber, sondern auf Lehm geboren wurde.

(Hieronymus. Homilie über die Geburt des Herrn)