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| Reliquienbüste von Papst Gregor, Schatzkammer Maastricht |
II. Kapitel: Keiner soll das Hirtenamt übernehmen, der in seinem Leben das nicht in die Tat umsetzt, was er in der Betrachtung erkannt hat
Es gibt solche, die sorgfältig und emsig die Gesetze des geistlichen
Lebens erforschen, aber durch ihr Leben das mit Füßen treten, was sie mit dem
Verstande erfassen. Schnell lehren sie, was sie nicht durch eigene Übung,
sondern nur durch Nachdenken erlernt haben; und was sie dann mit Worten
predigen, das bekämpfen sie durch ihr Verhalten.
So geht der Hirt den jähen Weg
abwärts, und die Herde stürzt ihm nach. Darum klagt der Herr über diese
bejammernswerte Wissenschaft der Hirten durch den Propheten: „Nachdem ihr das
reinste Wasser getrunken, habt ihr, was übrig blieb, mit eueren Füßen getrübt. So hatten meine Schafe zur Weide, was euere Füße
zertraten; und was euere Füße trübten, das tranken sie.“
Das ganz reine Wasser trinken die Hirten, wenn sie die Ströme der Wahrheit in
richtigem Verständnis in sich aufnehmen. Aber es heißt dieses Wasser mit den
Füßen trüben, wenn man die Erkenntnisse heiliger Betrachtung durch ein
schlechtes Leben zunichte macht. Die Schafe trinken dann das mit den Füßen
getrübte Wasser, wenn die Untergebenen nicht nach den Worten handeln, die sie
hören, sondern nur dem schlimmen Beispiel folgen, das sie sehen. Nach Worten
dürstend, durch Werke aber irregeführt, trinken sie gleichsam Schmutz aus
verdorbenen Quellen. Deshalb steht beim Propheten geschrieben: „Ein Fallstrick
meines Volkes seid ihr, schlechte Priester!“ Darum sagt wiederum der Herr von den Priestern: „Sie sind dem Hause Israel ein
Ärgernis zur Sünde geworden.“
Denn niemand richtet in der Kirche größeren Schaden an, als wer ein sündhaftes
Leben führt und dabei Namen und Stand der Heiligkeit inne hat. Niemand wagt es,
ihn wegen seiner Sünde zurechtzuweisen; und zugleich wird die Sünde zum
mächtigen Vorbild, wenn der Sünder wegen der Würde seines Amtes geehrt wird.
Die Unwürdigen würden aber alle die Last einer so großen Schuld fliehen, wenn
sie ernstlich den Ausspruch der ewigen Wahrheit bedächten: „Wer eines aus
diesen Kleinen, die an mich glauben, ärgert, dem wäre es besser, daß ein
Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt
würde.“
Der Mühlstein bedeutet nämlich die mühevolle Last des weltlichen Lebens, und
die Tiefe des Meeres bezeichnet die tiefste Verdammnis. Wer also seinem Amte
gemäß als heilig erscheinen sollte, durch sein Wort und Beispiel aber die
andern zugrunderichtet, dem wäre es sicher besser, daß ihn in einem weltlichen
Stande irdische Verfehlungen dem Tode überlieferten, als daß sein heiliges Amt ihn
andern als Vorbild der Sünde vor Augen stellte; denn es würde ihn immerhin eine
noch erträglichere Strafe im Jenseits treffen, wenn er allein für sich gefallen
wäre.
(Quelle)
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| Zugang zur Schatzkammer der Servatiusbasilika |


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