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Sonntag, 26. April 2026

Er geht ihnen voraus und die Schafe folgen ihm

 

Guter Hirt, All Saints, Cambridge


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 10

In jener Zeit sprach Jesus:
1 Amen, amen, ich sage euch:
Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht,
sondern anderswo einsteigt,
der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht,
ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Türhüter
und die Schafe hören auf seine Stimme;
er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen
und führt sie hinaus.
4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat,
geht er ihnen voraus
und die Schafe folgen ihm;
denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen,
sondern sie werden vor ihm fliehen,
weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus;
aber sie verstanden nicht den Sinn
dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen:
Amen, amen, ich sage euch:
Ich bin die Tür zu den Schafen.
8 Alle, die vor mir kamen,
sind Diebe und Räuber;
aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür;
wer durch mich hineingeht,
wird gerettet werden;
er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb
kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten;
ich bin gekommen,
damit sie das Leben haben
und es in Fülle haben.

(Evangelium vom 4. Ostersonntag, Lesejahr A) 

All Saints, Cambridge

BOTSCHAFT DES HEILIGEN VATERS ZUM 39. WELTGEBETSTAG
FÜR GEISTLICHE BERUFE

21. April 2002, 4. Ostersonntag

Thema: "Die Berufung zur Heiligkeit."

 

Verehrte Mitbrüder im Bischofsamt,
liebe Brüder und Schwestern! 

1.An alle, "die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus" (Rm 1,7). Diese Worte des Apostels Paulus an die Christen von Rom führen uns hin zum Thema des kommenden Weltgebetstags für geistliche Berufe: "Die Berufung zur Heiligkeit." Die Heiligkeit: die Gnade und das Ziel jedes Gläubigen, wie uns dasBuchLevitikusin Erinnerung ruft: "Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig" (19,2).

Im Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte habe ich dazu aufgerufen, "die seelsorgliche Planung unter das Zeichen der Heiligkeit" zu stellen. "Damit wird die Überzeugung ausgedrückt, daß es widersinnig wäre, sich mit einem mittelmäßigen Leben zufriedenzugeben, das im Zeichen einer minimalistischen Ethik und einer oberflächlichen Religiosität geführt wird, wenn die Taufe durch die Einverleibung in Christus und die Einwohnung des Heiligen Geistes ein wahrer Eintritt in die Heiligkeit Gottes ist. ... Es ist jetzt an der Zeit, allen mit Überzeugungskraft diesen "hohen Maßstab" des gewöhnlichen christlichen Lebens neu vor Augen zu stellen. Das ganze Leben der kirchlichen Gemeinschaft und der christlichen Familien muß in diese Richtung führen" (Nr. 31).

Vorrangige Aufgabe der Kirche ist es, die Christen auf den Wegen der Heiligkeit zu begleiten, damit sie – erleuchtet durch die Erkenntnis aus dem Glauben – lernen, auf das Antlitz Christi zu schauen und es kennenzulernen und so in Ihm die persönliche, authentische Identität und Sendung neu zu entdecken, die der Herr einem jedem anvertraut. Auf diese Weise werden sie "auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlußstein ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn" (Eph 2,20–21).

Die Kirche sammelt in sich alle Berufungen, die Gott in seinen Kindern weckt, und sie selbst gestaltet sich als leuchtendes Abbild des Geheimnisses der Heiligsten Dreifaltigkeit. Als "Volk, das von der Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes geeint ist", trägt sie selbst in sich das Geheimnis des Vaters, der alle ruft, seinen Namen zu heiligen und seinen Willen zu tun. Sie bewahrt in sich das Geheimnis des Sohnes, der vom Vater zur Verkündigung des Reiches Gottes gesandt ist und alle in seine Nachfolge ruft. Sie ist Hüterin des Geheimnisses des Heiligen Geistes, der jene zu ihrer Sendung heiligt, die der Vater durch seinen Sohn Jesus Christus erwählt hat.

Gerade weil die kirchliche Gemeinschaft der Ort ist, wo all die verschiedenen, von Gott erweckten Berufungen ihren Ausdruck finden, wird im Zusammenhang des Weltgebetstags am kommenden 21. April, dem vierten Ostersonntag, der dritte Kontinentalkongreß für die Berufungen zum geweihten Amt und zum geweihten Leben in Nordamerika stattfinden. Gerne spreche ich den Veranstaltern und Teilnehmern meine Grüße und Segenswünsche für diese Inititative aus, die sich ein Kernproblem der Kirche in Amerika und der Neuevangelisierung des Kontinents zum Thema gemacht hat. Ich lade alle ein zum Gebet, daß diese Begegnung den anstrengenden Dienst für die Berufungen neu belebt und zu einem selbstlosen, frohen Einsatz dafür unter den Christen der "Neuen Welt" führt. 

2.Die Kirche ist das "Haus der Heiligkeit", und die Liebe Christi, ausgegossen durch den Heiligen Geist, ist die Seele darin. In diesem Zuhause helfen sich alle Christen gegenseitig, die eigene Berufung zu entdecken und zu verwirklichen: im Hören auf das Wort Gottes, im Gebet, im häufigen Empfang der Sakramente und in der beständigen Suche nach dem Antlitz Christi in jedem Mitmenschen. Auf diese Weise schreitet jeder – je nach den eigenen Begabungen – auf dem Weg des Glaubens voran, hält fest an der Hoffnung und ist tätig in der Liebe (vgl. Lumen gentium, 41), während die Kirche "den unendlichen Reichtum des Geheimnisses Jesu Christi" enthüllt und erlebt (Christifideles laici, 55) und sicherstellt, daß Gottes Heiligkeit jeden Lebensstand und jede Lebenslage durchdringt, damit alle Christen Arbeiter im Weinberg des Herrn werden und den Leib Christi aufbauen.

Wenn auch alle Berufungen in der Kirche im Dienst der Heiligkeit stehen, so tun dies doch bestimmte, wie die Berufung zum geweihten Dienstamt und zum geweihten Leben, auf ganz einzigartige Weise. Auf diese Berufungen bitte ich Euch alle, heute Eure besondere Aufmerksamkeit zu richten und für sie umso inniger zu beten.

Die Berufung zum geweihten Dienstamt "ist im wesentlichen eine Berufung zur Heiligkeit in der Form, die aus dem Sakrament der Priesterweihe entspringt. Die Heiligkeit ist Vertrautheit mit Gott, sie ist Nachahmung des armen, keuschen und demütigen Christus; sie ist vorbehaltlose Liebe zu den Seelen und Hingabe an ihr wahres Wohl; sie ist Liebe zur Kirche, die heilig ist und uns heiligen will, weil das die Sendung ist, die Christus ihr anvertraut hat" (Pastores dabo vobis, 33). Jesus beruft die Apostel, weil er sie in bevorzugter Nähe (vgl. Lk 8,1–2; 22,28) "bei sich haben" wollte (Mk 3,14). Er läßt sie nicht nur die Geheimnisse des Himmelsreiches erkennen (vgl. Mt 13,11.16–18), sondern erwartet sich von ihnen auch eine größere Treue, die dem apostolischen Dienst entspricht, zu dem er sie beruft. Er fordert von ihnen eine radikalere Armut (vgl. Mt 19,22–23), die Demut des Knechtes, der sich zum Letzten aller macht (vgl. Mt 20,25–27). Er verlangt von ihnen den Glauben an die verliehenen Vollmachten (vgl. Mt 17,19–21), Gebet und Fasten als wirksame Mittel der Verkündigung (vgl. Mk 9,29) sowie Uneigennützigkeit: "Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben" (Mt 10,8). Er erwartet von ihnen Klugheit gepaart mit Einfalt und sittlicher Festigkeit (vgl. Mt 10,26–28) sowie die Hingabe an die Vorsehung (vgl. Lk 9,1–3; 19,22–23). Ebensowenig darf ihnen das Verantwortungsbewußtsein für die übertragenen Aufgaben fehlen, insofern sie die Verwalter der vom Herrn eingesetzten Sakramente und Arbeiter in seinem Weinberg sind (vgl. Lk 12,43-48).

Das geweihte Leben offenbart das innerste Wesen jeder christlichen Berufung zur Heiligkeit und die Beziehung der ganzen Kirche als Braut zu Christus, «ihrem einzigen Bräutigam». "Das Bekenntnis zu den evangelischen Räten [ist] zutiefst mit dem Geheimnis Christi verbunden ..., da es die Aufgabe hat, so gut wie möglich die Lebensform darzustellen, die er für sich wählte, und sie als absoluten und eschatologischen Wert aufzuzeigen" (Vita consecrata, 29). Die Berufungen zu diesen Lebensständen sind wertvolle und notwendige Geschenke, die bezeugen, wie auch heute die Nachfolge des keuschen, armen und gehorsamen Christus, das Zeugnis des absoluten Vorrangs Gottes und der Dienst an der Menschheit nach Art des Erlösers bevorzugte Wege hin zur Fülle geistlichen Lebens darstellen.

Der Mangel an Kandidaten für das Priestertum und für das geweihte Leben, der sich in manchen Gebieten heute abzeichnet, muß – weit davon entfernt, dazu zu verleiten, weniger zu fordern und sich mit einer mittelmäßigen Ausbildung und Spiritualität zufrieden zu geben – vielmehr Anlaß sein, die Aufmerksamkeit stärker auf die Auswahl und Ausbildung derer zu richten, die – zu Dienern und Zeugen Christi bestellt – berufen sein werden, durch die Heiligkeit ihres Lebens das zu bestätigen, was sie verkünden und feiern. 

3.Es ist notwendig, alle Mittel dafür einzusetzen, daß die Berufungen zum Priestertum und Ordensleben, die unerläßlich sind für das Leben und die Heiligkeit des Volkes Gottes, dauerhaft in den Mittelpunkt der Spiritualität, des pastoralen Handelns und des Gebets der Gläubigen gerückt werden.

Die Bischöfe und Priester seien an vorderster Stelle Zeugen der Heiligkeit des als Geschenk empfangenen Dienstamts. Durch ihr Leben und ihre Verkündigung sollen sie ihre Freude, Christus, dem guten Hirten nachzufolgen, und die erneuernde und erlösende Kraft seines Ostergeheimnisses zeigen. Durch ihr Beispiel sollen sie vor allem den jungen Generationen sichtbar machen, welch frohmachendes Abenteuer demjenigen vorbehalten ist, der sich auf den Spuren des göttlichen Lehrers dafür entscheidet, ganz Gott zu gehören, und sich selbst hingibt, damit jeder Mensch das Leben in Fülle haben kann (vgl. Joh 10,10).

Die Ordensmänner und -frauen, die "als entscheidendes Element für die Sendung der Kirche in deren Herz und Mitte" stehen (Vita consecrata, 3), sollen zeigen, daß ihr Leben fest in Christus verwurzelt ist, daß das Ordensleben "Haus" und "Schule der Gemeinschaft" ist (Novo millennio ineunte, 43), daß in ihrem demütigen und gläubigen Dienst am Menschen jene "Phantasie der Liebe" pulsiert (ebd., 50), die der Heilige Geist immer in der Kirche lebendig hält. Sie sollen nicht vergessen, daß in der Liebe zur Betrachtung, in der Freude, den Mitmenschen zu dienen, in der für das Himmelreich gelebten Keuschheit, in der selbstlosen Hingabe an den eigenen Dienst der eigentliche Anruf und Appell für neue Berufungen liegt!

Eine entscheidende Rolle für die Zukunft der Berufungen in der Kirche kommt dabei den Familien zu. Die Heiligkeit der ehelichen Liebe, die Harmonie des Familienlebens, der Glaubensgeist, aus dem heraus die alltäglichen Probleme des Lebens angegangen werden, die Offenheit für andere, vor allem die Ärmeren, die Teilnahme am Leben der christlichen Gemeinschaft stellen das geeignete Umfeld dafür dar, daß der göttliche Ruf vernommen wird und zu einer selbstlosen Antwort seitens der Kinder führt. 

4."Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden" (Mt 9,38; Lk 10,2). In Gehorsam gegenüber dem Auftrag Christi zeichnet sich jeder Weltgebetstag als Moment intensiven Gebets dadurch aus, daß er die gesamte christliche Gemeinschaft zusammenführt zu einem inständigen und eindringlichen Anruf an Gott um Berufungen. Wie wichtig ist es, daß die christlichen Gemeinden "echte Schulen des Gebets" werden (vgl. Novo millennio ineunte, 33), die imstande sind, zum Dialog mit Gott zu erziehen und die Gläubigen dazu anzuhalten, sich immer mehr jener Liebe zu öffnen, mit der der Vater "die Welt so sehr geliebt" hat, "daß er seinen einzigen Sohn hingab" (Joh 3,16)! Gepflegtes und gelebtes Gebet hilft, sich vom Geist Christi leiten zu lassen, um am Aufbau der Kirche in der Liebe mitzuarbeiten. In diesem Zusammenhang wächst im Jünger das brennende Verlangen, daß jeder Mensch Christus begegne und die wahre Freiheit der Kinder Gottes erlange. Diese Sehnsucht wird den Gläubigen nach dem Vorbild Mariens dahin führen, sich dem Herrn mit einem vollen und selbstlosen "Ja" zur Verfügung zu stellen. Der Herr ist es, der dazu beruft, Diener des Wortes, der Sakramente und der Liebe zu sein, beziehungsweise lebendiges Zeichen des keuschen, armen und gehorsamen Lebens Christi unter den Menschen unserer Zeit.

Der Herr der Ernte lasse es seiner Kirche nicht an zahlreichen und heiligen Priester- und Ordensberufungen fehlen!

Heiliger Vater, schau auf diese unsere Menschheit,
die ihre ersten Schritte auf dem Weg des dritten Jahrtausends unternimmt.
Ihr Leben ist noch stark gezeichnet
vom Haß, von der Gewalt, von der Unterdrückung.
Doch der Hunger nach Gerechtigkeit, Wahrheit und Gnade
findet noch immer Raum im Herzen von so vielen,
die auf den warten, der das Heil bringt,
das du bereitet hast durch deinen Sohn Jesus.
Es braucht mutige Verkünder des Evangeliums,
selbstlose Diener der leidenden Menschheit.
Wir bitten dich, sende deiner Kirche
heilige Priester, die dein Volk heiligen
durch die Mittel deiner Gnade.
Sende zahlreiche Ordensmänner und Ordensfrauen,
die deine Heiligkeit inmitten der Welt sichtbar machen.
Sende in deinen Weinberg heilige Arbeiter,
die arbeiten mit dem Feuer der Liebe
und die, getrieben vom Heiligen Geist,
das Heil Christi bringen
bis an die äußersten Enden der Erde. Amen. 

Castelgandolfo, 8. September 2001

JOANNES PAULUS II.

Der gute Hirt

Holzrelief, Beichtstuhl, der gute Hirt befreit das Schaf aus den Dornen, 

Glasfenster, Westruther Church, Schottland, Jeremia 23, 2024

Glasfenster in der Salisbury Cathedral, B16, Priesterweihe, 7. Mai 2006, 2023

Altarbild in Mannersdorf/Leithagebirge (B16, 16. Mai 2011)

Herz Jesu Bild des Guten Hirten mit Schaf auf Schulter, S. Maria in Vado, Ferrara

Guter Hirt auf der Kanzel in Enzersfeld, Niederösterreich

Guter Hirt in St. Wolfgang im Salzkammergut

Guter Hirte, St. Giles, Cambridge (Guter Hirtendienst, B16, 7.5.2006, anläßl. einer Priesterweihe)

Tabernakel in der Seitenkapelle des Stiftes Klosterneuburg

Wandmalerei über dem Sarkphag der Apostel Jakobus und Philippus, Rom

Glasfenster in Stokenchurch, England

Statue in der Mathiaskirche, Budapest

Glasfenster in der Rochester Cathedral

Statue in S. Maria della Pace, Rom

Mosaik in der Kathedrale von Aquileia

Mosaik im Mausoleum Galla Placidia, Ravenna

Glasfenster von Christopher Webb in der St Alban´s Cathedral 

Glasfenster im Kapuzinerkloster in Padua 


Samstag, 7. Juni 2025

Der Weg Mariens und der Glaubensweg der Kirche (Redemptoris mater 26)

 

Pfingsten im Abendmahlsaal, St Giles, Cambridge

26. Die Kirche, von Christus auf den Aposteln erbaut, ist sich dieser Großtaten Gottes am Pfingsttag voll bewußt geworden, als die im Abendmahlssaal Versammelten »mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab« (Apg 2, 4). In diesem Augenblick beginnt auch jener Weg des Glaubens, die Pilgerschaft der Kirche durch die Geschichte der Menschen und der Völker. Man weiß, daß am Beginn dieses Weges Maria gegenwärtig ist, die wir mitten unter den Aposteln im Abendmahlssaal »mit ihren Gebeten die Gabe des Geistes erflehen« sehen [59].

Ihr Glaubensweg ist in einem gewissen Sinne länger. Der Heilige Geist ist bereits auf sie herabgekommen, die bei der Verkündigung seine treue Braut geworden ist, indem sie das ewige Wort des wahren Gottes aufnahm und sich dem offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwarf und seiner Offenbarung willig zustimmte, ja, sich im »Gehorsam des Glaubens« ganz und gar Gott überließ [60] und darum dem Engel antwortete: »Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast«. Der Glaubensweg Marias, die wir betend im Abendmahlssaal sehen, ist also länger als der Weg der dort Versammelten: Maria geht ihnen »voraus« und auch »voran« [61]. Der Pfingsttag in Jerusalem ist, außer durch das Kreuz, auch durch den Augenblick der Verkündigung in Nazaret vorbereitet worden. Im Abendmahlssaal trifft sich der Weg Marias mit dem Glaubensweg der Kirche. In welcher Weise?

Unter denen, die im Abendmahlssaal im Gebet verharrten und sich darauf vorbereiteten, »in die ganze Welt« zu ziehen, nachdem sie den Heiligen Geist empfingen, waren einige nach und nach durch Jesus vom Anfang seiner Sendung in Israel an berufen worden. Elf von ihnen waren als Apostel eingesetzt worden, und ihnen hatte Jesus die Sendung übergeben, die er selbst vom Vater erhalten hatte: »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch« (Joh 20, 21), so hatte er den Aposteln nach der Auferstehung gesagt. Vierzig Tage später, vor seiner Rückkehr zum Vater, hatte er hinzugefügt: Wenn »die Kraft des Heiligen Geistes ... auf euch herabkommen wird, ... werdet ihr meine Zeugen sein ... bis an die Grenzen der Erde« (vgl. Apg 1, 8). Diese Sendung der Apostel beginnt mit dem Augenblick, da sie den Abendmahlssaal in Jerusalem verlassen. Die Kirche wird geboren und wächst nun durch das Zeugnis, das Petrus und die anderen Apostel von Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, ablegen (vgl. Apg 2, 31–34; 3, 15–18; 4, 10–12; 5, 30–32).

Maria hat nicht diese apostolische Sendung direkt empfangen. Sie befand sich nicht unter denen, die Jesus, als er ihnen jene Sendung verlieh, in die ganze Welt sandte, um alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen (vgl. Mt 28, 19). Sie war jedoch im Abendmahlssaal, wo sich die Apostel darauf vorbereiteten, diese Sendung mit dem Kommen des Geistes der Wahrheit zu übernehmen: Dort war sie bei ihnen. In ihrer Mitte war sie »beharrlich im Gebet« als die »Mutter Jesu« (Apg 1, 13–14), das heißt als Mutter des gekreuzigten und auferstandenen Christus. Und jener erste Kern derer, die im Glauben »auf Jesus, den Urheber des Heils« [62] schauten, war sich bewußt, daß Jesus der Sohn Marias war und sie seine Mutter und daß sie so vom Augenblick der Empfängnis und Geburt an eine besondere Zeugin des Geheimnisses Jesu war, jenes Geheimnisses, das sich vor ihren Augen in Kreuz und Auferstehung ausgeprägt und bestätigt hatte. Die Kirche »schaute« also vom ersten Augenblick an auf Maria von Jesus her, wie sie auf Jesus von Maria her »schaute«. Diese wurde für die Kirche von damals und für immer eine einzigartige Zeugin der Kindheitsjahre Jesu und seines verborgenen Lebens in Nazaret, da sie »alles bewahrte, was geschehen war, und in ihrem Herzen darüber nachdachte« (Lk 2, 19; vgl. v. 51).

Aber in der Kirche von damals und immer war und ist Maria vor allem jene, die »selig ist, weil sie geglaubt hat«: Als erste hat sie geglaubt. Vom Augenblick der Verkündigung und der Empfängnis an, seit der Stunde der Geburt im Stall von Betlehem folgte Maria Jesus Schritt für Schritt auf ihrer mütterlichen Pilgerschaft des Glaubens. Sie folgte ihm all die Jahre seines verborgenen Lebens in Nazaret, sie folgte ihm auch in der Zeit der äußeren Trennung, als er inmitten von Israel »zu handeln und zu lehren« begann (vgl. Apg 1, 1), sie folgte ihm vor allem in der tragischen Erfahrung von Golgota. Jetzt, da Maria am Beginn der Kirche mit den Aposteln im Abendmahlssaal von Jerusalem weilte, fand ihr Glaube, der aus den Worten der Verkündigung geboren war, seine Bestätigung. Der Engel hatte ihr damals gesagt: »Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und ... über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben«. Die gerade zurückliegenden Ereignisse von Kalvaria hatten diese Verheißung ins Dunkel gehüllt; und doch ist auch unter dem Kreuz der Glaube Marias nicht erloschen. Sie war dort immer noch jene, die (wie Abraham) »gegen alle Hoffnung voll Hoffnung« geglaubt hat (Röm 4, 18). Und siehe, nach der Auferstehung hatte die Hoffnung ihr wahres Antlitz enthüllt, und die Verheißung hatte begonnen, Wirklichkeit zu werden. Tatsächlich hatte Jesus ja, ehe er zum Vater zurückkehrte, den Aposteln gesagt: »Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. ... Seid gewiß! Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (vgl. Mt 28, 19. 20). So hatte derjenige gesprochen, der sich durch seine Auferstehung als Sieger über den Tod erwiesen hatte, als Herrscher des Reiches, das nach der Ankündigung des Engels »kein Ende haben wird«. (Johannes Paul II, Redemptoris mater, 26)

Glasmalerei in der St Aloysius R. C. Church, London (B16, Regina Coeli, 15. Mai 2005)

Glasfenster im Stift Lambrecht (Gebet von Johannes Paul II. in Vita consecrata)

 

Donnerstag, 10. April 2025

Euer Vater Abraham jubelte, weil er meinen Tag sehen sollte.

 

Abraham, Jesus College, Cambridge

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 8

In jener Zeit sprach Jesus zu den Juden:
51 Amen, amen, ich sage euch:
Wenn jemand an meinem Wort festhält,
wird er auf ewig den Tod nicht schauen.
52 Da sagten die Juden zu ihm:
Jetzt wissen wir, dass du von einem Dämon besessen bist.
Abraham und die Propheten sind gestorben,
du aber sagst:
Wenn jemand an meinem Wort festhält,
wird er auf ewig den Tod nicht erleiden.
53 Bist du etwa größer als unser Vater Abraham?
Er ist gestorben und die Propheten sind gestorben.
Für wen gibst du dich aus?
54 Jesus antwortete: Wenn ich mich selbst verherrliche,
ist meine Herrlichkeit nichts.
Mein Vater ist es, der mich verherrlicht,
er, von dem ihr sagt: Er ist unser Gott.
55 Doch ihr habt ihn nicht erkannt.
Ich aber kenne ihn,
und wenn ich sagen würde: Ich kenne ihn nicht,
so wäre ich ein Lügner wie ihr.
Aber ich kenne ihn
und halte an seinem Wort fest.
56 Euer Vater Abraham jubelte,
weil er meinen Tag sehen sollte.
Er sah ihn und freute sich.
57 Die Juden entgegneten:
Du bist noch keine fünfzig Jahre alt
und willst Abraham gesehen haben?
58 Jesus erwiderte ihnen: Amen, amen, ich sage euch:
Noch ehe Abraham wurde, bin ich.
59 Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen.
Jesus aber verbarg sich
und verließ den Tempel.

(Evangelium von Donnerstag der 5. Fastenwoche)

Opferung Isaaks
"Durch Isaak wirst du Nachkommen haben"

Adam, Henoch, Noah und Abraham, Fenster von Edward Burne Jones, Jesus College, Cambridge

Mittwoch, 9. April 2025

Sie sind unversehrt und der vierte sieht aus wie ein Göttersohn

 

Drei Jünglinge mit dem Engel im Feuerofen, Kings College, Cambridge


Lesung aus dem Buch Daniel 3

In jenen Tagen
14 sprach König Nebukadnézzar:
Ist es wahr, Schadrach, Meschach und Abed-Nego:
Meinen Göttern dient ihr nicht
und das goldene Standbild, das ich errichtet habe,
verehrt ihr nicht?
15 Nun, wenn ihr bereit seid,
sobald ihr den Klang der Hörner, Pfeifen und Zithern,
der Harfen, Lauten und Sackpfeifen
und aller anderen Instrumente hört,
sofort niederzufallen
und das Standbild zu verehren, das ich habe machen lassen,
ist es gut;
verehrt ihr es aber nicht,
dann werdet ihr noch zur selben Stunde
in den glühenden Feuerofen geworfen.
Wer ist der Gott, der euch retten könnte aus meiner Hand?
16 Schadrach, Meschach und Abed-Nego
erwiderten dem König Nebukadnézzar:
Wir haben es nicht nötig, dir darauf zu antworten:
17 Siehe, unser Gott, dem wir dienen,
er kann uns retten.
Aus dem glühenden Feuerofen
und aus deiner Hand, König, wird er uns retten.
18 Und wenn nicht,
so sei dir, König, kundgetan,
dass wir deinen Göttern nicht dienen
und das goldene Standbild, das du errichtet hast,
nicht verehren.
19 Da wurde Nebukadnézzar wütend;
sein Gesicht verzerrte sich vor Zorn
über Schadrach, Meschach und Abed-Nego.
Er ließ den Ofen siebenmal stärker heizen,
als man ihn gewöhnlich heizte.
20 Dann befahl er,
einige der stärksten Männer aus seinem Heer
sollten Schadrach, Meschach und Abed-Nego fesseln
und in den glühenden Feuerofen werfen.
21Da wurden die Männer, wie sie waren gefesselt
und in den glühenden Feuerofen geworfen.
49aAber der Engel des Herrn
war zusammen mit ihnen in den Ofen hinabgestiegen.
91Der König Nebukadnézzar fragte seine Räte:
Haben wir nicht drei Männer gefesselt ins Feuer geworfen?
Sie gaben dem König zur Antwort: Gewiss, König!
92 Er erwiderte:
Ich sehe aber vier Männer frei im Feuer umhergehen.
Sie sind unversehrt und der vierte sieht aus wie ein Göttersohn.
95 Da rief Nebukadnézzar aus:
Gepriesen sei der Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos.
Denn er hat seinen Engel gesandt und seine Diener gerettet.
Im Vertrauen auf ihn
haben sie lieber den Befehl des Königs missachtet
und ihr Leben dahingegeben,
als dass sie irgendeinen anderen als ihren eigenen Gott
verehrten und anbeteten.

Holzrelief in der Kathedrale von Cordoba

Montag, 5. Juni 2023

Bonifatius

 

 

Bonifatius, ursprünglich Winfrid, um 673 im Königreich Wessex in England geboren, wurde in den Klöstern Exeter und Nursling erzogen. Mit dreißig Jahren wurde er zum Priester geweiht, mit vierzig reiste er zum ersten Mal als Missionar nach Germanien. Dreimal machte er die Reise nach Rom. Von Papst Gregor II. erhielt er 719 den Missionsauftrag und den Namen Bonifatius. 722 die Bischofsweihe. Von Gregor III. wurde er 732 zum Erzbischof ernannt. Er organisierte die Kirche in Bayern, Hessen und Thüringen durch Gründung von Bistümern und versuchte, die fränkische Kirche durch Synoden zu reformieren. Wo er missionierte, errichtete er auch Klöster als Mittelpunkte der Missionsarbeit, Orte des Gebets und Pflanzstätten der Kultur. Seine Lieblingsgründung war das Kloster Fulda (744), wo er auch begraben ist und wo sich seit 1869 die deutschen Bischöfe zu ihren jährlichen Konferenzen versammeln. Am 5. Juni 754 wurde Bonifatius mit 52 Begleitern bei Dokkum von den Friesen erschlagen. Er wird der Apostel Deutschlands und auch der Apostel der abendländischen Kultur genannt. (erzabteibeuron)

 

In goldenen Buchstaben

Schon oft hat Deine Nächstenliebe meine Traurigkeit gelindert, sei es durch Vermittlung von Büchern oder durch Unterstützung mit Kleidern. So bitte ich auch jetzt noch zu mehren, was Du begonnen hast, d. h., mir in Goldbuchstaben die Briefe meines Herrn, des heiligen Apostels abzuschreiben, zur Achtung und Ehrfurcht vor der Heiligen Schrift in den Augen der Fleischesmenschen bei der Predigt, und weil ich die Worte gerade dessen, der mich auf diese Fahrt ausgesandt hat, allezeit vor Augen haben möchte. Das für die erbetene Abschrift erforderliche (Gold) schicke ich durch den Priester Eoba.
(Bonifatius, Brief an die Äbtissin Eadburg)

Am Grab des hl. Bonifatius in Fulda - 2

Am Grab des hl. Bonifatius in Fulda - 1

Gemälde in Pfarrkirchen, OÖ, Bonifatius gründet Diözesen und vergibt sie (Lesehore, die Last des Hirtenamtes)

Bonifatiusstatue vor dem Mainzer Dom (Vita)

Tod durch Friesen, Statue im Mainzer Dom, Gebet des hl. Bonifatius 

Donnerstag, 4. November 2021

Ein Märtyrer der Liebe, ein Engel in Menschengestalt (Papst Paul V. über Karl Borromäus)

 

Karl, Borromäus, Wahlspruch im Heiligenschein: Demut, humilitas
Our Lady and the English Martyrs Church, Cambridge


Karl Borromäus wurde in einer angesehenen römischen Familie geboren. Er war außerordentlich klug. Dass er bereits mit 12 Jahren erwählte zum Abt gewählt wurde, steht jedoch vor allem in Zusammenhang mit der Praxis der Ämterverteilung im 16. Jahrhundert, bei der auch Kinder nominell mit Leitungsaufgaben betraut wurden, ohne diese deshalb auch wahrnehmen zu müssen. Als 21-jähriger vollendete er seine Studien mit der höchsten Auszeichnung. Sein Onkel, Papst Pius IV., holte ihn zu sich nach Rom und ernannte ihn zu seinem Geheimsekretär und zum Kardinal-Diakon.

Karl Borromäus zeichnete er sich durch große Umsicht und Tatkraft aus und wurde Erzbischof von Mailand. Während der Pest kümmerte er sich um Kranke und versorgte sie mit Medikamenten und Nahrungsmitteln. Er selbst lebte lange Zeit nur von Wasser und Brot, weshalb er oft sehr erschöpft war. Karl Borromäus war einer der wesentlichen Träger des Konzils von Trient (Tridentinum). Viele Reformationsbeschlüsse sind ihm zu verdanken. Trotz seiner Wichtigkeit für das Konzil schrieb Hieronimo Soranzo über ihn: „Seine Religiosität ist so groß, dass man mit Fug sagen kann, er nütze durch sein Beispiel dem römischen Hof mehr als alle Konzilsbeschlüsse.“ In Mailand verwirklichte er die konziliare Reform vorbildlich und gründete u.a. das Priesterseminar. Der Kampf gegen das spanische Staatskirchentum brachte ihn in Konflikt mit der Krone, jedoch stützte der Papst Gregor XIII. sein Wirken.

In Deutschland erregte die "Borromäusenzyklika" Editae saepe des Papstes Pius X. 1910 (zur 300-Jahr-Feier der Kanonisation) großes Aufsehen, da einige Passagen die sogenannte Reformation mit deutlichen Worten darstellte.

Borromäus starb am 3. November 1584 in Mailand und wurde in der Krypta des Mailänder Doms beigesetzt. Er wurde am 1. November 1610 heilig gesprochen (Fest: 4. November). Die Organisation der kath. Haus- und Volksbüchereien, 1844 in Bonn gergründet, hieß ursprünglich Borromäusverein, in Erinnerung an das volkserzieherische Vorbild des Heiligen.(kathpedia)


Glasfenster in Notre Dame du Sablon, Brüssel, Karl Borromäus im Kampf gegen die Pest

Deckengemälde in der Karlskirche in Volders, Benedikt XVI, 400 Jahre Heiligsprechung von Karl Borromäus

Verherrlichung des hl. Karl Borromäus (Wiener Karlskirche)

Die Herzreliquie des hl. Karl Borromäus 

Karl Borromäus-Altar im Wiener Stephansdom

Das Leben des hl. Karl Borromäus, seine Liebe zu Maria und zum Rosenkranz, Versorgungsheimkirche Karl Borromäus, Wien

Am Grab des hl. Karl Borromäus in Mailand

Luegerkirche zum hl. Karl Borromäus am Wiener Zentralfriedhof, das Jüngste Gericht, Predigt des hl. Karl auf seiner letzten Synode

Sonntag, 3. Oktober 2021

Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen

Sakrament der Ehe, Taufkapelle,
Our Lady and the English Martyrs Church - Cambridge

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 10,2-16

In jener Zeit
2 kamen Pharisäer zu Jesus
und fragten:
Ist es einem Mann erlaubt,
seine Frau aus der Ehe zu entlassen?
Damit wollten sie ihn versuchen.
3 Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben?

4 Sie sagten:
Mose hat gestattet, eine Scheidungsurkunde auszustellen
und die Frau aus der Ehe zu entlassen.
5 Jesus entgegnete ihnen:
Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben.
6 Am Anfang der Schöpfung aber
hat Gott sie männlich und weiblich erschaffen.
7 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen
8 und die zwei werden ein Fleisch sein.
Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.
9 Was aber Gott verbunden hat,
das darf der Mensch nicht trennen.
10 Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.
11 Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt
und eine andere heiratet,
begeht ihr gegenüber Ehebruch.
12 Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt
und einen anderen heiratet,
begeht sie Ehebruch.
13 Da brachte man Kinder zu ihm,
damit er sie berühre.
Die Jünger aber wiesen die Leute zurecht.
14 Als Jesus das sah, wurde er unwillig
und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen;
hindert sie nicht daran!
Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes.
15 Amen, ich sage euch:
Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind,
der wird nicht hineinkommen.
16 Und er nahm die Kinder in seine Arme;
dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.
(Evangelium vom 27. Sonntag, B)

Montag, 5. April 2021

Emmaus

 

Die Jünger mit Jesus in Emmaus, Jesus College, Cambridge
 

In der wundersamen Geschichte der Emmausjünger sehen wir den Osterglauben der Kirche durch die Selbstauslegung  Jesu wachsen. Die Jünger, mit dem Unbekannten wandernd, sprechen von Jesus nur als einem Propheten (V19), und da dieser hingerichtet wurde und die Berichte der Frauen nicht hinreichten, ihre Niedergeschlagenheit zu beheben, hakt Jesus bei der Schrift ein, die sie kennen sollten. Es geht nicht um einen Propheten, sondern um den Messias selbst, auf dessen Sterben und Auferstehen alle drei Teile der Schrift, das Gesetz, die Propheten und die übrigen Bücher (von den Juden die Schriften genannt) konzentrisch hinweisen.
Alles prophetisch darin Erzählte weist daraufhin, daß Leiden und Tod nicht das letzte Wort Gottes über dem Menschen ist, sondern daß der urbildliche und endgültige Mensch, der Messias, in seiner Person alle Bilder zur erfüllten Wahrheit bringen wird.
Daß Gott ein Gott der Lebendigen und nicht der Toten ist, hatte Jesus schon den Sadduzäern gesagt, in Jesus erweist er sich als "das Leben und die Auferstehung" (Joh 11,25). Es ist keineswegs eine Übertreibung oder nachträgliche künstliche Auslegung des Alten Bundes, wenn dieser Grundgedanke hier von Jesus selbst und nachfolgend von der Kirche als der Grundsinn der ganzen bisherigen Schrift herausgestellt wird. Wie zum Beweis dieser Selbstauslegung folgt am Schluß die Erzählung von der eucharistischen Segnung des Brotes - des wahren Manna - und dem Entschwinden Jesu, der sein Wort und sein Sakrament der Kirche überläßt.
(H. U. von Balthasar, Licht des Wortes, 65)
 

EMMAUS

Glasfenster in Chartres

Glasfenster in St Alban´s Cathedral

Emmaus-Gang (tierisch)

Mosaik im Johannes Paul II. Heiligtum Krakau (Benedikt XVI., Regina Caeli, 7.4.2008)


Relief in Santo Domingo de Silos 


Wandteppich in Vatikanischen Museen (2)


Wandteppich (1) - Johannes Paul II., Mane nobiscum Domine)

Mittwoch, 22. Juli 2020

Maria Magdalena, Apostolin der Apostel



Dann gab es verschiedene Frauen im Umfeld der Gestalt Jesu, die verschiedene verantwortungsvolle Funktionen innehatten. Ein beredtes Beispiel sind die Frauen, die Jesus folgten, um ihn mit ihrem Besitz zu unterstützen, und von denen Lukas uns einige Namen überliefert hat:

Maria Magdalena, Johanna, Susanna und „viele andere“ (vgl. Lk 8,2-3). Dann informieren uns die Evangelien darüber, dass die Frauen – im Unterschied zu den zwölf Aposteln – Jesus nicht in der Stunde seines Leidens verlassen haben (vgl. Mt 27,56.61; Mk 15,40). Unter ihnen sticht insbesondere besonderen Maria aus Magdala hervor, die nicht nur bei seiner Passion anwesend war, sondern die auch zur ersten Zeugin und Verkünderin des Auferstandenen wurde (vgl. Joh 20,1.11-28).

Gerade ihr, Maria von Magdala, behält der heilige Thomas von Aquin die einzigartige Bezeichnung „Apostolin der Apostel“ („apostolorum apostola“) vor, der er auch diesen schönen Kommentar widmet: „So wie eine Frau dem ersten Menschen Worte des Todes verkündet hatte, so verkündete als erste eine Frau den Aposteln Worte des Lebens“ („Super Ioannem“, ed. Cai, § 2519).

(Papst Benedikt XVI, Generalaudienz, 14.2.2007)

Maria Magdalena

M. Magdalena als Zeugin der Auferstehung (Chartres)

Maria Magdalena Fenster in Chartres (Lazarus schläft)

Das Magdala Center im Heiligen Land

Statue mit Salbgefäß in S. Maria Maggiore, Trient

Glasfenster im Kings College/Cambridge

Mosaik im  Johannes Paul II. Heiligtum in Krakau

Glasfenster im Magdalene College Cambridge

bronzierte Holzfigur in der Wiener Dominikanerkirche

S. Maddalena, Rom, Grab Kamillus von Lellis

Marienkirche in Krakau

Franziskanerkirche Frauenkirchen (halte mich nicht fest)


Magdalene College, Cambridge, Kreuzabnahme