Posts mit dem Label Pavia werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pavia werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 21. April 2019

Sonntag, 9. Dezember 2018

Syrus von Pavia

Glasschrein des hl. Syrus, Kathedrale von Pavia


Syrus von Pavia war der erste Bischof der Stadt Pavia in Oberitalien, der in der Mitte des 4. Jh. in Pavia gewirkt hat. Seine Gebeine ruhen seit dem 9. Jahrhundert in einem Glasschrein in der östlichen Seitenkapelle der Kathedrale von Pavia.
Aus dem Spätmittelalter stammt die Überlieferung, dass es sich bei Syrus um den Knaben handelt, der Jesus bei der Speisung der 5000 die fünf Brote und die zwei Fische gegeben hat. (Joh 6,9). Demnach kam er im 1. Jahrhunder nach Pavia und wurde dort der erste Bischof.




Der Knabe Syrus bringt Jesus die fünf Brote und die zwei Fische, Relief am Altar des hl. Syrus, Dom von Pavia


Relief der Brotvermehrung, Dom von Pavia


Dienstag, 11. Oktober 2016

Auflösung: Am Grab des hl. Bischofs Alexander Sauli




Alexander Sauli Ordensgeneral, Bischof CRSP, war einer der berühmtesten Prediger der Städte Mailand und Pavia im 16. Jh. Alexander Sauli war Sohn einer lombardischen Adelsfamilie. Im Alter von erst 17 Jahren war Sauli 1551 dem neugegründeten Orden der Barnabiten (Paulaner) beigetreten und hatte fünf Jahre später die Priesterweihe empfangen. Als Sauli 23 Jahre alt war, begann seine faszinierende Karriere als Theologieprofessor und Prediger in Pavia. Seine Erfolge hier wie auch in seiner Heimatstadt Mailand waren überwältigend. Die Menschen strömten zu seinen Vorlesungen und zu seinen Predigten und waren begeistert von dem Charisma, das den jugendlichen Priester und Professor umgab.
Auch der noch junge Paulanerorden erkannte die Fähigkeiten seines Mitglieds: Im Jahr 1567 wurde der 33jährige Alexander Sauli zum Ordensgeneral ernannt. Nur zwei Jahre später ernannte Papst Pius V. Alexander Sauli zum Bischof der Diözese Aleria auf Korsika. Sein Freund Karl Borromäus, seit 1563 Erzbischof von Mailand und früher sein Schüler, erteilte Sauli die Weihe. In den zwei Jahrzehnten seines Wirkens auf der Mittelmeer-Insel leistete Sauli fast Übermenschliches. Unter großen Entbehrungen und mit einem Einsatz ohnegleichen stellte er die völlig heruntergekommene Diözese wieder her und machte sie zu einem Vorbild für viele andere Bischöfe. Auf der Insel hatte Sauli schon bald den Namen „Schutzengel und Apostel Korsikas“.
Nachdem er zuvor die Bischofswürde von Genua und Tortona abgelehnt hatte, verpflichtete Papst Gregor XIV. Alexander Sauli 1591 zur Übernahme des Bistums Pavia. Doch bereits zwei Jahre später starb der große Kirchenmann während einer Visitationsreise in Calosso d’Asti. Papst Pius X. sprach Sauli am 11. Dezember 1904 heilig.
Die Grabstätte von Alexander Sauli befindet sich im Dom zu Pavia in einer ihm geweihten Kapelle. Der Leichnam des Bischofs ruht im vollständigen Bischofsgewand in einem reichverzierten Barock-Glasschrein.
(Quelle: Schauber/Schindler, Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf, Pattloch Verlag)





Die prächtige Kanzel zeigt Szenen aus dem Leben des hl. Alexander Sauli, Dom von Pavia




Verherrlichung des Bischofs Alexander Sauli


Alexander Sauli starb am 23. April 1592 und wurde von Papst Benedikt XIV. 1742 seliggesprochen

Grab des hl. Alexander Sauli im Bischofsornat






Dom von Pavia- duomo di Pavia,
dem Märtyrer Stefanus und Aufnahme Mariä geweiht


Rätsel: welche/r Tagesheilige liegt unter der drittgrößten Kuppel Italiens begraben?




Freitag, 28. August 2015

Am Grab des hl. Augustinus (2)




Augustinus von Hippo, Bischof und Kirchenlehrer. Aurelius Augustinus wurde am 13. November 354 zu Tagaste in Numidien, das ist das heutige Souk-Ahras in Algerien, als Sohn des Heiden Patricius und der frommen Christin Monika geboren. Seine Mutter erzog ihn in christlichem Sinn, dennoch empfing Augustinus die Taufe nicht. Ja, seine Jugendjahre entfremdeten ihn dem katholischen Glauben, wenngleich er immer ein suchender Mensch blieb, der sich einmal vom Manichäismus, dann wieder vom Skeptizismus der Akademiker angezogen fühlte. Dem Einfluss seiner Mutter entzog er sich mit List und verließ heimlich Nordafrika, um als Professor für Rhetorik nach Mailand zu gehen. Dort lernte er im Kreise junger Intellektueller durch die Predigten des hl. Ambrosius das Christentum kennen und verstehen. Es folgte ein langes Ringen mit seiner moralischen Schwäche, bis Augustinus aufgrund eines außerordentlichen Erlebnisses die Entscheidung zur Taufe wagte.
In der Osternacht des Jahres 387 empfing er durch Ambrosius die Taufe. 388 kehrte er nach Tagaste zurück, wo er in klösterlicher Weise lebte. Augustinus hatte sich bei der Lektüre der Lebens-beschreibung des hl. Antonius für das klösterliche Leben begeistert. 391 wurde Augustinus in Hippo Regius zum Priester, 395 zum Bischof geweiht. In den verbleibenden 35 Jahren seines Lebens entfaltete Augustinus eine ungeheure Schaffenskraft, leitete umsichtig die Kirche, sorgte für den Klerus, war unermüdlicher Prediger und auf vielen Synoden Anwalt der wahren Lehre. Für die Frauenklöster seiner Stadt verfasste er eine eigene Regel, auf die sich viele Orden berufen. Seine zahlreichen Schriften und Predigten verbreiteten sich überall und machten ihn zum geistigen Führer der abendländischen Kirche, dessen Einfluss vor allem im ersten Jahrtausend unabschätzbar war. Unter anderem verfasste Augustinus das erste systematische Werk über die Dreifaltigkeit und schrieb eine Autobiographie, die sogenannten „Confessiones“. Augustin starb während der Belagerung Hippos durch den Vandalenkönig Geiserich am 28. August 430. Seit dem 8. Jahrhundert befinden sich seine Reliquien zu Pavia. Augustinus wird in bischöflichen Gewändern mit einem flammenden Herzen in der Hand dargestellt. Unter den vier großen lateinischen Kirchenlehrern ist Augustinus ohne Zweifel der bedeutendste.
(Martyrologium Sancrucense)

Am Grab des hl. Augustinus (2013) 







mosaikartig aussehende Fresken, Christus auf dem Herrscherthron, rechts Petrus, links Augustinus mit seiner Mutter Monika



Es gehört zu den Verkehrtheiten unserer Zeit, den Weg höher zu schätzen als das Ziel, und das Suchen höher als das Finden. Im Sinn des oberflächlich Interessanten mag diese Wertung richtig sein; im entscheidenden Sinn der Wahrheit ist sie falsch.
Augustinus, der größte aller Suchenden - und Findenden, wäre der letzte, der einem beruhigten Besitz ohne Frage das Wort reden würde. Für ihn ist Gott nicht nur hienieden, sondern in Ewigkeit der immer neu - im Gefundenhaben - zu Suchende. "Daß man ihn suche, um ihn zu finden, ist er verborgen; daß man ihn suche, da man ihn fand, unermeßlich" (In Joh 63,1). Aber das Finden, von dem hier die Rede ist, bleibt dennoch ein echtes Finden, ja ein immer tieferes, immer unerschütterlicheres, immer verantwortungsvolleres Finden. Das Suchen ohne Finden ist der Vorhof, den die "Confessiones" als den Strauchelweg bis zur Konversion beschreiben. Der Eintritt in die Kirche ist der erste, selige Wendepunkt dieser dramatischen Existenz.
Aber noch ein zweiter, weniger deutlich abgrenzbarer Weg bleibt zu durchschreiten: von einer bloßen "Anerkennung" der katholischen Kirche zu vollen Existenz aus der Kirche selbst.
(H. U. v. Balthasar, Vorwort, Augustinus, Antlitz der Kirche)

Augustinus mit seiner Mutter Monika

 "Suchet den Herrn, und eure Seele wird leben" (Ps 68,33).
Suchen wir den Zu-findenden, suchen wir den Gefundnen! Um als Zu-findender gesucht zu werden, ist er verborgen; um als Gefundner gesucht zu werden, unermeßlich.
Darum heißt es: "Suchet mein Antlitz immerdar" (Ps 104,4). Denn er stillt den Sucher, soweit er´s zu fassen vermag; und weitet den Finder, damit er von neuem zu fassen suche, wo er mehr zu fassen begann. Nicht also heißt es: "Suchet sein Antlitz immerdar", wie von einigen: "immerdar lernend, aber nie zu Erkenntnis der Wahrheit gelangend" (2 Tim 3,79), sondern eher im Sinn jenes Wortes: "Wenn der Mensch am Ende ist, dann fängt er erst an" (Pred 18,6).
(Augustinus, Antlitz der Kirche, 352)

S. Pietro in Ciel d`Oro, Pavia

"Weide meine Schafe" (Joh 21,15-17). Welche Schafe? Die ich mit meinem Blute erkaufte. Ich bin gestorben für sie. Liebst du mich? So stirb für sie. (..) Was Petrus empfohlen wurde, was Petrus befohlen wurde, das galt nicht nur ihm allein. Auch die anderen Apostel hörten es, hielten es, befolgten es, vor allem jener Mitgefährte des Leidens und Todestages, der Apostel Paulus; sie haben es gehört, sie haben es uns überliefert, daß auch wir es hören. Wir weiden euch, wir werden zusammen mit euch geweidet: gebe der Herr uns die Kraft, euch so zu lieben, daß wir auch sterben können für euch, sei es in Tat und Wahrheit, sei es in Gesinnung und Wahrheit. Denn obschon der Apostel Johannes nicht Martyrer wurde, war doch seine Seele für das Martyrium bereit. Er litt nicht, aber er konnte leiden, Gott wußte um seine Bereitschaft.
(Augustinus, Antlitz der Kirche, 238)

Mittwoch, 28. August 2013

Papst Benedikt XVI. über die Bekehrung des hl. Augustinus

aus dem aufliegenden flyer


Augustinus hat in seinem Buch Confessiones auf bewegende Weise den Weg seiner Bekehrung geschildert, der mit der Taufe durch Bischof Ambrosius im Dom zu Mailand an sein Ziel gekommen war. Wer die Confessiones liest, kann den Weg mitvollziehen, den Augustinus in einem langen Ringen gehen mußte, um schließlich in der Osternacht 387 am Taufbrunnen die große Wende seines Lebens zu empfangen. Wenn man das Leben des hl. Augustinus aufmerksam verfolgt, kann man sehen, daß Bekehrung nicht ein punktuelles Ereignis, sondern eben ein Weg war. Und man kann sehen, daß dieser Weg am Taufbrunnen nicht zu Ende gewesen ist. Wie das Leben Augustins vor der Taufe, so ist es auf andere Weise auch danach ein Weg der Bekehrung geblieben – bis in die Todeskrankheit hinein, in der er die Buß-Psalmen auf der Wand anbringen ließ, um sie immer vor Augen zu haben; sich selbst von der Kommunion ausschloß, um noch einmal den Weg der Buße zu gehen und das Heil als Geschenk der Erbarmungen Gottes aus den Händen Christi zu empfangen. So dürfen wir zu Recht von den »Bekehrungen« Augustins sprechen, die eine einzige große Bekehrung im Suchen nach dem Angesicht Christi und dann im Mitgehen mit ihm gewesen sind.

Ich möchte kurz von drei großen Einschnitten dieses Bekehrungsweges, von drei »Bekehrungen« sprechen. Die erste grundlegende Bekehrung war der Weg zur Christwerdung, zum Ja des Glaubens und der Taufe. Was war das Wesentliche dieses Weges? Augustinus war zum einen ein Mensch seiner Zeit, ganz von ihren Gewohnheiten und Leidenschaften, von allen Fragen und Problemen eines jungen Mannes gezeichnet. Er hat gelebt wie alle anderen auch, und doch war da etwas anders: Er ist immer ein Suchender geblieben. Er war nie einfach zufrieden mit dem Leben, wie es nun einmal ist und wie alle anderen es auch leben. Er war immer von der Frage nach der Wahrheit getrieben. Er wollte die Wahrheit finden. Herausbringen, was der Mensch ist; woher die Welt kommt; woher wir selber kommen, wohin wir gehen und wie wir das wirkliche Leben finden. Er wollte das rechte Leben finden, nicht einfach dahinleben. Die Leidenschaft für die Wahrheit ist das eigentliche Stichwort seines Lebens; die Leidenschaft für die Wahrheit hat ihn wirklich geleitet. Und da ist noch etwas Besonderes. Alles, was den Namen Christi nicht trug, reichte ihm nicht aus. Die Liebe zu diesem Namen, so sagt er uns, hatte er mit der Muttermilch getrunken (vgl. Conf. 3,4,8). Und immer glaubte er, einmal schwächer, einmal stärker, daß es Gott gibt und daß er sich unser annimmt (vgl. Conf. 6,5,8). Aber diesen Gott wirklich zu erkennen und diesen Jesus Christus wirklich kennenzulernen und mit allen Konsequenzen zu ihm ja zu sagen, das war das große Ringen seiner frühen Jahre. Er schildert uns, wie er durch die platonische Philosophie erlernt und erkannt hatte, daß am Anfang das Wort war – der Logos, der schöpferische Sinn. Aber die Philosophie, die ihn erkennen ließ, daß der Ursprung von allem der schöpferische Sinn ist, diese Philosophie zeigte ihm keinen Weg dahin; dieser Logos blieb fern und unberührbar. Erst im Glauben der Kirche fand er dann die zweite wesentliche Wahrheit: Das Wort – der Logos – ist Fleisch geworden. Und so rührt es uns an, rühren wir es an. Der Demut der Menschwerdung Gottes muß – das ist der große Schritt – die Demut unseres Glaubens antworten, der den geistigen Hochmut des Besserwissens ablegt und sich in die Gemeinschaft des Leibes Christi hineinbeugt; mit der Kirche lebt und so erst wirklich in konkrete, ja, leibliche Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott kommt. Ich brauche nicht zu sagen, wie sehr dies alles uns angeht: Suchende bleiben, sich nicht zufrieden geben mit dem, was alle sagen und tun. Den Blick auf den ewigen Gott und auf Jesus Christus nicht verlieren. Die Demut des Glaubens in der leibhaftigen Kirche Jesu Christi, des fleischgewordenen Logos, erlernen.



Seine zweite Bekehrung schildert uns der hl. Augustinus am Ende des zehnten Buches seiner Bekenntnisse mit den Worten: »Niedergedrückt von meinen Sünden und der Last meiner Armseligkeit habe ich die Flucht in die Einsamkeit versucht. Aber du hast mich gehindert, mir Kraft gegeben und mir gesagt: ›Deshalb ist Christus für alle gestorben, damit diejenigen, die leben, nicht mehr für sich selber leben, sondern für den, der für alle gestorben ist‹« (2 Kor 5,15; Conf. 10,43,70). Was ist da geschehen? Nach seiner Taufe hatte Augustinus sich entschlossen, nach Afrika zurückzukehren und dort mit seinen Freunden ein kleines Kloster gegründet. Sein Leben sollte nun ganz dem Gespräch mit Gott und dem gemeinsamen Bedenken und Beschauen der Schönheit und der Wahrheit seines Wortes gelten. So verbrachte er drei glückliche Jahre, in denen er sich am Ziel des Lebens angekommen glaubte; eine Reihe kostbarer theologisch-philosophischer Werke ist in dieser Zeit entstanden. Im Jahr 391 – vier Jahre nach der Taufe – besuchte er in der Hafenstadt Hippo einen Freund, den er für sein Kloster gewinnen wollte. Im Sonntagsgottesdienst, den er in der Kathedrale besuchte, wurde er erkannt. Der Bischof der Stadt, ein Grieche, der nur schlecht Latein sprach und mit dem Predigen Mühe hatte, redete in seiner Homilie nicht zufällig davon, daß er die Absicht habe, einen Priester wählen zu lassen, dem er auch das Predigtamt anvertrauen wolle. Unverzüglich packten die Leute Augustinus und führten ihn mit Gewalt nach vorn, damit er zum Priester in der Stadt geweiht werde. Unmittelbar nach seiner so erzwungenen Weihe schrieb Augustinus an Bischof Valerius: »… Ich fühle mich wie jemand, der nicht rudern kann und doch zum zweiten Steuermann ernannt worden ist. Das war auch der Grund, weshalb ich im stillen bei meiner Weihe geweint habe« (vgl. Ep. 21,1f.). Der schöne Traum des beschaulichen Lebens war zerrissen, das Leben Augustins von Grund auf geändert. Nun konnte er sich nicht mehr allein der Meditation in der Einsamkeit widmen. Nun mußte er mit Christus für alle leben. Seine hohen Gedanken und Erkenntnisse mußte er in das Denken und Sprechen der einfachen Menschen seiner Stadt übersetzen. Das große philosophische Lebenswerk, von dem er geträumt hatte, blieb ungeschrieben. Stattdessen wurde uns geschenkt, was mehr ist: das Evangelium übersetzt in die Sprache des täglichen Lebens und seiner Leiden. Was nun sein Alltagsleben war, hat er so beschrieben: »Unruhestifter zurechtweisen, Kleingläubige trösten, sich der Schwachen annehmen, Gegner widerlegen…, Träge wachrütteln, Streitende besänftigen, Armen helfen, Unterdrückte befreien, Gute ermutigen, Böse ertragen und – ach – alle lieben« (Serm. 340,3). »Immer wieder predigen, disputieren, ermahnen, erbauen, für jeden bereitstehen. Das ist eine große Last, ein schwerer Druck, ein mühseliges Werk« (Serm. 339,4). Dies war die zweite und immer neu zu erringende Bekehrung dieses ringenden und leidenden Menschen: Immer neu für alle da sein und nicht für die eigene Vollkommenheit, immer neu mit Christus sein Leben weggeben, damit andere Ihn, das wahre Leben finden konnten.






Es gibt noch eine dritte Markierung auf dem Bekehrungsweg des hl. Augustinus. Nach seiner Priesterweihe hatte er sich Urlaub erbeten, um die heiligen Schriften gründlicher studieren zu können. Seine erste Predigtreihe nach dieser Besinnungspause handelte von der Bergpredigt, in der er den neu von Christus gezeigten Weg des rechten Lebens, »des vollkommenen Lebens« auslegte – als die Wanderung auf dem heiligen Berg von Gottes Wort. In diesen Predigten ist noch der ganze Enthusiasmus des neu gefundenen und gelebten Glaubens zu spüren: die feste Überzeugung, daß der Getaufte, der ganz der Botschaft Christi gemäß lebe, eben »vollkommen« im Sinne der Bergpredigt sein könne. Ungefähr 20 Jahre später hat Augustinus ein Buch unter dem Titel Retractationes geschrieben, in dem er seine bisherigen Werke kritisch sichtete und da Verbesserungen vornahm, wo er inzwischen Neues gelernt hatte. Da bemerkt er zum Vollkommenheitsideal seiner Predigten über die Bergpredigt: Inzwischen habe ich erkannt, daß nur einer wirklich vollkommen ist und daß nur in einem die Worte der Bergpredigt ganz erfüllt sind: in Jesus Christus selbst. Die ganze Kirche aber – wir alle, die Apostel eingeschlossen – müssen jeden Tag beten: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern (vgl. Retr. I,19,1–3). Augustinus hatte eine letzte Demut gelernt – nicht nur die Demut, sein großes Denken dem einfachen Glauben der Kirche einzufügen, nicht nur die Demut, seine großen Einsichten in die Einfachheit der Verkündigung zu übersetzen, sondern auch die Demut anzuerkennen, daß er und die ganze pilgernde Kirche immerfort der barmherzigen und täglich vergebenden Güte Gottes bedürfen und daß wir dann Christus, dem einzig Vollkommenen, am meisten ähnlich werden, wenn wir wie er zu Menschen der Barmherzigkeit werden.

In dieser Stunde danken wir Gott für das große Licht, das von der Weisheit und der Demut des hl. Augustinus ausgeht, und wir bitten den Herrn darum, daß er uns allen Tag um Tag die nötige Bekehrung schenke und uns so zum wahren Leben führen möge. Amen.


(aus der Ansprache von Papst Benedikt XVI. in Pavia, 22. April 2007)

Am Grab des hl. Augustinus in Pavia

Augustinus, 354 in Tagaste in Afrika geboren, wurde von seiner Mutter Monika im christlichen Glauben erzogen. Als Student entfernte er sich vom Glauben und verfiel der Irrlehre der Manichäer. Er war Lehrer der Rhetorik in Mailand. Durch die Predigten des hl. Ambrosius wurde er zum Glauben bekehrt und empfing mit 33 Jahren die Taufe.
Augustinus kehrte 388 nach Afrika zurück und errichtete in Tagaste ein Kloster. 391 empfing er durch Bischof Valerius von Hippo die Priesterweihe. Von Valerius erhielt Augustinus 395 auch die Bischofsweihe und wurde später sein Nachfolger als Bischof in Hippo. Er starb am 28. August in Hippo.
(Proprium des Predigerordens, 539f)

S. Pietro in Ciel d´Oro, Pavia

Die Basilika S. Pietro in Ciel d´Oro (Hl. Petrus im goldenen Himmel) hat ihren Namen von der Vorgängerkirche, die ein goldenes Dach hatte. Dieser 604 erstmals erwähnte Kirchenbau wurde an der Stelle errichtet, an der Severinus Boethius hingerichtet worden war. Die Gebeine des Gelehrten befinden sich in der Krypta unter dem Altar.

Grab des Märtyrers Severinus Boethius, S. Pietro in Ciel d´Oro, Pavia

Im Jahre 720 bzw. 725 überführte König Liutprand die sterblichen Überreste des hl. Augustinus von Sardinien nach Pavia. 1132 weihte Papst Innozenz II. die neu erbaute Kirche, die alte war von den Awaren 924 zerstört worden.

dreischiffige Basilika S. Pietro in Ciel d`Oro

aus dem aufliegenden flyer

Der Marmorsarkophag mit 95 Statuen und 50 Reliefs stammt aus dem 13./14. (?) Jahrhundert. Die Szenen beschreiben das Leben des hl. Augustinus.


vordere Seite des Sarkophags

Predigt des Ambrosius, Augustinus als Zuhörer

links: Augustinus im Gespräch mit Simplicianus, rechts: Bekehrung des Augustinus,
eine (Engels?)Stimme sagt mehrmals: Nimm und lies! Nimm und lies!

Die Bekehrung des Augustinus in seinen Bekenntnissen: "Sofort veränderte sich mein Antlitz und ich begann gespannt nachzudenken, ob Kinder in irgendeinem Spiel derartiges zu leiern pflegen, aber ich erinnerte mich nicht, je solches gehört zu haben. So hielt ich den Strom meiner Tränen zurück und erhob mich; denn ich konnte es nicht anders deuten, als daß mir von Gott befohlen werde, ein Buch zu öffnen und dort das erste Kapitel zu lesen, das ich finden würde". So kehrte er eilends zu Alypius zurück, wo er die Briefe des Apostels liegengelassen hatte. Er greift danach und liest Röm 13,13f.: "Nicht in Gelagen und Zechereien, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Hader und Eifersucht, ziehet vielmehr den Herrn Jesus Christus an und pflegt nicht das Fleisch zur Erregung eurer Lüste". Weiter wollte er nicht lesen, denn Licht erfüllte sein Herz, und alle Finsternis war wie zerstoben". (Bekenntnisse 8,28-30)

Ambrosius tauft Augustinus und legt ihm das weiße Taufkleid an
hinter Augustinus Monika, links Simplicianus

sterbliche Überreste des hl. Augustinus, Pavia

Apsismosaik, Monika und Augustinus, Christus als Weltenherrscher, Petrus

 

Votivlampen der augustinischen Provinzen im Presbyterium
Augustinus: Du hast uns zu Dir hin geschaffen, und ruhelos ist unser Herz solange,
bis es ausruhen kann in Dir. (Bekenntnisse I,1)

Großer Vater Augustinus,
sei du unsern Bitten nah,
öffne uns für jene Liebe,
die durch Gott an dir geschah;
guter Hirte deiner Kirche,
bleib als Bischof für uns da.

Als den großen Freund der Kleinen
loben dich die Armen jetzt
und als Kämpfer für die Wahrheit,
wo Gerechtigkeit verletzt,
der als Prediger des Wortes
gutes Brot uns vorgesetzt.

Was uns dunkel mochte scheinen,
rückst du uns ins helle Licht,
der als Bischof und als Lehrer
uns das Brot des Wortes bricht,
der den Quell des Lebens findet 
in der Psalmen Lobgedicht.

Priestern, die vereinzelt lebten,
gabst du Regel, Haus und Ziel,
daß die Saat, die Gott gesät hat,
auf breiten Boden fiel
und die Hirten mit einstimmten
in der Heilgen Lied und Spiel.

Gott, der Vater, sei gepriesen,
ihm sei Preis und Herrlichkeit,
Lobgesang und Ruhm und Ehre
dem Dreieinen allezeit;
der uns führt ins Reich des Friedens
nach des Lebens Kampf und Streit. Amen.

(Hymnus der Lesehore, Proprium d. Predigerordens)

tolle et lege, nimm und lies


Zeitschrift 30Giorno über das Grab des hl. Augustinus