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Sonntag, 29. März 2026

Christus gläubig und jubelnd aufnehmen (Palmsonntag, Johannes Paul II., 2003)

 

Einzug Jesu in Jerusalem, Edinburg, St Giles Cathedral


PREDIGT DES HEILIGEN VATERS JOHANNES PAUL II. 

13. April 2003

XVIII. Weltjugendtag 
»Siehe, deine Mutter!«
(Joh 19, 27)

 

1. »Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!« (Mk 11, 9). 

Die Liturgie des Palmsonntags ist gleichsam ein feierliches Eingangstor zur Karwoche. Sie verbindet zwei gegensätzliche Momente miteinander: den Empfang Jesu in Jerusalem und das Drama der Passion; das freudige »Hosanna« und das mehrfach wiederholte »Kreuzige ihn!«; den triumphalen Einzug und die scheinbare Niederlage des Kreuzestodes. So nimmt sie die »Stunde« vorweg, in welcher der Messias viel erleiden muß, getötet und am dritten Tag auferstehen wird (vgl. Mt 16, 21), und bereitet uns darauf vor, das Ostergeheimnis in Fülle zu leben.

2. »Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir« (Sach 9, 9). Beim Einzug Jesu jubelt die Stadt, in der die Erinnerung an David lebendig ist; die Stadt der Propheten, von denen viele dort um der Wahrheit willen das Martyrium erlitten; die Stadt des Friedens, die im Laufe der Jahrhunderte unter Gewalt, Krieg und Verschleppung gelitten hat. 

In mancherlei Hinsicht könnte die Stadt Jerusalem als Symbol der Menschheit angesehen werden, besonders an diesem dramatischen Beginn des dritten Jahrtausends, den wir gegenwärtig durchleben. Deshalb nehmen die Palmsonntagsriten eine besondere Aussagekraft an. Tröstlich erklingen die Worte des Propheten Sacharja: »Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel […] Vernichtet wird der Kriegsbogen. Er verkündet für die Völker den Frieden« (Sach 9, 9-10). Heute feiern wir, weil Jesus, der Friedenskönig, in Jerusalem einzieht. 

3. Damals liefen Christus an den Hängen des Ölbergs die Kinder und Jugendlichen Jerusalems entgegen; sie jubelten ihm zu und schwenkten freudig Öl- und Palmzweige. 

Heute stehen zu seinem Empfang die jungen Menschen der ganzen Welt bereit, die in allen Diözesangemeinschaften den XVIII. Weltjugendtag feiern. 

Ich begrüße euch ganz herzlich, liebe Jugendliche aus Rom, und auch euch, die ihr aus verschiedenen Ländern hierhergepilgert seid. Ich grüße die zahlreichen Verantwortlichen der Jugendpastoral, die an dem vom Päpstlichen Rat für die Laien organisierten Kongreß über die Weltjugendtage teilnehmen. Und wie könnten wir nicht unsere brüderliche Solidarität bekunden gegenüber euren Altersgenossen, die von Krieg und Gewalt im Irak, im Heiligen Land und in verschiedenen anderen Teilen der Welt so schwer geprüft werden? 

Heute nehmen wir gläubig und jubelnd Christus auf, der unser »König« ist: ein König der Wahrheit, der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Liebe. Dies sind die vier Säulen, auf denen das Gebäude des wahren Friedens erbaut werden kann, wie der selige Papst Johannes XXIII. vor 40 Jahren in der Enzyklika Pacem in terris schrieb. Dieses historische Dokument, das nichts von seiner Aktualität verloren hat, übergebe ich heute im Geiste einem jeden von euch, liebe Jugendliche der ganzen Welt:Lest es, denkt darüber nach, und bemüht euch, es in die Tat umzusetzen. Dann werdet ihr »selig« sein, weil ihr zu wahren Kindern des Gottes des Friedens werdet (vgl. Mt 5, 9). 

4. Der Friede ist ein Geschenk Christi, das er durch das Kreuzesopfer für uns erwirkt hat. Um den Frieden wirksam zu fördern, müssen wir mit dem göttlichen Meister bis auf den Kalvarienberg hinaufsteigen. Wer kann uns bei diesem Aufstieg besser führen als Maria, die uns unter dem Kreuz im treuen Apostel Johannes zur Mutter gegeben wurde? Um den jungen Menschen zu helfen, diese wundervolle spirituelle Wirklichkeit zu entdecken, habe ich als Thema der Botschaft zum diesjährigen Weltjugendtag die Worte des sterbenden Christus gewählt: »Siehe, deine Mutter!« (Joh 19, 26). Johannes nahm dieses Testament der Liebe an und öffnete Maria sein Haus (vgl. Joh 19, 27), das heißt, er nahm sie in sein Leben auf und teilte mit ihr eine vollkommen neue geistige Nähe. Die tiefe Verbindung zur Mutter des Herrn wird den »geliebten Jünger« zu einem Apostel jener Liebe machen, die er durch das unbefleckte Herz Marias aus dem Herz Christi erhalten hatte. 

5. »Siehe, deine Mutter!« Jesus richtet diese Worte an einen jeden von euch, liebe Freunde. Auch euch bittet er, Maria als Mutter »›zu euch nach Hause‹ zu nehmen, sie aufzunehmen ›in das, was euch gehört‹«, denn »sie übt ihr mütterliches Dienstamt aus, indem sie euch erzieht und formt, bis Christus vollkommen in euch Gestalt angenommen hat« (Botschaft zum Weltjugendtag 2003, 3; in: O.R. dt., Nr. 14, 4.4.2003, S. 7). Maria bewirke, daß ihr großherzig auf den Ruf des Herrn antwortet und freudig und treu an der christlichen Sendung festhaltet! 

Wie viele Jugendliche haben im Laufe der Jahrhunderte diese Aufforderung gehört, und wie viele tun dies auch in unseren Tagen! Junge Menschen des dritten Jahrtausends, habt keine Angst davor, euer Leben als vollkommene Antwort an Christus hinzugeben! Er allein verändert das Leben und die Geschichte der Welt. 

6. »Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn« (Mk 15, 39). Wir haben erneut das eindeutige Glaubensbekenntnis gehört, das der Hauptmann sprach, als er »ihn auf diese Weise sterben sah« (ebd.). Aus dem Gesehenen ergibt sich das erstaunliche Zeugnis des römischen Soldaten, des ersten Menschen, der verkündet hat, daß jener Mensch am Kreuz »Gottes Sohn war«. 

Herr Jesus, auch wir haben »gesehen«, wie du gelitten hast und wie du für uns gestorben bist. Treu bis zum letzten Atemzug, hast uns durch deinen Tod dem Tod entrissen. Durch dein Kreuz hast du uns erlöst. 

Stille Zeugin dieser für die Heilsgeschichte entscheidenden Augenblicke bist du, Maria, schmerzensreiche Mutter. 

Gib uns deine Augen, um in dem schmerzverzerrten Antlitz des Gekreuzigten das Abbild des glorreichen Auferstandenen zu erkennen. 

Hilf uns, ihn zu umarmen und ihm zu vertrauen, damit wir uns seiner Verheißungen würdig erweisen. Hilf uns, ihm heute und unser ganzes Leben lang treu zu bleiben. 

Amen. 



St Giles Cathedral, Edinburg

Einzug in Jerusalem

Ein Esel erfreut sich des Herrn 

Tympanonrelief, Kathedrale von Salamanca 

Glasfenster in Saint Etienne, Chalons en Champagne (Augustinus, Catena aurea)

Glasfenster in St Peter´s church, Nottingham (Einleitung in die Liturgie des Palmsonntags)

eine kleine Darstellung des Einzugs

Glasfenster in der Kathedrale von Brüssel (B16, Palmsonntag 2012)

Jesus auf einem Esel in St. Nikolaus in Hall in Tirol

Chorgestühl in der Kathedrale von Cordoba

Der Einzugsesel war ein weißer Esel😄😄😄

Fresko in der Unterkirche von Assisi (Adrienne v. Speyr, Johannesevangelium)

Relief in Notre Dame de Paris (Ratzinger, Mitarbeiter der Wahrheit)

es war einer meiner Vorfahren😁

Fresko in rumän.-orthodoxer Kirche in Knittelfeld/Ö (Papst Benedikt, Palmsonntag 2012) 

Glasfenster in Chartres (Papst Benedikt, Palmsonntag 2009) 

Glasfenster in der Kathedrale von Canterbury

Sonntag, 28. März 2021

Wer ist Jesus von Nazareth für uns?

Einzug in Jerusalem, Kathedrale von Brüssel

 

Kehren wir zum heutigen Evangelium zurück und fragen wir uns: Was bewegt denn wirklich die Herzen derer, die Christus als den König Israels bejubeln?
Sicher hatten sie eine eigene Vorstellung vom Messias, eine Vorstellung davon, wie der von den Propheten verheißene und lang erwartete König handeln müsse. Es ist kein Zufall, daß wenige Tage später die Menschenmenge von Jerusalem, anstatt Jesus zuzujubeln, Pilatus zuruft: „Kreuzige ihn!“. Selbst die Jünger wie auch andere, die ihn gesehen und ihm zugehört hatten, verstummen und sind verstört. Die meisten waren nämlich enttäuscht von der Art, die Jesus gewählt hatte, sich als Messias und König Israels zu zeigen.
Genau hier liegt der Kern des heutigen Festes, auch für uns. Wer ist Jesus von Nazareth für uns? Welche Vorstellung haben wir vom Messias, welche Vorstellung haben wir von Gott? Das ist eine entscheidende Frage, die wir nicht umgehen können, um so weniger, als wir gerade in dieser Woche aufgefordert sind, unserem König zu folgen, der als Thron das Kreuz wählt; einem Messias zu folgen, der uns nicht ein einfaches irdisches Glück zusichert, sondern das Glück des Himmels, die Seligkeit Gottes. So müssen wir uns also fragen: Was sind unsere wahren Erwartungen? Welches die tiefsten Wünsche, mit denen wir heute hierher gekommen sind, um den Palmsonntag zu feiern und die Karwoche zu beginnen?

(Benedikt XVI., Palmsonntag 2012)

Einzug in Jerusalem
 

Jesus auf einem Esel in St. Nikolaus in Hall in Tirol

Der Einzugsesel war ein weißer Esel😄😄😄
 

Fresko in der Unterkirche von Assisi (Adrienne v. Speyr, Johannesevangelium)
 

Relief in Notre Dame de Paris (Ratzinger, Mitarbeiter der Wahrheit)
 

es war einer meiner Vorfahren😁
 

Fresko in rumän.-orthodoxer Kirche in Knittelfeld/Ö (Papst Benedikt, Palmsonntag 2012)
 

Glasfenster in Chartres (Papst Benedikt, Palmsonntag 2009)
 

Glasfenster in der Kathedrale von Canterbury

Sonntag, 5. April 2020

Jesus ist König

Jesus auf einem Esel, Pfarrkirche zum hl. Nikolaus, Hall in Tirol

„Hosanna! Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König Israels!“
Mit diesem Lobpreis begrüßte ihn das Volk. Stellt euch vor, was für eine Qual der Neid in den Seelen der Hohenpriester ausgelöst hat, als eine so große Menge Christus als ihren König ausrief.
Doch was kann es ihm schon bedeutet haben, König Israels zu sein? Was kann es für den König der Ewigkeit schon bedeuten, König der Menschen zu werden?
Christus ist ja nicht König Israels, um Tribut zu fordern oder ein Heer mit dem Schwert zu bewaffnen und die Feinde nieder zu kämpfen. Er ist der König Israels, weil er den Geist der Menschen regiert, weil er diejenigen, die glauben, hoffen und lieben, in das Himmelreich führt.

Wenn also der Sohn, der dem Vater gleich ist, das Wort, durch das alles geworden ist, wenn er also der König Israels sein will, dann ist das keine Erhöhung, sondern eine Erniedrigung; es ist ein Zeichen erbarmender Liebe, und keine Vermehrung der Macht. Denn er, der auf Erden König der Juden genannt wurde, er ist im Himmel der König der Engel.
Jesus setzte sich bei seinem Einzug in Jerusalem auf einen Esel, wie geschrieben steht: „Fürchte dich nicht, Tochter Zion, siehe, dein König kommt auf dem Füllen einer Eselin sitzend.“ Erkenne also den an, der von dir gepriesen wird. Hab keine Angst, wenn er leidet, denn hier wird jenes Blut vergossen, durch das deine Sünde getilgt und dir das Leben wieder geschenkt werden soll.“
(Augustinus, Kommentar zum Johannesevangelium)

Der Einzugsesel