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Montag, 29. April 2019

Das Gespräch mit Nikodemus

Gespräch von Jesus und Nikodemus, Ely Cathedral


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
1Es war ein Pharisäer namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden.
2Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist.
3Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.
4Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden.
5Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
6Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.
7Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden.
8Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.

(Johannes 3, Evangelium vom Montag der 2. Osterwoche) 


Heute gedenkt die Kirche der hl. Katharina von Siena.

Kathedrale von Ely

Sonntag, 28. April 2019

Hinabgestiegen in das Reich des Todes

Gang in die Unterwelt, hinabgestiegen in das Reich des Todes, Limburger Dom


17Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte:
Fürchte dich nicht!
Ich bin der Erste und der Letzte 18und der Lebendige.
Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit,
und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.

(Offenbarung 1, aus der 2. Lesung vom Weissen Sonntag)

Limburger Dom

Donnerstag, 25. April 2019

Glaube und Nachfolge im Markusevangelium

Evangelist Markus, S. Martino, Lucca


Glaube und Nachfolge

Zu Beginn des Evangeliums liest man Jesu programmatische Forderung: "Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" (1,15 [1. Fastensonntag; 3. S.i.Jk.]). Glaube an das Evangelium ist das Vertrauen darauf, daß Gott seine Herrschaft tatsächlich durch Jesus Christus, seinen Sohn, nahekommen läßt und vollenden wird. Glaube integriert deshalb das Bekenntnis zu Jesus Christus als Sohn Gottes, kann aber nur als Kreuzesnachfolge gelebt werden.

Vor allem die Wundergeschichten zeigen, weshalb man Jesus glauben kann: weil er durch seine menschliche Zuwendung und durch die Inanspruchnahme seiner von Gott verliehenen Vollmacht den Kranken und den Besessenen mit Leib und Seele die Gnade der Gottesherrschaft vermittelt. Er ist der "Arzt" der Kranken (2,17), der Hirt einer schutzlosen Herde (6,34 [16. S.i.Jk.]), der "Herr" (7,28), der "alles gut gemacht hat" (7,37 [23. S.i.Jk.]), der "Davidssohn", der sich der Notleidenden erbarmt (10,47f [30. S.i.Jk.]).

Die Sprache des Glaubens ist das Gebet. Getragen von der Bereitschaft, die Schuld des Nächsten zu vergeben und bestimmt vom Vertrauen in die kraftvolle Gnade Gottes, kann es Berge versetzen, d.h. eine so große Macht gewinnen, daß es die Erfahrung der Gottesherrschaft vermittelt, die alle festgefügten Vorstellungen ins Wanken bringt und alle Sehnsüchte übersteigt (11,22-25).

Der Weg des Glaubens ist die Nachfolge (1,14f.16-20 [3. S.i.Jk.]) - nicht nur für einige wenige Auserwählte, sondern für alle Christen, besonders aber für jene, die an der Sendungsvollmacht Jesu teilhaben (6,6b-13 [15. S.i.Jk.]). Nachfolge ist gekennzeichnet durch die Bereitschaft, von Jesus zu lernen und um Jesu und des Evangeliums willen auch Konfliktsituationen und Benachteiligungen nicht zu scheuen (8,38; 10,29f [28. S.i.Jk.]). In einer Umwelt, die den Gemeinden mit Mißtrauen und Feindschaft begegnet, ist auch der Weg der Jünger der Weg der Kreuzesnachfolge (8,34-38 [24. S.i.Jk.]) - und das Leiden im Dienst der Gottesherrschaft wird selbst zu einer tiefen Glaubenserfahrung.

Der Blick auf die Jünger zeigt aber auch in aller Klarheit, wie lang und beschwerlich der Weg des Glaubens ist, wie viele Höhen und Tiefen er kennt, wie wenig er vor Versagen und Schuld, Zweifel und Resignation gefeit ist. Petrus liefert das deutlichste Beispiel. Zum Jünger berufen (1,16-20 [3. S.i.Jk.]), zum Mitglied des Zwölferkreises bestellt (3,13-19), zum vollmächtigen Verkündigungs-dienst ausgesendet (6,6b-13 [15. S.i.Jk.]), bekennt er zwar die Messianität Jesu (8,30), widerspricht aber der Leidensankündigung (8,31f [24. S.i.Jk.]) und versagt trotz seines großen Versprechens (14,29) in der Stunde der Passion (14,66-72); er sagt sich von Jesus los (Mk 14,72: "Ich kenne diesen Menschen nicht!") - und wird doch von Jesus nicht fallengelassen, sondern durch die österliche Erscheinung neu in die Nachfolge gerufen (14,28; 16,7 [Osternacht])

Der Glaube wird mit der Schwachheit des menschlichen Fleisches (14,38) und der Kraft Gottes (11,22-25) konfrontiert. Wer glaubt, kann den Unglauben nicht leugnen, der tief im Herzen nistet - und dennoch durch Jesus Gott sein volles Vertrauen schenken. Die ganze Spannung von menschlichem Zweifel und göttlicher Gnade kommt im paradoxal zugespitzten Glaubensbekenntnis des Vaters zum Ausdruck, der Jesus um Heilung seines besessenen Sohnes bittet: "Ich glaube, hilf meinem Unglauben" (9,24).


(aus: Thomas Söding, Das Markusevangelium)


Auferstehung u. letztes Abendmahl,
S. Martino, Lucca

Gut leben

Der auferstandene Herr in der Glorie einer Mandorla,
umgeben von den Symbolen der Evangelisten,
über ihm schwebt der Heilige Geist,
Lawrence Lee, um 1959, St Mary Aldermary, London

Beten wir zum Herrn, dass er uns helfen möge,
die Heilige Schrift, sein Wort
gut zu betrachten
und so zu lernen, wirklich gut zu leben.
 
(Papst Benedikt XVI., Generalaudienz, 14. Januar 2009)