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Montag, 28. September 2026

Pfarrer Anton Ullrich (1951) über den Lioba-Altar in St. Martin, Tauberbischofsheim

 

Erweiterung der Predella mit Seitenflügel
links Walburga, rechts Thekla

 

Am Grab der hl. Lioba in St. Peter bei Fulda 

Statue der hl. Lioba in St. Peter bei Fulda

 

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Wenzel von Böhmen,

Statue auf der Karlsbrücke in Prag

und im Prager Veitsdom, Vita


des hl. Bischofs Exuperius von Toulouse

der hl. Chuniald und Gislar 

und in ÖSTERREICH des hl. Thiemo von Salzburg und des Bischofs Konrad II. von Salzburg.


Bonifatius mit dem Stadtwappen von Tauberbischofsheim

Reliquienschrein mit rechtem Schulterblatt und Unterkiefer der hl. Lioba
Lioba mit weiteren Nonnen lehrend, tröstend, helfend

Lioba-Altar, St. Martin, Tauberbischofsheim

Unser Lioba-Altar

ist besonderer Beachtung wert.

1. Seitenkapelle

könnte man den Raum, "das gotische Spitzchörlein" nennen, in dem der St. Liobaaltar steht. Helles Licht flutet durch fünf Fenster herein. (nicht wie ich dort war)

4 Frauengestalten stellen sich in den beiden farbenfrohen Seitenfenstern als Gefolgschaft und Geistesverwandte der hl. Lioba (710-782) vor: St. Elisabeth mit Blumen in ihrem Schoß, St. Walburga mit dem Oelflöschchen auf dem Buche, St. Agatha mit der Palme in der rechten Hand und dem Löwenkopf zu ihren Füßen und St. Thekla, die Aebtissin mit Stab und Regelbuchrolle.

Ein breiter Spitzbogen (Gurtbogen) grenzt das Chörlein gegen das rechte Seitenschiff der Kirche ab. vier Stufen heben die ganze Seitenkapelle nahezu 1 Meter über die sonstige Bodenhöhe des Gotteshaus-Schiffes hinauf und erleichtern damit die Betrachtung.

8 gotische Gewölberippen mit noch zwei weiteren Verästelungsrippen schaffen ein fächerartiges Spitzbogengewölbe, in das unser Liobaaltar sich hineinschmiegt. Wer vor dieser Seitenkapelle steht und Betrachtung halten will, wird durch nichts abgelenkt; die ganze Aufmerksamkeit wird auf den Altar hingezogen.

2. Der Altar

ist in seinem Aufbau klar und übersichtlich. 3 Stufen führen den zelebrierenden Priester zum Altar hinauf. Eine Art Predella (das ist ein Unterbau für das eigentliche Altarbild) schafft in einer baldachinartigen, feierlich mit Gold auf Rot ausgestatteten Nische über schwarzem Sockel einen würdigen Raum für den Reliquienschrein, ein Glasgehäuse mit Messingrahmen und Verzierungen; - darinnen befinden sich von reichem gold - und silbergewirktem Zierrat und Geschmeide verhüllt

Unsere Liobareliquien.

Der eine Teil dieser Reliquie ist ein Stück des Schulterblattes der Heiligen. Die Echtheit dieser Reliquie wurde durch ein Attest mit dem Datum vom 1. Mai 1655 nachgewiesen. Einige Jahre später wurde dieser Reliquie ein Teil des Unterkiefers der hl. Lioba hinzugefügt. Der Kurfürst und Erzbischof von Mainz Johann Philipp hat diese Reliquie nach Tauberbischofsheim abgegeben und durch Attest vom 26. September 1661 als echt bestätigt. Leider ist z. Zt. nicht bekannt, wo die genannten Urkunden sich befinden. Über die feierliche Einholung der ersten Reliquie am 1. Mai 1655 haben wir einen eingehenden Bericht im 26. Kapitel des Liobabüchleins, welches H.H.P. Liebler im Jahre 1683 herausgegeben hat. (Vergl. Liobaglöcklein Nr. 38. II. Jahrgang, 25. Sept. 1949)

Die Predella ist nach rechts verbreitert durch einen kleinen Seitenflügel mit einem Relief: die hl. Thekla (+um 800); ist ebenso nach links erweitert durch einen weiteren Seitenflügel auf dem die hl. Walburga (auch Waldburga + 779) reliefartig dargestellt ist. Beide hl. Frauen sind ehemalige Mitschwestern der hl. Lioba gewesen und später Aebtissinnen (Thekla zu Kitzingen und Walburga zu Heidenheim) geworden. (Vergl. auch die beiden Seitenfenster.) Auf diesem Unterbau ruht durch eine hervorspringende Leiste nach unten abgetrennt

Das eigentliche Altarbild.

Im Mittelpunkt unsere Stadtpatronin, die hl. Lioba. Ein Relief in Holz geschnitzt. Aber keine Einzelfigur, abgesondert, wie andere Altarheilige. Unsere Stadtpatronin fleht mitten unter ihrer ehemaligen Umgebung. zwei ihrer Mitschwestern im gefolge, neben ihr, hinter ihr.

Eine Personengruppe zu ihrer Linken: eben erst sind sie herbeigekommen, eine Mutter mit ihrem Kinde und 3 Mädchen: ob sie Almosen abholen wollen? Der Korb im Arm des einen Mädchens könnte darauf hindeuten, vielleicht aber will das Kind auch etwas ins Kloster bringen. Es könnte auch hingewiesen sein auf die Mädchen von damals, die sich mit der Bitte um Unterricht und Aufnahme ins Kloster an die Aebtissin herandrängten.

Noch hat die Heilige sie nicht bemerkt, sie ist beschäftigt, ist ganz in Anspruch genommen von der Personengruppe zu ihrer Rechten: An einem schweren, aber nicht schwerfälligen Eichtisch sitzt wieder eine Mutter mit ihrem neugeborenen Kinde im Arm und neben ihr haben zwei Männer (?) und zwei Frauen um den Tisch sich geschart. Sicherlich sind sie gekommen vom Hunger getrieben. Und sofort hat die hl. Lioba in strohgeflochtenem Körbchen ihnen auch gleich mit ihrer rechten Hand ein großes Brot gereicht und auf den Tisch gestellt. Aber die blicke der Hungernden sind nicht gierig auf die Speise, auf die Nahrung für den Leib gerichtet. Sie hängen an den Lippen der heiligen Lehrerin, Apostola, die ihnen die frohe Botschaft des Christentums aus heiligem Buche kündet, das sie in ihrer Linken hält.

Die ganze Szene muß man sich im Klosterhof vorstellen. Überschrieben hat man die ganze Szene schon: "St. Lioba, die Lehrerin der Frauenwelt." Ganz bestimmt soll aber damit der tatsächlich auch sicher sehr große missionarische Einfluß der Heiligen auf die Männer ihrer Zeit nicht in Abrede gestellt werden. Hat man sie doch mit Recht Apostola Germaniae genannt. Sehr fein finde ich es, daß dieses Relief 5 Kinder aufweist. Es soll damit auf die hl. Lioba als Schutzpatronin der Kinder gegen Krankheit hingewiesen werden.

Der Hintergrund

trägt örtliches, heimatliches Gepräge: Da sieht man den heutigen Türmersturm und das Türmle, das Schloß mit seinem Erker und Jängerhäuschen.
Über der Mitte des "lebenden Bildes" unter dem Apostel der Deutschen, ist das Stadtwappen von Tauberbischofsheim angebracht mit den Bischofsinsignien (des hl. Bonifatius) (672-754), der ja die hl. Lioba hierhergerufen, das Kloster gegründet darüber stets schützend seine Hand gehalten hat.

Das ganze Frankenland hat hier seinen großen Gnaden- und Wallfahrts-Altar. Hier ist keine Legende. hier ist Geschichte, die uns Verehrung abringt.

3. Der Künstler.

Der Lioba-Altar ist (wie auch der Hochaltar, die Kreuzwegstationen, das Relief-Bildnis des sterbenden hl. Josef, die kleine Statue des Jesukindes und die Christkönig-Statue) von Prof. Thomas Buscher in München (aus Hamburg stammend) geschaffen und Mitte September 1929 aufgestellt worden. Vorher stand hier ein Martinus-Altar.

Tauberbischofsheim, 6. Oktober 1951
Anton Ullrich, Stadtpfarrer


PS. Die Besucher unseres Gotteshauses bitten wir, die Würde des Gotteshauses zu wahren.


Heilige Lioba, bitte für uns!


Hauptaltar und Seitenaltar der hl. Lioba in St. Martin, Tauberbischofsheim

Stadtpfarrkirche St. Martin in Tauberbischofsheim

Dienstag, 28. September 2021

Am Grab der hl. Lioba

Abgang zum Liobagrab

Lioba stammte aus einer guten Familie in Wessex: ihre Mutter Ebba war mit dem hl. Bonifatius verwandt. Dem Ruf des Bonifatius folgend, verließ Lioba mit einer kleineren Gruppe von Schwestern ihr Kloster Wimborne und kam auf das Festland herüber, um die Missionsarbeit des hl. Bonifatius zu unterstützen. Lioba wurde (um 735) die erste Äbtissin von Tauberbischofsheim. Die Zahl der Schwestern vermehrte sich rasch, und Lioba sorgte dafür, dass alle neben den Arbeiten in Haus und Handwerk auch eine gute geistige Ausbildung erhielten. Sie selbst, eine schöne und gütige Frau, war eine beliebte Lehrerin und Erzieherin. Bonifatius schätzte sie hoch; als er 754 zur Friesenmission aufbrach, empfahl er sie dem Wohlwollen der Mönche von Fulda und ordnete an, dass man sie neben ihm begraben solle. Lioba starb am 28. September 782 und wurde in Fulda begraben. (erzabteibeuron)

 

Allmächtiger Gott, du hast die heilige Äbtissin Lioba dazu berufen,

am Missionswerk des heiligen Bonifatius mitzuwirken.

Gib auch unserer Zeit Männer und Frauen,

die durch ihr Gebet und ihre Arbeit

in unserem Volk den Glauben lebendig erhalten.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Heilige Lioba, bitte für uns!

Bonifatius und Lioba mit Engeln

St. Peter bei Fulda

Statue der hl. Lioba in St. Peter bei Fulda

 

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Wenzel von Böhmen,

Statue auf der Karlsbrücke in Prag

und im Prager Veitsdom, Vita

des hl. Bischofs Exuperius von Toulouse

und der hl. Chuniald und Gislar

Montag, 28. September 2020

Lioba von Tauberbischofsheim

Liobastatue in St. Peter, die Glocke verweist auf den Traum der Mutter

Als „Lehrerin Germaniens“ ging die aus England stammende heilige Lioba (um 710–782), die eigentlich Truthgeba hieß, in die Geschichte der katholischen Kirche ein. Sie war eine Verwandte des heiligen Bonifatius (um 672–754), mit dem sie ihr Leben lang eine zarte Freundschaft verband. Ihr Verdienst ist es, im achten Jahrhundert in Deutschland zahlreiche neue Nonnenklöster erbaut und hierfür viele Lehrerinnen ausgebildet zu haben.

Laut einer Legende träumte Liobas Mutter Ebba eines Nachts vor der Schwangerschaft, sie gebäre eine Glocke, deren Schall über die ganze Erde tönte. Mit diesem schönen Gleichnis zeigte Gott ihr im voraus, welche Aufgaben ihrer Tochter bestimmt seien und wie voll und ganz sie diese ausführen werde.

Truthgeba kam um 710 als Tochter edler Angelsachsen im Königreich Wessex zur Welt. Der Name „Truthgeba“ – deutsch: „Gottesgabe“ – beruht darauf, dass ihre Eltern Dynne und Aebbe (Ebba) lange auf sie warten mussten. Die Mutter Aebbe gab dem Mädchen den Beinamen Lioba – althochdeutsch: „die Liebe Gebende“ –, weil sie ihr besonders lieb war.

Die Eltern schickten Lioba um 720 zur Erziehung in das berühmte Benediktinerinnenkloster Wimborne in Dorset, das unter der Leitung der tüchtigen Äbtissin Tetta stand. Dort ist auch die heilige Walburga (um 710–um 779) erzogen worden, die wie Lioba ebenfalls später in Süddeutschland wirkte.

Wie sehr Lioba den heiligen Bonifatius mochte, dokumentiert ein erhaltener Brief an ihn: „Ich bin die einzige Tochter meiner Eltern, und wenn ich dich, so unwürdig ich dessen bin, an Bruder Statt erhalten könnte, wäre ich sehr glücklich, weil ich zu keinem andern Menschen aus meinem Geschlecht ein solches Zutrauen habe wie zu dir“.

Nach ihrer Ausbildung als Lehrerin in Wimborne wurde Lioba um 735 von Bonifatius ins Frankenreich geholt, um den Aufbau eines Netzes von Nonnenklöstern voranzutreiben. Sie richtete in Tauberbischofsheim (heute Baden-Württemberg) eine Klosterschule ein, in welcher der Lehrerinnennachwuchs für viele neu gegründete weitere Klöster eine Ausbildung erhielt.

Zahlreiche Töchter aus vornehmen Familien und angesehene Witwen nahmen den Schleier und traten in die von Lioba geleiteten Klöster ein. Dort galt die Regel des Ordensgründers Benedikt von Nursia (um 480–547): „Ora et labora“ („Bete und arbeite“). Lioba regierte bescheiden und freundlich und hielt ihre Nonnen zur Handarbeit und zum Studium an.

Bevor Bonifatius zu seiner letzten Missionsreise nach Friesland aufbrach, rief er Lioba nach Mainz und stellte sie unter den Schutz des heiligen Lullus (um 710–786), weil er sein eigenes baldiges Ende ahnte. Nach dem Märtyrertod von Bonifatius am 5. Juni 754 bei Dokkum in Friesland wirkte die Äbtissin noch lange segensreich. Über Lioba berichtete ihr Chronist: „Fürsten liebten sie, Bischöfe nahmen sie freudig auf und beredeten sich mit ihr über das Wort des Lebens“.

Als 70-Jährige zog sich Lioba auf Anraten von Bischof Lullus nach Schornsheim zurück, um dort unweit von Mainz und der Königspfalz von Karl dem Großen (747–814) in Ingelheim den Lebensabend zu verbringen. Der Frankenherrscher übereignete der von ihm sehr geschätzten Äbtissin das Königsgut Schornsheim. Die Schenkungsurkunde vom 28. Juli 782 enthält die erste Erwähnung von Schornsheim.

Bald nach einem letzten Besuch bei der seit 771 mit Kaiser Karl verheirateten Fränkin Hildegard (gest. 783) in Aachen starb Lioba am 28. September 782 in Schornsheim. Man setzte sie neben Bonifatius in Fulda bei. Damit war sie auch im Tod ihrem Lehrer und väterlichen Freund nahe.

Lioba ist 836 heilig gesprochen und ihre Reliquien sind auf den Petersberg überführt worden. Ihre Base, die ebenfalls aus England gekommene Thekla (gest. um 790), bekleidete ab 750 das Amt der Äbtissin der Klöster Kitzingen und Ochsenfurt.

Mehr als tausend Jahre später haben neu entstandene klösterliche Gemeinschaften Lioba zu ihrer Patronin gewählt. Dazu gehören seit 1920 die Benediktinerinnen von Freiburg-Günterstal, die mit insgesamt fast 250 Schwestern an verschiedenen Orten tätig sind. Zum Freiburger Mutterhaus zählt auch das Lioba-Kloster in Tauberbischofsheim.

Kirchen und Kapellen in Mannheim, Heidelberg, Wertheim, Walldürn, Leingarten bei Heilbronn, Freiburg im Breisgau und Konstanz wurden Lioba geweiht, Schulen und Altersheime tragen ihren Namen. Ihr Gedenktag fällt auf den 28. September.
(kathpedia)

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Wenzel von Böhmen,

Statue auf der Karlsbrücke in Prag

und im Prager Veitsdom, Vita

des hl. Bischofs Exuperius von Toulouse

und der hl. Chuniald und Gislar

 

St. Peter, Liobakirche, bei Fulda, Grabeskirche der hl. Lioba