Er wurde um 635 in Northumbrien geboren und zusammen mit seinem älteren Bruder Cedd in Lindisfarne unter Aidan
ausgebildet. Nach Studien in Rathmelsighe - dem heutigen Mellifont in
Irland - wurde er 653 als Priester und Missionar nach Mercien gesandt.
Er unterstützte dann Cedd bei der Gründung des Klosters Lastingham in
Yorkshire; nach dessen Tod wurde er 664 selbst dort Abt. Als Bischof
Wilfrith längere Zeit in Gallien weilte, berief König Oswy ihn 664 ins
Bischofsamt von York, zugleich war er mit der Zuständigkeit für
Lindisfarne beauftragt; dieses Amt musste er aber drei Jahre später,
nach Wilfriths Rückkehr, auf Anordnung von Erzbischof Theodor von Canterbury
669 wieder abgeben. Er ging nach Lastingham zurück. Noch im selben Jahr
wurde ihm das neu geschaffene Bischofsamt für Mercien mit Sitz in
Lichfield übertragen. Er starb an einer Seuche. Seine Gebeine,
ursprünglich in Lichfield, wurden in der Reformation vor der Entweihung
gerettet und in die ihm geweihte Kathedrale von Birmingham übertragen. Quelle
Johannes Maria Vianney und Kardinal Newman, Oratorium in Manchester
Es ist meines Erachtens einer ganz besonderen
Aufmerksamkeit wert, dass Papst Benedikt XVI. beim Abschluss des „Jahres
des Priesters“ am Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, am 11. Juni
2010, vor 16.000 mit ihm am Petersplatz konzelebrierenden Bischöfen und
Priestern unter anderem sagte, dass das „Jahr des Priesters und seiner
Heiligung“ nicht zu Ende gehen, „sondern weitergeführt werden soll“.
Der Verfasser möchte – in der Vorfreude auf die
Teilnahme an der Seligsprechung von Kardinal Newman in England – seine
Vermutung aussprechen, dass dieser neue Selige der katholischen Kirche
einen guten Patron für die „Weiterführung“ des in Rom abgeschlossenen
„Jahres des Priesters“ abgeben könnte. Ungefähr drei Monate nach dem
Abschluss des „annus sacerdotalis“ wird Papst Benedikt XVI. bei seinem
Staatsbesuch in England den von Papst Leo XIII. in den Kardinalsrang
erhobenen Priester und Theologieprofessor, John Henry Newman, – entgegen
seinen eigenen Vorhaben, selber nur Heiligsprechungen vorzunehmen und
diese in Rom durchzuführen – in Birmingham seligsprechen (So, 19.
September 2010) und ihn so der Kirche und der Welt zur Verehrung bekannt
machen.
Wenn man weiß, mit welcher Gründlichkeit die päpstliche
Behörde „Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen“ einen
Seligsprechungsprozess führt (dem ein diözesaner Prozess zur
Vorbereitung darauf nach ganz bestimmten Regeln vorausgeht), dann ist
man stark geneigt zu fragen, welche Ergänzungen zum heiligen Pfarrer von
Ars, Jean Marie Vianney, dem vom Papst vorgegebenen Patron des
weltweiten Priesterjahres, die Person des vorerst „nur“ selig
gesprochenen und aus der anglikanischen zur römisch-katholischen Kirche
konvertierten Priesters und Theologieprofessors beitragen kann.
Denn wenn zum Abschluss des vorher erwähnten „Jahres
des Priesters“ der Heilige Pfarrer von Ars nochmals allen Pfarrern und
nicht, wie in der ursprünglichen Ansage, allen Priestern als Vorbild und
Patron vorgestellt wurde, dann erhebt sich unwillkürlich die Frage,
welche Bedeutung die „Gestalt“ des seligen Kardinal Newmans evtl. für
alle Priester haben könnte. Dieser Frage möchte der Verfasser in diesen
folgenden Überlegungen nachgehen.
Die Heiligkeit besteht also nicht in großen Dingen, sondern in der treuen Beobachtung der Gebote Gottes und in der Pflichterfüllung an dem Platz, an den Gott uns gestellt hat.
Wir sehen oft, daß einer, der in der Welt lebt und treu die kleinen Pflichten seines Standes erfüllt, Gott wohlgefälliger ist als die Einsiedler in ihren Wüsten.
Wollt ihr noch mehr wissen, was ein Heiliger in den Augen Gottes ist? Er ist ein Mensch, der Gott fürchtet, der ihn ehrlich liebt und ihm in Treue dient.
(Der Pfarrer von Ars an seine Gemeinde, ausgewählt v. Gerard Rosse, 122)