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Montag, 28. September 2026

Pfarrer Anton Ullrich (1951) über den Lioba-Altar in St. Martin, Tauberbischofsheim

 

Erweiterung der Predella mit Seitenflügel
links Walburga, rechts Thekla

 

Am Grab der hl. Lioba in St. Peter bei Fulda 

Statue der hl. Lioba in St. Peter bei Fulda

 

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Wenzel von Böhmen,

Statue auf der Karlsbrücke in Prag

und im Prager Veitsdom, Vita


des hl. Bischofs Exuperius von Toulouse

der hl. Chuniald und Gislar 

und in ÖSTERREICH des hl. Thiemo von Salzburg und des Bischofs Konrad II. von Salzburg.


Bonifatius mit dem Stadtwappen von Tauberbischofsheim

Reliquienschrein mit rechtem Schulterblatt und Unterkiefer der hl. Lioba
Lioba mit weiteren Nonnen lehrend, tröstend, helfend

Lioba-Altar, St. Martin, Tauberbischofsheim

Unser Lioba-Altar

ist besonderer Beachtung wert.

1. Seitenkapelle

könnte man den Raum, "das gotische Spitzchörlein" nennen, in dem der St. Liobaaltar steht. Helles Licht flutet durch fünf Fenster herein. (nicht wie ich dort war)

4 Frauengestalten stellen sich in den beiden farbenfrohen Seitenfenstern als Gefolgschaft und Geistesverwandte der hl. Lioba (710-782) vor: St. Elisabeth mit Blumen in ihrem Schoß, St. Walburga mit dem Oelflöschchen auf dem Buche, St. Agatha mit der Palme in der rechten Hand und dem Löwenkopf zu ihren Füßen und St. Thekla, die Aebtissin mit Stab und Regelbuchrolle.

Ein breiter Spitzbogen (Gurtbogen) grenzt das Chörlein gegen das rechte Seitenschiff der Kirche ab. vier Stufen heben die ganze Seitenkapelle nahezu 1 Meter über die sonstige Bodenhöhe des Gotteshaus-Schiffes hinauf und erleichtern damit die Betrachtung.

8 gotische Gewölberippen mit noch zwei weiteren Verästelungsrippen schaffen ein fächerartiges Spitzbogengewölbe, in das unser Liobaaltar sich hineinschmiegt. Wer vor dieser Seitenkapelle steht und Betrachtung halten will, wird durch nichts abgelenkt; die ganze Aufmerksamkeit wird auf den Altar hingezogen.

2. Der Altar

ist in seinem Aufbau klar und übersichtlich. 3 Stufen führen den zelebrierenden Priester zum Altar hinauf. Eine Art Predella (das ist ein Unterbau für das eigentliche Altarbild) schafft in einer baldachinartigen, feierlich mit Gold auf Rot ausgestatteten Nische über schwarzem Sockel einen würdigen Raum für den Reliquienschrein, ein Glasgehäuse mit Messingrahmen und Verzierungen; - darinnen befinden sich von reichem gold - und silbergewirktem Zierrat und Geschmeide verhüllt

Unsere Liobareliquien.

Der eine Teil dieser Reliquie ist ein Stück des Schulterblattes der Heiligen. Die Echtheit dieser Reliquie wurde durch ein Attest mit dem Datum vom 1. Mai 1655 nachgewiesen. Einige Jahre später wurde dieser Reliquie ein Teil des Unterkiefers der hl. Lioba hinzugefügt. Der Kurfürst und Erzbischof von Mainz Johann Philipp hat diese Reliquie nach Tauberbischofsheim abgegeben und durch Attest vom 26. September 1661 als echt bestätigt. Leider ist z. Zt. nicht bekannt, wo die genannten Urkunden sich befinden. Über die feierliche Einholung der ersten Reliquie am 1. Mai 1655 haben wir einen eingehenden Bericht im 26. Kapitel des Liobabüchleins, welches H.H.P. Liebler im Jahre 1683 herausgegeben hat. (Vergl. Liobaglöcklein Nr. 38. II. Jahrgang, 25. Sept. 1949)

Die Predella ist nach rechts verbreitert durch einen kleinen Seitenflügel mit einem Relief: die hl. Thekla (+um 800); ist ebenso nach links erweitert durch einen weiteren Seitenflügel auf dem die hl. Walburga (auch Waldburga + 779) reliefartig dargestellt ist. Beide hl. Frauen sind ehemalige Mitschwestern der hl. Lioba gewesen und später Aebtissinnen (Thekla zu Kitzingen und Walburga zu Heidenheim) geworden. (Vergl. auch die beiden Seitenfenster.) Auf diesem Unterbau ruht durch eine hervorspringende Leiste nach unten abgetrennt

Das eigentliche Altarbild.

Im Mittelpunkt unsere Stadtpatronin, die hl. Lioba. Ein Relief in Holz geschnitzt. Aber keine Einzelfigur, abgesondert, wie andere Altarheilige. Unsere Stadtpatronin fleht mitten unter ihrer ehemaligen Umgebung. zwei ihrer Mitschwestern im gefolge, neben ihr, hinter ihr.

Eine Personengruppe zu ihrer Linken: eben erst sind sie herbeigekommen, eine Mutter mit ihrem Kinde und 3 Mädchen: ob sie Almosen abholen wollen? Der Korb im Arm des einen Mädchens könnte darauf hindeuten, vielleicht aber will das Kind auch etwas ins Kloster bringen. Es könnte auch hingewiesen sein auf die Mädchen von damals, die sich mit der Bitte um Unterricht und Aufnahme ins Kloster an die Aebtissin herandrängten.

Noch hat die Heilige sie nicht bemerkt, sie ist beschäftigt, ist ganz in Anspruch genommen von der Personengruppe zu ihrer Rechten: An einem schweren, aber nicht schwerfälligen Eichtisch sitzt wieder eine Mutter mit ihrem neugeborenen Kinde im Arm und neben ihr haben zwei Männer (?) und zwei Frauen um den Tisch sich geschart. Sicherlich sind sie gekommen vom Hunger getrieben. Und sofort hat die hl. Lioba in strohgeflochtenem Körbchen ihnen auch gleich mit ihrer rechten Hand ein großes Brot gereicht und auf den Tisch gestellt. Aber die blicke der Hungernden sind nicht gierig auf die Speise, auf die Nahrung für den Leib gerichtet. Sie hängen an den Lippen der heiligen Lehrerin, Apostola, die ihnen die frohe Botschaft des Christentums aus heiligem Buche kündet, das sie in ihrer Linken hält.

Die ganze Szene muß man sich im Klosterhof vorstellen. Überschrieben hat man die ganze Szene schon: "St. Lioba, die Lehrerin der Frauenwelt." Ganz bestimmt soll aber damit der tatsächlich auch sicher sehr große missionarische Einfluß der Heiligen auf die Männer ihrer Zeit nicht in Abrede gestellt werden. Hat man sie doch mit Recht Apostola Germaniae genannt. Sehr fein finde ich es, daß dieses Relief 5 Kinder aufweist. Es soll damit auf die hl. Lioba als Schutzpatronin der Kinder gegen Krankheit hingewiesen werden.

Der Hintergrund

trägt örtliches, heimatliches Gepräge: Da sieht man den heutigen Türmersturm und das Türmle, das Schloß mit seinem Erker und Jängerhäuschen.
Über der Mitte des "lebenden Bildes" unter dem Apostel der Deutschen, ist das Stadtwappen von Tauberbischofsheim angebracht mit den Bischofsinsignien (des hl. Bonifatius) (672-754), der ja die hl. Lioba hierhergerufen, das Kloster gegründet darüber stets schützend seine Hand gehalten hat.

Das ganze Frankenland hat hier seinen großen Gnaden- und Wallfahrts-Altar. Hier ist keine Legende. hier ist Geschichte, die uns Verehrung abringt.

3. Der Künstler.

Der Lioba-Altar ist (wie auch der Hochaltar, die Kreuzwegstationen, das Relief-Bildnis des sterbenden hl. Josef, die kleine Statue des Jesukindes und die Christkönig-Statue) von Prof. Thomas Buscher in München (aus Hamburg stammend) geschaffen und Mitte September 1929 aufgestellt worden. Vorher stand hier ein Martinus-Altar.

Tauberbischofsheim, 6. Oktober 1951
Anton Ullrich, Stadtpfarrer


PS. Die Besucher unseres Gotteshauses bitten wir, die Würde des Gotteshauses zu wahren.


Heilige Lioba, bitte für uns!


Hauptaltar und Seitenaltar der hl. Lioba in St. Martin, Tauberbischofsheim

Stadtpfarrkirche St. Martin in Tauberbischofsheim

Samstag, 26. September 2026

Der ältest erhaltene Glaszyklus aus dem Leben von Kosmas und Damian (Goslar)

 

Marktkirche St. Kosmas und Damian, Goslar


Die Marktkirche St. Cosmas und Damian in Goslar beherbergt einen bedeutenden spätromanischen Fensterzyklus mit Szenen aus dem Leben der Hl. Cosmas und Damian. Es handelt sich um ein Meisterwerk der deutschen Glasmalerei und ist der älteste erhaltene Zyklus mit Darstellungen aus dem Leben der beiden Heiligen überhaupt. Die Fenster entstanden um das Jahr 1250.
Ursprünglich dürften sie sich in einem der beiden seitlichen Mittelfenster des ursprünglichen romanischen Chors befunden haben, der 1300 abgetragen wurde. Heute hängen die Fenster am Ort der ehemaligen romanischen Nordapsis. Sie zeigen maßgeblich das Martyrium der beiden Heiligen. (wiki)

Reliquienschrein der Heiligen Kosmas und Damian in der Münchener Jesuitenkirche, BistumAugsburg und Kontakion

Altar in der Kathedrale von Segovia, heiligenlexikon u. Gebet der Ostkirche

Flügelaußenseiten eines Altars im Kunsthistorischen Museum Wien

in der römischen Kirche Santi Cosma e Damiano 2 ausführlicher als 1

Relief am Sarkophag des hl. Matthias in St. Giustina in Padua 

Apsismosaik in Santi Cosma e Damiano 1 martyrol. sancru.




unten vlnr: Cosmas und Damian heilen Menschen und Tiere,
römischer Statthalter Lysias mit Götzenbild, Cosmas und Damian vor dem Statthalter

Mitte vlnr: einer der beiden Heiligen wird ins Meer geworfen,
Cosmas und Damian im Feuerofen, Steinigung von Cosmas und Damian

oben vlnr: Kreuzigung des einen Heiligen, Kreuzigung des anderen Heiligen
Cosmas und Damian werden mit Pfeilen beschossen

Leben der Heiligen Kosmas und Damian in der Marktkirche in Goslar


Dienstag, 22. September 2026

Mauritius in Magdeburg

 

Dom St. Mauritius und St. Katharina, Magdeburg

Mauritius (Moritz, Maurice) und Gefährten, Angehörige der "Thebaischen Legion", die aus Ägypten stammte, waren in der römischen Provinz Helvetien (der heutigen Schweiz) stationiert. Im Zuge der grausamen Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian wurde ihnen im Jahr 302 befohlen, in der Gegend um Agaunum (heute Saint Maurice im Kanton Wallis) gewaltsam gegen die Christen vorgehen.
Doch die Soldaten, die selber Christen waren, weigerten sich, dem Befehl nachzukommen. Daraufhin wurde zur Abschreckung jeder zehnte Soldat vor den Augen seiner Gefährten niedergestochen. Die Überlebenden aber blieben standhaft. So wurde das Gemetzel fortgesetzt - bis keiner mehr übrig blieb.- 

Die bereits um das Jahr 380 an der Stelle, wo man die Gebeine der Ermordeten gefunden hatte, errichtete kleine Gedächtniskirche wurde bald zu einem beliebten Wallfahrtsort und schließlich zur Keimzelle des berühmten Klosters St. Maurice.
Mauritius ist Patron der Soldaten, Waffenschmiede, Messerschmiede, Tuchmacher, Kaufleute und der Pferde sowie Schutzheiliger gegen Gicht, Ohrenleiden, Besessenheit und gegen Pferdekrankheiten. Historisches: Das Blutbad von Agaunum ist in die Geschichte eingegangen.
Die von Kaiser Diokletian und seinem Mitregenten Maximian angeordnete "Säuberung des Heeres" von Christen, die nur Verteidigungskriege führen wollten und sich weigerten, gegen Aufständische vorzugehen, ist historisch bezeugt.)

Bauernregeln: "Gewitter noch um Mauritius bringen Schaden uns und viel Verdruß."- "Ist Sankt Moritz hell und klar, stürmt der Winter, das ist wahr." (katholischde)

Statue in der Wiener Peterskirche, Vita

Glasfenster von Martyrium und Verherrlichung in Saint Maurice, Lille, Seller, Rebellen Gottes

Statue in der Oberleiser Pfarrkirche, NÖ

Glasfenster im Kölner Dom, Eucherius v. Lyon, über das Martyrium (Lesehore, Tagesgebet)

 

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Emmeram von Regensburg




Kopf des hl. Mauritius, Magdeburger Dom

Donnerstag, 17. September 2026

Hildegard schaut Gott in der Gestalt eines Mannes

 

links Hildegard von Bingen, rechts Birgitta von Schweden, Aachener Dom

"Ich sah einen Mann von solch hohem Wuchs, daß er von der obersten Höhe der Himmelswolken bis hinunter in die Abgründe reichte. So stand er da:
Von seinen Schultern ragte er über die Wolken hinaus in den strahlenden Äther. Von den Schultern abwärts bis zu den Hüften umschwebte ihn, unterhalb der erwähnten Wolkenschicht eine andere blendend weiße Wolke. Von den Hüften bis zu seinen Knien umspielte ihn die irdische Luft. Von den Knien bis zu seinen Waden befand er scih in der Region der Erde. Seine Füße schließlich tuachten in die Wasser des Abgrunds, jedoch so, daß er dabei noch über dem Abgrund stand.
So stand er, dem Osten zugewandt, und schaute nach Osten und Süden. Sein Antlitz aber strahlte von solcher Herrlichkeit, daß ich es nicht voll und ganz anzuschauen vermochte. Vor seinem Munde ballte sich eine blendend weiße Wolke zu einer Art Posaune zusammen; sie war erfüllt vom Klang einer geschwind aufbrausenden Musik. Jedesmal, wenn dieser Mann dort hineinblies, sandte sie drei Winde aus: Der eine trug eine Feuerwolke über sich, der andere eine Sturmwolke, der dritte eine Lichtwolke."


In der Feuerwolke schweben die allen Gotteswillen vollführenden "feurigen Lebewesen", die Engelsgeister. In der Sturmwolke warten die schon Seligen, drängend und fragend, auf den Anbruch der neuen Schöpfung, in welcher sie ihre endgültige Wohnung beziehen können. In der Lichtwolke kündigt sich der Sieg des Lichtes durch den Weibgeborenen, den Inkarnierten an. Zorn und Gericht über alle Bereiche des Bösen geht von diesem Mann aus:
"Und ich sah, wie der erwähnte Mann ein gezücktes Schwert mit drei Schneiden trug, das mit seinem Griff am hals des Mannes befestigt war und das wie zum Dreinschlagen hin und her geschwungen wurde. Und dieses Schwert sprach: Zorn des Zornes gegen den Norden (Bereich der Finsternis) trage ich in mir und gegen alles, was in ihm hauset. Wer könnte mich im Streit überwinden? Niemand!" 
(Eduard Gronau, Hildegard von Bingen, 317f) 
 
Marktbrunnen in Bingen, Litanei zur hl. Hildegard, 2025
 
Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Robert Bellarmin (hier an seinem Grab in Rom) 
 

 Dom St. Marien zu Aachen

Mittwoch, 16. September 2026

Ein goldener Kornelius

 

Korneliusstatue auf der Laterne der Korneliuskapelli, Kornelimünster

Kornelimünster

Von den beiden Zeitgenossen auf den Bischofsstühlen von Rom und Karthago wurde Kornelius nach der Verfolgung des Kaisers Decius (249–251) zum Bischof gewählt, vertrat eine milde Bußdisziplin und starb, unter Kaiser Gallus verbannt, nach der Überlieferung am 14. September 253.
Cyprian leitete die Kirche von Karthago in der Decischen Verfolgung aus seinem Zufluchtsort außerhalb der Stadt, geriet wegen seiner strengen Bußauffassung und seiner Einstellung zur Ketzertaufe, die er für ungültig hielt, mit Papst Stephan I. in Gegensatz und wurde in der Verfolgung des Kaisers Valerian am 14. September 258 enthauptet. Seine Briefe geben Einblick in das Leben der Christengemeinden des 3. Jahrhunderts. (erzabteibeuron)

Ewiger Gott, du hast deiner Kirche in den heiligen Bischöfen
Kornelius und Cyprian eifrige Hirten geschenkt
und ihnen die Kraft gegeben,
treu bis in den Tod ihren Glauben zu bekennen.
Höre auf ihre Fürsprache
und festige unseren Glauben,
damit wir bereit sind,
für die Einheit der Kirche zu beten und zu arbeiten.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.




Dienstag, 15. September 2026

MEMORIA DER SCHMERZEN MARIENS

 

Beweinung Christi, Raffaellino del Garbo, um 1500
 

Maria Mater Dolorosa, die schmerzensreiche Jungfrau und Gottesmutter Maria. Der Ursprung des Gedenktages entspringt der Mystik und der Marienminne des Spätmittelalters. Schon 1423 ist ein Fest zum Gedächtnis der Schmerzen Marias in der Erzdiözese Köln bekannt.
Von dieser Zeit an stellt die Kunst Maria als „Mater dolorosa“ dar: in der Gestalt der Pietà oder mit Schwertern in der Brust.
Durch die Serviten verbreitet sich die Verehrung von gezählten 7 Schmerzen Mariens ab dem 17. Jahrhundert. Als Schmerzen werden aufgezählt: die Beschneidung Jesu, die Flucht nach Ägypten, der Verlust im Tempel, die Begegnung auf dem Kreuzweg, die Kreuzigung, die Kreuzabnahme und die Grablegung.
Die Serviten begingen das Fest der „Mater dolorosa“ ab 1668 am Tag nach Kreuzerhöhung, am 15. September. Pius VII. ordnete 1814 das Gedächtnis für die ganze Kirche an, um damit für die glückliche Heimkehr aus seiner fünfjährigen Gefangenschaft durch Napoleon zu danken.
(Martyrologium Sancrucense)


Montag, 14. September 2026

Durch Dein Kreuz hast Du das Tor zum Himmel geöffnet - Tintoretto

 

Kreuzigung, Tintoretto, um 1550, Alte Pinakothek München
 
 

Laßt uns beten zu unserem Herrn Jesus Christus, der durch sein heiliges Kreuz die Welt erlöst hat:

R: Kyrie, eleison.


Du hast dich entäußert, du wurdest wie ein Sklave und uns Menschen gleich;
- gib, dass die Welt deine Liebe erkennt.


Du wurdest gehorsam bis zum Tod am Kreuz;
- hilf den Leidenden, ihr Geschick anzunehmen.


Gott hat dir den Namen verliehen, der alle Namen übertrifft;
- steh allen bei, die sich zu diesem Namen bekennen.


Vor dir beugen die Knie alle Mächte im Himmel, auf der Erde und unter der Erde;
- gib, dass alle Menschen dich anbeten.


Durch dein Kreuz hast du das Tor des Himmels geöffnet;
- nimm unsere verstorbenen Brüder und Schwestern auf.

Vater unser

Allmächtiger Gott, deinem Willen gehorsam, hat dein geliebter Sohn den Tod am Kreuz auf sich genommen, um alle Menschen zu erlösen. Gib, dass wir in der Torheit des Kreuzes deine Macht und Weisheit erkennen und in Ewigkeit teilhaben an der Frucht der Erlösung. Darum bitten wir durch Jesus Christus.





Auch meine Wunden - Rembrandt - Kreuzaufrichtung

 

Kreuzaufrichtung, Rembrandt, um 1633, Alte Pinakothek, München

Es leuchtet das heilige Kreuz;
an dem der Herr im Fleische hing 
und unsere Wunden wusch mit seinem Blut.

 

(2. Antiphon der Laudes)


Kreuzkapelle im Grazer Dom 

Steinrelief, Kathedrale von Como

Mosaik San Clemente, Rom 

Mose in der Wüste, Glasfenster, Saint Aignan, Chartres 

Musee beaux arts, Rennes

Kreuzerhöhung - in diesem Zeichen wirst du siegen (Baptisterium von S. Giovanni in Laterano)

Die Kreuzreliquie in S. Croce in Gerusalemme

Altarbild der Auffindung des Kreuzes durch Helena, Pfarrkirche zur hl. Notburga, Eben, Aachensee

Die Kreuzauffindungskapelle in der Grabeskirche 

Apsismosaik in S. Croce in Gerusalemme (Kreuzauffindung)


Mittwoch, 9. September 2026

Am Grab der seligen Maria Euthymia Üffing am Zentralfriedhof Münster

 


Euthymia Üffing, Ordensfrau. Emma Üffing wurde 1914 in Halverde in Norddeutschland geboren und trat mit 20 Jahren in den Orden der Clemensschwestern in Münster ein. Sie erhielt den Namen Euthymia und wurde zur Krankenschwester ausgebildet. In diesem Beruf arbeitete sie ab 1936 und pflegte während des Krieges Ansteckend-Kranke, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, was ihr den Beinamen „Engel der Liebe“ eintrug. Ab 1948 wirkte Schwester Euthymia wieder in Münster als Leiterin der Wäscherei des Mutterhauses, sie verbrachte viel Zeit im Gebet. Schwester Euthymia Üffing starb im Alter von 41 Jahren am 9. September 1955 an Krebs. Schon an ihrem offenen Sarg ereignete sich die wunderbare Heilung der verbrannten und zerquetschten Hand einer Mitschwester. Seither bezeugen 150.000 Briefe im Mutterhaus der Clemensschwestern die Fürsprache von Schwester Euthymia. Papst Johannes Paul II. sprach den „Engel der Liebe“ am 7. Oktober 2001 selig.
(Martyrologium Sancrucense)

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Petrus Claver. 

 

Grabkapelle der sel. Schwester Maria Euthymia Üffing, Zentralfriedhof Münster





Grab der Seligen Euthymia Üffing


Grabkapelle der sel. Maria Euthymia Üffing





»Hier in Münster habt Ihr die Wirkstätten und das Grab der Clemensschwester Maria Euthymia, zu der Scharen von Hilfe Suchenden pilgern. An den scheinbar verborgenen Orten ihres aufopfernden Dienstes hat diese einfache Ordensfrau stellvertretend für viele gezeigt, ein Leben aus dem Glauben und dem Evangelium hat weltverändernde Kraft. Aus der Kraft ihrer Christusnachfolge entstand in ihrer Nähe Heimat und Geborgenheit für kriegsgefangene Menschen, die ihr anvertraut waren. Liebe besiegt den Hass« (Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Münster am 01. Mai 1987).

Emma Üffing, so der bürgerliche Name von Schwester M. Euthymia, wurde am 08. April 1914 in Halverde, Kreis Steinfurt, geboren und am gleichen Tag in der Pfarrkirche zu Halverde getauft. Als Kind aus zweiter Ehe der Eltern August Üffing und Maria Schnitt wuchs Emma mit zehn Geschwistern in dörflicher Umgebung auf. Die tief-religiöse kinderreiche Familie und das kirchliche Leben prägten ihre Kindheit und Jugend. Eine Rachitiserkrankung verzögerte ihre körperliche Entwicklung. Sie blieb schwächlich. Dennoch beklagte sie sich niemals, empörte sich nicht, wenn ihr Unrecht widerfuhr, sondern nahm den Geschwistern unangenehme Arbeiten ab, wo immer sie konnte. Sie besuchte die Volksschule Halverde. Auch hier musste sie sich anstrengen. Durch Fleiß und Ausdauer erwarb sie sich das Zeugnis einer guten Schülerin, die fast immer den zweiten Platz in der Schule erreichte.

Am 27. April 1924 empfing Emma die erste hl. Kommunion und am 03. September des gleichen Jahres die Firmung aus der Hand von Bischof Johannes Poggenburg. Sie feierte täglich die hl. Messe mit, war ein frommes und stilles, aber frohes Kind, das durch die andächtige Haltung beim Gebet auffiel. Bereits mit 14 Jahren äußerte Emma den Wunsch, Ordensschwester zu werden.

Am 01. November 1931 begann sie ihre Berufsausbildung als Hauswirtschaftslehrling im nahegelegenen St. Anna-Hospital, Hopsten. Hier lernte sie die Barmherzigen Schwestern von Münster, Clemensschwestern, kennen. Die Oberin des Hauses, Schwester Euthymia Linnenkämper, schätzte Emma Üffings stets hilfsbereite und einsatzfreudige Art. Eine Mitschülerin bezeugt: »Keine Arbeit war Emma Üffing zu klein und zu gering. Von allen im Haus wurde sie geschätzt und geachtet. Nie sah man sie verstimmt oder verdrießlich. Darum war sie überall gern gesehen«. Am 08. Dezember 1932 starb Emmas Vater. Tage zuvor kam sie ins Elternhaus, um der Mutter bei der Pflege des schwerkranken Vaters zu helfen. Es war das erste Mal, dass Emma einem Kranken beistehen durfte und sie bei der Spendung der Krankensakramente dabei war; ein Dienst, den sie später noch so oft am Bett von sterbenden Menschen erfüllen sollte.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung am 01. Mai 1933 kehrte Emma ins Elternhaus zurück. Im Einverständnis mit der Mutter bat sie im März 1934 durch einen Brief an das Mutterhaus in Münster um Aufnahme in die Kongregation der Clemensschwestern. Emma, damals 20 Jahre alt, war aufgrund ihrer frühen Rachitiserkrankung von schwächlicher Konstitution, wie das ärztliche Gesundheitszeugnis bestätigt. Nach anfänglichem Zögern beschloss die Ordensleitung in Münster, ihrem Antrag zuzustimmen. Am 23. Juli 1934 trat Emma Üffing, als eine von 47 Postulantinnen, in die Kongregation der Clemensschwestern in Münster ein. Sie erhielt den Namen Euthymia, den sie sich in Erinnerung an die damalige Oberin Euthymia Linnenkämper in Hopsten so sehnlichst gewünscht hatte. Das Ziel ihrer großen Sehnsucht nach einem Leben für Gott und die Menschen erfüllte sich, als sie am 11. Oktober 1936 ihre zeitlichen Gelübde ablegte. Auf diesen Tag hatte sie sich in der Zeit des Postulates und Noviziates intensiv und gewissenhaft vorbereitet. Freudig teilt sie ihrer Mutter im Brief mit: »Ich habe ihn gefunden, den meine Seele liebt, ich will ihn festhalten und nicht mehr von mir lassen« (vgl. Hld. 3, 4).

Am 30. Oktober 1936 wurde Schwester M. Euthymia zum Vinzenz-Hospital nach Dinslaken versetzt. Nach kurzer Tätigkeit in der Frauenstation betreute sie die Kranken der Isolierstation, die, in einer Holzbaracke untergebracht, den Namen der heiligen Barbara trug. Mit der ihr eigenen Zähigkeit und Gründlichkeit bereitete sie sich für die Krankenpflege auf theoretische und praktische Prüfungen vor. Am 03. September 1939 erhielt sie das Diplom einer Krankenschwester mit der Note »sehr gut«. Ein Jahr später, am 15. September 1940, bindet Schwester M. Euthymia sich endgültig an Gott und die Gemeinschaft in ihrer Ewigen Profess.

Die Not in der Zeit des Krieges erschwerte die Arbeit in der Krankenpflege. 1943 wurde Schwester M. Euthymia die Pflege der kranken Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter anvertraut, insbesondere Engländer, Franzosen, Russen, Polen, Ukrainer. Sie widmete sich der Betreuung mit unermüdlicher Sorge und Herzlichkeit. Der französische Priester Emile Eche, der selbst als Kriegsgefangener mehrere Jahre im Krankenhaus in Dinslaken lebte, stellt ihr ein hervorragendes Zeugnis aus: Im Umgang mit den Kranken war sie von einer herzlichen Liebe und Freundlichkeit, nichts wurde ihr zuviel. Sie wusste, dass die kranken Gefangenen nicht nur körperlich viele Leiden zu ertragen hatten. Durch ihre menschliche Zuneigung und Nähe vermittelte sie ihnen das Gefühl der Geborgenheit und Heimat. Sie betete mit den Kranken und sorgte, dass sie die heiligen Sakramente empfangen konnten.
Man nannte Schwester M. Euthymia schon bald den »Engel von St. Barbara«.
Viele Menschen in ihrer Umgebung sahen in den kranken Kriegsgefangenen den Gegner und Feind. Für Schwester M. Euthymia waren es Menschen, die ihre Hilfe brauchten. Als sie bemerkte, dass Kriegsgefangene, vom Hunger getrieben, sogar in den Mülltonnen wühlten, bettelte sie um Brot, bereitete Butterbrote und legte sie in die zuvor gesäuberten Mülltonnen, damit die Hungrigen sie finden konnten. 

Sie tat das Gute, auch unter Androhung von Strafe. »Schwester M. Euthymias Leben war ein Gesang der Hoffnung mitten im Krieg«, sagt Emile Eche.
Nach Beendigung des Krieges wurde Schwester M. Euthymia, die so leidenschaftlich in der Krankenpflege tätig gewesen war, die Leitung der Wäscherei in Dinslaken anvertraut und drei Jahre später der groen Wäscherei des Mutterhauses und der Raphaelsklinik in Münster. Obwohl sie den Dienst an den Kranken so liebte, folgte sie diesem Ruf wie selbstverständlich. »Es ist ja alles für den großen Gott«, war ihre Reaktion.

Trotz der Überfülle ungeheuer anstrengender Arbeit blieb sie die freundliche und immer hilfsbereite Ordensfrau, die für jeden ein freundliches Lächeln und ein gutes Wort hatte und allen, die sie in irgendeiner Angelegenheit um Hilfe baten, auch zur Seite stand. Sie lebte das Alltägliche auf ganz außerordentliche Weise. Alle freie Zeit, die oft nur knapp bemessen war, verbrachte sie betend vor dem Tabernakel. Viele, die sie kannten, baten sie schon damals um ihr fürbittendes Gebet.
Eine schwere Krebserkrankung führte nach wochenlangem Krankenlager zum frühen Tod von Schwester M. Euthymia. Sie starb am Morgen des 09. September 1955. Sofort begann die Verehrung; Menschen - inzwischen weit über Deutschland hinaus - erbitten ihre Fürsprache bei Gott und erfahren Hilfe.
(vaticanva)

Freitag, 4. September 2026

Heiliger Suitbert, wo ist dein Schrein?

 

Hl. Suitbert, St. Suitbertus, Düsseldorf Kaiserswerth

Suitbert, angelsächsischer Glaubensbote und Bischof. Suitbert war Angelsachse und wurde 690 zusammen mit Willibrord nach Friesland geschickt, das eben erst von Pippin dem Mittleren erobert worden war.
Um 692 wurde Suitbert während der Romreise Willibrords von Wilfrid von York zum Bischof geweiht. Danach begann er die Mission bei den Brukterern im Gebiet zwischen Lippe und Ruhr. Anfängliche Erfolge wurden durch Einfälle der Sachsen vernichtet. Als die einfallenden Sachsen seine Anlagen zerstörten, verlegte er seine Tätigkeit auf fränkisches Gebiet.
710 gründete Suitbert zusammen mit seiner Ehefrau Plektrudis auf der Rheininsel das Kloster Kaiserswerth. Hier starb er am 1. März 713. Am 4. September 803 erfolgte die Heiligsprechung Suitberts. Die Gebeine Suitberts ruhen in einem kostbaren Schrein in der heutigen Pfarrkirche von Kaiserswerth. 

Heute feiert die Kirche folgende Heilige:

Cutberth von Lindisfarne

Ida von Herzfeld

Rosa von Viterbo

Rosalia von Palermo 


Suitbertschrein in Restauration

Ida von Herzfeld, die erste Heilige in Westfalen

 

Wallfahrtskirche St. Ida, Herzfeld


Stifterin, Wohltäterin
Namensdeutung: die Seherin (althochdeutsch)
Namenstage: Ida, Itha, Lida, Aida
Gedenktag: 4. September

Lebensdaten: geboren um 770 in Franken, gestorben am 4. September 825 in Herzfeld

Lebensgeschichte und Legende: Ida war die Nichte oder Großnichte Karls des Großen und wurde mit dem fränkischen Edlen Ekbert vermählt, den Karl der Große als Herzog in Sachsen einsetzte. Im Jahre 786, als sie auf ihrem Weg zu seinen Gütern die Lippe bei Hirutveldun (altsächsisch Hirschfelder, heute Herzfeld) überquerten und dort rasteten, vernahm Ida im Traum den Auftrag, genau dort eine Kirche zu errichten. In Gesellschaft eines Hirschen – einem Sinnbild für die 32 Jahre lang von den Franken bedrängten Sachsen –, der ihr nicht von der Seite wich, erbaute sie darauf die erste Kirche Westfalens.

Als Ekbert 811 starb, wurde er neben dieser Kirche unter einer Vorhalle bestattet, die Ida als Wohnung bezog. Sie widmete sich dem Gebet und soll zweimal am Tag aus dem Steinsarg ihres Mannes Gaben an die Armen ausgeteilt haben. Als sie 825 starb und selber in der Vorhalle ihr Grab fand, wurde sie zur ersten Heiligen Westfalens und der Gang zur „Mutter der Armen“ zur ersten Wallfahrt des Landes.

Verehrung und Brauchtum: 980 wurden Idas Gebeine zur Bestätigung ihrer Heiligkeit erhoben und in der Grabkrypta der heutigen Wallfahrtsbasilika St. Ida in Herzfeld zur Ruhe gebettet. Bis heute wird ihrer jedes Jahr im September mit einer „Idawoche“ gedacht, einem Volksfest rund um die feierliche Prozession ihres kostbaren Reliquienschreins durch den Ort („Große Identracht“).
(bistumaugsburg) 

Grabkrypta mit dem Schrein der hl. Ida

das Kreuz bezeichnet das ursprünglich Grab der hl. Ida
 
Von 1975 bis 1976 wurde bei Grabungen das Fundament der Westmauer des ehemaligen Portikus ergraben, den Ida über dem Grab von Egbert bauen ließ. Nach seinem Tod führte sie hier ein Leben nach der Regel des Hl. Benedikt. Der steinerne Sarg, aus dem sie Gaben an Bedürftige austeilte, stand ebenfalls hier. Das Grab des Egbert wurde bei dem Abriss der alten Kirche zerstört. Ein liegendes Kreuz aus Mooreiche bezeichnete die Stelle, an der Ida von 825 bis 980 begraben war. Das Grab lag an der südlichen Chormauer.

 

Der Name Idenrast ist das Schlüsselwort der Ida-Tradition, er bezieht sich auf die Rast Idas und ihres Mannes in Herzfeld, während einer Reise von Ripuarien nach Westfalen. Bei dieser Reise soll Ida im Traum ein Engel erschienen sein, der ihr den Auftrag gab, eine Kirche bauen zu lassen.

Die sogenannte Idenrast ist über dem Treppenabgang zur Grabstätte aufgestellt. Sie ist eine kunstvoll geschnitzte, liegende Ida-Figur. Über ihrem Kopf ist das karolingische Wappen mit Krone und Schriftband S. IDA PIPINI SANGUINE CLARA (Die Hl. Ida, berühmt durch ihre Verwandtschaft mit Pipin) angebracht. So wird auf ihre königliche Abstammung hingewiesen. Das Kirchenmodell in der rechten Hand versinnbildlicht die Gründung der Kirche. Der Hirsch zu Füßen der Ida soll wohl an den altsächsischen Namen von Herzfeld, Hirutveldun erinnern. Lange Zeit stand die Idenrast auf einem kastenförmigen Unterbau, zur Aufnahme des Sarkophags. Durch ein Türchen an der Rückseite konnte der Sarg berührt werden. (wikipedia)

Liegefigur, sog. Idenrast, beim Abgang zur Krypta

St. Ida, Herzfeld