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Samstag, 14. September 2024

Kreuzerhöhung - wenn wir aber mit Christus gestorben sind (Johannes Chrysostomus)

 


 Johannes Chrysostomus, aus dem Kommentar aus dem Briefe des hl. Paulus an die Römer, ZWÖLFTE HOMILIE: Kap. VI, V. 5—18

Wenn du also in der Taufe gestorben bist, so bleibe tot; kein Toter kann ja mehr sündigen. Wenn du dennoch sündigst, so machst du das Geschenk Gottes zunichte. — Nachdem der Apostel eine solche (entsagungsvolle) Lebensweisheit von uns verlangt hat, stellt er auch gleich die Siegeskrone in Aussicht, indem er spricht:

V. 8: „Wenn wir aber mit Christas gestorben sind.“

Schon das ist der Siegeskronen größte, ein gemeinsames Los zu haben mit dem Herrn. Außerdem aber, sagt er, gebe ich dir noch einen andern Kampfpreis. Welchen? — Das ewige Leben.

„… so glauben wir“, fährt er fort, „daß wir auch leben werden mit ihm.“

— Und woraus erhellt das? —

V. 9: „Weil Christus, auferweckt von den Toten, nicht mehr stirbt.“

Beachte hier wieder die Schlagfertigkeit des Paulus, und wie er den Beweis führt vom Gegenteil. Es war nämlich anzunehmen, daß manche bei den Worten „Kreuz“ und „Tod“ erschrecken würden; darum zeigt er, daß man sich gerade deswegen vielmehr freuen dürfe. Schließe nicht, will er sagen, daraus, daß Christus gestorben ist, er sei sterblich. Gerade deswegen bleibt er unsterblich. Des Todes Tod ist S. b193 sein Tod geworden; und nachdem er gestorben ist, stirbt er eben deswegen nicht mehr; denn er ist ja diesen Tod

V. 10: „Für die Sünde gestorben“.

— Was heißt: „für die Sünde“? — Das heißt, er war ihr nicht unterworfen, sondern er starb unserer Sünde wegen. Er starb dafür, daß er unsere Sünde hinwegnehme, daß er ihr die Nerven zerschneide und ihr alle Kraft benehme. — Siehst du, wie der Apostel (durch diese Begründung) auch Furcht einjagt? Wenn Christus nicht ein zweites Mal stirbt, so gibt es auch kein zweites Taufbad; wenn es aber kein zweites Taufbad gibt, dann halte dich fern von der Sünde! Das alles sagt der Apostel, um jenem Einwand zu begegnen: „Wir wollen Böses tun, damit Gutes daraus hervorgehe“, und dem andern: „Wir wollen verharren in der Sünde, damit die Gnade sich um so mehr erweise.“ Um eine solche (irrige) Meinung mit der Wurzel auszurotten, stellt er alle diese Sätze auf.

„Insoweit er aber lebt, lebt er Gott“,

fährt er fort; d. h. er lebt, ohne eine Auflösung befürchten zu müssen, da er nicht mehr unter der Herrschaft des Todes steht. Denn wenn er das erstemal den Tod erlitten hat, obwohl er ihm nicht unterworfen war, sondern wegen der Sünde anderer, so wird er um so weniger jetzt sterben, nachdem er die Erlösung von der Sünde gebracht hat. Dasselbe sagt der Apostel im Briefe an die Hebräer: „Einmal ist Christus nach Ablauf der (von Gott festgesetzten) Zeit erschienen, um die Sünde durch sein Opfer hinwegzunehmen. Und so wie es den Menschen bestimmt ist, nur einmal zu sterben, so ist auch Christus nur einmal geopfert worden, um die Sünden vieler zu tilgen; das zweitemal wird er ohne Beziehung auf die Sünde denen zum Heil erscheinen, die ihn erwarten“ . Damit macht der Apostel einerseits die Kraft des Lebens nach Gott, andererseits die Gewalt der Sünde begreiflich. Die Kraft des Lebens nach Gott (zeigt sich darin), daß Christus nicht mehr stirbt; die Gewalt der Sünde darin, daß dieselbe den Tod auch über den gebracht hat, der (selbst) ohne Sünde war; wie sollte sie dann die nicht zugrunde richten, die ihr unterworfen sind?

Bisher hat er von dem Leben Christi gesprochen; damit nun nicht jemand einwende: Was hat das für einen Bezug auf uns? fährt er fort:

V. 11: „So haltet auch ihr euch für abgestorben der Sünde, lebend aber für Gott.“

Treffend sagt der Apostel: „Haltet euch dafür“; denn augenscheinlich darstellen läßt sich das bisher Gesagte nicht. — Und wofür sollen wir uns halten? „Für abgestorben der Sünde, lebend aber für Gott in Christus Jesus, unserem Herrn.“ Wer nämlich so lebt, der faßt alle Tugend in sich, da er ja Jesus selbst zum Bundesgenossen hat; das bedeutet das „in Christus“. Denn wenn er Tote auferweckt, wird er um so mehr imstande sein, Lebende zu erhalten.

Freitag, 8. November 2019

Johannes Dun Scotus

Duns Scotus, Mansfield College, Oxford


Johannes Duns Scotus, Franziskanertheologe. Johannes Duns Scotus ist der Begründer der berühmten Schule der Skotisten, die im Mittelalter vor allem von Franziskanertheologen getragen wurde. Er wurde um 1270 geboren, sein Geburtsort ist wahrscheinlich Duns in Schottland. Er trat mit 20 Jahren bei den Franziskanern ein und erhielt 1291 die Priesterweihe. Nachdem er in Paris studiert und „doctor theologiae“ geworden war, kehrte er nach England zurück und lehrte in Cambridge und Oxford. 1307 wurde er zum Unterricht seiner Brüder nach Köln gesandt.
Johannes Duns Scotus hat zahlreiche Schriften hinterlassen. Für die Dogmenentwicklung wurde vor allem seine Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens von Bedeutung, da er das Anliegen der Thomisten erfüllt, indem er die Gottesmutter sehr wohl unter die Erlösungstat Christi stellt. In der Art der Erlösung unterscheidet sich Maria jedoch von den anderen Kindern Evas: Sie wird von der Erbsünde nicht erst befreit, sondern schon immun bewahrt. Darüber hinaus hat Duns Scotus zahlreiche Schriften hinterlassen, darunter Kommentare zu Aristoteles und den Sentenzen des Petrus Lombardus.
Wegen seiner spekulativen Kraft gab man ihm den Beinamen „Doctor subtilis“. Die Franziskanertheologie wurde durch ihn so sehr befruchtet, dass sie nach ihm die „skotistische Schule“ genannt wurde. Duns Scotus starb in Köln am 8. November 1308, er war nur 38 Jahre alt geworden. Sein Leib wurde in der Minoritenkirche begraben. Eine Verehrung des einflussreichen Theologen lässt sich durchgehend bezeugen, jedoch wurde Duns Scotus, den Martin Heidegger als den „Philosophen der Zukunft“ bezeichnet hat, erst 1994 von Johannes Paul II. selig gesprochen.
(Martyrologium Sancrucense)


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Vor allem hat er (Dun Scotus) über das Geheimnis der Menschwerdung nachgedacht, und im Unterschied zu vielen christlichen Denkern seiner Zeit hat er behauptet, dass der Sohn Gottes auch dann Mensch geworden wäre, wenn die Menschheit nicht gesündigt hätte. Er erklärt in den „Reportata Parisienses": 
„Zu denken, dass Gott auf ein derartiges Werk verzichtet hätte, wenn Adam nicht gesündigt hätte, wäre völlig unvernünftig! Ich sage also, dass der Sündenfall nicht die Ursache für die Vorherbestimmung Christi gewesen ist, und dass in dieser Hypothese - auch wenn keiner gefallen wäre, weder Engel noch Mensch - Christus noch immer in derselben Weise vorausbestimmt gewesen wäre" (In III Sent., d. 7, 4).
 Dieser vielleicht ein wenig überraschende Gedanke entsteht, da für Duns Scotus die Menschwerdung des Sohnes Gottes, die Gott von Ewigkeit an in seinem Plan der Liebe beabsichtigt hat, die Erfüllung der Schöpfung ist und es jedem Geschöpf möglich macht, Gott zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Obwohl sich Duns Scotus bewusst ist, dass uns Christus tatsächlich aufgrund der Erbsünde mit seinem Leiden, seinem Tod und seiner Auferstehung erlöst hat, betont er, dass die Menschwerdung das größte und schönste Werk der ganzen Heilsgeschichte ist und sie durch nichts Kontingentes bedingt ist, sondern die ursprüngliche Idee Gottes bildet, endlich die ganze Schöpfung mit sich selbst in der Person und im Fleisch des Sohnes zu vereinen.

Als treuer Jünger des heiligen Franziskus liebte es Duns Scotus, das Geheimnis des heilbringenden Leidens Christi zu betrachten und zu verkündigen, Ausdruck der unendlichen Liebe Gottes, der mit höchstem Großmut die Strahlen seiner Güte und seiner Liebe mitteilt (vgl. Tractatus de primo principio, c. 4). Und diese Liebe offenbart sich nicht nur auf dem Kalvarienberg, sondern auch in der allerheiligsten Eucharistie, welcher Duns Scotus sehr hingegeben war und die er als das Sakrament der Realpräsenz Jesu und als Sakrament der Einheit und der Gemeinschaft sah, das uns dazu veranlasst, einander zu lieben und Gott als das höchste gemeinsame Gut zu lieben (vgl. Reportata Parisiensia, in IV Sent., d. 8, q. 1, n. 3).

Liebe Brüder und Schwestern, diese stark „christozentrische" theologische Sicht öffnet uns für die Kontemplation, das Staunen und die Dankbarkeit: Christus ist der Mittelpunkt der Geschichte und des Kosmos, er ist es, der unserem Leben Sinn, Würde und Wert gibt!
Wie dies Papst Paul VI. in Manila tat, möchte auch ich laut zur Welt rufen:
„(Christus) ist der Offenbarer des unsichtbaren Gottes, er ist der Erstgeborene aller Geschöpfe, er ist der Grund aller Dinge; er ist der Lehrer der Menschheit, er ist der Erlöser; er ist für uns geboren worden, gestorben und auferstanden; er ist der Mittelpunkt der Geschichte der Welt; er ist jener, der uns kennt und liebt; er ist der Gefährte und Freund unseres Lebens... Fast kann ich nicht mehr aufhören, von ihm zu sprechen" (Predigt, 29. November 1970).
(Papst Benedikt XVI., 7. Juli, 2010) 



Der verherrlichte Erlöser der Welt lädt uns ein
Mansfield College
zum himmlischen Gastmahl

Mansfield College, Oxford

Montag, 2. Januar 2017

Über die heilige Geburt Christi - Basilius von Cäsarea

Basilius von Cäsarea, Mansfield College,
Oxford


Gott auf Erden, Gott unter den Menschen. Nicht im Feuer und unter Posaunenschall, nicht auf rauchendem Berg oder bei Dunkel und herzerschütterndem, ohrenbetäubendem Sturmwind, wie er die Gesetze gab, sondern in leiblicher Erscheinung snaft und gütig mit Seinesgleichen verkehrend.
Gott im Fleisch, nicht aus weiten Entfernungen wirksam wie in den Propheten, sondern vereint mit einer der Menschheit wesensgleichen Natur, um so durch sein mit uns verwandtes Fleisch die ganze Menschheit zu sich zurückzuführen.

Wie nun, fragt man, ging die Herrlichkeit von einem auf alle über? Wie war die Gottheit im Fleische? Wie das Feuer im Eisen nicht durch Übergang, sondern durch Mitteilung. Nicht entweicht ja das Feuer in das Eisen, sondern es teilt ihm, am Orte verbleibend, nur von seiner Kraft mit; auch nimmt es durch die Mitteilung nicht ab, es erfüllt vielmehr ganz, was mit ihm in Berührung kommt. So ist auch Gott das Wort nicht aus sich herausgetreten und hatt dennoch unter uns gewohnt, und zwar, ohne eine Veränderung zu erleiden, `ward das Wort Fleisch`. Der Himmel verlor den nicht, der ihn umfaßt, und doch nahm die Erde den Himmlischen in ihren Schoß auf. Denke dabei nicht an ein Herabsinken der Gottheit; denn sie geht nicht wie ein Körper von einem Ort an einen andern. Auch bilde dir nicht ein, die Gottheit hätte sich verändert in Form einer Verwandlung ins Fleisch; denn das Unsterbliche ist unveränderlich.

Wie aber, fragt man: ward nicht Gott das Wort mit leiblicher Ohnmacht angefüllt? Wir antworten: So wenig, als das Feuer von den Eigenschaften des Eisens berührt wird. Schwarz ist das Eisen und kalt; aber vom Feuer durchglüht nimmt es doch die Form des Feuers an, wird selbst glühend, ohne das Feuer zu schwärzen, flammensprühend, ohne die Flamme abzukühlen.

Ebenso hat auch das menschliche Fleisch des Herrn an der Gottheit teilgenommen, ohne der Gottheit von seiner Schwachheit mitzuteilen. Oder gibst du nicht zu, daß die Gottheit ebenso wirke wie dieses sichtbare Feuer? Träumst du vielmehr in deiner menschlichen Schwäche von einem Leiden beim Leidensunfähigen und weißt nicht, wie die verwesliche Natur durch ihre Vereinigung mit Gott die Unverweslichkeit erlangt hat? Vernimmt das Geheimnis!

Deshalb ist Gott im Fleische, um den darin verborgenen Tod zu töten. Wie die Arzneien als Gegengift dem Zersetzungsprozeß Einhalt gebieten, sobald sie sich mit dem Körper verbinden, und die Finsternis im Hause verschwindet, sobald man das Licht herbeibringt, so ist auch der Tod, der in der menschlichen Natur herrschte, durch die Gegenwart der Gottheit verscheucht worden. Und wie das Eis im Wasser, solange Nacht und Schatten darauf liegt, die Nässe beherrscht, unter dem Strahl der wärmenden Sonne aber schmilzt, so hat auch der Tod bis zur Ankunft Christi geherrscht; als aber die rettende Gnade Gottes erschien und die Sonne der Gerechtigkeit aufging, wurde der Tod im Sieg verschlungen, weil er die Gegenwart des wahren Lebens nicht ertragen konnte.

O Tiefe der Güte und Liebe Gottes! Dank dieser übergroßen Menschenfreundlichkeit haben wir das Joch der Knechtschaft abgeschüttelt. Und da suchen Menschen noch nach dem Grund, weshalb Gott unter den Menschen weilte, indes sie doch seine Güte anbeten sollten.

(Basilius der Große: Predigt über die heilige Geburt Christi 2, in: Texte der Kirchenväter II, 99ff)