![]() |
| Erweiterung der Predella mit Seitenflügel links Walburga, rechts Thekla |
Am Grab der hl. Lioba in St. Peter bei Fulda
Statue der hl. Lioba in St. Peter bei Fulda
Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Wenzel von Böhmen,
Statue auf der Karlsbrücke in Prag
des hl. Bischofs Exuperius von Toulouse
der hl. Chuniald und Gislar
und in ÖSTERREICH des hl. Thiemo von Salzburg und des Bischofs Konrad II. von Salzburg.
![]() |
| Bonifatius mit dem Stadtwappen von Tauberbischofsheim |
![]() |
| Reliquienschrein mit rechtem Schulterblatt und Unterkiefer der hl. Lioba Lioba mit weiteren Nonnen lehrend, tröstend, helfend |
![]() |
| Lioba-Altar, St. Martin, Tauberbischofsheim |
Unser Lioba-Altar
ist besonderer Beachtung wert.
1. Seitenkapelle
könnte man den Raum, "das gotische Spitzchörlein" nennen, in dem der St. Liobaaltar steht. Helles Licht flutet durch fünf Fenster herein. (nicht wie ich dort war)
4 Frauengestalten stellen sich in den beiden farbenfrohen Seitenfenstern als Gefolgschaft und Geistesverwandte der hl. Lioba (710-782) vor: St. Elisabeth mit Blumen in ihrem Schoß, St. Walburga mit dem Oelflöschchen auf dem Buche, St. Agatha mit der Palme in der rechten Hand und dem Löwenkopf zu ihren Füßen und St. Thekla, die Aebtissin mit Stab und Regelbuchrolle.
Ein breiter Spitzbogen (Gurtbogen) grenzt das Chörlein gegen das rechte Seitenschiff der Kirche ab. vier Stufen heben die ganze Seitenkapelle nahezu 1 Meter über die sonstige Bodenhöhe des Gotteshaus-Schiffes hinauf und erleichtern damit die Betrachtung.
8 gotische Gewölberippen mit noch zwei weiteren Verästelungsrippen schaffen ein fächerartiges Spitzbogengewölbe, in das unser Liobaaltar sich hineinschmiegt. Wer vor dieser Seitenkapelle steht und Betrachtung halten will, wird durch nichts abgelenkt; die ganze Aufmerksamkeit wird auf den Altar hingezogen.
2. Der Altar
ist in seinem Aufbau klar und übersichtlich. 3 Stufen führen den zelebrierenden Priester zum Altar hinauf. Eine Art Predella (das ist ein Unterbau für das eigentliche Altarbild) schafft in einer baldachinartigen, feierlich mit Gold auf Rot ausgestatteten Nische über schwarzem Sockel einen würdigen Raum für den Reliquienschrein, ein Glasgehäuse mit Messingrahmen und Verzierungen; - darinnen befinden sich von reichem gold - und silbergewirktem Zierrat und Geschmeide verhüllt
Unsere Liobareliquien.
Der eine Teil dieser Reliquie ist ein Stück des Schulterblattes der Heiligen. Die Echtheit dieser Reliquie wurde durch ein Attest mit dem Datum vom 1. Mai 1655 nachgewiesen. Einige Jahre später wurde dieser Reliquie ein Teil des Unterkiefers der hl. Lioba hinzugefügt. Der Kurfürst und Erzbischof von Mainz Johann Philipp hat diese Reliquie nach Tauberbischofsheim abgegeben und durch Attest vom 26. September 1661 als echt bestätigt. Leider ist z. Zt. nicht bekannt, wo die genannten Urkunden sich befinden. Über die feierliche Einholung der ersten Reliquie am 1. Mai 1655 haben wir einen eingehenden Bericht im 26. Kapitel des Liobabüchleins, welches H.H.P. Liebler im Jahre 1683 herausgegeben hat. (Vergl. Liobaglöcklein Nr. 38. II. Jahrgang, 25. Sept. 1949)
Die Predella ist nach rechts verbreitert durch einen kleinen Seitenflügel mit einem Relief: die hl. Thekla (+um 800); ist ebenso nach links erweitert durch einen weiteren Seitenflügel auf dem die hl. Walburga (auch Waldburga + 779) reliefartig dargestellt ist. Beide hl. Frauen sind ehemalige Mitschwestern der hl. Lioba gewesen und später Aebtissinnen (Thekla zu Kitzingen und Walburga zu Heidenheim) geworden. (Vergl. auch die beiden Seitenfenster.) Auf diesem Unterbau ruht durch eine hervorspringende Leiste nach unten abgetrennt
Das eigentliche Altarbild.
Im Mittelpunkt unsere Stadtpatronin, die hl. Lioba. Ein Relief in Holz geschnitzt. Aber keine Einzelfigur, abgesondert, wie andere Altarheilige. Unsere Stadtpatronin fleht mitten unter ihrer ehemaligen Umgebung. zwei ihrer Mitschwestern im gefolge, neben ihr, hinter ihr.
Eine Personengruppe zu ihrer Linken: eben erst sind sie herbeigekommen, eine Mutter mit ihrem Kinde und 3 Mädchen: ob sie Almosen abholen wollen? Der Korb im Arm des einen Mädchens könnte darauf hindeuten, vielleicht aber will das Kind auch etwas ins Kloster bringen. Es könnte auch hingewiesen sein auf die Mädchen von damals, die sich mit der Bitte um Unterricht und Aufnahme ins Kloster an die Aebtissin herandrängten.
Noch hat die Heilige sie nicht bemerkt, sie ist beschäftigt, ist ganz in Anspruch genommen von der Personengruppe zu ihrer Rechten: An einem schweren, aber nicht schwerfälligen Eichtisch sitzt wieder eine Mutter mit ihrem neugeborenen Kinde im Arm und neben ihr haben zwei Männer (?) und zwei Frauen um den Tisch sich geschart. Sicherlich sind sie gekommen vom Hunger getrieben. Und sofort hat die hl. Lioba in strohgeflochtenem Körbchen ihnen auch gleich mit ihrer rechten Hand ein großes Brot gereicht und auf den Tisch gestellt. Aber die blicke der Hungernden sind nicht gierig auf die Speise, auf die Nahrung für den Leib gerichtet. Sie hängen an den Lippen der heiligen Lehrerin, Apostola, die ihnen die frohe Botschaft des Christentums aus heiligem Buche kündet, das sie in ihrer Linken hält.
Die ganze Szene muß man sich im Klosterhof vorstellen. Überschrieben hat man die ganze Szene schon: "St. Lioba, die Lehrerin der Frauenwelt." Ganz bestimmt soll aber damit der tatsächlich auch sicher sehr große missionarische Einfluß der Heiligen auf die Männer ihrer Zeit nicht in Abrede gestellt werden. Hat man sie doch mit Recht Apostola Germaniae genannt. Sehr fein finde ich es, daß dieses Relief 5 Kinder aufweist. Es soll damit auf die hl. Lioba als Schutzpatronin der Kinder gegen Krankheit hingewiesen werden.
Der Hintergrund
trägt örtliches, heimatliches Gepräge: Da sieht man den heutigen Türmersturm und das Türmle, das Schloß mit seinem Erker und Jängerhäuschen.
Über der Mitte des "lebenden Bildes" unter dem Apostel der Deutschen, ist das Stadtwappen von Tauberbischofsheim angebracht mit den Bischofsinsignien (des hl. Bonifatius) (672-754), der ja die hl. Lioba hierhergerufen, das Kloster gegründet darüber stets schützend seine Hand gehalten hat.
Das ganze Frankenland hat hier seinen großen Gnaden- und Wallfahrts-Altar. Hier ist keine Legende. hier ist Geschichte, die uns Verehrung abringt.
3. Der Künstler.
Der Lioba-Altar ist (wie auch der Hochaltar, die Kreuzwegstationen, das Relief-Bildnis des sterbenden hl. Josef, die kleine Statue des Jesukindes und die Christkönig-Statue) von Prof. Thomas Buscher in München (aus Hamburg stammend) geschaffen und Mitte September 1929 aufgestellt worden. Vorher stand hier ein Martinus-Altar.
Tauberbischofsheim, 6. Oktober 1951
Anton Ullrich, Stadtpfarrer
PS. Die Besucher unseres Gotteshauses bitten wir, die Würde des Gotteshauses zu wahren.
![]() |
| Heilige Lioba, bitte für uns! |
![]() |
| Hauptaltar und Seitenaltar der hl. Lioba in St. Martin, Tauberbischofsheim |
![]() |
| Stadtpfarrkirche St. Martin in Tauberbischofsheim |







