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Donnerstag, 29. November 2018

Apostel Andreas

Apostel Andreas, St Mary the Great, Cambridge



Leben und Sterben des Apostels Andreas (S. Andrea della Valle, Rom)

Andreaskapelle in Our Lady of the English Martyrs (Cambridge)

Am Grab des Apostels Andreas in Amalfi (Katechese von Papst Benedikt XVI.)

Die Andreaskapelle im Erzbischöflichen Palais



Allmächtiger Gott,
du hast deiner Kirche
den heiligen Apostel Andreas
als Boten des Glaubens und als Hirten gegeben.
Erhöre unser Gebet
und gib, dass auch die Kirche unserer Tage
die Macht seiner Fürsprache erfahre.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Samstag, 17. März 2018

Die hl. Gertrud wird vom hl. Patrick empfangen


Das Sterben der hl. Gertrud (aus ihrer Lebensbeschreibung)

Und als ihr letzter Tag kam, bestimmte sie es so, dass sie ihr am Begräbnistag selbst weder ein wollenes noch ein leinenes Gewand anlegten, sondern nur einen sehr wertlosen Schleier, den eine fremde Nonne ihr vor mehreren Tagen zur Segnung gebracht hatte, um den Kopf damit zu bedecken, und das härene Gewand, und im Grab, wo sie in Frieden ruht, sie mit keiner anderen Hülle zu bedecken außer diesen beiden, dem härenen Gewand, mit welchem sie bekleidet war, und einem alten Tuch, mit welchem das härene Gewand verhüllt wurde. Sie sagte nämlich, dass überflüssige Dinge weder Sterbenden noch Lebenden etwas nutzen konnten, was Weise als wahr bezeugen.

Als sich darauf der Tag der Himmelfahrt ihrer Seele näherte, rief sie einen von den Mönchen und unterwies ihn, indem sie sagte: ,Geh eilends zu jenem Wandermönch, der etwas entfernt in einem Kloster ist, das Fosses genannt wird, und sag zu jenem: ,,Die Jungfrau Christi Gertrud hat mich zu dir geschickt, um dich zu fragen, an welchem Tag sie aus diesem Leben scheiden werde, denn sie sagt, dass sie sich sehr fürchtet, und zugleich freut sie sich". Und jener wird dir sagen, was du mir berichten sollst. Geh, und zweifle nicht! Sogleich aber, nachdem er den Befehl erfüllt hatte, vorzutragen, was ihm aufgetragen worden war, gab jener Diener Gottes dem Boten ohne Verzug die Antwort und sagte: Heute sind die 17. Kalenden des April (ist  der 16. März). Morgen aber während der feierlichen Messe wird jene Dienerin Gottes und Jungfrau Christi Gertrud von ihrem Körper scheiden.

Und sag ihr, sie soll sich nicht fürchten noch zittern wegen ihres Todes, sondern sich fröhlich aufmachen, weil der heilige Bischof Patrick mit den erwählten Engeln Gottes mit ungeheurem Jubel bereit ist, sie zu empfangen.

Du aber geh schnell. Jener Bruder, der hingeschickt worden war, fragte ihn, ob er das durch gottliche Offenbarung gesehen habe, dass er ihm das genau sage. Zur Antwort sagte der: „Geh du, Bruder, und eile. Du weißt das: am morgigen Tag; was fragst du mich mehr?“ Als dieser zurückgekehrt war, berichtete er der Dienerin Christi, was ihm an sie aufgetragen worden war. Jene aber, gleichsam aus dem Schlaf erwachend, machte vor Freude ein fröhliches Gesicht und sagte Gott Dank, weil er seine Magd gewürdigt hat, durch seinen Diener getröstet zu werden. So blieb sie aufgrund seines Versprechens froh, so dass sie während der ganzen Nacht mit den Schwestern in Psalmen und Hymnen und Gebeten Nachtwache hielt.

Am nächsten Tag aber, einem Sonntag, ungefähr um die 6. Stunde, nahm sie entsprechend dem Wort des Mannes Gottes die heilige Wegzehrung des Leibes und Blutes Christi. Und als jener Priester das sonntägliche Stillgebet beendet hatte — in ihrem 33. Lebensjahr, an den 16. Kalenden des April (ist der 17. März), sagte sie ihrem Schöpfer Dank, der sie für würdig gehalten hat, sie ohne Verirrung in seine Herrlichkeit zu rufen; als sie das gesagt hatte, gab sie Gott ihre Seele auf, Während ich und ein anderer Bruder namens Rinchinus dorthin gerufen wurden, um die Schwestern zu trösten, rief mich jener Diener Gottes Rinchinus beim Namen und sagte: „Merkst du etwas?“ Ich aber antwortete: „Nein, außer dass ich die Schwestern in großer Trauer sehe.“ Als ich das gesagt hatte, kam ein sehr lieblicher Duft, gleichwie eine Duftmischung von Salbölen, und erfüllte jene Zeile, wo der heilige Leichnam lag. Und als wir von dort gingen, spürten wir in unserer Nase immer noch die Lieblichkeit jenes wunderbaren Duftes. Als alles, was sie wegen des heiligen Leichnams taten, und die Gottesdienste beendet waren, wurde der Leichnam der heiligen Jungfrau Christi Gertrud in ihrem Grab, das sie sich einst selbst bereitet hatte, von den Priestern und Dienerinnen Gottes unter dem Lob Gottes ehrenvoll bestattet, wo täglich aufgrund ihrer Fürbitte Gnaden erwiesen werden.
(Quelle: regionalgeschichtenet)

hl. Patrick, St Mary the Great, Cambridge

Freitag, 2. Juni 2017

Blandina von Lyon

Blandina mit einem Netz, einem Atrribut ihres Martyriums;
St Mary the Great, Cambridge

Die Sklavin Blandina erlitt in Lyon unter der Herrschaft von Marc Aurel das Martyrium, unter anderem wurde sie in einem Netz wilden Stieren vorgeworfen. Im Jahr 177 fand sie nach weiteren Folterungen den Tod.


An Blandina zeigte Christus, daß gerade das, was nach dem Urteil der Menschen wertlos, unansehnlich und verächtlich erscheint, bei Gott großer Herrlichkeit wert ist durch die Liebe zu ihm, die sich in Macht erweist und sich nicht großtut in äußerem Ansehen. Alle alle fürchteten nun - und auch ihre irdische Herrin, die selbst eine Kämpferin unter den Martyrern war, bangte darum-, Blandina könnte wegen ihrer zarten Konstitution das Bekenntnis nicht freimütig ablegen. Jedoch wurde sie von solcher Kraft erfüllt, daß ihre Peiniger, die sie abwechselnd von früh bis spät auf jede Weise quälten, müde wurden und erschlafften. Sie erklärten sich für überwunden, weil es gar nichts mehr gab, was sie ihr noch hätten antun können, und sie staunten, daß sie überhaupt noch atmete; denn ihr ganzer Körper war zerrissen und zerfleischt. Sie jedoch gestanden zu, daß eine einzige Tortur genügt hätte, das Leben auszulöschen, geschweige denn so schwere und viele.
die selige Blandina aber verjüngte sich bei ihrem Bekenntnis wie ein edler Kämpfer, und die Aussage: "Ich bin Christin. Bei uns geschieht nichts Böses", war ihr Heilung und Erquickung und machte sie gefühlos gegen die Schmerzen. (...).

Blandina wurde an einem Holzpfahl aufgehängt zur Beute für die wilden Tiere, die man auf sie losließ. Durch ihren Anblick - sie hing da in Kreuzesform - und durch ihr inständiges Beten flößte sie den Mitstreitern großen Mut ein, weil sie bei diesem Kampfe auch mit ihren leiblichen Augen in der Schwester den schauten, der für sie gekreuzigt worden war, um alle, die an ihm glauben, davon zu überzeugen, dass jeder, der um der Herrlichkeit Christi willen leidet, immerdar Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott hat.
Als keines der Tiere Blandina anrührte, wurde sie von Kreuze abgenommen, ins Gefängnis zurückgebracht und für einen anderen Kampf aufbewahrt. So sollte sie, in vielen Kämpfen siegreich, der falschen Schlange das unerbittliche Urteil aussprechen und die Brüder ermuntern. Sie, die Kleine, Schwache und Geringe, hatte dem großen, unbesieglichen Kämpfer Christus angezogen (vgl. Röm 13,14; Gal 3,27) und den bösen Feind in vielen Waffengängen überwältigt. Nun wurde sie durch den Kampf mit dem Kranze der Unsterblichkeit gekrönt. (...)

BLANDINAS SIEG
Die selige Blandina war wie eine edle Mutter, die ihre Kinder angespornt und als Sieger zum König vorausgesandt hat. Nachdem sie ihre Kämpfe mit durchlitten hatte, eilte sie nun als letzte von allen ihnen nach. Sie frohlockte und jauchzte über ihr Ende, als sei sie zu einem Hochzeitsmahl gerufen, nicht, als wäre sie wilden Tieren preisgegeben. Nach den Geisselungen, den Bestien und dem glühenden Rost wurde sie zuletzt in ein Netz gehüllt und einem Stier vorgeworfen. Dieser schleuderte sie heftig empor; sie aber hatte kein Gefühl mehr für das, was mit ihr geschah, weil sie von Hoffnung und von der Erwartung desssen, was ihr der Glaube verhieß, ganz erfüllt war und weil sie stille Zwiesprache hielt mit Christus. So wurde auch sie hingeschlachtet. Selbst die Heiden mußten bekennen, daß bei ihnen noch niemals eine Frau so Schweres und Vieles gelitten hatte.
(Ich bin Christ, frühchristliche Märtyrerakten, 57ff)

Donnerstag, 1. Juni 2017

Justinus der Märtyrer



Justin der Märtyrer, St Mary the Great, Cambridge


Justinus der Märtyrer, Philosoph. Justinus stammte aus Flavia Neapolis, dem heutigen Nablus in Palästina, aus einer heidnischen römischen Familie. In seiner Jugend studierte Justinus Philosophie, insbesondere die Schriften Platons und der stoischen Philosophen, testete verschiedene philosophische Schulen, Lehrer und Systeme, und wurde schließlich von einem „alten Mann bei einem Spaziergang am Strand“ auf die Christusbotschaft gestoßen und ließ sich daraufhin taufen.

Unter Kaiser Antoninus Pius kam er nach Rom, wo sich um ihn ein Schülerkreis bildete. Justinus verfasste eine Verteidigungsschrift des Christentums, die an den Kaiser und den römischen Senat gerichtet war. In seinem „Dialog mit dem Juden Tryphon“, – es handelt sich um Aufzeichnungen einer gelehrten Disputation, die tatsächlich in Selcuk in der heutigen Türkei stattgefunden hat, – setzt sich Justinus mit der jüdischen Lehre auseinander.
Justinus ist der erste christliche Theologe, der die christliche Glaubenslehre mit der griechischen Philosophie des Platonismus zu verbinden sucht. Bei ihm findet sich auch erstmals die Parallele zwischen Eva und Maria. Er verfasste die ersten Aufzeichnungen römischer Liturgie. ´
Als Justinus lauthals gegen die Christenverfolgungen protestierte, wurde er 165 zusammen mit sechs seiner Schüler verhaftet und enthauptet. Damals regierte der heidnische Philosophenkaiser Mark Aurel. Über den Prozess sind echte Akten überliefert. Justinus ist Patron der Philosophen und wird mit Philosophenmantel und Palme dargestellt.
(Martyrologium Sancrucense)
 
St Mary the Great, Cambridge


Martyrium des Hl. Justin und seiner Genossen

1.

Martyrium der heiligen Zeugen Justinus, Chariton, Charito, Euelpistus, Hieran, Päon und Liberianus, die zu Rom gelitten haben.

Zur Zeit der verruchten Vorkämpfer des Heidentums wurden gottlose Befehle gegen die frommen Christen in Stadt und Land erlassen, um sie zu zwingen, den eitlen Götzen zu opfern. Infolgedessen wurden die heiligen Männer ergriffen und zu Rom vor den Stadtpräfekten Rustikus geführt.

2.

Als sie vor den Richterstuhl gestellt waren, sagte der Präfekt Rustikus zu Justinus: Zunächst vertraue den Göttern und gehorche den Kaisern. Justinus antwortete: Der kann nicht getadelt und verurteilt werden, welcher den Geboten unseres Heilandes Jesus Christus gehorcht. Der Präfekt Rustikus fragte: Mit welcher Gattung von Wissenschaft beschäftigst du dich? Justinus entgegnete: Ich bemühte mich, alle Systeme kennen zu lernen; zuletzt habe ich mich den wahren Lehren der Christen hingegeben, die allerdings denen, welche im Irrtum befangen sind, nicht gefallen. Der Präfekt Rustikus sagte: An der Gelehrsamkeit dieser Menschen hast du deine Freude, Unseliger! Justinus antwortete: Allerdings, weil ihre Lehre wahr ist. Der Präfekt Rustikus fragte: Welches ist diese Lehre? Justinus antwortete: Die christliche Gottesverehrung besteht darin, daß wir an einen Gott glauben, der die ganze sichtbare und unsichtbare Schöpfung gemacht und hervorgebracht hat, und an den Herrn Jesus Christus, von dem die Propheten vorherverkündet haben, daß er dem Menschengeschlechte erscheinen werde als Herold des Heiles und als Verkünder trefflicher Lehren. Ich, ein Mensch, bin zu schwach, solches auszusagen, was seiner unendlichen Gottheit würdig wäre, ich kenne aber eine prophetische Macht an; denn über ihn, den ich hier Sohn Gottes genannt habe, ist vorherverkündet worden; ich weiß, daß durch Eingebung Gottes die Propheten über sein zukünftiges Verweilen unter den Menschen vorhergesagt haben.

3.

Der Präfekt Rustikus sagte: Wo kommt ihr zusammen? Justinus entgegnete: Wo ein jeder will und kann. Du glaubst bestimmt, wir kämen alle an derselben Stelle zusammen; das ist aber nicht so, weil der Gott der Christen auf keinen Ort beschränkt ist, sondern "Himmel und Erde erfüllt" und überall von den Gläubigen verehrt und verherrlicht wird. Der Präfekt Rustikus sagte: Sage: Wo kommt ihr zusammen oder wo versammelst du deine Schüler? Justinus entgegnete: Ich wohne oberhalb des Timothinischen Bades in dieser ganzen Zeit und bin jetzt das zweite Mal in der Stadt Rom; ich kenne außer diesem keinen andern Versammlungsort; wer da mich besuchen wollte, dem teilte ich die Lehren der Wahrheit mit. Rustikus sagte: Du bleibst also dabei, ein Christ zu sein? Justinus entgegnete: Ja, ich bin ein Christ.

4.

Der Präfekt Rustikus sagte zu Chariton: Nun sage mir: Bist du auch ein Christ? Chariton antwortete: Ich bin ein Christ nach Gottes Geheiß. Der Präfekt Rustikus sagte zu der Charito: Was sagst du, Charito? Charito antwortete: Ich bin mit der Gnade Gottes eine Christin. Rustikus sagte zu Euelpistus: Wer bist denn du? Euelpistus, ein kaiserlicher Sklave, antwortete: Auch ich bin ein Christ; von Christus bin ich freigemacht und nehme an derselben Hoffnung teil durch die Gnade Christi. Der Präfekt Rustikus sagte zu Hieran: Bist auch du ein Christ? Hieran antwortete: Ja, ich bin ein Christ; denn ich ehre und bete an denselben Gott. Der Präfekt Rustikus sagte: Hat Justinus euch zu Christen gemacht? Hieran antwortete: Ich war schon Christ und werde es immer sein. Päon, der dabei stand, sagte: Auch ich bin ein Christ. Der Präfekt Rustikus fragte: Wer hat denn dich gelehrt? Päon antwortete: Von den Eltern haben wir dieses schöne Bekenntnis überkommen. Euelpistus sagte: Die Reden des Justinus habe ich zwar mit Freuden gehört, aber Christ zu sein, habe auch ich von meinen Eltern gelernt. Der Präfekt Rustikus fragte: Wo sind deine Eltern? Euelpistus antwortete: In Kappadokien. Rustikus sagte zu Hieran: Wo sind denn deine Eltern? Der antwortete: Unser wahrer Vater ist Christus und unsere Mutter ist der Glaube an ihn. Meine irdischen Eltern aber sind gestorben; übrigens bin ich aus Ikonium in Phrygien hierhin gekommen. Der Präfekt Rustikus sagte zu Liberianus: Was sagst denn du? Bist du Christ und bist auch du gottlos? Liberianus antwortete: Auch ich bin Christ; ich bin gottesfürchtig und verehre den einen wahren Gott.

5.

Der Präfekt sagte zu Justinus: Höre, der du als gelehrt giltst und die wahre Wissenschaft zu haben vermeinst: Glaubst du, wenn du gegeißelt und enthauptet wirst, in den Himmel aufzusteigen? Justinus antwortete: Ich glaube, daß ich seiner Verheißungen teilhaftig werde, wenn ich dieses leide; denn ich weiß, daß allen, die so leben, das göttliche Gnadengeschenk bis zum Ende des Weltalls bleiben werde. Der Präfekt Rustikus sagte: Du nimmst also an, du werdest in den Himmels aufsteigen, um einen Lohn zu erlangen? Justinus antwortete: Das nehme ich nicht an, sondern ich weiß es und bin ganz davon überzeugt. Der Präfekt Rustikus sagte: Treten wir endlich an die hier vorliegende Sache heran, die drängt: Kommt und opfert einmütig den Göttern! Justinus antwortete: Keiner, der recht gesinnt ist, verläßt die Gottseligkeit, um zur Gottlosigkeit überzugehen. Der Präfekt Rustikus sagte: Wenn ihr nicht gehorcht, werdet ihr erbarmungslos gestraft werden. Justinus antwortete: Unser Wunsch ist, um unseres Herrn Jesu Christi willen gemartert und so selig zu werden; denn das wird uns Heil und Zuversicht sein vor dem schrecklichem Richterstuhle unseres Herrn und Heilandes, vor dem die ganze Welt erscheinen muß. Ebenso sagten auch die übrigen Märtyrer: Tu, was du willst; denn wir sind Christen und opfern nicht den Götzenbildern. Der Präfekt Rustikus sprach also das Urteil: Die, welche den Göttern nicht opfern und dem Befehle des Kaisers nicht gehorchen wollten, sollen gegeißelt und zur Enthauptung abgeführt werden, wie die Gesetze es vorschreiben.

6.

Die heiligen Blutzeugen zogen, Gott preisend, hinaus an die gewohnte Stätte, wurden enthauptet und vollendeten so ihr Zeugnis im Bekenntnis des Heilandes. Darauf haben einige der Gläubigen heimlich ihre Leiber fortgetragen und an geeignetem Orte beigesetzt mit Hülfe der Gnade unseres Herrn Jesu Christi, dem die Ehre sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Donnerstag, 23. Februar 2017

Polykarp von Smyrna

Polykarp von Smyrna, St Mary the Great, Cambridge


Polykarp von Smyrna, Apostelschüler, Bischof und Märtyrer. Polykarp war Schüler des Apostels Johannes und Bischof von Smyrna, dem heutigen Izmir in der Türkei. Er zählt zu den Apostolischen Vätern, also zur 2. Generation nach den Aposteln. Als Ignatius von Antiochien als Gefangener nach Rom geführt wurde, begegnete er in Smyrna dem Polykarp. Auch Irenäus von Lyon kannte Polykarp. Um 154 reiste Polykarp nach Rom, um mit Papst Anizet Verhandlungen wegen des strittigen Ostertermins zu führen. Der Brief Polykarps an die Philipper ist in der überlieferten Form eine Zusammenstellung mehrerer Schreiben Polykarps.
Als Greis von etwa 86 Jahren wurde Polykarp wegen seines freimütigen Bekenntnisses zu Christus zum Tod verurteilt. Der Prokonsul weigerte sich, Polykarp von Tieren zerfleischen zu lassen, weil dieser Programmpunkt bereits beendet war, so ließ er Polykarp verbrennen. Inmitten des johlenden Pöbels wurde er auf den Scheiterhaufen gestellt. Als die Flammen ihn nicht verletzten, wurde Polykarp durch einen Dolchstoß getötet. Das im Kern echte „Martyrium Polycarpi“ gehört zu den ältesten christlichen Märtyrerakten. Sein Tod fällt auf den 22. oder 23. Februar wohl um 156. Dargestellt wird Polykarp als Greis in bischöflichem Ornat auf dem Scheiterhaufen.
(Martyrologium Sancrucense)
 
St Mary the Great, Cambridge

Sechsundachtzig Jahre habe ich Christus gedient
und habe von ihm kein Unrecht erfahren.
Wie könnte ich meinen König schmähen,
der mich erlöst hat.

(Benediktusantiphon vom hl. Polykarp)




Aus dem Brief der Kirche von Smyrna über das Martyrium des hl. Polykarp.

Wie ein reiches Opfer wurde er angenommen
Als der Scheiterhaufen hergerichtet war, legte Polykarp alle seine Kleider ab, löste den Gürtel und suchte selbst die Schuhe auszuziehen; er tat dies früher nicht, weil die Gläubigen immer darauf aus waren, schnell seinen Leib zu berühren. Denn schon vor seinem Martyrium war er seines vorbildlichen Lebens wegen eine Zierde alles Guten (für die Gemeinde). Sogleich legte man alles, was zum Scheiterhaufen gehörte, um ihn herum.
Als sie ihn aber noch annageln wollten, sagte er: „Laßt mich so; denn der mir die Kraft gibt, das Feuer auszuhalten, wird mir auch ohne die Sicherung durch eure Nägel verleihen, daß ich bei der Verbrennung ruhig stehen bleibe." 
Da nagelten sie ihn nicht an, sondern banden ihn nur fest.
Er legte seine Hände auf den Rücken und wurde gebunden, wie der auserwählte Widder aus einer großen Herde bereitet wird für die Darbringung eines Ganzopfers, das Gott gefällt.

Polykarp blickte auf zum Himmel und sprach: “Herr, Gott, Herrscher des Alls, Vater deines geliebten und gepriesenen Knechtes Jesus Christus, durch den wir Kenntnis von dir erhalten haben, Gott der Engel und Mächte, der ganzen Schöpfung und des ganzen Geschlechtes der Gerechten, die vor dir leben! Ich preise dich, daß du mich dieses Tages und dieser Stunde wert gehalten hast, daß ich unter der Schar der Märtyrer am Kelch deines Christus teilhaben darf zur Auferstehung des ewigen Lebens (1) von Seele und Leib in Unverweslichkeit durch den Heiligen Geist. Mit einem reichen, von dir angenommenen Opfer (2) möchte ich heute unter sie eingereiht werden, mit einem Opfer, wie du es mir im voraus bestimmt und verkündet hast und wie du es nun erfüllst, du wahrhaftiger Gott, der die Lüge nicht kennt. Dafür und für alles lobe ich dich. Ich preise und verherrliche dich mit dem ewigen Hohepriester Jesus Christus im Himmel, deinem geliebten Sohn und Knecht. Durch ihn ist dir mit ihm und dem Heiligen Geist die Ehre jetzt und in Zukunft und in Ewigkeit. Amen."
 
Als er das Amen gerufen und das Gebet beendet hatte, entzündeten die Feuerleute den Scheiterhaufen. Als die Flamme hoch emporloderte, sahen wir, denen es zu schauen vergönnt war, ein großes Wunder. Das Feuer war wie ein gewölbter Raum und umgab den Leib des Märtyrers ringsum wie das Segel eines Schiffes, das im Wind gebläht wird. Der Märtyrer stand mitten darin. Er sah nicht aus wie verbrennendes Fleisch, sondern wie Brot, das gebacken wird, oder wie Gold und Silber, das man im Feuer läutert.
1. Joh.5,29. 2. Vgl. Ps.20,4.

St. Mary the Great, Cambridge