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Dienstag, 29. September 2026

Raphael und Tobias im Wiener Stephansdom

Stephansdom



Im Eingangsbereich des Doms stehen Holzfiguren der Erzengel Raphael und Tobias.  Dompfarrer Karl Raphael Dorr (1905–1964), der während der NS-Zeit
ins Exil musste, stiftete nach seiner Rückkehr nach Wien aus Dankbarkeit die beiden Figuren für
den Dom. Sie wurden von Prof. Hans Mauracher aus einem eichenen Pressbaum einer dreihundert Jahre
alten steirischen Weinpresse 1951/52 geschaffen.

Erzengel Raphael links und Tobias mit Fisch rechts im Eingangsbereich des Wiener Stephansdoms



LITANEI ZUM HEILIGEN ERZENGEL RAPHAEL

Herr erbarme dich unser! Christus erbarme dich unser! Herr erbarme dich unser!
Christus höre uns! Christus erhöre uns!
Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser!
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser!
Heiliger Dreifaltiger Gott, erbarme dich unser!

Heiliger Raphael, Arzt Gottes BITTE FÜR UNS!
Heiliger Raphael, Engel der Schmerzen und der Heilung,
Heiliger Raphael, Patron der Ärzte,
Heiliger Raphael, „Heiler der Welt“,
Heiliger Raphael, unüberwindlicher Verteidiger in leiblichen und seelischen Gefahren,
Heiliger Raphael, du hast den großen Kampf wieder aufgenommen,
Heiliger Raphael, Sieger über Aschmodai,
Heiliger Raphael, du bildest uns aus im geistlichen Kampf,
Heiliger Raphael, Ermutigung der Seelen in der Prüfung,
Heiliger Raphael, Diener der geschädigten Seelen,
Heiliger Raphael, Verteidiger der versuchten Seelen,
Heiliger Raphael, Lehrer der Unterscheidung und wahrer geistlicher Führer,
Heiliger Raphael, Begleiter der Büßenden,
Heiliger Raphael, Patron der Bekenner,
Heiliger Raphael, Beschützer geistlicher Berufungen,
Heiliger Raphael, Hüter der Eremiten,
Heiliger Raphael, Wohltäter der mildtätigen Seelen,
Heiliger Raphael, Mitarbeiter bei guten Werken,
Heiliger Raphael, Vorbild der Schutzengel,
Heiliger Raphael, wundertätiger Bote mit besonderem Auftrag,
Heiliger Raphael, Hilfe aller, die dich anrufen,
Heiliger Raphael, mächtiger Fürsprecher bei Gott,
Heiliger Raphael, zuverlässiger Ratgeber,
Heiliger Raphael, Engel der göttlichen Liebe,
Heiliger Raphael, Ausdruck der göttlichen Vorsehung,
Heiliger Raphael, Bote des Glücks,
Heiliger Raphael, Verbreiter der Freude des Himmelreichs,
Heiliger Raphael, Engel der Reinheit und der Selbstbeherrschung,
Heiliger Raphael, Vermittler christlicher Ehen,
Heiliger Raphael, einer der sieben Engel, die vor der Herrlichkeit Gottes stehen,
Heiliger Raphael, Anbeter des Gekreuzigten,
Heiliger Raphael, du fängst auf das kostbare Blut Christi zu unserer Rettung.

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, Herr, verschone uns.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, Herr, erhöre uns.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, Herr, erbarme dich.

Bitte für uns, heiliger Raphael!

Herr, unser Gott, führe uns, auf den Weg des Friedens. Wir preisen und verehren alle Himmelsfürsten, besonders aber den treuen Arzt und Begleiter Raphael, der sich des Dämons bemächtigt und ihn in Ketten legt. 

Gott hat seinen Engeln befohlen, euch zu behüten auf all euren Wegen.

Lasset uns beten: Gott, du hast deinem Diener Tobias den heiligen Erzengel Raphael als Reisebegleiter gegeben. Gib, dass auch wir, deine Diener, immer unter seinem Schutz stehen und durch seinen Beistand gestärkt werden. Durch Christus, unseren Herrn. Amen!

nach „Collection Prieres" - Saint Raphael, Dieu guerit: © M. Lorient ©, Ed. Benedictines, 1995

Mittwoch, 12. September 2018

Tobias

Tobias trifft den Erzengel Raphael, Andrea Vaccara (1640-1670), Museum National Art de Catalunya, Barcelona


Tobias, biblisches Vorbild. Tobias ist die Hauptperson in dem lehrhaften Buch Tobit des Alten Testament. Tobit, sein gleichnamiger Vater, zeichnete sich durch Glaubenstreue und Nächstenliebe aus. Sein Sohn Tobias wird von ihm auf Brautsuche geschickt. Auf der gefährlichen Reise wird er durch den Erzengel Raphael begleitet und gelangt sicher zu seiner Frau Sara, die er ehelicht. Nach der Rückkehr heilt Raphael die Blindheit des alten Vaters. Tobias ist Zeuge für die lenkende und leitende Vorsehung Gottes, der alles zum Guten führt, die auf ihn vertrauen und nach seinen Geboten handeln.
(Martyrologium Sancrucense)



1 Da antwortete Tobias und sagte zu Tobit, seinem Vater: Alles, was du mir geboten hast, werde ich tun, Vater.
2 Aber wie kann ich das Geld von ihm erhalten? Er kennt mich nicht und ich kenne ihn nicht. Welches Zeichen gebe ich ihm, an dem er mich erkennt und mir glaubt, sodass er mir das Geld wiedergibt? Außerdem kenne ich die Wege nach Medien nicht, um dorthin zu reisen.
3 Da antwortete Tobit und sagte Tobias, seinem Sohn: Gabaël hat mir seinen mit eigener Hand geschriebenen Schuldschein gegeben und ich habe ihm einen mit eigener Hand geschriebenen Schuldschein gegeben. Ich habe die Scheine geteilt, sodass jeder von uns eine Hälfte erhalten hat, und diese habe ich zu dem Geld gelegt. Siehe, zwanzig Jahre sind es jetzt her, dass ich dieses Geld hinterlegt habe. Such dir also einen zuverlässigen Menschen, der dich begleiten kann, Kind! Wir werden ihm einen Lohn zahlen für die Zeit, bis du zurückkommst. Und hole dieses Geld bei Gabaël!
4 Tobias ging hinaus, um jemanden zu suchen, der mit ihm nach Medien reisen könnte und dem der Weg vertraut war. Er ging also hinaus und fand Rafaël, den Engel, vor sich stehen. Er wusste aber nicht, dass es ein Engel Gottes ist.
5 Er sagte zu ihm: Woher bist du, junger Mann? Er sagte ihm: Ich bin einer von den Israeliten, deinen Brüdern. Ich bin gekommen, um hier zu arbeiten. Tobias sagte zu ihm: Kennst du den Weg, auf dem man nach Medien gelangt?
6 Er sagte zu ihm: Gewiss! Ich bin vielmals dort gewesen und ich bin erfahren und weiß alle Wege. Ich bin mehrmals nach Medien gegangen und habe bei Gabaël, unserem Bruder, der in Rages in Medien wohnt, übernachtet. Zwei volle Tagesreisen ist Ekbatana von Rages entfernt; denn es liegt im Bergland, Ekbatana hingegen in der Ebene.
7 Tobias sagte zu ihm: Warte auf mich, junger Mann, bis ich heimgegangen bin und meinem Vater Bescheid sage! Ich brauche dich nämlich, dass du mit mir gehst. Deinen Lohn werde ich dir geben.
8 Er sagte zu ihm: Gut, ich warte. Nur mach nicht lang!
9 Tobias ging heim und sagte seinem Vater Tobit Bescheid. Er sagte ihm: Siehe, ich habe jemanden aus unseren Brüdern, den Söhnen Israels, gefunden. Und Tobit sagte ihm: Ruf mir den Mann, damit ich erfahre, was sein Geschlecht ist, aus welchem Stamm er kommt und ob er vertrauenswürdig ist, um mit dir zu geben, Kind!
10 Und Tobias ging hinaus, rief ihn und sagte zu ihm: Junger Mann, mein Vater ruft dich! Und der Engel trat ein. Tobit grüßte ihn als Erster und der Engel antwortete ihm: Möge dir viel Freude zuteilwerden! Tobit antwortete ihm: Welche Freude bleibt mir noch? Ich kann meine Augen nicht gebrauchen und das Licht des Himmels sehe ich nicht, sondern liege in Finsternis wie die Toten, die das Licht nicht mehr schauen. Lebend bin ich unter den Toten. Ich höre die Stimme von Menschen, aber ich sehe sie nicht. Da sagte der Engel ihm: Sei guten Mutes, bei Gott ist die Zeit schon nahe, dich zu heilen! Nur Mut! Tobit sagte zu ihm: Tobias, mein Sohn, will nach Medien gehen. Kannst du mit ihm gehen und ihn dorthin führen? Ich werde dir deinen Lohn zahlen, Bruder. Er sagte zu ihm: Ich kann mit ihm gehen. Ich weiß alle Wege. Ich bin oft nach Medien gezogen und bin durch alle seine Ebenen gegangen und die Berge und all seine Wege kenne ich.
11 Tobit sagte zu ihm: Bruder, aus welcher Familie bist du und zu welchem Stamm gehörst du? Teile es mir mit, Bruder!
12 Er sagte: Was kümmert dich mein Stamm? Tobit sagte ihm: Ich möchte gern der Wahrheit gemäß wissen, wessen Sohn du bist, Bruder, und wie du heißt.
13 Er sagte zu ihm: Ich bin Asarja, der Sohn des großen Hananja von deinen Brüdern.
14 Da sagte Tobit zu ihm: Willkommen und alles Gute, Bruder! Und nimm es mir nicht übel, Bruder, dass ich die Wahrheit wissen und deine Familie kennen wollte. Zum Glück bist du ein Bruder aus einem guten und edlen Geschlecht. Hananja und Natan, die beiden Söhne des großen Schimi, habe ich gut gekannt: Sie zogen immer mit mir nach Jerusalem und beteten dort mit mir an und ließen sich nicht in die Irre führen. Deine Brüder sind gute Menschen. Aus einer edlen Wurzel stammst du, sei willkommen!
15 Dann sagte er zu ihm: Ich gebe dir als Lohn eine Drachme am Tag und das, was du wie mein Sohn zum Leben brauchst. Reise also mit meinem Sohn
16 und ich werde dir noch etwas auf den Lohn drauflegen!
17 Der Engel sagte ihm: Ich werde mit ihm gehen. Und fürchte dich nicht! Wohlbehalten werden wir fortgehen und wohlbehalten zu dir zurückkehren, denn der Weg ist sicher. Da sagte Tobit ihm: Segen sei mit dir, Bruder! Und er rief seinen Sohn und sagte zu ihm: Bereite alles für die Reise, Kind, und zieh mit deinem Bruder fort! Gott im Himmel möge euch sicher führen und euch mir sicher und gesund zurückgeben! Und sein Engel begleite euch zu eurem Schutz, Kind! Tobias ging hinaus, um sich auf seinen Weg zu machen. Er küsste seinen Vater und seine Mutter und Tobit sagte ihm: Gehe wohlbehalten!
18 Seine Mutter aber begann zu weinen und sprach zu Tobit: Warum hast du mein Kind weggeschickt? Ist er nicht der Stab in unserer Hand und geht vor uns ein und aus?
19 Geld braucht nicht zu unserem Geld hinzuzukommen. Es soll uns das Lösegeld für unser Kind werden!
20 Was uns vom Herrn zu leben gegeben wird, ist genug.
21 Er sagte zu ihr: Mach dir keine Sorge! Unser Kind bricht wohlbehalten auf und wird wohlbehalten zu uns zurückkommen. Deine Augen werden unseren Sohn sehen an dem Tag, an dem er wohlbehalten zu dir zurückkommt. Mach dir keine Sorgen, fürchte nicht um sie beide, Schwester!
22 Denn ein guter Engel wird mit ihm gehen. Er wird gut auf seinem Weg geführt werden und wohlbehalten heimkehren.
23 Da hörte sie auf zu weinen.
(Tobit 5)


Tobitzyklus von vier Bildern, Museum National Art de Catalunya, Barcelona