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Dienstag, 17. November 2020

Gertrud von Helfta

 

rechts vermutlich Gertrud von Helfta, Stift Schlierbach, Oberösterreich

Hl. Luitgard von Tongern (+ 1246)in der Mitte, die vom Arm Jesu umfasst wird, der ihn vom Kreuz gelöst hat, ist eindeutig. Die zweite Zisterzienserin rechts könnte die hl. Gertrud von Helfta (+ 1302) sein, die auch mit einem Äbtissinnenstab dargestellt wird, da sie oft mit der damaligen Äbtissin von Helfta, Gertrud von Hackeborn, identifiziert wurde. Eine weitere Äbtissin mit Stab setzt sich durch die schwarze Kleidung ab. Als zeitgemäße Mystikerin käme die hl. Hildegard von Bingen (+ 1179) in Frage.

(aus: P. Ludwig Keplinger, Ikonographie der Schlierbacher Stiftskirche)

 
Ordensfrau, Mystikerin
Namensdeutung: Speerzauber (germanisch)
Namenstage: Gertrud, Gertrudis, Gertraud, Gesa, Gesine, Gerrie, Gerti, Geesche, Traudel, Trude
Gedenktag: 17. November

Lebensdaten: geboren am 6. Januar 1256, gestorben am 17. November 1302 im Kloster Helfta bei Eisleben

Lebensgeschichte: Gertrud, über deren Herkunft offenbar Stillschweigen herrschte, kam mit fünf Jahren ins Zisterzienserinnenkloster Helfta. Gefördert durch ihre Äbtissin Gertrud und besonders durch ihre ältere Mitschwester Mechthild von Hackeborn erhielt sie eine außergewöhnlich gute Ausbildung in den Freien Künsten sowie in Theologie und war mit den maßgeblichen geistlichen Autoren vertraut. Ab 1270 lebte auch die Mystikerin Mechthild von Magdeburg im Helftaer Konvent.
Am 27. Januar 1281 erfuhr Gertrud ihre erste große Christusvision und verwandelte sich von der „Buchgelehrten“ in eine „Gottesgelehrte“. Sie verfasste Erbauungsbücher mit Auszügen mystischer Autoren und hielt ab 1289 ihre eigenen Schauungen im Gesandten der göttlichen Liebe fest. Darin schilderte sie mit Worten der Heiligen Schrift und der Liturgie und gestützt auf die geistliche Literatur, wie Christus in den Sakramenten der Kirche lebt und wirkt. Sie verkündete besonders das liebende Herz des Erlösers, mit dem das Innerste des Erlösten einen Dialog führt und mit dem es sich wie mit einem Bräutigam vermählt. Gertrud, die bei ihren Arbeiten von ihren Mitschwestern unterstützt und von vielen Menschen als Ratgeberin aufgesucht wurde, starb mit 46 Jahren im Kloster Helfta.

Verehrung: Obwohl sie erst 1678 in den Heiligenkalender aufgenommen wurde, galt Gertrud bereits im 15. Jahrhundert als Krone der deutschsprachigen Mystik und erhielt von Papst Benedikt XIV. den Beinamen „die Große“. Ihre Verehrung wurde 1739 auf die ganze Kirche ausgedehnt. Ab dem 16. Jahrhundert verbreitete sich Gertruds Gesandter als veritabler Bestseller und gegenreformatorisches Heilmittel in die ganze Welt. Nachdem sich der spanische König Philipp II. 1598 auf dem Totenbett daraus vorlesen ließ, wuchs ihre Verehrung vermehrt im spanischsprachigen Raum, weswegen sie schließlich auf Bitten des Königs Philipp IV. zur Patronin der Westindischen Inseln (Antillen) erklärt wurde und ihr Kult auf ganz Lateinamerika überschwappte. Peru begeht den Festtag der Landespatronin besonders festlich.

Darstellung: mit Jesuskind im Herzen und Spruchband „Ihr findet mich im Herzen Gertruds“, häufig auch als Äbtissin

Patronin: von Peru, der Antillen, von Tarragona/Spanien und des Bistums Magdeburg

(Bistum Augsburg) 

 

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Acislus und der seligen Salome von Krakau.

Hochaltarbild Franz Werner Tamm, Aufnahme Mariens, darüber der Auferstandene, der ihr
entgegeneilt, Klosterkirche Schlierbach

Dienstag, 20. August 2019

Bernhard von Clairvaux und Maria

der hl. Bernard und Maria, Zisterzienserkloster Schlierbach


In einer anderen berühmten Predigt zum Sonntag in der Oktav von Christi Himmelfahrt beschreibt der heilige Abt mit leidenschaftlichen Worten die innige Teilhabe Mariens am Erlösungsopfer des Sohnes. „O heilige Mutter – ruft er aus – in Wahrheit hat ein Schwert deine Seele durchbohrt! ... Die Gewalt des Schmerzes hat deine Seele so sehr durchdrungen, dass wir dich zurecht mehr als eine Märtyrerin nennen dürfen, da in dir die Teilhabe am Leiden des Sohnes in ihrer Stärke bei weitem über die leiblichen Leiden des Martyriums hinausgegangen sind“ (14: PL 183,437-438). Bernhard hat keine Zweifel: „per Mariam ad Iesum“, durch Maria werden wir zu Jesus geführt. Er bestätigt mit Klarheit,entsprechend den Grundlagen der traditionellen Mariologie, die Subordination Mariens unter Jesus. Aber der Corpus der Predigt dokumentiert auch den bevorzugten Platz der Jungfrau in der Heilsökonomie infolge der so besonderen Teilhabe der Mutter (compassio) am Opfer des Sohnes. Nicht umsonst wird Dante Alighieri eineinhalb Jahrhunderte nach Bernhards Tod im letzten Buch der „Göttlichen Komödie“ auf die Lippen des „Honigfließenden Lehrers“ das hehre Gebet zu Maria legen: „O Jungfrau Mutter, Tochter deines Sohnes / Demütigste und höchste der Erschaffnen / vorherbestimmtes Ziel vom ew’gen Ratschluss,...“ („Vergine Madre, figlia del tuo Figlio,/umile ed alta più che creatura,/termine fisso d’eterno consiglio, … “; Paradies 33, V. 1ff.)

Diese Gedanken, die kennzeichnend sind für einen Mann wie den heiligen Bernhard, der in Jesus und Maria verliebt ist, stellen noch heute auf gesunde Weise nicht nur für die Theologen, sondern für alle Gläubigen eine Provokation dar. Manchmal wird der Anspruch erhoben, die grundlegenden Fragen zu Gott, dem Menschen und der Welt allein mit den Kräften der Vernunft zu lösen. Der heilige Bernhard hingegen ruft uns, auf dem festen Boden der Bibel und der Kirchenväter stehend, in Erinnerung, dass unser Nachdenken über die göttlichen Geheimnisse ohne einen tiefen Glauben an Gott, der von Gebet und Kontemplation genährt ist, Gefahr läuft, zu einer leeren intellektuellen Übung zu werden und seine Glaubwürdigkeit einzubüßen. Die Theologie verweist auf die „Wissenschaft der Heiligen“, auf deren Sicht der Geheimnisse des lebendigen Gottes, auf ihre Weisheit, Geschenk Gottes, die zum Bezugspunkt für das theologische Denken werden. Zusammen mit Bernhard von Clairveaux müssen auch wir anerkennen, dass der Mensch Gott „mit dem Gebet besser suchen und leichter finden kann als mit der Diskussion“. Schließlich bleibt die wahrste Gestalt des Theologen und eines jeden, der den Menschen das Evangelium bringt, die Gestalt des Apostels Johannes, der sein Haupt an das Herz des Meisters gelegt hat.

Ich möchte diese Gedanken zum heiligen Bernhard mit dem Gebet zu Maria abschließen, das wir in einer seiner schönen Homilien lesen: „In den Gefahren, in den Ängsten, in den Ungewissheiten – so sagt er –: Denke an Maria, bete zu Maria. Sie stehe nie deinen Lippen fern, nie deinem Herzen; und damit du die Hilfe ihres Gebetes erlangen kannst, vergiss nie das Beispiel ihres Lebens. Wenn du ihr folgst, kannst du nicht vom Weg abkommen; wenn du zu ihr betest, kannst du nicht verzweifeln; wenn sie dich führt, wirst du nicht müde; wenn sie dir gewogen ist, wirst du ans Ziel kommen...“ (Hom. II super „Missus est”, 17: PL 183, 70-71).
(aus der Generalaudienz von Papst Benedikt XVI., 21.10.2009)
 

O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria

Stiftskirche Schlierbach

Sonntag, 26. August 2018

Wollt auch ihr weggehen?

Fresko vom letzten Abendmahl, Schlierbach


48Ich bin das Brot des Lebens.
49Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben.
51Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.
In jener Zeit 60sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
61Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
62Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?
63Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.
64Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.
65Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
66Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.
67Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
68Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
69Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Donnerstag, 17. Mai 2018