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Montag, 30. März 2026

Salbe die Füße Jesu (Augustinus)

Maria Magdalena salbt Jesus, The Burell Collection, Glasgow
"made by the circle of the Willemsmeister" (Meister Wilhelm, 1470-1500, Köln)

 Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 12 (Evangelium vom Karmontag)

1 Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betánien,
wo Lázarus war, den er von den Toten auferweckt hatte.
2 Dort bereiteten sie ihm ein Mahl;
Marta bediente
und Lázarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren.
3 Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl,
salbte Jesus die Füße
und trocknete sie mit ihren Haaren.
Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.
4 Doch einer von seinen Jüngern,
Judas Iskáriot, der ihn später auslieferte, sagte:
5 Warum hat man dieses Öl
nicht für dreihundert Denáre verkauft
und den Erlös den Armen gegeben?
6 Das sagte er aber nicht,
weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte,
sondern weil er ein Dieb war;
er hatte nämlich die Kasse
und veruntreute die Einkünfte.
7 Jesus jedoch sagte:
Lass sie,
damit sie es für den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt!
8 Die Armen habt ihr immer bei euch,
mich aber habt ihr nicht immer.
9 Eine große Menge der Juden hatte erfahren, dass Jesus dort war,
und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen,
sondern auch um Lázarus zu sehen,
den er von den Toten auferweckt hatte.
10 Die Hohepriester aber beschlossen, auch Lázarus zu töten,
11 weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

 

Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, Augustinus, 50. Vortrag über das Johannesevangelium

„Maria“ aber, die andere Schwester des Lazarus, „nahm ein Pfund kostbarer Salbe von pistischem Nardenöl, salbte die Füße Jesu und trocknete mit ihren Haaren seine Füße, und das Haus wurde mit dem Geruche des Salböls erfüllt.“ Die Tatsache haben wir vernommen, forschen wir nach der Bedeutung. Willst du, wer immer du bist, eine gläubige Seele sein, so salbe mit Maria die Füße des Herrn mit kostbarer Salbe.
Jene Salbe war die Gerechtigkeit, darum war es ein Pfund1; es war aber eine kostbare Salbe von pistischem Nardenöl. Wenn es heißt „pistisch“, so müssen wir das für den Ort halten, woher diese kostbare Salbe war; doch ist dieses Wort nicht belanglos und paßt ganz gut zu der symbolischen Bedeutung.
Pistis heißt im Griechischen Glaube2. Du suchtest Gerechtigkeit zu üben; der Gerechte lebt aus dem Glauben3.
Salbe die Füße Jesu; folge durch ein gutes Leben den Fußtapfen des Herrn. Trockne sie mit den Haaren; wenn du Überfluß hast, gib davon den Armen und du hast die Füße des Herrn getrocknet; denn die Haare erscheinen ja als etwas Überflüssiges am Leibe. Da hast du also Gelegenheit, etwas zu tun mit deinem Überfluß; für dich ist es überflüssig, aber für die Füße des Herrn ist es notwendig. Vielleicht leiden auf Erden die Füße des Herrn Not. Denn von wem andern als von seinen Gliedern wird er am Ende sagen: „Was ihr einem aus meinen Geringsten getan, das habt ihr mir getan“4? Ihr habt euren Überfluß aufgewendet, aber ihr habt meinen Füßen einen Dienst erwiesen.


  1. Libra, zunächst Wage, dann eine Wagschale voll, ein Pfund. ↩

  2. πιστικός [pistikos] (pisticus) wird vielfach von einer persischen Stadt Pista abgeleitet, so daß es pistisches Nardenöl bedeutet; nach andern kommt es von πίστις [pistis], so daß es echtes, zuverlässiges Nardenöl bedeutet. ↩

  3. Röm. 1, 17. ↩

  4. Matth. 25, 40. ↩


The Burrell Collection, Glasgow

Sonntag, 15. März 2026

Auf, salbe ihn!

 

Berufung von David, Douglas Strachan, Holy Trinity Church, St. Andrews

Lesung aus dem ersten Buch Sámuel 16

In jenen Tagen
1b sprach der Herr zu Sámuel:
Fülle dein Horn mit Öl
und mach dich auf den Weg!
Ich schicke dich zu dem Betlehemíter Ísai;
denn ich habe mir einen von seinen Söhnen
als König ausersehen.
6 Als Sámuel den Éliab sah,
dachte er: Gewiss steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter.
7 Der Herr aber sagte zu Sámuel:
Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt,
denn ich habe ihn verworfen;
Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht.
Der Mensch sieht, was vor den Augen ist,
der Herr aber sieht das Herz.
10 So ließ Ísai sieben seiner Söhne vor Sámuel treten,
aber Sámuel sagte zu Ísai: Diese hat der Herr nicht erwählt.
11 Und er fragte Ísai: Sind das alle jungen Männer?
Er antwortete: Der jüngste fehlt noch,
aber der hütet gerade die Schafe.
Sámuel sagte zu Ísai:
Schick jemand hin und lass ihn holen;
wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen,
bevor er hergekommen ist.
12 Ísai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen.
David war rötlich,
hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt.
Da sagte der Herr: Auf, salbe ihn!
Denn er ist es.
13ab Sámuel nahm das Horn mit dem Öl
und salbte David mitten unter seinen Brüdern.
Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an.
(1. Lesung vom 4. Fastensonntag, Lesejahr A)



Samuel salbt David zum König, Douglas Strachan, St Andrews, Holy Trinity Church

Montag, 14. April 2025

Mich aber habt ihr nicht immer

 

Maria mit dem Ölgefäß, dahinter Martha und Lazarus und zwei Apostel,
Die Inschrift aus Lk 10,42 "nur eines ist nötig" identifiziert die Frau mit
Maria von Bethanien, St Mary church, Oxford


Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt!

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 12

1 Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betánien,
wo Lázarus war, den er von den Toten auferweckt hatte.
2 Dort bereiteten sie ihm ein Mahl;
Marta bediente
und Lázarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren.
3 Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl,
salbte Jesus die Füße
und trocknete sie mit ihren Haaren.
Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.
4 Doch einer von seinen Jüngern,
Judas Iskáriot, der ihn später auslieferte, sagte:
5 Warum hat man dieses Öl
nicht für dreihundert Denáre verkauft
und den Erlös den Armen gegeben?
6 Das sagte er aber nicht,
weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte,
sondern weil er ein Dieb war;
er hatte nämlich die Kasse
und veruntreute die Einkünfte.
7 Jesus jedoch sagte:
Lass sie,
damit sie es für den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt!
8 Die Armen habt ihr immer bei euch,
mich aber habt ihr nicht immer.
9 Eine große Menge der Juden hatte erfahren, dass Jesus dort war,
und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen,
sondern auch um Lázarus zu sehen,
den er von den Toten auferweckt hatte.
10 Die Hohepriester aber beschlossen, auch Lázarus zu töten,
11 weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

Montag, 3. April 2023

Der Duft seiner Liebe hat das ganze Haus erfüllt (über Johannes Paul II.)

 

Maria salbt Jesus

GEDENKMESSE ZUM 2. JAHRESTAG DES TODES
DES DIENERS GOTTES JOHANNES PAUL II.

PREDIGT VON BENEDIKT XVI.

Vorplatz des Petersdomes
Montag, 2. April 2007

 

Verehrte Mitbrüder im bischöflichen und im priesterlichen Dienst,
liebe Brüder und Schwestern!

Vor zwei Jahren, ungefähr um diese Stunde, ist der geliebte Papst Johannes Paul II. aus dieser Welt geschieden und in das Haus des Vaters heimgekehrt. Mit diesem Gottesdienst wollen wir vor allem Gott danken, daß er ihn uns für gut 27 Jahre zum Vater und sicheren Führer im Glauben gegeben hat; zum eifrigen Hirten und mutigen Propheten der Hoffnung, zum unermüdlichen und leidenschaftlichen Diener der Liebe Gottes. Zugleich bringen wir das eucharistische Opfer dar für das Heil seiner erwählten Seele, in unauslöschlicher Erinnerung an die große Hingabe, mit der er die heiligen Geheimnisse feierte und das Altarsakrament anbetete, die Mitte seines Lebens und seines unermüdlichen apostolischen Wirkens.

Ich möchte euch allen, die ihr an dieser heiligen Messe teilnehmt, meinen Dank aussprechen. Einen besonderen Gruß richte ich an Kardinal Stanislaw Dziwisz, Erzbischof von Krakau, wobei ich die Gefühle nachempfinde, die in diesem Augenblick sein Inneres bewegen. Ich grüße die übrigen Kardinäle, die Bischöfe, die Priester und Ordensleute, die hier zugegen sind; die Pilger, die aus Polen gekommen sind; die vielen Jugendlichen, die Papst Johannes Paul II. besonders innig geliebt hat, und die vielen Gläubigen, die aus ganz Italien und aus der ganzen Welt hierher auf den Petersplatz gekommen sind.

Der zweite Jahrestag des frommen Heimgangs dieses geliebten Papstes findet zu einer Zeit statt, die für die innere Sammlung und das Gebet besonders geeignet ist. Denn wir sind gestern, am Palmsonntag, in die Karwoche eingetreten, und die Liturgie läßt uns die letzten Tage des Lebens unseres Herrn Jesus auf Erden neu erleben. Heute führt sie uns nach Betanien, wo genau »sechs Tage vor dem Paschafest« – wie der Evangelist Johannes berichtet – Lazarus, Marta und Maria dem Meister ein Gastmahl bereiten. Die Erzählung des Evangeliums verleiht unserer Betrachtung eine intensive österliche Atmosphäre. Das Gastmahl in Betanien geht dem Tod Jesu voraus im Zeichen der Salbung, die Maria zu Ehren des Meisters vornahm und die er im Hinblick auf seine Grablegung angenommen hat (vgl. Joh 12,7). Aber es ist auch Ankündigung der Auferstehung durch die Anwesenheit des auferweckten Lazarus, ein deutliches Zeugnis der Macht Christi über den Tod. Neben der prägnanten österlichen Bedeutung hat die Erzählung vom Gastmahl in Betanien auch einen gefühlvollen Nachhall an sich und ist von Zuneigung und Verehrung erfüllt; sie ist eine Mischung aus Freude und Schmerz: von großer Freude über den Besuch Jesu und seiner Jünger, über die Auferweckung des Lazarus und über das nahende Paschafest; von tiefer Bitterkeit, weil dieses Paschafest das letzte sein könnte, wie es die Feindseligkeiten der Juden, die Jesus töten wollten, und die Drohungen sogar gegen Lazarus, den man beseitigen wollte, befürchten ließen.

Es gibt in diesem Abschnitt des Evangeliums eine Geste, die unsere Aufmerksamkeit weckt und die auch jetzt unsere Herzen in besonderer Weise berührt: Maria von Betanien nahm mit einem Mal »ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar« (Joh 12,3). Dies ist eine jener Einzelheiten aus dem Leben Jesu, die Johannes in seinem Herzen bewahrt hat und die eine unglaubliche Ausdruckskraft beinhalten. Sie spricht von der Liebe zu Christus, einer wunderbaren, überströmenden Liebe, wie diese über seine Füße ausgegossene »kostbare« Salbe. Eine Tat, die Judas Iskariot natürlich empörte: Die Logik der Liebe kollidiert mit der Logik des Profits.

In uns, die wir im Gebet vereint sind zum Gedächtnis meines verehrten Vorgängers, weckt Marias Geste der Salbung starken Widerhall und geistliche Eindrücke. Sie ruft das leuchtende Zeugnis in Erinnerung, das Johannes Paul II. von einer vorbehaltlosen und vollen Liebe zu Christus gegeben hat. Der »Duft« seiner Liebe »hat das ganze Haus erfüllt« (vgl. Joh 12,3), das heißt die Kirche. Sicher, wir, die wir ihm nahestanden, haben es in besonderer Weise wahrgenommen, und dafür danken wir Gott. Aber auch die Fernstehenden hatten davon Nutzen, denn die Liebe von Papst Wojtyla zu Christus war so stark und so tief, daß sie in alle Teile der Welt sozusagen übergeflossen ist. Sind nicht die Wertschätzung, die Achtung und die Zuneigung, die Glaubende und Nichtglaubende bei seinem Tod zum Ausdruck brachten, ein deutlicher Beweis dafür? Augustinus schreibt in seinem Kommentar zu diesem Abschnitt des Johannesevangeliums: »Das Haus wurde vom Wohlgeruch des Salböls erfüllt; das heißt, die Welt wurde mit einem guten Ruf erfüllt; denn ein Wohlgeruch ist ein guter Ruf … Durch die guten Christen wird der Name Gottes gepriesen« (In Io. Evang. Tr. 50,7). Das ist wirklich wahr: Der intensive und fruchtbare Hirtendienst und noch mehr das Martyrium der Agonie und der ruhige Tod unseres geliebten Papstes haben die Menschen unserer Zeit erkennen lassen, daß Jesus Christus für ihn wahrhaftig »alles« war.

Die Fruchtbarkeit dieses Zeugnisses, das wissen wir, kommt vom Kreuz. Im Leben Karol Wojtylas war das Wort »Kreuz« nicht nur ein Wort. Schon von Kindheit und Jugend an kannte er Leid und Tod. Als Priester und als Bischof und vor allem als Papst hat er den letzten Ruf des auferstandenen Christus an Simon Petrus am Ufer des See Gennesaret ernst genommen: »Folge mir nach! … Du aber folge mir nach!« (Joh 21,19.22). Besonders während des langsamen, aber unaufhaltsamen Fortschreitens der Krankheit, die ihm nach und nach alles genommen hat, ist sein Dasein eine Ganzhingabe an Christus geworden, eine lebendige Verkündigung seines Leidens, in der Hoffnung, die vom Glauben an die Auferstehung erfüllt war.

Sein Pontifikat stand ganz unter dem Zeichen der »Großherzigkeit«, der großmütigen vorbehaltlosen Selbsthingabe. Was hat ihn bewegt, wenn nicht die mystische Liebe zu Christus, zu dem, der ihn am 16. Oktober 1978 hatte rufen lassen mit den Worten des Zeremoniells: »Magister adest et vocat te – Der Meister ist da und ruft dich«? Am 2. April 2005 kam der Meister wieder, diesmal ohne Vermittler, und rief ihn, um ihn heimzuführen, in das Haus des Vaters. Und er antwortete wieder spontan, aus furchtlosem Herzen, und flüsterte: »Laßt mich zum Herrn gehen« (vgl. S. Dziwisz, Una vita con Karol, S. 223).

Seit langem hatte er sich auf diese letzte Begegnung mit Jesus vorbereitet, wie die vielen Entwürfe des Testaments beweisen. Während seines langen Verweilens in der Privatkapelle sprach er mit ihm, überließ sich völlig seinem Willen und vertraute sich Maria an, indem er das »Totus tuus« wiederholte. Wie sein göttlicher Meister lebte er seine Agonie im Gebet. An seinem letzten Lebenstag, am Vortag des Sonntags der Göttlichen Barmherzigkeit, bat er darum, daß ihm gerade das Johannesevangelium vorgelesen werde. Mit Hilfe der Personen, die ihm beistanden, wollte er an allen täglichen Gebeten und am Stundengebet teilnehmen, er wollte bei der Anbetung und der Meditation mitwirken. Er ist betend gestorben. Er ist wahrhaftig im Herrn entschlafen.

»Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt« (Joh 12,3). Kommen wir auf diese so eindrucksvolle Aussage des Evangelisten Johannes zurück. Der Duft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe des Papstes erfüllte sein ganzes Haus, erfüllte den Petersplatz, erfüllte die Kirche und verbreitete sich in der ganzen Welt. Was nach seinem Tod geschehen ist, war für den, der glaubt, die Wirkung dieses »Duftes«, der alle, die Nahen und die Fernen, berührt hat; und er hat sie zu einem Menschen hingezogen, den Gott allmählich seinem Christus gleichförmig gemacht hat. Deshalb können wir auf ihn die Worte des ersten Liedes vom Gottesknecht anwenden, die wir in der Ersten Lesung gehört haben: »Seht, mein Knecht, den ich stütze, mein Erwählter, der mir gefällt. Ich habe auf ihn meinen Geist gelegt, er wird den Völkern das Recht bringen« (Jes 42,1). »Gottesknecht – Diener Gottes«: Das ist er gewesen, und so wird er jetzt in der Kirche genannt, während sein Seligsprechungsprozeß rasch fortschreitet, von dem heute morgen die Diözesanuntersuchung über das Leben, die Tugenden und den Ruf der Heiligkeit abgeschlossen wurde. »Diener Gottes«. Das ist ein Titel, der ihm besonders angemessen ist. Der Herr hat ihn in seinen Dienst gerufen auf dem Weg des Priestertums und hat ihm nach und nach immer weitere Horizonte eröffnet: von seiner Diözese bis zur universalen Kirche. Diese weltumspannende Dimension hat im Augenblick seines Todes die größte Ausdehnung erreicht; ein Ereignis, das die ganze Welt mit einer in der Geschichte noch nie dagewesenen Anteilnahme mitgelebt hat.

Liebe Brüder und Schwestern, der Antwortpsalm hat uns Worte voll Zuversicht in den Mund gelegt. In der Gemeinschaft der Heiligen scheint es uns, sie mit der lauten Stimme des geliebten Johannes Pauls II. zu hören, der vom Haus des Vaters aus – dessen sind wir sicher – den Weg der Kirche unaufhörlich begleitet. »Hoffe auf den Herrn und sei stark! Hab festen Mut und hoffe auf den Herrn! (Ps 27,14). Ja, haben wir festen Mut, liebe Brüder und Schwestern, und lebendige Hoffnung! Mit dieser Einladung im Herzen setzen wir die Eucharistiefeier fort, wobei wir schon das Licht der Auferstehung Christi ahnen, das in der Osternacht nach der dramatischen Finsternis des Karfreitags erstrahlen wird. Das »Totus tuus« des geliebten Papstes sporne uns an, ihm auf dem Weg der Selbsthingabe an Christus durch die Fürsprache Marias zu folgen. Das erwirke uns gerade sie, die heilige Jungfrau, während wir ihren Händen diesen unseren Vater, Bruder und Freund anvertrauen, damit er in Gott in Frieden ruhe und sich freue. Amen.

Magdalen College - Oxford

Montag, 6. April 2020

Des Sünders Liebe für den Herrn

eine Sünderin salbt dem Herrn die Füße, Relief vom Hochaltar der Kathedrale von Burgos


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
1Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte.
2Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente, und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren.
3Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.
4Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte:
5Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben?
6Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte.
7Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue.
8Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch.
9Viele Juden hatten erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte.
10Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten,
11weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

(Johannes 12,1-11, Evangelium vom Montag der Karwoche) 

Hochaltar der Kathedrale von Burgos



Das soeben verkündete Evangelium führt uns nach Betanien, wo, wie der Evangelist schreibt, Lazarus, Marta und Maria dem Meister ein Mahl bereiteten (Joh 12,1–2). Dieses Festmahl im Haus der drei Freunde Jesu ist von Vorahnungen des nahen Todes gekennzeichnet: die sechs Tage vor dem Paschafest; der Vorschlag des Verräters Judas; die Antwort Jesu, der auf eine fromme Begräbnissitte verweist, die Maria im voraus durchführte; der Hinweis darauf, daß sie ihn nicht immer bei sich haben würden; der Beschluß, Lazarus zu töten, in dem sich der Wille widerspiegelt, Jesus zu töten. In diesem Evangeliumsbericht gibt es eine Geste, auf die ich die Aufmerksamkeit richten möchten: Maria von Betanien nahm »ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar« (12,3). Marias Geste ist Ausdruck großen Glaubens und großer Liebe gegenüber dem Herrn: Ihr genügt es nicht, die Füße des Meisters mit Wasser zu waschen, sondern sie salbt diese mit einer großen Menge kostbaren Öls, das – wie Judas einwendet – für dreihundert Denare hätte verkauft werden können. Außerdem salbt sie nicht, wie es üblich war, das Haupt, sondern die Füße: Maria schenkt Jesus das Kostbarste, was sie hat, mit einer Geste tiefer Verehrung. Die Liebe berechnet nicht, sie legt kein Maß an, sie scheut keine Kosten, sie setzt keine Grenzen, sondern sie gibt mit Freude, strebt nur nach dem Wohl des anderen, überwindet die Engherzigkeit, die Kleinlichkeit, den Groll, die Verschlossenheit, die der Mensch manchmal in seinem Herzen trägt.
(Benedikt XVI., 29. März 2010, aus der Predigt zum 5. Todestag von Johannes Paul II.)

Kathedrale von Burgos

Dienstag, 21. Januar 2020

Auf, salbe ihn!

Salbung Davids



Lesung aus dem ersten Buch Samuel, 1 Sam 16,1-13

In jenen Tagen 
1sprach der Herr  zu Samuel: Wie lange willst du noch um Saul trauern? Ich habe ihn doch verworfen; er soll nicht mehr als König über Israel herrschen. Fülle dein Horn mit Öl, und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen.
2Samuel erwiderte: Wie kann ich da hingehen? Saul wird es erfahren und mich umbringen. Der Herr sagte: Nimm ein junges Rind mit, und sag: Ich bin gekommen, um dem Herrn ein Schlachtopfer darzubringen.
3Lade Isai zum Opfer ein! Ich selbst werde dich dann erkennen lassen, was du tun sollst: Du sollst mir nur den salben, den ich dir nennen werde.
4Samuel tat, was der Herr befohlen hatte. Als er nach Betlehem kam, gingen ihm die Ältesten der Stadt zitternd entgegen und fragten: Bedeutet dein Kommen Frieden?
5Er antwortete: Frieden. Ich bin gekommen, um dem Herrn ein Schlachtopfer darzubringen. Heiligt euch, und kommt mit mir zum Opfer! Dann heiligte er Isai und seine Söhne und lud sie zum Opfer ein.
6Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter.
7Der Herr aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.
8Nun rief Isai den Abinadab und ließ ihn vor Samuel treten. Dieser sagte: Auch ihn hat der Herr nicht erwählt.
9Isai ließ Schima kommen. Samuel sagte: Auch ihn hat der Herr nicht erwählt.
10So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der Herr nicht erwählt.
11Und er fragte Isai: Sind das alle deine Söhne? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin, und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist.
12Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der Herr: Auf, salbe ihn! Denn er ist es.
13Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an. Samuel aber brach auf und kehrte nach Rama zurück.

(Lesung vom Dienstag der 2. Woche im Jahreskreis)


Verheißung Natans an König David (KHM, Wien)



Salbung Davids, Paolo Veronese, um 1555, Kunsthistorisches Museum, Wein