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Montag, 2. Dezember 2024

Lukas in den Sonntagsevangelien dieses Kirchenjahres

Lukas, Evangelist. Lukas stammte vermutlich aus Antiochien, hatte als Heide zum Glauben an Christus gefunden und war von Beruf Arzt (Kol 4,14). Lukas schloss sich in Troas dem Paulus an und begleitete diesen als Gefährte und treuer Freund auf dessen Reise nach Rom. Lukas stand ihm auch während der Gefangenschaft bei (Röm 16,21; 2 Tim 4,11). Nach dem Tod des Paulus hat Lukas wohl in Achaia gewirkt. Er soll in Boötien im Alter von 84 Jahren den Tod gefunden haben.
Lukas gilt als Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums sowie der Apostelgeschichte, als deren Entstehungszeit heute allgemein die Jahre zwischen 70 und 80 angesehen wird. Kaiser Konstantius II. ließ 356 die Gebeine des Lukas nach Konstantinopel übertragen und in der Apostelkirche beisetzen. Reliquien werden heute auch in Padua verehrt.
Wegen der Schilderung der Gottesmutter Maria in den ersten Kapiteln seines Evangeliums gilt Lukas als Marienverehrer, insgesamt spielen die Frauen in seinem Evangelium eine bedeutende Rolle. Im 6. Jahrhundert taucht die Legende auf, Lukas sei Maler gewesen. Er wird daher oft als Maler von Marienbildern dargestellt. Als Evangelistensymbol wurde ihm der Stier zugeordnet, weil er in der Schilderung der Passion am deutlichsten von allen Synoptikern den Tod Christi als Opfertod schildert.
(Martyrologium Sancrucense)

Evangelist Lukas (Edward Burne Jones) in St Michael´s, Linlithgow,

Dienstag, 18. Oktober 2022

Lukas

 

Deckenfresko mit den 4 Evangelisten in der Bibliothek in Admont

 

Herr, unser Gott, du hast den Evangelisten Lukas auserwählt,

in Wort und Schrift das Geheimnis deiner Liebe zu den Armen zu verkünden.

Gib, dass alle, die sich Christen nennen, ein Herz und eine Seele sind,

und lass alle Völker der Erde das Heil schauen,

das du ihnen bereitet hast.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.
 

Bibliothek im Stift Admont

Sonntag, 18. Oktober 2020

Lukas - Arzt, Maler und Evangelist

hl. Lukas, geliebter Arzt, bitte für uns!
 

Lukas, der als Verfasser des dritten Evangeliums und der Apostelgeschichte gilt, war nach der Überlieferung in Antiochien in Syrien als Heide geboren; nach Kol 4,14 war er Arzt und hat als solcher gewiss auch den Apostel Paulus behandelt. Für sein Evangelium hat er als Quellen das Markusevangelium und andere Überlieferungen benützt, dem Ganzen aber sein persönliches Gepräge gegeben.
Er betont vor allem die Barmherzigkeit Gottes und die Liebe Jesu zu den Armen und
den Sündern; über das Gebet und über den Heiligen Geist sagt Lukas mehr als Matthäus und Markus. In der Apostelgeschichte berichtet er mit historischem Blick und literarischer Kunst über die Anfänge des Christentums. Auch hier hat er verschiedene Quellen benützt; zum guten Teil konnte er als Augenzeuge berichten, da er Paulus auf der zweiten und der dritten Missionsreise begleitete und auch während der römischen Gefangenschaft in seiner Nähe war (vgl. Kol 4,10-14; Phlm 24; 2 Tim 4,11).
Die liturgische Verehrung des hl. Lukas ist seit dem 8. Jahrhundert bezeugt.

(ErzabteiBeuron)

 

Herr, unser Gott,

du hast den Evangelisten Lukas auserwählt,

in Wort und Schrift

das Geheimnis deiner Liebe zu den Armen zu verkünden.

Gib, dass alle, die sich Christen nennen,

ein Herz und eine Seele sind,

und lass alle Völker der Erde das Heil schauen,

das du ihnen bereitet hast.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.
 

Kanzelbild in St. Nikolaus, Pamhagen, Burgenland

Mosaik hl. Lukas in S. Vitale, Ravenna (Evangelium für jeden, der Gott lieben möchte)

Lukas und das Gebet, Mosaik in der Helenakapelle in S. Croce in Gerusalemme in Rom

Lukas mit dem Stiersymbol (Deckenfresko in S. Maria sopra Minerva, Rom)

Die Reliquien des Evangelisten Lukas in Padua (Vita und Botschaft von JPII. über Lukas)

 

Lukas malt Maria (in seinem Evangelium auch mit Worten)
Marylebone Parish Church, London

Mittwoch, 25. März 2020

40 x Verkündigung

Mir! hat sie es erzählt!

Verkündigung des Herrn
1 Glasfenster in Southwark Cathedral, London
2 Glasfenster der Ankündigung der Jungfrauengeburt durch Jesaja, Etheldreda´s Church, London
3 Tympanon der Marienkapelle, Würzburg, Ewiges Wort verwendet Sprachrohr als Rutsche
4 Glasfenster in Koekelberg, Brüssel
5 Verkündigungsaltar S. Ignazio, Rom
6 Verkündigungsrelief, S. Maria del Carmine, Brescia
7 Glasfenster S. Maria Maggiore, Triest
8 Glasfenster Ely Cathedral 
9 Mosaik, 6. Jh., Euphrasius Basilika, Porec
10 Glasfenster in ULF v. Chartres
11 Glasfenster in St. Ottilien
12 Glasfenster im Liebfrauendom, München
13 Musee d´arts, Brüssel
14 Fresko, S. Maria sopra Minerva, Rom
15 Glasfenster in der Franziskanerkirche in Pressburg
16 Dom von Orvieto
17 Maria am Gestade, Wien
18 Fresko, S. Maria in Trastevere, Rom
19 Glasfenster in All Saints, Cambridge
20 Kathedrale von Sevilla
21 Mosaik und Fresko im orthodoxen Nazareth
22 Kunsthistorisches Museum, auf Stein
23 neugotisches Altarretabel in der Kathedrale von Zagreb
24 Tympanon des Ericsdoms in Uppsala
25 Glasfenster in Saint Germain, Paris
26 Mosaik im Johannes Paul II. Heiligtum in Krakau
27 Relief im heiligen Haus im Loreto, Italien
28 Relief des Eingangstors, S. Maria Maggiore, Rom 
29 Fresko, griech. orthodoxe Dreifaltigkeitskirche, Wien
30 Verkündigungsmonstranz im Klemensmuseum, Maria am Gestade, Wien
31 Fresko in Silvesterkapelle in Santi Quattro Coronati, Rom
32 rumänisch-orthodoxe Kirche Knittelfeld, Österreich
33 Fresko in S. Zeno Maggiore, Steinrelief am Portal, Verona
34 Mosaik beim Portal v. Maria am Gestade, Wien
35 Glasfenster im Kölner Dom 
36 Fresko in der Kathedrale von Burgos
27 Taufstein von Johannes Paul II. in Wadowice, Polen
38 im Museum der Kathedrale von Burgos
39 Fresko in S. Maria infra Portas, Foligno


28 Der Engel trat bei ihr ein
und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete,
der Herr ist mit dir.
29 Sie erschrak über die Anrede
und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria;
denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31 Siehe, du wirst schwanger werden
und einen Sohn wirst du gebären;
dem sollst du den Namen Jesus geben.
32 Er wird groß sein
und Sohn des Höchsten genannt werden.
Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen
und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34 Maria sagte zu dem Engel:
Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35 Der Engel antwortete ihr:
Heiliger Geist wird über dich kommen
und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
Deshalb wird auch das Kind heilig
und Sohn Gottes genannt werden.
36 Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte,
hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen;
obwohl sie als unfruchtbar gilt,
ist sie schon im sechsten Monat.
37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38 Da sagte Maria:
Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe, wie du es gesagt hast.
Danach verließ sie der Engel.

Tabernakel mit Verkündigungsszene, Pfarrkirche zum hl. Nikolaus Pamhagen

Nun soll es wissen alle Welt:
Gekommen ist, der Leben bringt,
erschienen ist, der Rettung schafft
und aus des Feindes Joch uns löst.

Denn was Jesus einst verhieß,
ist in der Jungfrau jetzt erfüllt;
was Gabriel ihr kundgetan,
das wirkt in ihr des Höchsten Kraft. 

Empfangen hat Mariens Schoß
des Vaters Wort, den ew´gen Sohn;
ihn, den die ganze Welt nicht fasst,
umschließt und trägt der Jungfrau Leib. 

Zur Erde kam das Licht vom Licht,
verscheucht die Nacht, besiegt den Tod.
Kommt alle, glaubt und betet an
den Gott im Schoße einer Frau. 

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Preis,
Gott, den die Jungfrau uns gebar,
Lob auch dem Vater und dem Geist
durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen. 
(Hymnus der Vesper)

Engel fangen das kostbare Blut Christi auf


Donnerstag, 18. Oktober 2018

Lukas - Evangelium für jeden, der Gott lieben möchte

Mosaik des hl. Lukas aus dem 6. Jh, S. Vitale, Ravenna, Lukas hält das Evangelium
mit verhüllter Hand - es ist Heilige Schrift, im verschließbaren Korb
sind die Schriftrollen, die Quellen des hl. Lukas

Die Ausschmückung des oberen Teils seitlich der beiden zweibogigen Fenster mit ihren Alabastersäulen zeugt von der Lebendigkeit des Evangeliums, die in den Figuren der 4 Evangelisten zusammengefasst ist, die dabei überrascht werden, als sie von ihren sinnbildlichen Verkörperungen (hier der Stier) die Eingebung erhalten. Zu ihren Füßen fließen Bäche mit klarem Wasser und an den grasigen Ufern tummeln sich Wasservögel. (Kunstführer)

rechts neben den Alabastersäulen ist der hl. Lukas dargestellt, links der hl. Johannes


Nun habe auch mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. (Lukas 1,3)

"Theophilus" aber bedeutet "Gott liebend" oder "von Gott geliebt". Darum soll jeder, der Gott liebt oder von ihm geliebt werden möchte, dieses Evangelium als für ihn geschrieben ansehen und als ein ihm gegebenes Geschenk, ein ihm anvertrautes Pfand bewahren. Dem Theophilus aber verspricht er nicht, irgendwelche Neuigkeiten und gleichsam Unbekanntes zu eröffnen, sondern die Wahrheit jener Worte, in denen er unterwiesen wurde (Beda Venerabilis)
(Thomas von Aquin, Catena Aurea, Hrsg. Marianne Schlosser, Florian Kolbinger, 624)

San Vitale, Ravenna

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Lukas und das Gebet



Bekanntlich hat uns der hl. Lukas eines der vier Evangelien geschenkt, die dem irdischen Leben Jesu gewidmet sind. Er hat uns jedoch auch das hinterlassen, was als das erste Buch über die Kirchengeschichte bezeichnet wurde, die Apostelgeschichte.
Ein Element, das in diesen beiden Büchern immer wiederkehrt, ist das Gebet: das Gebet Jesu wie auch das Gebet Marias, der Jünger, der Frauen und der christlichen Gemeinde. Der beginnende Weg der Kirche ist vor allem geprägt vom Wirken des Heiligen Geistes, der die Apostel zu Zeugen des Auferstandenen macht, bis hin zum Blutvergießen, sowie von der raschen Verbreitung des Wortes Gottes nach Osten und nach Westen. 
(Papst Benedikt XVI., aus der Generalaudienz vom 14.3.2012)
 
Lukas mit dem Stiersymbol
Die Reliquien des Evangelisten Lukas in Padua

Lukas der Evangelist, Mosaik in der Helenakapelle, S. Croce in Gerusalemme



(...) In Jerusalem sind die Apostel, durch den Verrat des Judas Iskariot jetzt zu elft, im Haus versammelt, um zu beten, und im Gebet erwarten sie die vom auferstandenen Christus verheißene Gabe, den Heiligen Geist. In diesem Zusammenhang der Erwartung, zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, erwähnt der hl. Lukas zum letzten Mal Maria, die Mutter Jesu, und seine Brüder (V. 14). Maria hat er die Anfänge seines Evangeliums gewidmet, von der Verkündigung des Engels bis zur Geburt und Kindheit des menschgewordenen Sohnes Gottes. Mit Maria beginnt das irdische Leben Jesu, und mit Maria beginnen auch die ersten Schritte der Kirche; in beiden Augenblicken herrscht eine Atmosphäre des Hörens auf Gott, der inneren Sammlung.

Heute möchte ich daher bei der betenden Gegenwart der Jungfrau Maria in der Gruppe der Jünger verweilen, die die entstehende Kirche sind. Maria ist mit Zurückhaltung dem gesamten Weg ihres Sohnes in seinem öffentlichen Wirken gefolgt, bis unter das Kreuz, und jetzt folgt sie weiterhin im stillen Gebet dem Weg der Kirche. Bei der Verkündigung im Haus von Nazaret empfängt Maria den Engel Gottes, achtet auf seine Worte, nimmt sie an und antwortet auf den göttlichen Plan, indem sie ihre volle Bereitschaft zeigt: »Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast« (vgl. Lk 1,38). Gerade durch die innere Haltung des Hörens ist Maria in der Lage, die eigene Geschichte zu deuten, indem sie mit Demut erkennt, daß es der Herr ist, der handelt. Als sie ihre Verwandte Elisabet besucht, bricht sie in ein Gebet des Lobpreises und der Freude aus, der Feier der göttlichen Gnade, die ihr Herz und ihr Leben erfüllt und sie zur Mutter des Herrn gemacht hat (vgl. Lk 1,46–55). Lobpreis, Dank, Freude: Im Gesang des Magnifikat schaut Maria nicht nur auf das, was Gott in ihr gewirkt hat, sondern auch auf das, was er in der Geschichte vollbracht hat und weiterhin vollbringt. In einem berühmten Kommentar zum Magnifikat lädt der hl. Ambrosius ein, im Gebet denselben Geist zu haben, und schreibt: »In jeder Seele sei Marias Seele, daß sie ›groß mache den Herrn‹, in jeder sei der Geist Marias, daß er ›frohlocke in Gott‹«. (Expositio Evangelii secundum Lucam 2,26: PL 15,1561).

Auch im Abendmahlssaal in Jerusalem, im »Obergemach« wo die Jünger Jesu »nun ständig blieben« (vgl. Apg 1,13), in einer Atmosphäre des Hörens und des Gebets, ist sie gegenwärtig, bevor die Türen weit geöffnet werden und sie beginnen, Christus, den Herrn, allen Völkern zu verkündigen und sie zu lehren, alles zu befolgen, was er geboten hat (vgl. Mt 28,19–20). Die Abschnitte des Weges, den Maria gegangen ist – vom Haus in Nazaret über das Kreuz, wo der Sohn ihr den Apostel Johannes anvertraut, bis zum Haus in Jerusalem –, sind von der Fähigkeit geprägt, eine beharrliche Atmosphäre der inneren Sammlung zu wahren, um in der Stille ihres Herzens vor Gott über jedes Ereignis nachzudenken (vgl. Lk 2,19–51) und im Nachdenken vor Gott auch den Willen Gottes zu verstehen und fähig zu werden, ihn innerlich anzunehmen. Die Gegenwart der Muttergottes bei den Elf, nach der Himmelfahrt, ist also nicht einfach nur die historische Erwähnung von etwas Vergangenem, sondern sie gewinnt eine Bedeutung von großem Wert, weil sie mit ihnen das Kostbarste teilt, was es gibt: die lebendige Erinnerung an Jesus im Gebet.

Sie hat an dieser Sendung Jesu teil: die Erinnerung an Jesus zu wahren und so seine Gegenwart zu wahren. Zum letzten Mal wird Maria in den beiden Schriften des hl. Lukas am Sabbat erwähnt: dem Tag des Ruhens Gottes nach der Schöpfung, dem Tag der Stille nach dem Tod Jesu, in Erwartung seiner Auferstehung. Und darin wurzelt die Tradition des Mariensamstags. Zwischen der Himmelfahrt des Auferstandenen und dem ersten christlichen Pfingsten versammeln sich die Apostel und die Kirche mit Maria, um mit ihr auf die Gabe des Heiligen Geistes zu warten, ohne die man nicht zu Zeugen werden kann. Sie, die ihn bereits empfangen hat, um das fleischgewordene Wort hervorzubringen, teilt mit der ganzen Kirche die Erwartung eben dieser Gabe, damit im Herzen eines jeden Gläubigen »Christus Gestalt annimmt« (vgl. Gal 4,19). Wenn es ohne Pfingsten keine Kirche gibt, gibt es ohne die Mutter Jesu auch kein Pfingsten, denn sie hat auf einzigartige Weise das gelebt, was die Kirche jeden Tag unter dem Wirken des Heiligen Geistes erfährt. Der hl. Chromatius von Aquileia kommentiert die Bemerkung der Apostelgeschichte so: »Die Kirche versammelte sich also im Obergemach gemeinsam mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern. Man könnte sie nicht Kirche nennen, wenn nicht Maria zugegen wäre, die Mutter des Herrn. … Die Kirche Christi ist dort, wo die Menschwerdung Christi aus der Jungfrau verkündet wird; und wo die Apostel verkünden, die Brüder des Herrn, dort hört man das Evangelium« (Sermo 30,1: SC 164,135).

Das Zweite Vatikanische Konzil wollte in besonderer Weise die Verbindung hervorheben, die im gemeinsamen Beten Marias und der Apostel am selben Ort in Erwartung des Heiligen Geistes sichtbar zum Ausdruck kommt: »Da es aber Gott gefiel, das Sakrament des menschlichen Heils nicht eher feierlich zu verkünden, als bis er den verheißenen Heiligen Geist ausgegossen hatte, sehen wir die Apostel vor dem Pfingsttag ›einmütig in Gebet verharren mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern‹ (Apg 1,14) und Maria mit ihren Gebeten die Gabe des Geistes erflehen, der sie schon bei der Verkündigung überschattet hatte« (Nr. 59). Der bevorzugte Platz Marias ist die Kirche, wo »sie auch als überragendes und völlig einzigartiges Glied … wie auch als ihr Typus und klarstes Urbild im Glauben und in der Liebe gegrüßt« wird (ebd., Nr. 53). Die Mutter Jesu in der Kirche zu verehren bedeutet daher, von ihr zu lernen, betende Gemeinschaft zu sein: Das ist einer der wesentlichen Züge der ersten Beschreibung der christlichen Gemeinde, die in der Apostelgeschichte aufgezeigt wird (vgl. 2,42). Oft ist das Gebet bestimmt von schwierigen Situationen, von persönlichen Problemen, durch die man sich dem Herrn zuwendet, um Licht, Trost und Hilfe zu empfangen. Maria lädt ein, alle Aspekte des Gebets aufzutun, sich nicht nur in der Not und nicht nur für sich selbst an Gott zu wenden, sondern einmütig, beharrlich, treu: »ein Herz und eine Seele« (Apg 4,32).

Liebe Freunde, das menschliche Leben macht verschiedene Übergangsphasen durch, die oft schwierig und anspruchsvoll sind, die unaufschiebbare Entscheidungen, Verzicht und Opfer verlangen. Die Mutter Jesu wurde vom Herrn in entscheidende Augenblicke der Heilsgeschichte gestellt und hat es immer verstanden, mit voller Bereitschaft zu antworten, Frucht einer tiefen Verbindung mit Gott, die im unablässigen und tiefen Gebet herangereift ist. Zwischen dem Freitag des Leidens und dem Sonntag der Auferstehung wurde ihr der Jünger anvertraut, den Jesus liebte, und mit ihm die ganze Gemeinschaft der Jünger (vgl. Joh 19,26). Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten befindet sie sich »mit« und »in« der Kirche im Gebet (vgl. Apg 1,14).
(Papst Benedikt XVI., w.o.)

Maria mit Kind, S. Croce in Gerusalemme, Rom

Dienstag, 18. Oktober 2016

Die Reliquien des Evangelisten Lukas in Padua

Hl. Lukas, Sarkophag in S. Guistina, Padua

Lukas, Evangelist. Lukas stammte vermutlich aus Antiochien, hatte als Heide zum Glauben an Christus gefunden und war von Beruf Arzt (Kol 4,14). Lukas schloss sich in Troas dem Paulus an und begleitete diesen als Gefährte und treuer Freund auf dessen Reise nach Rom. Lukas stand ihm auch während der Gefangenschaft bei (Röm 16,21; 2 Tim 4,11). Nach dem Tod des Paulus hat Lukas wohl in Achaia gewirkt. Er soll in Boötien im Alter von 84 Jahren den Tod gefunden haben.
Lukas gilt als Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums sowie der Apostelgeschichte, als deren Entstehungszeit heute allgemein die Jahre zwischen 70 und 80 angesehen wird. Kaiser Konstantius II. ließ 356 die Gebeine des Lukas nach Konstantinopel übertragen und in der Apostelkirche beisetzen. Reliquien werden heute auch in Padua verehrt. Wegen der Schilderung der Gottesmutter Maria in den ersten Kapiteln seines Evangeliums gilt Lukas als Marienverehrer, insgesamt spielen die Frauen in seinem Evangelium eine bedeutende Rolle. Im 6. Jahrhundert taucht die Legende auf, Lukas sei Maler gewesen. Er wird daher oft als Maler von Marienbildern dargestellt. Als Evangelistensymbol wurde ihm der Stier zugeordnet, weil er in der Schilderung der Passion am deutlichsten von allen Synoptikern den Tod Christi als Opfertod schildert.
(Martyrologium Sancrucense)

Zur Geschichte der Lukasreliquien

linkes Seitenschiff von S. Giustina




BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
AN DEN ERZBISCHOF - BISCHOF VON PADUA
ANLÄSSLICH DES FESTES DES HL. EVANGELISTEN LUKAS
 An den verehrten Bruder Erzbischof ANTONIO MATTIAZZO, Bischof von Padua

1. Unter den ruhmreichen Zierden Eurer Kirche ist jenes besondere Verhältnis von großer Bedeutung, das sie mit dem Gedenken an den Evangelisten Lukas verbindet, dessen Reliquien, der Tradition zufolge, in der wunderbaren Basilika »Santa Giustina« aufbewahrt werden: Sie sind ein kostbarer Schatz und ein wahrhaft einzigartiges Geschenk, das nach einem von der Vorsehung vorgezeichneten Weg dorthin gelangte. Gemäß ältesten Überlieferungen starb der hl. Lukas in Böotien und wurde in Theben bestattet. Von dort, so berichtet der hl. Hieronymus (vgl. De viris ill., VI,I), wurden seine Gebeine nach Konstantinopel in die Basilika der heiligen Apostel überführt. Zu einem späteren Zeitpunkt wurden sie dann – laut einiger Quellen, die gegenwärtig von der Geschichtswissenschaft überprüft werden – nach Padua gebracht.
Eine günstige Gelegenheit, um die Aufmerksamkeit und Verehrung für diese »Gegenwart« neu zu beleben, die in der christlichen Geschichte Eurer Stadt tief verwurzelt ist, bieten die Wiederauffindung des Leibes des heiligen Evangelisten sowie der derzeitige Internationale Kongreß, der ihm gewidmet ist. Diesem Ereignis wurde eine betont ökumenische Ausrichtung gegeben, was auch dadurch unterstrichen wird, daß der orthodoxe Erzbischof von Theben, Hieronymos, um ein Fragment der Reliquien gebeten hat. Es soll dort aufbewahrt werden, wo noch heute das erste Grab des Evangelisten verehrt wird.
Die Feierlichkeiten, die aus Anlaß des oben erwähnten Kongresses stattfinden, bieten einen neuerlichen Impuls, damit die geliebte Kirche von Padua den wahren Schatz wiederentdeckt, den der hl. Lukas uns hinterlassen hat: sein Evangelium und die Apostelgeschichte.
Ich freue mich über die Anstrengungen, die in dieser Richtung unternommen werden, und möchte bei einigen Aspekten der Botschaft des hl. Lukas verweilen, damit Eure Gemeinschaft darin eine Orientierung und Hilfestellung für ihren spirituellen und pastoralen Weg finde.


Sarkophag des hl. Lukas im linken Flügel des Querschiffes von S. Giustina, Padua



2. Als Diener des Wortes (vgl. Lk 1,2) führt uns Lukas in die Erkenntnis jenes unaufdringlichen doch zugleich durchdringenden Lichtes ein, das von ihm ausgeht und die Wirklichkeit und die Ereignisse der Geschichte erhellt. Das Thema des Wortes Gottes, jener »rote Faden«, der die zwei Schriften des hl. Lukas durchzieht, vereint auch die beiden von ihm beschriebenen Zeitabschnitte, nämlich die Zeit Jesu und die Zeit der Kirche. Gleichsam wie eine Erzählung über die »Geschichte des Wortes Gottes« beschreibt der Bericht des hl. Lukas die Verbreitung des Wortes, ausgehend vom Heiligen Land bis hin zu den Enden der Erde. Der Weg, den uns das dritte Evangelium vorschlägt, ist zutiefst geprägt vom Hören dieses Wortes, das – wie ein Samenkorn– mit Güte und Bereitschaft des Herzens aufgenommen werden soll; hierbei sollen die Hindernisse überwunden werden, die es daran hindern, Wurzeln zu fassen und Früchte zu bringen (vgl. Lk 8,4–15).



Ein wichtiger Gesichtspunkt, den der hl. Lukas hervorhebt, ist die Tatsache, daß das Wort Gottes auch durch das Leid und in einem Umfeld des Widerstandes und der Verfolgung auf geheimnisvolle Weise wächst und sich zu behaupten vermag (vgl. Apg 4,1–31; 5,17–42; passim). Das Wort, von dem Lukas spricht, soll für jede Generation zu einem spirituellen Ereignis werden, das die Existenz zu erneuern vermag. Das christliche Leben, vom Geist erweckt und gestützt, ist ein zwischenmenschlicher Dialog, der auf dem Wort gründet, das der lebendige Gott an uns richtet; er fordert uns auf, es vorbehaltlos mit unserem Verstand und unserem Herzen aufzunehmen. Letztendlich geht es darum, zu Jüngern zu werden, die bereit sind, dem Herrn aufrichtig und bereitwillig zuzuhören – nach dem Beispiel der Maria von Betanien, die »das Bessere gewählt hat«, weil sie »sich dem Herrn zu Füßen setzte und seinen Worten zuhörte« (vgl. Lk 10,38–42).
Vor diesem Hintergrund möchte ich im seelsorgerischen Programm Eurer Kirche den Vorschlag der »Bibelwochen« und des Bibelapostolats unterstützen, ebenso wie die Pilgerreisen ins Heilige Land, dorthin, wo das Wort Fleisch wurde (vgl. Joh 1,14). Zudem möchte ich alle – Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und Laien – zur Einübung und Förderung der »lectio divina« anregen mit dem Ziel, die Meditation über die Heilige Schrift zu einem wesentlichen Bestandteil des eigenen Lebens zu machen.






3. »Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach« (Lk 9,23).
Für Lukas bedeutet »Christ sein«, Jesus auf seinem Weg nachzufolgen (vgl. Lk 19,57; 10,38; 13,22; 14,25). Es ist Jesus selbst, der hierbei die Initiative ergreift und zur Nachfolge aufruft. Dies tut er auf entschlossene, unmißverständliche Weise und zeigt so seine völlig außergewöhnliche Identität, sein Geheimnis als Sohn, der den Vater kennt und ihn offenbart (vgl. Lk 10,22). Am Ursprung der Entscheidung, Jesus nachzufolgen, steht die grundsätzliche Entscheidung für seine Person. Wenn man nicht vom Antlitz Christi fasziniert ist, ist es unmöglich, ihm treu und beharrlich zu folgen, da Jesus auch auf unwegsamen Pfaden geht, extrem anspruchsvolle Bedingungen stellt und auf ein paradoxes Schicksal zugeht, nämlich das Schicksal des Kreuzes. Lukas betont, daß Jesus keine Kompromisse schätzt und den Einsatz der ganzen Person verlangt, d. h. ein entschlossenes Abstandnehmen von jeder Sehnsucht nach der Vergangenheit, von familiären Zwängen und vom Besitz materieller Güter (vgl. Lk 9,57–62; 14,26–33).
Der Mensch wird immer versucht sein, diese radikalen Forderungen zu mildern und sie seinen Schwächen anzupassen oder den einmal eingeschlagenen Weg wieder zu verlassen. Doch genau an diesem Punkt entscheidet sich die Wahrhaftigkeit und Qualität des Lebens der christlichen Gemeinschaft. Eine Kirche, die mit Kompromissen lebt, wäre wie Salz, das seinen Geschmack verloren hat (vgl. Lk 14,34–35).
Wir müssen uns der Kraft des Geistes überlassen, der Licht und vor allem Liebe zu Christus einzuflößen vermag; wir müssen uns der inneren Faszination öffnen, die Jesus auf die nach Wahrhaftigkeit strebenden Herzen ausübt, und von halbherzigen Entscheidungen Abstand nehmen. Gewiß ist dies für den Menschen schwierig, doch mit der Gnade Gottes wird es möglich (vgl. Lk 18,27). Wenn die Nachfolge Christi des weiteren mit sich bringt, daß man täglich sein Kreuz auf sich nimmt, dann ist das Kreuz seinerseits ein Lebensbaum, der zur Auferstehung führt. Lukas, der die radikalen Anforderungen der Nachfolge Christi hervorhebt, ist auch der Evangelist, der die Freude all jener beschreibt, die Jünger Christi werden (vgl. Lk 10,20; 13,17; 19,6.37; Apg 5,41; 8,39; 13,48).




4. Die Bedeutung, die Lukas in seinen Schriften der Gegenwart und dem Wirken des Geistes beimißt, ist wohlbekannt – angefangen bei der Verkündigung, als der Paraklet auf Maria herabkam (vgl. Lk 1,35), bis zum Pfingstereignis, als die Apostel, von der Gabe des Geistes beseelt, die nötige Kraft bekommen, um die Gnade des Evangeliums in aller Welt zu verkünden (vgl. Apg 1,8; 2,1–4). Es ist der Heilige Geist, der die Kirche durchwirkt. Der hl. Lukas hat in den Eigenschaften der ersten Christengemeinde das Vorbild vorgezeichnet, in dem sich die Kirche aller Zeiten widerspiegeln muß: Sie ist eine in »einem Herzen und einer Seele« vereinte Gemeinschaft, die eifrig das Wort Gottes hört; eine Gemeinschaft, die vom Gebet lebt, die freudig das eucharistische Brot bricht und ihr Herz für die Nöte der Bedürftigen öffnet, so daß sie auch ihre materiellen Güter mit ihnen teilt (vgl. Apg 2,42–47; 4,32–37). Jedwede kirchliche Erneuerung muß aus dieser inspirierenden Quelle das Geheimnis ihrer Authentizität und Frische schöpfen.

Ausgehend von der Mutterkirche in Jerusalem, erweitert der Geist den Horizont und treibt die Apostel und Zeugen dazu an, sich nach Rom aufzumachen. Vor dem Hintergrund dieser beiden Städte spielt sich die Geschichte der Urkirche ab, einer Kirche, die wächst und sich verbreitet trotz der Widerstände, die sie von außen gefährden, und trotz der Krisen, die von innen her ihren Weg beschweren. In dieser ganzen Entwicklung besteht die Hauptabsicht des hl. Lukas darin, das Wesentliche des Geheimnisses der Kirche aufzuzeigen: die ständige Gegenwart des Herrn Jesus, der mit der Kraft seines Geistes in ihr wirkt und ihr dadurch in den Prüfungen, denen sie auf ihrem Weg durch die Geschichte begegnet, Trost und Mut spendet.


Warum erhielt Lukas das Symbol des Stieres?













5. Gemäß einer frommen Überlieferung wird Lukas als Maler des Bildnisses Marias, der Jungfrau und Mutter, angesehen. Doch das wahre Bild, das Lukas von der Mutter Jesu zeichnet, wird aus den Seiten seines Werkes ersichtlich: In Szenen, die dem Volk Gottes vertraut geworden sind, skizziert er ein beredtes Bild der Jungfrau Maria. Die Verkündigung, die Heimsuchung, die Geburt Jesu, die Darstellung im Tempel, das Leben im Hause von Nazaret, die Rede vor den Lehrern, die Suche nach Jesus sowie das Pfingstereignis haben im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Stoff für die unablässige Verarbeitung durch Maler, Bildhauer, Dichter und Musiker geboten.
Zu Recht war daher beim Internationalen Kongreß auch dem Thema Kunst eine eigene Reflexion gewidmet, und gleichzeitig wurde eine Ausstellung organisiert, die reich an kostbaren Werken ist.
Von besonderer Wichtigkeit ist jedoch die Erkenntnis, daß Lukas uns durch seine Darstellungen einzelner Szenen des Marienlebens in die Innerlichkeit Marias einführt und uns zugleich ihre einzigartige Funktion in der Heilsgeschichte entdecken läßt.
Maria ist diejenige, die ihr »Fiat« spricht, ihr volles und persönliches Jawort zum Angebot Gottes, und sich als »Magd des Herrn« bezeichnet (Lk 1,38). Diese Einstellung vollkommener Treue zu Gott und bedingungsloser Verfügbarkeit gegenüber seinem Wort ist das höchste Vorbild des Glaubens und die Vorwegnahme der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen.
Das Glaubensleben wächst und entwickelt sich in Maria durch die weise Meditation der Worte und Ereignisse des Lebens Christi (vgl. Lk 2,19.51). Sie »bewahrt alles in ihrem Herzen«, um den tiefen Sinn der Worte und Situationen zu begreifen, zu verinnerlichen und dann auch an andere weiterzugeben.
Der Gesang des Magnificat (vgl. Lk 1,46–55) enthüllt einen weiteren wichtigen Aspekt der »Spiritualität« Marias: Sie verkörpert die Gestalt des »Armen«, der sein Vertrauen voll und ganz auf Gott zu setzen vermag, welcher die Mächtigen vom Thron stürzt und die Niedrigen erhöht.
Lukas beschreibt auch die Figur Marias in der Kirche der Anfangszeit und stellt sie im Abendmahlssaal in Erwartung des Heiligen Geistes dar: »Sie alle [die elf Apostel] verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern« (Apg 1,14).
Die im Abendmahlssaal versammelte Gruppe ist gewissermaßen die Keimzelle der Kirche. In ihr kommt Maria eine zweifache Rolle zu: Einerseits tritt sie für die Entstehung der Kirche durch den Heiligen Geist ein; andererseits teilt sie der entstehenden Kirche ihre Erfahrungen mit Jesus mit.
Das Werk des hl. Lukas vermittelt auf diese Weise der Kirche von Padua eine eindrucksvolle Anregung zur Aufwertung der »marianischen Dimension« des christlichen Lebens auf dem Weg der Nachfolge Jesu.




6. Eine weitere wesentliche Dimension des christlichen Lebens und der Kirche, die durch den Bericht des Evangelisten Lukas erhellt wird, ist die Aussendung zur Evangelisierung. Lukas weist auf die immerwährende Grundlage dieser Sendung hin, nämlich die Einzigartigkeit und Universalität der von Christus gewirkten Erlösung (vgl. Apg 4,12). Das heilsbringende Ereignis des Todes und der Auferstehung Christi ist nicht der Abschluß der Heilsgeschichte, sondern der Anfangspunkt eines neuen Abschnittes. Dieser ist gekennzeichnet durch die Sendung der Kirche, die dazu berufen ist, die Früchte des von Christus gewirkten Heils allen Nationen mitzuteilen. Aus diesem Grund schließt Lukas dem Evangelium – in logischer Konsequenz – die Geschichte der Mission an. Es ist der Auferstandene selbst, der den Aposteln ihren missionarischen »Auftrag« gibt: »Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift. Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür. Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet« (Lk 24,45–48).
Die Sendung der Kirche beginnt zu Pfingsten »in Jerusalem«, um sich bis zu den »Enden der Erde« auszubreiten. Jerusalem bezeichnet nicht nur einen geographischen Ort, sondern es steht vielmehr für einen Brennpunkt der Heilsgeschichte. Die Kirche zieht nicht aus Jerusalem aus, um die Stadt zu verlassen, sondern um die heidnischen Nationen in den Ölbaum Israels einzupropfen (vgl. Röm 11,17).
Aufgabe der Kirche ist, den Sauerteig des Gottesreiches in die Geschichte einzubringen (vgl. Lk 13,20–21). Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die in der Apostelgeschichte als mühevoller und beschwerlicher Weg dargestellt wird. Dieser Weg wird allerdings von »Zeugen« voller Enthusiasmus, Unternehmungslust und Freude eingeschlagen, die bereit sind, zu leiden und ihr Leben für Christus hinzugeben. Diese innere Kraft erhalten sie aus der Lebensgemeinschaft mit dem Auferstandenen und aus der Kraft des Geistes, den Er schenkt.
Welch große Möglichkeit kann die stete Auseinandersetzung mit der Botschaft des Evangelisten, dessen sterbliche Reste Padua aufbewahrt, dieser Stadt eröffnen!



Das Grab des Apostels Matthias liegt gegenüber vom Lukassarkophag im rechten Flügel des Querschiffes.


Blick vom Sarkophag des hl. Lukas zum Grab des Apostels Matthias

7. Im Lichte dieser Gedanken des hl. Lukas bringe ich meinen Wunsch zum Ausdruck, daß Eure Diözesangemeinschaft – in Gehorsam gegenüber dem Wehen des Geistes – mutig und kreativ für Jesus Christus Zeugnis gebe, sowohl auf Eurem eigenen Territorium als auch, gemäß einer schönen Tradition, in der missionarischen Zusammenarbeit mit den Kirchen Afrikas, Lateinamerikas und Asiens.
Dieses missionarische Engagement möge einen weiteren Ansporn erfahren in diesem Jubiläumsjahr, das die zweitausend Jahre seit der Geburt Christi feiert und die Kirche zu einer tiefen Erneuerung ihres Lebens aufruft. Im Lukasevangelium ist auch die Rede wiedergegeben, mit der Jesus in der Synagoge von Nazaret »ein Gnadenjahr« des Herrn ausruft und das Heil als Befreiung, Heilung und Frohe Botschaft für die Armen verkündet (vgl. Lk 4,14–20). Derselbe Evangelist wird dann auch die heilsame Kraft der barmherzigen Liebe des Erlösers in ergreifenden Berichten, wie denen vom verlorenen Schaf und vom verlorenen Sohn, zum Ausdruck bringen (vgl. Lk 15).
Unser Zeitalter benötigt diese Art der Verkündigung mehr denn je. Ich spreche also Eurer Gemeinschaft meine herzliche Ermutigung aus, damit der Einsatz für die Neuevangelisierung immer stärker und wirkungsvoller sei. Außerdem fordere ich sie auf, die ökumenischen Initiativen, die mit einigen orthodoxen Kirchen im Hinblick auf die Zusammenarbeit in den Bereichen der karitativen Werke, der theologische Kultur und der Pastoral in die Wege geleitet worden sind, fortzusetzen und weiterzuentwickeln. Der Internationale Kongreß über den hl. Lukas sei eine bedeutsame Etappe auf dem Weg dieser Kirche und helfe ihr, sich immer tiefer im Boden des Wortes Gottes zu verwurzeln und sich mit neuem Elan der Gemeinschaft und Mission zu öffnen.
Mit diesen Wünschen spende ich von ganzem Herzen Ihnen, verehrter Bruder, und allen, die Ihrer pastoralen Fürsorge anvertraut sind, meinen besonderen Apostolischen Segen

Aus dem Vatikan, 15. Oktober 2000