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Montag, 17. August 2026

Ausgesandt, dem Worte Gottes Mund zu sein

 

Hyazinth von Polen, Chorgestühl der Nikolaikirche, Danzig

Als Pilger und als Prediger,
als Bote Christi ausgesandt,
dem Worte Gottes Mund zu sein,
ist er in aller Welt bekannt.

Den guten Samen sät er aus,
verbreitet Recht, wo Unrecht war,
sein Leben bricht dem Leben Bahn,
erhellt das Dunkel wunderbar.

Er kündet allen Gottes Reich,
geht selbst den Weg des Heils voran,
sein Wort der Umkehr zieht mit Kraft
Verlorene in Gottes Bann.

Dem Bösen nimmt er seinen Glanz
und harte Herzen macht er weich,
lädt sie in Gottes Herrschaft ein,
zu Tisch in Gottes Haus und Reich.

Dem Vater sei dies Lied geweiht,
dem Hyazinth ein Bote war,
dem Sohn und auch dem Heilgen Geist
gilt unser Loblied immerdar. Amen

(Hymnus zur Vesper v. Hyazinth von Polen) 

 

Statue in der Krakauer Dominikanerkirche 

Glasfenster in der Londoner Dominikanerkirche 

Warum der hl. Hyzinth Monstranz und Muttergottesstatue als Attribute hat

Am Grab des hl. Hyazinth von Polen

Statue in der Dominikanerkirche in Znaim

Nikolaikirche, Danzig

Freitag, 31. Juli 2026

Mitfühlen mit dem leidenden Herrn (Ignatius von Loyola)

 

Ignatius und seine Gefährten schauen auf den leidenden Herrn,
Pfarrkirche Posen zur Muttergottes, des Bischofs Stanislaus

In der dritten Woche der geistlichen Übungen steht die Passion im Mittelpunkt. Ignatius empfiehlt, die einzelnen Szenen – Abendmahl, Garten Getsemani, Verhör, Kreuzweg und Kreuzigung – meditativ zu betrachten.

Ignatius fragt:

Was tut Christus?
Was leidet Christus für mich?
Wie antworte ich auf diese Liebe?

Bitten um das, was ich begehre: um das also, was als Bitte für die Leidenwoche eigentümlich ist: 
Schmerz mit dem schmerzerfüllten Christus,
Zerschlagenheit mit dem zerschlagenen Christus,
Tränen, innerliche Pein über die große Pein, die Christus für mich gelitten hat.


(aus der zweiten Betrachtung der dritten Woche der geistlichen Übungen, Geistliche Übungen, Hrsg. Adolf Haas, 70) 

Hinweis auf Apg 9,15: ut portet nomen meum coram gentibus et regibus et filiis Israel.
(Damit er meinen Namen) vor die Völker, die Könige (und Kinder Israels trägt)



Pfarrkirche von der Mutter der immerwährenden Hilfe und der hl. Maria Magdalena, Posen,
Kirche zum hl. Bischof Stanislaus, frühere Jesuitenkirche

Mittwoch, 24. Juni 2026

Zu dem gelangen, den Johannes vorausverkündet hat

 

Geburt Johannes des Täufers, griech.-katholische Johanneskathedrale, Przemysl


Johannes der Täufer ist außer Maria der einzige Heilige, dessen leibliche Geburt in der Liturgie gefeiert wird, und zwar seit dem 5. Jahrhundert am 24. Juni, sechs Monate vor der Geburt Jesu.
Aus dem Bericht des Lukasevangeliums (Lk 1) wird entnommen, dass Johannes schon vor seiner Geburt geheiligt wurde, als Maria zu Elisabet kam.
Die ungewöhnlichen Ereignisse bei seiner Geburt weisen auf die Bedeutung des Johannes in der Heilsgeschichte hin. Er steht an der Schwelle vom Ersten zum Neuen Bund; er war dazu berufen, durch seine Predigt von der Gottesherrschaft und seinen Ruf zur Umkehr das Volk auf das Kommen Jesu vorzubereiten. Jesus selbst empfing von ihm die Bußtaufe.
Die ersten Jünger Jesu kamen aus dem Kreis der Johannesjünger. Johannes selbst verstand sich als den Rufer in der Wüste, den Vorläufer des Größeren, der nach ihm kommen sollte. Jesus aber nennt ihn den Größten unter allen Menschen, gleichsam den wieder gekommenen Elija (Mt 11, 8.11.14).
(erzabteibeuron)

Allmächtiger Gott,
führe deine Kirche auf dem Weg des Heiles
und gib uns die Gnade,
den Weisungen Johannes’ des Täufers zu folgen,
damit wir zu dem gelangen,
den er vorausverkündet hat,
zu unserem Herrn Jesus Christus, deinem Sohn.

Mittwoch, 13. Mai 2026

Das Attentat auf Johannes Paul II. am Fatimatag

 

Sanktuarium Matki Bożej Fatimskiej - Zakopane

Am 13. Mai 198, heute vor 45 Jahren, wurde auf dem Petersplatz ein Attentat auf Papst Johannes Paul II. verübt. Der polnische Papst überlebte schwer verletzt und kam wieder auf die Beine. Seine Rettung aus der Todesgefahr schrieb er der Muttergottes von Fatima zu, derer die Kirche am 13. Mai gedenkt. 

 

Prozession bei Regen in Fatima, Gebet von Papst Leo für den Frieden 

Ort an dem Maria zu Opfer und Gebet für die Sünder aufrief 

Die Erscheinungskapelle von Fatima (Messtexte v ULF v. Fatima) 

In der Taufkapelle der Kinder von Fatima


 
 
Das Marienheiligtum Muttergottes von Fatima in Zakopane (poln. Sanktuarium Matki Bożej Fatimskiej) wurde in den Jahren 1987 bis 1992 als Votivkirche nach dem Attentat auf Papst Johannes Paul II. im Stil der Postmoderne mit Einfluss des Zakopane-Stils erbaut. 1997 erfolgte die Weihe unter dem Patrozinium der Muttergottes von Fatima durch Papst Johannes Paul II. Die Kirche dient als Pfarrkirche. wikipedia

Glasfenster des Attentats in der Fatimakirche in Zakopane

Quelle 

Karol Wojtyla (...) fährt im offenen Wagen über die Piazza San Pietro durch die Menschenmenge, küsst Kleinkinder, segnet. Auf einmal Schüsse – der Papst bricht getroffen zusammen, Panik bricht aus. Man fährt den Schwerverletzten quer durch den römischen Stadtverkehr in die Gemelli-Klinik, dort kämpfen Ärzte um sein Leben.

Derweil herrscht auf dem Petersplatz Fassungslosigkeit. Eine Durchsage in mehreren Sprachen, auch auf Deutsch: „Wie Sie wissen, ist der Heilige Vater verwundet worden. Man weiß noch nichts über die Schwere der Verwundung. Wir vereinen uns um ihn im Gebet und beten zusammen auf Latein das Vaterunser, Gegrüßet seist du Maria und Ehre sei dem Vater.“

 

17. Mai 1981. Einen Tag vor seinem 61. Geburtstag wendet sich Johannes Paul in einer Radiobotschaft an die Menschen draußen. Seine Stimme ist schwach, seine Botschaft keine zehn Zeilen lang.

„Liebe Brüder und Schwestern! Ich weiß, dass ihr in diesen Tagen und speziell in dieser Stunde mit mir verbunden seid. Ich danke euch bewegt für eure Gebete und segne euch alle. Ich bin besonders den beiden Personen nahe, die mit mir verletzt wurden. Ich bete für den Bruder, der auf mich geschossen hat; ich habe ihm aufrichtig vergeben. Vereint mit Christus, opfere ich meine Leiden auf für die Kirche und für die Welt.
Dir, Maria, wiederhole ich: Ich bin ganz dein.“

 

totus tuus - ganz dein Maria


Heiliger Johannes Paul II.,
bitte für uns um Frieden und Versöhnung
 

Unsere Liebe Frau von Fatima, bitte für uns!


Sonntag, 12. April 2026

In jeder polnischen Kirche mindestens ein barmherziger Jesus....

 

das verlorengegangene Schaf wird aus den Dornen befreit, Rymanov

Wieder möchte ich einer Seele, die entschlossen Heiligkeit anstrebt und auch Früchte, das heißt Nutzen aus der Beichte ziehen will, drei Worte anempfehlen.

Erstens - unbedingte Aufrichtigkeit und Offenheit. Auch der heiligste und klügste Beichtvater kann der Seele nicht mit Gewalt einflößen, was er möchte, wenn die Seele nicht aufrichtig und offen ist. Eine unaufrichtige, verschlossene Seele begibt sich im geistigen Leben in große Gefahren und Jesus selbst teilt sich einer solchen Seele nicht in höherem Maße mit, denn Er weiß, daß sie von diesen großen Gnaden keinerlei Nutzen davontragen würde.

Das zweite Wort - Demut. Die Seele nutzt das Bußsakrament nicht gebührend, wenn sie nicht demütig ist. Hochmut hält die Seele in Dunkelheit. Sie weiß nichts und will sich nicht gründlich in den Abgrund ihres Elends vertiefen; sie verstellt sich und meidet alles, was sie heilen sollte.

Das dritte Wort - Gehorsam. Eine ungehorsame Seele trägt keinen Sieg davon, sogar wenn Jesus Selbst ihre Beichte abnehmen würde. Der erfahrenste Beichtvater kann einer solchen Seele nicht helfen. Eine ungehorsame Seele begibt sich in großes Unglück, sie macht keinerlei Fortschritte in ihrer Vervollkommnung und kommt mit dem geistigen Leben nicht zurecht. Gott überhäuft die Seele mit Seinen Gnaden, aber die gehorsame Seele.
(Tagebuch der Schwester Faustyna, Nr. 113)


Jesus ich vertraue auf dich

Pfarrkirche von Rymanow zum hl. Laurentius

Donnerstag, 1. Januar 2026

Mutter Gottes

 

Maria mit Kind, Marienkirche, Krakau

Das Dogma der göttlichen Mutterschaft

Die Erklärung der Wahrheit des Glaubens, die Maria als Mutter Gottes festlegt, geht auf das Konzil von Ephesus im Jahr 431 zurück, das, indem es die doppelte menschliche und göttliche Natur Christi bekräftigte, auch festlegte, dass Maria Mutter Christi und damit Mutter Gottes ist. Zur Zeit des Konzils war jedoch, angesichts des historischen Kontextes der vielen Häresien, die sich gerade um die Natur Christi drehten, wahrscheinlich mehr Interesse daran, ein christologisches Dogma zu definieren als ein marianisches. Daraus lässt sich folgern, dass alle Wahrheiten zu Ehren Marias weder autonom noch unabhängig sind, sondern vollständig von Christus abhängen: seinem Sohn. Schließlich ist Marias Mutterschaft ein Geschenk, eine Gnade, die Gott ihr gewährt, indem er sie „voll der Gnade“ macht.

Die Ursprünge des Festes

„Das Fest der Heiligen Maria“ begann im 6. Jahrhundert in Rom gefeiert zu werden, wahrscheinlich gleichzeitig mit der ersten Widmung einer Kirche der Jungfrau: Santa Maria Antiqua im Forum Romanum. Es wurde am 1. Januar gefeiert, als achter Tag nach Weihnachten, bis zum Jahr 931, als Papst Pius XI. im Zuge des fünften Jahrestages des Konzils von Ephesus das Gedächtnis auf den 11. Oktober verlegte, genau an den Tag, an dem das Konzil stattfand. Mit der liturgischen Reform von 1969 wurde das Fest wieder am 1. Januar gefeiert. Im Ambrosianischen Ritus wird der Gedenktag am letzten Sonntag im Advent gefeiert; in den syrischen und byzantinischen Riten wird er am 26. Dezember begangen; im koptischen Ritus hingegen am 16. Januar. Seit 1967 wird schließlich, auf Wunsch von Papst Paul VI., an diesem Festtag und im Namen Marias auch der Weltfriedenstag gefeiert, als höchstes Geschenk Gottes an den Menschen, nämlich das Heil.

vaticannews 

Samstag, 27. Dezember 2025

Und ein großes Zeichen ward am Himmel sichtbar

Der Apostel Johannes, nach der Überlieferung Verfasser des vierten Evangeliums und dreier Briefe, war ein Bruder Jakobus’ des Älteren und stammte aus Betsaida, wo sein Vater Zebedäus die Fischerei betrieb. Johannes war kaum jener sanfte Jüngling, den uns die christliche Kunst gemalt hat; er hatte wie sein Bruder ein heftiges Temperament, Jesus nannte die beiden „Donnersöhne“. Johannes war zuerst Jünger des Täufers gewesen, dann folgte er Jesus. Das besondere Vertrauen, das Jesus zu ihm hatte, zeigte sich darin, dass er ihm sterbend seine Mutter anvertraute (Joh 19, 26–27).

Johannes sieht und verfasst die Offenbarung, Kathedrale von Lublin, Hochaltarauszug

Und ein großes Zeichen - eine Erscheinung von sinnbildlicher Bedeutung: (vgl. z. B. Gen 9,12f) - ward am Himmel sichtbar: ein Weib, von der Sonne bekleidet, - eine Frauengestalt, die Himmelsbraut, als Sinnbild für das geistige Israel ist dem Sprachgebrauch des Alten und Neuen Testamentes geläufig; der Sonnenglanz deutet auf die übernatürliche Schönheit; vgl. Ps 103,2: "vom Licht bekleidet" - der Mond zu ihren Füßen, - dem Strahlenden ist das Milde beigegeben; so heißt auch die Braut im Hohenlied (6,10) "schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne" - auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen - zwölf Sterne als Sinnbild für die zwölf Stämme des idealen Israel sah Joseph in seinem Traum (Gen 37,9); sie begegnen auch im spätjüdischen "Testament der zwölf Patriarchen" (Nepht. 5, ist das Testament Naphtali).
(Otto Karrer, die Geheime Offenbarung, 79) 

Kathedrale von Lublin

Freitag, 22. August 2025

Rosenkranzkönigin

 

Hochaltar von Veit Stoß, 1489


 

"Du Königin vom heiligen Rosenkranz": Papst Leo XIII. ließ diese Anrufung im Jahr 1883 in die lauretanische Litanei einfügen. Viele, gerade auch jüngere Menschen, haben Schwierigkeiten mit dem Titel "Königin". Ist dies ein Begriff, mit dem man in unserer Zeit nichts Rechtes anzufangen weiß?

Ein Blick in die Bibel kann uns hier weiterhelfen. Da heißt es: "Wer siegt, der darf mit mir auf meinem Thron sitzen…" (Offb 3,21). Wer Jesus die Treue gehalten hat, der darf mit ihm herrschen. Und das dürfen wir doch besonders von Maria annehmen. Wie herrscht Maria? Indem sie uns zu Jesus und seinem Wort hinführt – durch ihre Fürbitte. Es ist, als ob uns die Rosenkranzkönigin immer wieder daran erinnert: "Was er euch sagt, das tut!" (Joh 2,5).

Und hier stehen wir bei einer ganz wichtigen Weisung für das Rosenkranzgebet: Während wir ruhig die zehn Ave beten, sollen wir uns fragen, was das betreffende "Geheimnis" (der "Leben-Jesu-Satz") für unser Leben bedeuten könnte. Diese Verbindung von mündlichem und betrachtendem Gebet ist nicht einfach und bedarf einiger Übung. Man könnte den Vergleich des Klavierspielers gebrauchen: Die eine Hand spielt die Melodie – das entspräche der Anwendung des Geheimnisses auf das eigene Leben –, und die andere Hand spielt die Begleitung – das entspräche dem mündlichen Gebet der Ave Maria. Versuchen wir, das auch auf unser Leben zu übertragen. Beim Beten der Ave können wir natürlich nicht auf jedes Wort achten, das Hauptaugenmerk ruht auf der Betrachtung.

Aber wie steht es mit den Anliegen, die wir in das Rosenkranzgebet einschließen wollen? Papst Johannes Paul II. sagte ja: "Viele Sorgen habe ich in dieses Gebet hineingelegt und habe dadurch stets Stärkung und Trost erfahren." Die Sorgen von Kirche und Welt, aber auch unsere persönlichen Nöte, dürfen wir in das Vater Unser eines jeden Gesätzes einschließen.

Wenn wir uns in der Betrachtung der einzelnen Geheimnisse darum bemühen, unser eigenes Leben dem Leben Jesu und seiner heiligen Mutter anzugleichen, wird Gott unsere Anliegen umso eher erhören.

Bei ihrer letzten Erscheinung in Fatima (13. Oktober 1917) bezeichnete sich die heilige Jungfrau Maria als Rosenkranzkönigin. Wollte sie uns damit nicht eindringlich darauf hinweisen, welche Bedeutung der Rosenkranz für die Kirche und die Welt hat?

P. Benno Mikocki


Krönung der Gottesmutter durch die hl. Dreifaltigkeit

Marienkirche in Krakau

Freitag, 15. August 2025

Die Pflicht der Kirche, der Gottesmutter aufgrund des Glaubens zu gedenken

 

Portal der Kathedrale von Tarnów,
Pfingsten Tod Mariens, Aufnahme in den Himmel

Am 1. November 1950 verkündigte der ehrwürdige Diener Gottes Papst Pius XII. als Dogma, daß die Jungfrau Maria, »nachdem sie ihren irdischen Lebenslauf vollendet hatte, mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden« ist. Diese Glaubenswahrheit war der Überlieferung bekannt, wurde von den Kirchenvätern bekräftigt und war vor allem ein wesentlicher Aspekt der Verehrung, die der Mutter Christi entgegengebracht wurde. Gerade das Element der Verehrung war sozusagen die entscheidende Antriebskraft für die Formulierung dieses Dogmas: Das Dogma ist gleichsam ein Lobpreis der allerseligsten Jungfrau. Das geht auch aus dem Text der Apostolischen Konstitution hervor, wo es heißt, daß das Dogma »zur Ehre des Sohnes, […] zur Mehrung der Herrlichkeit der erhabenen Gottesmutter, zur Freude und zum Jubel der ganzen Kirche« verkündigt wird. So wurde in dogmatischer Form das zum Ausdruck gebracht, was bereits in Verehrung und Frömmigkeit des Gottesvolkes als höchste und beständige Verherrlichung Mariens gefeiert wurde: Der Akt der Verkündigung der Aufnahme Mariens in den Himmel erwies sich gleichsam als eine Liturgie des Glaubens. Und im Evangelium, das wir soeben vernommen haben, spricht Maria selbst in prophetischer Weise Worte, die auf diese Perspektive hin ausgerichtet sind. Sie sagt: »Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter« (Lk 1,48). Es ist eine Prophezeiung für die ganze Kirchengeschichte.

Dieses Wort aus dem Magnifikat, das vom hl. Lukas überliefert wird, zeigt, daß der Lobpreis an die – mit ihrem Sohn Christus innig verbundene – Jungfrau und Gottesmutter die Kirche aller Zeiten und aller Orte betrifft. Und die Niederschrift dieser Worte von seiten des Evangelisten setzt voraus, daß die Verherrlichung Mariens zur Zeit des hl. Lukas bereits vorhanden war und er sie als eine Pflicht und eine Aufgabe der christlichen Gemeinschaft für alle Generationen betrachtete. Die Worte Mariens bedeuten, daß die Kirche die Pflicht hat, der Größe der Gottesmutter aufgrund des Glaubens zu gedenken. Dieses Hochfest ist also eine Einladung, Gott zu loben und auf die Größe der Gottesmutter zu schauen, denn wer Gott ist, das erkennen wir im Antlitz der Seinen.

Aber warum wird Maria durch die Aufnahme in den Himmel verherrlicht? Wie wir gehört haben, sieht der hl. Lukas die Wurzel des Lobpreises Marias im Wort der Elisabet: »Selig ist die, die geglaubt hat« (Lk 1,45). Und das Magnifikat, jener Lobgesang auf den lebendigen und in der Geschichte handelnden Gott, ist ein Hymnus des Glaubens und der Liebe, der aus dem Herzen der Jungfrau hervorgeht. Sie hat die Worte Gottes an sein Volk, die Verheißungen, die an Abraham, Isaak und Jakob ergangen sind, mit vorbildlicher Treue gelebt, sie in der Tiefe ihres Herzens bewahrt und sie zum Inhalt ihres Gebets gemacht: Das Wort Gottes ist im Magnifikat zum Wort Mariens geworden, zum Licht für ihren Weg, um sie bereit zu machen, das fleischgewordene Wort Gottes auch in ihrem Leib aufzunehmen. Der heutige Abschnitt aus dem Evangelium verweist auf diese Gegenwart Gottes in der Geschichte und im Ablauf der Ereignisse. Insbesondere gibt es einen Bezug zum Zweiten Buch Samuel im sechsten Kapitel (6,1–15), in dem David die heilige Bundeslade überführt. Der Vergleich, den der Evangelist zieht, ist deutlich: Maria, die die Geburt ihres Sohnes Jesus erwartet, ist die heilige Lade, die die Gegenwart Gottes in sich trägt, eine Gegenwart, die Quelle des Trostes, vollkommener Freude ist. Denn Johannes hüpft im Leib der Elisabet, genau wie David vor der Lade getanzt hatte. Maria ist der »Besuch« Gottes, der Freude schenkt. Zacharias wird es in seinem Lobgesang ausdrücklich sagen: »Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen « (Lk 1,68). Das Haus des Zacharias hat den Besuch Gottes erfahren durch die unerwartete Geburt Johannes des Täufers, vor allem aber durch die Gegenwart Mariens, die in ihrem Leib den Sohn Gottes trägt.
(Papst Benedikt XVI, Aufnahme Mariens, 15.8.2012)


Johannes Paul II, ein unermüdlicher Arbeiter im Weinberg des Herrn

Kathedrale Mariä Geburt, Tarnów