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Freitag, 30. Januar 2026

Die Frau war sehr schön anzusehen

 

David und Batseba, Lucas Cranach der Jüngere, Gemäldegalerie Alte Meister Dresden


Lesung aus dem zweiten Buch Sámuel 11

1 Um die Jahreswende,
zu der Zeit, in der die Könige in den Krieg ziehen,
schickte David
Joab mit seinen Knechten und ganz Israel aus
und sie verwüsteten das Land der Ammoníter
und belagerten Rabba.
David selbst aber blieb in Jerusalem.
2 Als David einmal zur Abendzeit von seinem Lager aufstand
und auf dem Flachdach des Königspalastes hin- und herging,
sah er von dort aus eine Frau, die badete.
Die Frau war sehr schön anzusehen.
3 David schickte jemand hin, erkundigte sich nach ihr und sagte:
Ist das nicht Batséba, die Tochter Ámmiëls,
die Frau des Hetíters Uríja?
4a Darauf schickte David Boten zu ihr und ließ sie holen;
sie kam zu ihm und er schlief mit ihr.
4c Dann kehrte sie in ihr Haus zurück.
5 Die Frau war aber schwanger geworden
und schickte deshalb zu David
und ließ ihm mitteilen: Ich bin schwanger.
6 Darauf sandte David zu Joab
und ließ ihm sagen: Schick den Hetíter Uríja zu mir!
Und Joab schickte Uríja zu David.
7 Als Uríja zu ihm kam,
fragte David, ob es Joab und dem Volk gut gehe
und wie es mit dem Kampf stehe.
8 Dann sagte er zu Uríja:
Geh in dein Haus hinab und wasch dir die Füße!
Uríja verließ das Haus des Königs
und es wurde ihm ein Geschenk des Königs nachgetragen.
9 Uríja aber legte sich am Tor des Königshauses
bei den Knechten seines Herrn nieder
und ging nicht in sein Haus hinab.
10a Man berichtete David:
Uríja ist nicht in sein Haus hinabgegangen.
13 David lud ihn ein, bei ihm zu essen und zu trinken,
und machte ihn betrunken.
Am Abend aber ging Uríja weg,
um sich wieder auf seinem Lager
bei den Knechten seines Herrn niederzulegen;
er ging nicht in sein Haus hinab.
14 Am anderen Morgen schrieb David einen Brief an Joab
und ließ ihn durch Uríja überbringen.
15 Er schrieb in dem Brief:
Stellt Uríja nach vorn, wo der Kampf am heftigsten ist,
dann zieht euch von ihm zurück,
sodass er getroffen wird und den Tod findet!
16 Joab hatte die Stadt beobachtet
und er stellte Uríja an einen Platz,
von dem er wusste,
dass dort besonders tüchtige Krieger standen.
17 Als dann die Leute aus der Stadt einen Ausfall machten
und gegen Joab kämpften,
fielen einige vom Volk, das heißt von den Kriegern Davids;
auch der Hetíter Uríja fand den Tod.
(Lesung vom Freitag der 3. Woche im Jahreskreis)

Montag, 18. März 2024

Das Herrenwort, das in FIDUCIA SUPPLICANS keine Rolle spielt

 

Jesus und die Ehebrecherin, Kathedrale Peter und Paul, Troyes

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 8

In jener Zeit

1ging Jesus zum Ölberg.

2Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es.

3Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte

4und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.

5Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du?

6Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

7Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.

8Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.

9Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem Anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand.

10Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?

11Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

Montag, 27. März 2023

Ewiger Gott, du kennst auch das Verborgene (Susanna)



91. Bereits im Alten Bund begegnen wir eindrucksvollen Zeugnissen einer Treue zum heiligen Gesetz Gottes, die mit der freiwilligen Annahme des Todes bezahlt wurde.
Beispielhaft ist die Geschichte der Susanna: Den beiden ungerechten Richtern, die sie für den Fall, daß sie sich geweigert hätte, ihrem unreinen Begehren zu Willen zu sein, mit dem Tode bedrohten, antwortete sie: »Ich bin bedrängt von allen Seiten: Wenn ich es tue, so droht mir der Tod; tue ich es aber nicht, so werde ich euch nicht entrinnen. Es ist besser für mich, es nicht zu tun und euch in die Hände zu fallen, als gegen den Herrn zu sündigen!« (Dan 13, 22-23).
Susanna, die es vorzieht, »unschuldig« in die Hände der Richter zu fallen, bezeugt nicht nur ihren Glauben und ihr Gottvertrauen, sondern auch ihren Gehorsam gegenüber der Wahrheit und der Absolutheit der sittlichen Ordnung: durch ihre Bereitschaft, das Martyrium auf sich zu nehmen, bekundet sie, daß es nicht recht ist, das zu tun, was das göttliche Gesetz als Übel bewertet, um dadurch irgendein Gut zu erlangen. Sie wählt für sich den »besseren Teil«: ein ganz klares und kompromißloses Zeugnis für die Wahrheit des Guten und für den Gott Israels; so tut sie in ihren Handlungen die Heiligkeit Gottes kund.

(Johannes Paul II., Veritatis splendor)

Aus Daniel 13, Lesung vom Montag der 5. Fastenwoche

36Die Ältesten sagten: Während wir allein im Garten spazieren gingen, kam diese Frau mit zwei Mägden herein. Sie ließ das Gartentor verriegeln und schickte die Mägde fort.

37Dann kam ein junger Mann zu ihr, der sich versteckt hatte, und legte sich zu ihr.

38Wir waren gerade in einer abgelegenen Ecke des Gartens; als wir aber die Sünde sahen, eilten wir zu ihnen hin

39und sahen, wie sie zusammen waren. Den Mann konnten wir nicht festhalten; denn er war stärker als wir; er öffnete das Tor und entkam.

40Aber diese da hielten wir fest und fragten sie, wer der junge Mann war.

41Sie wollte es uns aber nicht verraten. Das alles können wir bezeugen. Die versammelte Gemeinde glaubte ihnen, weil sie Älteste des Volkes und Richter waren, und verurteilte Susanna zum Tod.

42Da rief sie laut: Ewiger Gott, du kennst auch das Verborgene; du weißt alles, noch bevor es geschieht.

43Du weißt auch, dass sie eine falsche Aussage gegen mich gemacht haben. Darum muss ich jetzt sterben, obwohl ich nichts von dem getan habe, was diese Menschen mir vorwerfen.

44Der Herr erhörte ihr Rufen.

45Als man sie zur Hinrichtung führte, erweckte Gott den heiligen Geist in einem jungen Mann namens Daniel.

 

Susanna im Bade, Georg Schweigger, Kunsthistorisches Museum, Wien

 

Jacobo Tintoretto, Susanna im Bade,

Sonntag, 3. Oktober 2021

Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen

Sakrament der Ehe, Taufkapelle,
Our Lady and the English Martyrs Church - Cambridge

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 10,2-16

In jener Zeit
2 kamen Pharisäer zu Jesus
und fragten:
Ist es einem Mann erlaubt,
seine Frau aus der Ehe zu entlassen?
Damit wollten sie ihn versuchen.
3 Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben?

4 Sie sagten:
Mose hat gestattet, eine Scheidungsurkunde auszustellen
und die Frau aus der Ehe zu entlassen.
5 Jesus entgegnete ihnen:
Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben.
6 Am Anfang der Schöpfung aber
hat Gott sie männlich und weiblich erschaffen.
7 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen
8 und die zwei werden ein Fleisch sein.
Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.
9 Was aber Gott verbunden hat,
das darf der Mensch nicht trennen.
10 Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.
11 Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt
und eine andere heiratet,
begeht ihr gegenüber Ehebruch.
12 Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt
und einen anderen heiratet,
begeht sie Ehebruch.
13 Da brachte man Kinder zu ihm,
damit er sie berühre.
Die Jünger aber wiesen die Leute zurecht.
14 Als Jesus das sah, wurde er unwillig
und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen;
hindert sie nicht daran!
Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes.
15 Amen, ich sage euch:
Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind,
der wird nicht hineinkommen.
16 Und er nahm die Kinder in seine Arme;
dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.
(Evangelium vom 27. Sonntag, B)

Montag, 30. März 2020

Von Gott einander als Personen anvertraut

Jesus und die Ehebrecherin, S. Pio da Pietrelcina, San Giovanni Rotondo
 
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Johannes 8,1-11)
In jener Zeit 1ging Jesus zum Ölberg.
2Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es.
3Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte
4und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.
5Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du?
6Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
7Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.
8Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
9Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand.
10Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?
11Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!
(Evangelium vom Montag der 5. Fastenwoche)
 
Jesus und die Ehebrecherin
 
 
 
Die beim Ehebruch ertappte Frau

14. Jesus begibt sich in die konkrete, geschichtliche Situation der Frau, eine Situation, die vom Erbe der Sünde belastet ist. Dieses Erbe kommt unter anderem in den Gewohnheiten zum Ausdruck, die die Frau zugunsten des Mannes diskriminieren, und ist auch in ihr selbst verwurzelt. Unter diesem Gesichtspunkt scheint die Episode von der Frau, »die beim Ehebruch ertappt wird« (vgl. 8, 3-11), besonders ergiebig zu sein. Zuletzt sagt Jesus zu ihr: »Sündige von jetzt an nicht mehr«; vorher aber weckt er das Schuldbewußtsein in den Männern, die sie anklagen, um sie zu steinigen, und offenbart so seine tiefe Fähigkeit, das Gewissen und die Werke der Menschen der Wahrheit gemäß zu sehen. Jesus scheint den Anklägern sagen zu wollen: Ist diese Frau mit ihrer ganzen Sünde nicht vielleicht auch und vor allem eine Bestätigung eurer Übertretungen, eurer »männlichen« Ungerechtigkeit, eurer Mißbräuche?

Diese Wahrheit ist für das ganze Menschengeschlecht gültig. Die im Johannesevangelium berichtete Begebenheit kann man in unzähligen ähnlichen Situationen in jeder Geschichtsepoche vorfinden. Eine Frau wird allein gelassen und mit »ihrer Sünde« der öffentlichen Meinung ausgesetzt, während sich hinter »ihrer« Sünde ein Mann als Sünder verbirgt, der »an der Sünde anderer« schuld, ja mitverantwortlich für sie ist. Seine Schuld entzieht sich jedoch der Aufmerksamkeit und wird stillschweigend übergangen: Für »fremde Schuld« erscheint er nicht verantwortlich! Manchmal macht er sich auch noch zum Ankläger, wie in dem geschilderten Fall, und vergißt dabei die eigene Schuld. Wie oft büßt in ähnlicher Weise die Frau für ihre Sünde (es kann durchaus sein, daß sie in gewissen Fällen schuld ist an der Sünde des Mannes); doch nur sie büßt und zahlt allein. Wie oft bleibt sie mit ihrer Mutterschaft verlassen zurück, wenn der Mann, der Vater des Kindes, die Verantwortung dafür nicht übernehmen will? Und neben den so zahlreichen «unverheirateten Müttern» in unserer Gesellschaft müssen wir auch an all jene Frauen denken, die sich sehr oft unter mancherlei Druck, auch von seiten des schuldigen Mannes, von ihrem Kind noch vor dessen Geburt »befreien«. Sie »befreien sich«: aber um welchen Preis? Die heutige öffentliche Meinung versucht auf verschiedene Weise das Übel dieser Sünde »wegzureden«; normalerweise jedoch vermag das Gewissen der Frau nicht zu vergessen, daß sie dem eigenen Kind das Leben genommen hat; denn sie ist nicht imstande, die ihrem Ethos am »Anfang« eingeschriebene Bereitschaft zur Annahme des Lebens auszulöschen.

Das Verhalten Jesu bei der im Johannesevangelium (8, 3-11) beschriebenen Begebenheit ist bezeichnend. Wohl nur an wenigen Stellen wird seine Macht - die Macht der Wahrheit - gegenüber dem menschlichen Gewissen so wie hier offenbar. Jesus ist ruhig, gefaßt, nachdenklich. Besteht hier wie auch im Gespräch mit den Pharisäern (vgl. Mt 19, 3-9) nicht vielleicht eine Verbindung zwischen seinem Bewußtsein und dem Geheimnis des »Anfangs« ? Als der Mensch als Mann und Frau erschaffen wurde und die Frau mit ihrer fraulichen Eigenart, auch mit ihrer Fähigkeit zur Mutterschaft, dem Mann anvertraut wurde? Auch der Mann wurde vom Schöpfer der Frau anvertraut. Sie wurden einander als Personen anvertraut, die nach dem Bild und Gleichnis Gottes selbst erschaffen waren. In diesem Anvertrauen liegt das Maß der Liebe, einer bräutlichen Liebe: Um zu einer »aufrichtigen Hingabe« füreinander zu kommen, muß sich jeder der beiden für diese Hingabe verantwortlich fühlen. Dieses Maß ist allen beiden - Mann und Frau - vom »Anfang« an bestimmt. 

Nach der Ursünde sind im Mann und in der Frau Gegenkräfte am Werk, auf Grund der dreifachen Begierde, dem »Sündenkeim«. Sie wirken aus der Tiefe des Menschen. Darum wird Jesus in der Bergpredigt sagen: »Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen« (Mt 5, 28). Diese direkt an den Mann gerichteten Worte beweisen die grundlegende Wahrheit von seiner Verantwortung gegenüber der Frau: für ihre Würde, für ihre Mutterschaft, für ihre Berufung. Indirekt gehen diese Worte auch die Frau an. Christus hat sein Möglichstes getan, damit die Frauen - im Rahmen der Gewohnheiten und sozialen Verhältnisse jener Zeit - in seiner Lehre und seinem Handeln ihre eigene Selbständigkeit und Würde wiederfinden. Auf Grund der gottgewollten »Einheit der zwei« hängt diese Würde direkt von der Frau selbst als für sich verantwortliches Subjekt ab und wird gleichzeitig dem Mann zur Aufgabe gestellt. Dementsprechend appelliert Christus an die Verantwortung des Mannes. In der vorliegenden Meditation über Würde und Berufung der Frau heute müssen wir uns so unbedingt auf den Ansatz beziehen, dem wir im Evangelium begegnen. Die Würde der Frau und ihre Berufung - wie auch jene des Mannes - haben ihre ewige Quelle im Herzen Gottes und hängen unter den zeitlichen Bedingungen des menschlichen Daseins eng mit der »Einheit der zwei« zusammen. Daher muß sich jeder Mann darauf besinnen, ob diejenige, die ihm als Schwester im selben Menschsein, als Braut und Ehefrau anvertraut ist, nicht in seinem Herzen Objekt eines Ehebruchs, ob diejenige, die in unterschiedlicher Weise Mitträgerin seines Daseins in der Welt ist, nicht für ihn zum »Objekt« geworden ist: Objekt des Genusses, der Ausbeutung.
(Johannes Paul II., Mulieris dignitatem, 15. August 1988, über die Würde und Berufung der Frau, 14
 
links die Ehebrecherin, rechts die Sünderin, die Jesus die Füße wäscht, Mosaik von Marko Ivan Rupnik